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Full text of "Der Wiener Oswald"

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in  2011  witii  funding  from 

University  of  Toronto 


littp://www.arcliive.org/details/derwieneroswaldOObaes 


GERMANISCHE  BIBLIOTHEK 

HERAUSGEGEBEN  VON 

WILHELM    STREITBERG 

DRITTE  ABTEILUNG 

KRITISCHE 
AUSGABEN  ALTDEUTSCHER  TEXTE 

HERAUSGEGEBEN  VON 

C.  VON   KRAUS  UND  K.  ZWIERZINA 


ZWEITER  BAND 
DER  WIENER  OSWALD 

HERAUSGEGEBEN 

VON 

GEORG  BAESECKE 

<3?&= 


HEIDELBERG  1912 

CARL  WINTERS  UNIVERSITÄTSBUCHHANDLUNG 


Der  Wiener  Oswald 


HERAUSGEGEBEN 


VON 


GEORG  BAESECKE 


509497 

J^.   7.  so 


HEIDELBERG  1912 
CARL  WINTERS  UNIVERSITÄTSBUCHHANDLUNG 


Verlags -Nr.  758. 


Alle  Rechte,  besonders  das  Recht  der  Übersetzung  in  fremde  Sprachen, 
werden  vorbehalten. 


Prmfed  in  Germanv- 


Den 

Berliner  germanistischen  Kollegen 

in  dankbarer  Gesinnung. 


VII 


Vorwort 


Für  diese  erste  Ausgabe  des  'Wiener  Oswald'  standen  folgende 
Vorarbeiten  zur  Verfügung. 

Der  Abdruck  der  Wiener  Handschrift  von  Fr.  Pfeiffer,  ZfdA. 
2  (lS4ä)  9'2 — 130,  später  ergänzt  durch  (unvollständige)  Lesarten 
der  Olmfltzer  von  Bartsch,  AfKddV.  1861,  S.  361,  der  auch  das 
Verwandtschaftsverhältnis  der  beiden  Handschriften  richtig  erkannt 
hat;  vgl.  Feifalik,  Notizenblatt  der  historisch-statistischen  Sektion 
zu  Brunn  1857,  S.  56. 

Über  das  Alter  der  Dichtung  und  ihre  Stellung  zum  Münchener 
Oswald  schreibt  Zingerle  (Die  Oswaldlegende  und  ihre  Beziehung 
zur  deutschen  Mythologie,  Stuttgart-München  1856,  S.  38),  daß  er 
sie  für  jünger  halte,  und  er  scheint  sich  Wackernagel  anzuschheßen, 
der  sie  ins  15.  Jahrhundert  setzt.  Zur  Begründung  führt  er  nur 
das  Fehlen  des  'schlichten  innigen  Volkstons'  und  der  'ernsten 
Haltung'  an. 

Bartsch  knüpft,  Germania  5  (1860)  154  ff.,  an  eine  Äußerung 
Pfeiffers  (Germ.  -2  [1857]  49.5)  an,  wonach  das  'jüngere  Gedicht'  nicht 
in  dem  Sinne  wie  der  Reinhart  Fuchs,  Wernhers  Maria,  die  jüngere 
Rezension  der  Kaiserchronik  oder  des  Strickers  Karl  Überarbeitung 
eines  älteren  Gedichts  genannt  werden  könnte,  sondern  eine  durch- 
aus freie,  vermutlich  auf  einer  lateinischen  Prosa  beruhende  Be- 
handlung der  alten  Legende  wäre.  Nur  dies  Letzte  lehnt  er  ab. 
Freilich,  was  Bartschs  eigentliche  Meinung  ist,  daraus  wird  man 
nicht  klug:  nach  S.  156  liegt  dem  Wiener  Oswald  ein  nieder- 
rheinisches  Gedicht  des  13.  Jahrhunderts  zugrunde,  das  dann  ein 
Oberdeutscher  des  15.  zu  dem  Erhaltenen  umschuf;  trotzdem  er 
die  Pfeiffersche  Meinung  ausdrücklich  übernommen,  denkt  Bartsch 
hier  doch  an  eine  Reimbearbeitung.  S.  163  wird  aus  dem  Gedicht 
des  13.  Jahrhunderts  doch  noch  eins  des  12.,  und  jedenfalls  ist  der 
Wiener  Oswald  älter  als  der  Münchener;  nach  S.  16!)  sind  sie 
unabhängige  Bearbeitungen  derselben  mündlichen  Tradition, 
nach  S.  173  ist  es  'nicht  unmöglich',  daß  sie  aus  derselben  schrift- 
lichen Quelle  entstammen,  denn  inzwischen  hat  auch  der  Münchener 
Oswald  zusammen  mit  der  Prosalegende  eine  niederrheinische  Vor- 
stufe des  1-2.  Jahrhunderts  zugesprochen  erhalten.     So  ist  die  erste 


VIII  Vorwort. 

zusammenfassende  Behandlung  der  Oswaldgedichte  nur  die  Vorstufe 
eines  Konzepts. 

Edzardi,  Untersuchungen  über  das  Gedicht  von  St.  Oswald^ 
Leipzig  1876,  setzt  S.  18  ff.  das  Wiener  Gedicht  ins  14.  oder  15. 
Jahrhundert  und  läßt  es  die  Umarbeitung  niederrheinischer  Morolf- 
strophen  des  13.  sein,  von  denen  er  auch  eine  Reihe  konstruiert. 
Alle  drei  Oswaldfassungen  gehen  auf  ein  niederrheinisches  Gedicht 
des  V2.  Jahrhunderts  zurück. 

Roediger  lehnt,  AfdA.  2  (1876)  250ff.,  Edzardis  Arbeit  ab, 
besonders  die  Strophenkonstruktionen.  Er  sucht  die  Dichtung  als 
alemannisch,  vielleicht  elsässisch  zu  erweisen  und  charakterisiert  sie 
als  Werk  eines  Spielmanns,  fünfzehnten  Jahrhunderts. 

Berger,  PBB.  11  (1886)  365  ff.,  läfst  den  Wiener  Oswald 
ca.  1170 — 80  am  Niederrhein  (oder  in  Alemannien)  entstanden  sein. 
Aus  dem  Spielmann,  den  man  zuvor  annahm,  wird  ein  fahrender 
Kleriker,  der  die  drastischen  Wirkungen  und  plumpen  Spaße 
verschmäht,  ein  kunstverlassener  Philister.  Sein  Gedicht  ist  aus  dem 
Gedächtnis  geschrieben.  Daneben  gab  es  zwei  andre  selbständige 
Fassungen,  die  Vorstufen  des  Münchener  Oswald  und  der  Prosalegende. 
Aber  vielleicht  hatte  der  Verfasser  des  Wiener  Oswald  den  Münchener 
vortragen  hören  und  daraus  einige  Reminiszenzen  beibehalten.  Dann 
fiele  diese  gemeinsame  Vorstufe  schon  in  die  Jahre  von  1150 — 70. 
Berger  Aveist  auch  auf  die  Entlehnungen  aus  Orendel,  Morolf,  Tun- 
dalus,  Brandan  hin.  Und  in  seiner  Orendelausgabe  (Bonn  1888)  be- 
nutzt er  den  Wiener  Oswald  zur  Datierung  (S.  LXI). 

Dagegen  wendet  sich  Vogt.  ZfdPh.  22  (1890)  478  ff.:  aus 
Sprache  (und  Alhterationen)  ist  der  Beweis  nicht  erbracht,  daß  das 
Gedicht  dem  12.  Jahrhundert  angehört:  es  gehört  dem  14.  und 
Alemannien  an  (Pauls  Grundriß-  IL  231:  Mitteldeutschland),  eine 
Vorstufe  ist  nicht  zu  erkennen,  wohl  aber  Interpolationen. 

Inzwischen  war  die  Dissertation  von  S.  Schnitze,  Die  Ent- 
wicklung der  deutschen  Oswaldlegende,  Halle  1888,  erschienen,  die 
sich  S.  15  ff.  auch  mit  unserm  Oswald  beschäftigt  und  (wie  schon 
Bartsch,  Edzardi,  Berger)  Motivtabellen  der  erhaltenen  Fassungen 
gibt.  Alle  drei  gehen  auf  ein  niederrheinisches  Gedicht  von  ca. 
1150  zurück. 

Zwierzina  charakterisiert  im  Laufe  seiner  'Mhd.  Studien', 
ZfdA.  44  (1900)  .349  f.  und  45  (1901)  66  A.  den  Wiener  Oswald 
wieder  als  einheitlich  gereimt  und  als  westmitteldeutsch. 

Im  Jahre  1907  erschien  mein  Münchener  Oswald  (unten:  MO.), 
der  in  Kap.  III.  3 — 5  und  V  das  Wiener  Gedicht  mitbehandelte. 
Danach  wäre  es  auf  mündlicher  Tradition  beruhende  Bearbeitung 
des  einen  alten  Originalgedichtes,  das  um  1170  im  Bannkreise  von 
Aachen  entstanden  und  im  Münchener  Oswald  erhalten  wäre 
(S.  237.  376.  380). 


Vorwort.  IX 

Icli  übergehe  hier  die  Besprechungen  dieses  Buches,  weil  sie 
Zt'dA.  53,  Heft  3/4.  behandelt  werden,  wie  ich  alle  Sage,  Legende  und 
Kultus  des  Heiligen  betreffenden  Vorarbeiten  ül)ergangen  habe,  weil  sie 
im  MO.  aufgezählt  und  ev.  benutzt  sind:  Kap.  III.  3  und  4  (Ver- 
hältnis des  Wiener  Gedichts  zu  den  andern  Überlieferungen)  werden 
wie  billig  durch  das  vorliegende  Buch  ersetzt;  Kap.  III.  5  und  ß 
(Geschichte,  Legende,  Brautwerbungssage)  sowie  der  Schluß  gelten, 
noch  unangetastet,  auch  für  dieses  mit;  daß  und  wie  weit  ich  das 
Übrige  aufrecht  erhalte,  ist  aaO.  zu  lesen  oder  wird  hier  neu 
erörtert.  — 

Ich  übernehme  aus  den  Vorarbeiten  andrer:  von  Pfeiffer,  daß 
unser  Gedicht  die  freie  Bearbeitung  eines  altern  ist,  von  Bartsch 
ein  Vorausliegen  mündlicher  Tradition  und  eine  niederrheinische 
Grundlage  des  12.  Jahrhunderts  —  d.  h.  das  ist  die  Auswahl  der 
Bartschischen  Ansichten,  die  zu  den  meinen  stimmen  — ;  ich 
nehme  von  Edzardi  an,  daß  unsrer  dreifachen  Überlieferung  ein 
Gedicht  zugrunde  liegt;  von  Berger,  daß  der  Verfasser  des  Wiener 
Oswald  ein  Kleriker  ist  und  daß  er  verschiedentlich  entlehnt;  von 
Vogt,  daß  er  ein  Mitteldeutscher  des  14.  Jahrhunderts  ist  und  daß 
das  Überlieferte  Interpolationen  enthält. 

Das  Abweichende  und  das  Neue  mag  sicli  aus  dem  Folgenden 
ergeben  und  rechtfertigen ;  in  Wahrheit  habe  ich  alles  neu  auf- 
zubauen versucht. 

Meine  Ausgabe  ruht  unmittelbar  auf  den  beiden  einzigen  be- 
kannten Handschriften  W  und  0.  Die  Verwaltung  der  k.  und  k.  Hof- 
bibliothek zu  Wien  lieh  mir,  schon  im  Jahre  19ü!2,  bereitwilligst  die 
ihre,  den  Zugang  zu  der  zweiten,  im  OlmützerMetropolitankapitel,  mußte 
ich  mir  durch  einen  besonderen  Feldzug  erkämpfen :  nachdem  direkte 
Anfragen  unbeantwortet,  indirekte  (durch  deutsche  und  österreichische 
Behörden  und  Private)  ergebnislos  geblieben  waren,  brauchte  es  nicht 
weniger  als  dreier  Mittelspersonen  —  die  es  gewesen,  lesen  sich  hier 
auch  ohne  Namen  und  wissen  meinen  Dank  —  um  sozusagen  von 
hinten  einzudringen,  und  sie  erwirkten  von  Hand  zu  Hand,  daß  ich 
(Herbst  1907)  an  Ort  und  Stelle  in  einer  wahren  Hatz  kollationieren 
durfte.  Dann  mußte  der  Kustos  plötzlich  verreisen,  und  so  kann 
ich  nicht  einmal  garantieren,  daß  mein  Lesartenverzeiclinis  die  letzte 
Genauigkeit  besitzt.  Wo  ich  von  Bartsch  abweiche,  tue  ich's  mit 
Bewußtsein. 

Ich  statte  damit  der  Wiener  und  Olmützer  Bibliothek  meinen 
Dank  ab  und  füge  den  hinzu,  der  der  Breslauer  Kgl.  Universitäts- 
bibliothek für  die  ohne  weiteres  gewährte  Herleihung  ihres  Cod.  I 
duod.  41  zukommt. 

Über  die  Gestaltung  des  Textes  und  der  Anmerkungen  geben 
S.  CVIII  ff.  Auskunft.  Was  die  Ei  n  leitu  n  g  betrifft,  so  bemüht  sie  sich, 
streng  und  geschlossen  von  den  Handschriften  zu  iiirem  Archetypus 


X  Vorwort. 

und  nach  dessen  Zerlegung  zu  der  gemeinsamen  Quelle  unsrer 
Oswaldüberlieferungen  vorzudringen,  d.  h.  sie  steht  erst  auf  sich 
und  mündet  dann,  wie  schon  angedeutet,  in  die  Untersuchungen 
des  MO.  ein.  Sie  soll  der  Ausgabe  und  keinen  Zwecken  außer- 
halb dienen:  danach  sind  ilire  Kapitel  begrenzt  und  ineinander- 
gefügt, und  ich  weiß  sehr  wohl,  daß  sie  einer  ganzen  Reihe  von 
sprachlichen,  technischen,  historischen  Fragen  keine  saubere  Antwort 
gibt:  in  der  Metrik  z.  B.  begnügt  sie  sich,  eine  Methode  ausfindig 
zu  machen,  um  nur  dem  Stoffe  auf  der  Scheide  zweier  Sprachen, 
Stile  und  Perioden  beizukommen.  Freilich  liegt  diese  Beschränkung 
zum  guten  Teile  auch  daran,  daß  ich  keine  Antwort  geben  kann, 
und  das  gilt  namentlich  von  den  letzten  Kapiteln,  wo  der  wachsende 
Bau  allmählich  gar  wundersame  Perspektiven  eröffnet:  um  da  alles 
zu  sehen  und  zu  deuten,  braucht  es  andrer  Vorkenntnisse,  als  ich 
sie  habe.  (Allerdings  auch  andrer  Vorarbeiten  da,  wo  ich  mir  ein 
Urteil  erlaube.)  Den  Schlußstein  aber  meines  Gewölbes  konnte  ich 
nur  mit  Hilfe  andrer  herbeischaffen:  ich  danke  für  bereitwiUig  ge- 
gebene Auskünfte  Herrn  Dr.  Burgemeister,  Provinzialkonservator  der 
Kunstdenkmäler  Schlesiens  in  Breslau,  Herrn  Regierungsbaumeister 
Grütter  in  Steglitz  und  besonders  Herrn  Pastor  Schaefer  in  Crum- 
mendorf,  der  auch  unsre  Abbildung  beigesteuert  hat. 

Das  Sachregister  enthält  nur,  was  aus  dem  Inhaltsverzeichnis 
S.  XI  f.  nicht  hervorgeht.  Auf  ein  Wortregister  mußte  ich  wegen 
Platzmangels  verzichten;  Ersatz  bieten  die  Listen  S.  XX,  XXII ff'., 
XLIXff-.,  LVIlIfl-. 

Das  erste  Manuskript  wanderte  in  die  Druckerei  am  18.  Oktober 
1911,  seitdem  genoß  das  ganze  Büchlein  dankbar  die  Pflege  der 
Herausgeber  dieser  Sammlung,  und  es  ist  nur  meine  Schuld,  wenn 
es  nicht  so  korrekt,  wie  es  könnte,  vor  der  Einsicht  erscheint,  der 
ich  es  zueigne. 

Der  Verleger  hofft,  ihm  durch  gemeinsam  erstrebte  und  erreichte 
Billigkeit  Eingang  in  akademische  'Übungen'  zu  schaffen,  und  ich 
glaube,  daß  es  der  unverbrauchte  Gegenstand  mit  seinen  vielen 
Beziehungen,  kritischen,  sprachlichen,  literarischen,  historischen  und 
Sagen-Beziehungen,  dafür  besonders  passend  macht. 

Charlottenburg. 

Georg  Baesecke. 


XI 


Inhalt. 


Tonrort VII-X 

Vorarbeiten:    VII.  —  Meine  Ausgabe:    IX. 
Einleitnng: 

I.  ^V  uud  0,  die  handschriftliche  Überlieferung 

des  Wiener  Oswald XIII-  XXVII 

A.  Die  Handschrift  W XIII 

B.  Die  Handschrift  0 XV 

C.  Das  Verhältnis  von  "W  und  O XVIII 

D.  Ihre  GlaubwQrdiirkeit XIX 

1.  Verhalten  zum  Versbeslande  in  W:  XIX.  — 

:2.  Verhalten  zu  den  Reimen  in  W:   XIX.  — 

3.  Verhalten  zum  Versbestande  in  0 :   XX.  — 

4.  Verhalten  zu  den  Reimen  in  0:  XXI.  — 

5.  Summa:  XXIII.  —  6.  W  und  0  im  Vers- 
innern:  XXIII  (a.  Änderunjjen  in  W:  XXIII. 
b.  Änderungen  in  0:  XXIV,  c.  Änderungen 
in  WO:  XXVI).  —  7.  Summa:   XXVII. 

II.  *W0,  der  Archetypus  unsrer  Handschriften  XXVII— LXH 

A.  Ausscheidung  der  Interpolationen XXVII 

B.  Verskunst XXXV 

1.  Einleitende  Betrachtung:  XXXV.  —  ±  Mehr- 
silbige Senkungen  in  hochtonig  schlieüenden 
Versen  XXXV,  —  .3.  Synkopen  in  klingenden 
Versen :  XXXVII.  —  4.  Synkopen  in  hochtonig 
schließenden  Versen  :XXX1X.  —  ö.  Mehrsilbige 
Senkungen  in  klingenden  Versen :  XLI.  — 
(').  Verse  auf  x  X  :  XLIII.  —  7.  Verse  auf 
-!-e:  XLIV.  —  8.  Verse  auf  ^— :  XLIV.  — 
9.  Abweichungen  der  Interpolationen :  XLIV. 

C.  Reimtechnik XLIX 

1.  Reim  Wortschatz:  XLIX.  —  !2.  Wortformen 

der  Reime:  LI.  —  3.  Unreine  Reime:  LIII. 
(a.  vokalisch  unreine :  LIII.  —  b.  kon.sonantisch 
unreine:   LVII.   —  c.  rührende:    LVIII.) 


XII  Inhalt. 

D.  Versinneres LYIII 

1.  Wendungen,  die  nur  in  den  echten  Partien 
vorkommen:  LMII.  —  ±  Wendungen,  die  nur 
in  Interpolationen  vorkommen:  LIX.  —  3. 
Wendungen,  die  in  beiden  vorkommen :  LX. 
(Majuskelgebrauch:  15S  A.) 
III.  *W0„  die  Znsätze  zu  *WOi LXII— LXIX 

A.  EinheitUchkeit  von  *W0, LXll 

B.  Datierung  und  Lokalisierung LXIV 

C.  Persönlichkeit LXVI 

IV.  *WOi,    der    ursprüngliche   Oswald   unseres 

Archetypus  *W0 LXIX— LXX 

Lokalisierung  und  Datierung LXIX 

V.  **WOi,  das  Original  des  Wieuer  Oswald  .    .  LXX— XCIX 

A.  Analyse  von  **WOi LXX 

B.  Analyse   des   Archetypus    der    drei    Oswald- 
fassungen      LXXVIII 

C.  Persönlichkeit  von  **\VOi LXXXIV 

1.  Verhältnis  zur  Vorlage:  LXXXIV.  —  H.  Ent- 
lehnungen: LXXXV.  —  S.Stand:  LXXXVII. 

4.  Lokalisierung  und   Datierung:    LXXXVII. 
VI.  *3IW,   der  Archetypus   der  drei  erhaltenen 

Oswaldfassuugen XCIX— CV 

A.  Ausgangspunkt  der  Wanderung    ......  XCIX 

B.  Weg  .   ^ XCIX 

C.  Zeit  der  Wanderung ClI 

D.  Summa CIV 

VII.  0,  das  Originalgedicht  von  Oswald;  Schluß  CV— CVII 

A'orbemerkuugeu  zum  Texte CMII — CX 

Text 1—54 

Anmerkungen    und   Nachweis    der    besprochenen 

Stellen 55—65 

Sachregister 66—67 


-'Ö8S>>- 


XIII 


Einleitung. 


I.  \y  und  0,  die  handschriftliche  Überlieferung  des 
Wiener  Oswald. 

A.  Der  Wiener  Oswald  ist  in  folgenden  Handschriften  überliefert: 

W,  3007  olim  Nov.  297  der  k.  und  k.  Holbibliothek  zu  Wien, 
265  8°-Blätter  Papier  irleichen  Wasserzeichens  (Ochsenkopf  mit  Stern), 
saec.  XV.  Die  Handschrift  ist  öfter  beschrieben:  von  Schottky, 
Anzeige-Blatt  der  Jahrbücher  für  Literatur  V,  Wien  1819,  S.  31*, 
Hoftmann,  Verzeichnis  der  altdeutschen  Handschriften  ...  zu  Wien 
S.  176,  Tabulae  codd.  manu  scriptorum  in  Bibliotheca  Palatina 
Yindobonensi  II.  172,  Schorbach,  Studien  über  das  deutsche  Volks- 
buch Lucidarius  S.  30  f.  Darum  hier  nur  die  für  das  Folgende 
nötigen  Angaben. 

Die  Handschrift  ist  (innerhalb  des  neuen  Einbandes)  in  ein 
Pergamentblatt  gebunden,  darauf  El.  1  ^  eine  mitteldeutsche  Ur- 
kunde, 1  '>  Reste  einer  lateinischen  Urkunde,  Rezept  rt  crines 
Crescant,  Geisthcher  Spruch,  unterschrieben  Antio  l'>6(),  ältere 
Signaturen  Z — 7 — 3,  RR7 — 29;  auf  dem  letzten  Blatte  eine  lateinische 
Urkunde  über  Henricus  de  Keppe,  Sprüche  und  Teile  von  Sprüchen, 
Federproben  (z.  B.  Bl.  3  »  ein  Vers  aus  dem  Osterspiel  [s.  u.]  Ach 
ach  [leider]  seind  das  die  Newn  Kleider). 

Inhalt:  (Blatt  1  fehlt)  1)  Gebete  2a_3b,  der  Anfang  fehlt,  2)  Von 
der  eticztei/3^^ — S",  3)  f'on  dem  jügestin  tage  8  a — 14",  4)  buchelep  vnd 
passio  der  heylif/en  Margarefhe  14" — 27^,5)  Vonden  Recken  28" — 57", 
6)  Fferonica  57^—74",  7)  De  sancto  Georgia  (deutsch)  74^ — 118", 
8)  von  den  p(ro)phetin  118^—125",  9)  Gebete  an  Maria  125"— 126^. 
10)  dy  sehen  icort  12ßb_i27a^  \\)  Rezepte  127 1>,  12)  Ihicidarius 
127  b — 159  a^  13)  An  Maria  (Gelohet  seystu  czarte  iücfraive  maria) 
159'' — 162«,  14)  spil  von  der  hesuchüge  des  grabis  vnd  [der]  von 
der  ofirstendtoige  gotis  163^ — 188",  15)  ^^on  der  varhe  (Rezepte) 
188b_194a,  16)  Sibyllen  Weissagung  194b-204b,  17)  unser  Oswald 
205a— 233«,  IS)  Der  König  im  Rade  233b— 239 b  i«))  Von  dem 
<7e6awjr2.39b_242b,  20)  Alexius  (Maßmanns  B)  243"— 2.53«,  21)  Ein 
tschechisches  Stück  (Gebet):    Mily  pane  gezu  kryste  iiyem  ze  neysem 


XIV  Einleitung. 

duosto  253 b  —   oteczne  radosta   265  t»;     darüber   Lambel  zu   Holz, 
Laurin,  AfdA.  25.  270  ff. 

Nr.  1 — 20  sind  von  der  Hand  eines  Johannes,  der  sich  unter 
Nr.  10  und  20  nennt,  unter  20  als  Johannes  nescio  quis.  (Die  Schrift 
ohne  besondere  Eigentümlichkeit,  einspaltig,  die  Verse  abgesetzt,  die 
Initialen,  wohl  alle  als  Majuskeln  gedacht,  rot  durchstrichen,  zuweilen 
auch  rote  Schnörkelstriche  hinter  kürzeren  Versen;  Doppelmajuskeln 
und  Verzierungen  am  Anfang  der  meisten  Stücke;  zuweilen  auch 
Abschnitte  ausgezeichnet  (vgl.  Kap.  II  D  3  Anm.)).  Nr.  13  (nicht  12) 
trägt  die  Datierung  Anno  septuagesimo  secudo  die  tercia  mensz  jidy, 
Nr.  20  Et  est  finitus  in  die  p(roJcessi  Anno  72  sub  liö  Decima  nona. 
(Vgl.  Münchener  Oswald  S.  229 1.) 

Aus  den  alten  Signaturen  auf  Bl.  1  b  schließt  Schorbach  aaO., 
daß  unser  W  wie  seine  Nachbarhandschriften  unter  den  'Novi'  der 
V^iener  Hofbibliothek  stamme  Ex  Bihliotheca  Augustiniana  Con- 
venttis  Generalis  Viennensis  ad  St.  Sehastianum  et  Bochum  in  viä 
Regia:    so  in  Nr.  4787  und  7456  (=  Nov.  295). 

Dort  könnte  auch  das  tschechische  Stück  Nr.  21  (von  andrer 
Hand)  angehängt  sein.  1—20  geben  sich  als  Einheit  nicht  nur 
durch  die  gleiche  Hand,  sondern  auch  durch  die  Verse  zu  erkennen, 
die  der  letzten  Datierung  vorausgehen : 

Dys  buch  hol  eyn  ende 

Got  I  von  hymel  vns  seyne  heilige  /  engil  czti  tröste  müsse  sendin 

Fflnis  adest  operis 

mercedem  posco  laboris 

Est  michi  preciü  kräng 

vhi  nichil  sequiticr  nisi  habedang. 
Woher  aber  diese  Einheit  stammt,   ist  fraglich.     Maßmann,  Alexius 
S.  31,    nennt  sie  niederdeutsch,    MüUenhoff,    Heldenbuch  I.  XXXIV, 
schlesisch,  desgl.  Holz  aaO.  S.  VI,  Lambel  aaO.  S.  271^;    Hoffmann 
aaO.  und  Schorbach  aaO.  denken  an  nordwestliche  Herkunft. 

Diese  letztere  Ansicht  ist  wohl  hervorgerufen  durch  das  regel- 
mäßige her  =  er  und  die  zahlreichen  z  —  s  (zo  54,  zunder  209. 
475,  zeheczig  569  etc.).  Es  finden  sich  aber  neben  allgemein  md.  Eigen- 
tümlichkeiten [i  y  =  mhd.  ie,  u  =  mhd.  uo,  i  der  unbetonten  Silben, 
Ausfall  des  h  zwischen  Vokalen,  Wortformen  wie  ap  =  ob  53.  164  uö., 
((dir  =  oder  682.  748,  vor  torbin  728  etc.)  eben  andre,  die  auf  den 
Osten,  auf  meißnisch -lausitzisch- nordböhmisch -schlesisches  Gebiet 
führen:  mhd.  i  >  e  (toedir  203.  322,  desen  206.  304,  en  255,  be- 
dir  man  296,  erin  339.  348  etc.),  a  >  o  in  den  Kompositionen  von 
f?ar-  (vgl.  Fr.  Jelinek,  Die  Sprache  der  Wenzelsbibel,  Görz  98,  S.  104, 
Bernt  bei  HorCißka,  Das  deutsche  Stadtbuch  von  Böhmisch-Kamnitz, 
S.  170  f.  und  die  dort  verzeichnete  Literatur),  die  Umlaute  in  tetvfin 
234.  393  uö.,  hewpt :  gleivjyt  292.  593.  615  uö.  (vgl.  Bernt  S.  184  f.), 
Schreibungen  marg  252.  263.  366,  starg  262,   crang  658,  iverg  795 


Einleitung.  XV 

(Rückert-Pietscl),  Entwurf .  .  .  der  schlesischen  Mundart  S.  20S,  Bernt 
S.  195),  Worttonnen  »//',  <>tf  ~  üf  615.  1417,  05.  <M)1  etc.  (Bernt  .S.  183 
und  ZfUA.  5:2.  t>49,  RQckert  S.  4^2,  88  f.),  tnchter  =  iochtcr  353.  363 
(Bernt  S.  176,  Rückert  S.  25  f.),  das  =  des  16.  577  etc..  daste  10.54 
(neben  diste  79),  bas  =  hiz  57.  453.  712  (Bernt  S.  189,  Rückert  S.  25). 
Aber  für  Böhmen  sind  wohl  die  «  >  o  {mosz  13,  joren  19,  tcoren  20, 
rotiti  126,  tot  in  338,  loth  393  etc.),  oti  >  o  [toffe  239,  loffin  2-54.  534, 
glohin  529;  flog  720.  736.  749  etc.)  und  n>  e  {gelcth  339,  tret  370; 
ice'sin  625)  zu  zahlreich  (vgl.  Bernt  S.  179,  185,  184,  Jelinek 
S.  32  ff.,  43  f.,  41  f.).  Die  ä  '>  o  aber  weisen  nach  Schlesien  zu 
(Rückert  S.  39  f.,  Bernt  ZfdA.  52.  255),  desgl.  das  häufige  y  =  ie 
(Rückert  S.  37,  Bernt  ZfdA.  52.  255),  und  die  o  >  «,  wie  in  gulde 
258.  342,  siildis :  guldis  284,  stilden  36.  37.  307,  tuchte  55.  85,  surgen 
1039.  1043,  drangen  uns  über  die  Grenze  (Rückert  S.  43f.).  Inner- 
halb Schlesiens  aber  ermöglichen  uns  die  sporadischen  i  =  e  (mir 
=  mvre  286,  hyr  =  liere  87)  vielleicht  eine  genauere  Lokalisierung, 
wenigstens  sofern  die  modernen  Dialektverhältnisse  gelten.  Legen 
wir  die  von  W.  v.  Unwerth,  Die  schlesische  Mundart,  Breslau  1908, 
§§  35.  111.  26.  38  verzeichneten  Grenzen  für  e  <  ei  und  ege,  l<ie 
und  ö  <C  Oll  übereinander,  so  ergibt  sich  als  gemeinsames  Gebiet 
dieser  Eigentümlichkeiten  die  Lausitz  und  Gebirgsschlesien  westlich 
von  Haynau- Löwenberg- Schreiberhau  oder  östlich  von  Reichenstein- 
Münsterberg- Charlottenbrunn -Jauer-Canth.  Auch  Glatz  bleibt  aus- 
geschlossen. 

B.  O,  Handschrift  des  Metropolitankapitels  zu  Olmütz.  107 
Blätter  Papier  4'^  in  Leder  mit  Messingbeschlägen  und  mehrfach 
eingeprefitera  Wappen  der  Olmützer  Domkirche;  Signatur  CO  188 
auf  dem  Rücken,  XV.  Jahrhundert. 

Inhalt.  Auf  der  Innenseite  des  Vorderdeckels  1)  Noch  crist 
gepiCt  rn"  •5-  rnd  ein  (I  vgl.  3)  ij  jor  ist  gesehen  eyn  uond^ 
czeychen  (große  Kälte  am  Allerheiligentag). 

2)  Von  derselben  Hand  Itm  thw  das  an  dem  crist  ahent  (Rezept 
gegen  Bilwissen,  vgl.  Zeitschrift  des  Vereins  für  Volkskunde  22.  181) 
.  .  .  geweyfhe   ke'ccze  geszen  yr  j)ylweiszh  IV  (Verweisungszeichen). 

3)  noch  cristi  gepurt  m"  ■)•  vnd  ym  i j  jor  etc.  =  1,  vor  Schluß 
abbrechend, 

4)  Um  Nym  und  durchstrichen  g .  .  .  f .  .  .  seh  .  .  .  (aus  2). 

5)  Mit  VerAveisungszeichen  IV  (s.  0.  2)  Fortsetzung  und  Schluß 
von  2:  yr  kenth  bis  y«  dem  nnme  desz  vatte\s  vnd  des  sons  vnd 
des  heylygen  geystes  amen. 

Auf  der  Innenseite  des  Rückendeckels: 

6)  Stib  pena  post  imsce  iii  -p-  nf  iij  aue  maia  •/•  credo  usq^ 
ad  penthekostey. 

7)  Zweimal  Nr.  1  wiedeiholt :   Nach  cristi  geburtt  etc. 

8)  Itni  Nym  und  Durchstrichenes:    .  .  .  ffäge.     (Vgl.  Nr.  4). 


XVI  Einleitung. 

9)  Das  Bihvissenrezept  (Nr.  2  und  5),  wie  ich  glaube  von  der- 
selben Hand,  wiederholt  bis  dem  (vor  namen  s.  o.  5).  Hier  beginnt 
mit  Itin  Nym  ciott  fögaschn  (Nr.  4  und  8,  aus  2)  ein  neuer  Absatz. 
Innerhalb  der  Deckel  ist  die  Handschrift  in  Pergament  (Blatt 
eines  lateinischen  theologischen  Textes)  geheftet,  das  am  Rücken- 
deckel  unter  dem  aufgeklebten  Papierblatt  (mit  6 — 9)  liegt.  Auch 
auf  diesem  Pergament  ist  10)  das  Nach  cristi  gep.  wiederholt;  dazu 
noch  einige  andere  Federproben. 

Die  Datierung  in  Nr.  1,  3  und  10  gibt  ehien  wahrscheinlichen 
terminus   ante  quem  für  den  inneren  und  äußeren  Einband,    einen 
<iesgl.  post  quem  für  das  Bilwissenrezept. 
Inhalt  des  Kodex: 
1)  l'i — 13^3   (St.  Margarethe)  Es  sidlen  alle  frawen 

Dy  ')narter  gerne  schatven 
Hören  vnd  lesen 
Vnd  stete  dar  an  tvesen 
Margaretha  dy  rayne  mayt 


Bas  speckt  CO  alle  samen 
Amen  in  gottes  namen. 

2)  Anschließend  von  gleicher  (erster)  Hand  13  a — 261»:  Hy  hebt 
sich  an  dy  veronica  v  j  nd  dy  gancze  hystoria.  Also  /  0  starker 
got  deyner  gnaden  ich  pegere  sende  ein  engel  an  dem  hyml  ab  czw 
mir  I  das  ich  dich  ein  birch  (!)  mit  ynnekayt  ge  /  mache  dy  von 
deynem  werden  angesicht  tnoge  j  sprechn  vnd  singen  —  —  - —  uff 
■sich  nam  das  gib  vns  herre  dein  hyml  reich  /  dnrich  deyner  marter  ere. 
{Absetzung  in  Strophen). 

3)  Anschließend  von  gleicher  Hand  26 '^ — 47 1>:  hye  hebt  sich 
an    dy  legent  vnd   hystoria   von  dem   Üben  heyUgen   sent  oswolt  ^. 

4)  Anschließend  von  gleicher  Hand  47  b — 56  a:  /fy  kpi^f  sich 
<tn  dy  legent  vnd  hystoria  von  dem  libn  sant  allexio 

In  eynem  buch  man  vns  lass 
Das  czw  rom  eyn  herre  tvas 
Reich  inid  geivaltig  ivoU 


Frewde  hat  her  sich  vorczigen 
Ende  der  Lage.     Von  52»— 56*  zweite  Hand: 

Off  das  mer  al  vmb  wanth 

In  sende  cecilian  lanth.     Schluß: 

Das  vns  das  müsse  dir  gehin 

Das  solle  wir  alle  mit  gote  flehen 

A-m-e-n. 
5)  Ohne  Absatz  von  derselben  (zweiten)  Hand  56 a;  Item  hye  ist 
czil   merckin    dy    krafft  vnd   dy  titgunfh    des  krautis   der  wermuth 
4>tc.  c\:  (soweit  rot)    Item  plinins  der  maistir  der  erhocht  das  kraut 


Eiiileitun?.  XVII 

Hi-rniut  .  .  .  I^rosa-Rezepte.  Es  folgen:  Ffitr  potic  litfft,  Wvr  sich 
für  gifft  litiefn  wil  etc.  bis  61  ^  Widir  das  haubts  xietayiu  Item 
Man  tmtfß  alle  stiindin  essen  Bihnel  das  ist  giieth  vnd  gesunth 
u-idir  des  hatd>ts  wetagin  das  ist  offte  j^fohirth.  Unten  auf  der 
Seite  ein  Nachtrafr  von  späterer  (kursiver)  Hand  \^(»-  di)  awszecczi/- 
keith.  62  '»  von  andrer  (kursiver)  Hand  Das  seynt  die  syhenn  Messen 
hostip  irkeyne  angst  ader  not  —  —  das  ist  siclierlich  vor  sucht 
van  manchem  mensche.  62  b  oben  wieder  von  älterer  Hand  Fort- 
setzung der  Rezepte:  Item  Doner  Krautt  —  69b  (jn  groüer  Zier- 
schrilt):  Assit  nohis  cii  (so)  i^rincipio  rirgo  sancta  marin. 

6)  70 'i — 106^^  von  andrer  Hand  des  15.  Jahrhunderts:  hge  hebt 
sich  an  das  Buch  der  erztneij  Ber  inden  arczt  huchern  ich  lesn 
tcill  der  zol  czw  dem  ersin  trissn  weihe''  ding  ad''  toy  der  mensch 
yeschaffn  !^cy  —  Item,  wer  aber  hlutt  speyet  der  nem  sechs  hawpt 
knoblach  vnd  syde  de  jn  eynem  netvenn  toppe  mift  wassei'  vnd 
trinchk  das  (rote  Zierschrift:)    anno  domini  -v-'^'  iar. 

7)  106b  von  andrer  Hand:  ItiJi  weit  dw  reyden  do'  dem  ffoit  od'' 
rechth  zo  reide  mef  zitthn  vnd  mit  vo'nvfft  .  .  .  Diese  Überschrift 
ist  dem  Folgenden  nachträglich  vorgesetzt,  das  (wieder  von  andrer, 
kursiver  Hand)  beginnt:  Zum  erstn  saget  noch  dem  ir  geladin  seyt  den 
geczeugen  zu  zukorin  vnd  ivesz  ir  wider  dy  geczewgk  zu  redin  hett 
seyt  ir  aldo  alz  eyn  gehorsamir  —  107 'i  Das  andr^  sal  sy  d''  richt^ 
ffrogen  wtnbe  dy  sache  doncmbe  sy  geczeugk  sey  sullin  eygentlich  jti 
was  gcstalt  sy  darvon  wüste  tvy  isz  geschehen  wie  aj)  sy  dorbey  vnd 
dornebn  gewest  wern  vnd  tveme  isz  sulde  geschehen  spyn  —  107  '• 
Das  czehende  ap  sy  solch  bekentnusz  der  besitczunge  .  .  . 

O  enthält  also,  vor  den  medizinischen  Teilen,  unter  1—4  die 
Stücke  W  4,  6,  17  und  20  in  gleicher  Reihenfolge  und  schließt  sie 
mit  derselben  Nummer  wie  W:  es  ist  eine  Auswahl  von  Legenden 
aus  der  in  W 1 — 20  erhaltenen  Sammelhandschrift,  von  zwei  Schreibern, 
der  Oswald  darin  von  einem.  (Einspaltig,  abgesetzte  Verse,  die 
Zeilenanfänge  Majuskeln,  rot  durchstrichen;  über  die  ganz  roten 
Majuskeln  s.  H  D  3  Anm.). 

Nach  dem  Olmützer  Handschriftenkatalog  bedeutete  die  Datierung 
unter  Nr.  6  1550  (•i'-'i'  =^  m  vH).  Das  ist  schon  Avegen  der  Da- 
tierung des  Einbandes  (s.  o.)  nicht  wohl  möglich.  Auch  die  Lesung 
fünf  Fünfziger  [w'iQivc  =  400  oder,  besonders  französisch,  iv^^  =  80) 
ergibt  mit  (1)250  eine  Unmöglichkeit.  So  bleibt  nur  zweierlei:  Erstens 
die  Lesung  50  minus  5  =  (14)45.  Ich  kann  zwar  Voranstellung 
zum  Zeichen  der  Subtraktion  nur  für  i,  x,  xx,  c,  cc  nus  den  paläo- 
grapbischen  Handbüchern  belegen,  aber  die  Analogie  liegt  ja  nahe. 
Warum  dann  •?•  über  die  Zeile  geschrieben  ist,  weiß  ich  nicht. 
Oder  zweitens:  v  steht  versehentlich  für  it.  Dann  ergibt  sich,  mit 
Ergänzung  von  m,  1450. 

Nach  der  Orthographie  ist  ü  bedeutend  südlicher  als  W  ent- 
Baesecke,  \YieDer  Oswald.  II 


XVIII  Einleitung. 

standen.  Die  «^  —  ei  (7.  15.  215.  274  etc.),  die  Apokopen  [sprecJiy 
trete  276,  ruch,  gerew  277,  helf  29G,  red  260,  rah  409  etc.),  die 
b  =  w  (V.  4.  32.  325  etc.),  2>  =  &  im  Anlaut  {pegutide  udgl.  134. 
160.  182.  531  etc.),  chk  =  k  im  In-  und  Auslaut  (werclik,  dersundiken 
udgl.  11.  43  a  109.  291.  992),  ch  =  h  zwischen  Vokalen  {vorczeichn 
223,  speychen  245),  das  Präfix  der  =  er  156.  291  uö.  würden  uns- 
sogar  ins  Bairisch-Österreichische  führen,  wenn  nicht  so  viele  mittel- 
deutsche Erscheinungen  entgegenständen.  Da  sind  zuerst  solche,, 
die  0  mit  W  teilt:  e  =  mhd.  ae  (1.  37.  39.  etc.),  /  =  ie  (17.  192. 
337  etc.),  u  =  no  (295.  311.  503  etc.),  o  =  u  (274.  349.  501  etc.), 
die  ir-,  vor-,  zu-  (897.  345.  838  etc.),  die  r  =  s  (409.  434.  751  etc.), 
die  her  =  er  (555.  695.  704.  754.  885  etc.):  der  Schluß  scheint 
gegeben,  dafs  dgl.  aus  der  Vorlage  stammt.  Aber  dazu  sind  diese 
Schreibungen  zu  häufig  und  sie  stellen  sich  auch  da  ein,  wo  O  nicht 
aus  einer  Vorlage  schöpft  (zB.  ryffe  1030,  aü^o  575  a,  /jc,-  555),  und 
schließlich  zeigen  sich  auch  noch  andre,  die,  in  Verbindung  mit  den 
übrigen,  auf  das  klassische  Gebiet  dieser  Mischung  weisen,  auf 
Böhmen-Mähren,  z.  B.  ye  =  i  [yer  382.  564.  759:  vgl.  Jelinek  S.  25  f.),. 
frund  553  (Bernt  ZfdA.  52.  249).  Es  fehlen  jedoch  die  i  >  e,  ei  >  e, 
ou  '^  0,  0  ~^  IC,  e  ^  i  von  W,  und  wir  müssen  wegen  jener  ober- 
deutschen Eigentümlichkeiten  wohl  ziemlich  weit  nach  Süden  gehen  : 
da  finde  ich  sie  fast  sämtlich  wieder  in  den  Iglauer  Schöffensprüchen 
(ed.  Tomaschek,  Innsbruck  1868),  im  Iglauer  Bergrecht  (ed.  Zycba 
Berlin  1900)  und  im  Olmützer  Stadtbuche  des  Wenzel  von  Iglau 
(Saliger,  Monumenta  rerum  Bohemico-Moravicarum  sect.  II  lib.  III,, 
Brunn  1882),  deren  Sprache  von  Jelinek  aaO.  mitbearbeitet  ist:  da 
sind  die  ay  =  mhd.  ei,  h  =  mhd.  iv,  p  =  mhd.  b  im  Anlaut, 
ch  =  h  zwischen  Vokalen,  der-  =  er-  (JeUnek  S.  42.  59  f.  57.  71.  62).. 
Es  fehlt  das  chk,  das  sich  nur  beim  Schreiber  y  der  Wenzelsbibel 
findet,  aber  im  Bairisch-Österreichischen  der  Zeit  nicht  selten  ist, 
und  das  s  =  seh  (z.  B.  sichken  794,  gesach  900.  988).  Andrerseits- 
aber  treffen  wir  auch  fast  alle  jene  mit  AV  gemeinsamen  md.  Eigen- 
tümlichkeiten wieder,  die  e  =  ae,  i  =  ie  und  ie  =  i,  u  =^  uo,. 
vor-  =  ver-,  zu-  =  zer-  und  das  Pronomen  her.  Es  ist  also  leicht 
möglich,  daß  die  Olmützer  Handschrift,  wo  nicht  in  Iglau,  in  Olmütz 
selbst  geschrieben  ist.  Dazu  würde  auch  ihr  im  Gegensatze  zu  ihrer 
Vorlage  geistlicher  Charakter  passen.^ 

C.  Daß  die  Handschriften  W  und  0  aus  gemeinsamer  Quelle- 
*W0  stammen,  nicht  die  eine  aus  der  andern,  folgt  schon  daraus, 
daß  der  Oswald  von  0  den  in  W  erhaltenen  Schluß  nicht  hat,  daß. 


'  Eine  geduldige  Untersuchung  (der  eine  vollständige  Abschrift 
von  0  zugrunde  läge)  würde  trotz  des  Mischdialekts  durch  Vergleich- 
mit  W  die  orthographischen  Zutaten  von  0  ausscheiden  und  die- 
Schreibung  des  Archetypus  rekonstruieren. 


Eiiileiluiig.  XIX 

aber  O  die  W  fehlenden  Verse  -295a^  49-J«,  531«,  533a,  908«,  915« 
ua.  überliefert;  im  übrigen  kann  das  ganze  folgende  Kapitel  als 
Beweis  dienen. 

Es  ist  von  vornherein  einigerination  wahrscheinlich,  dafä  zwischen 
*W0  und  den  überlieferten  Handschriften  keine  Zwischenstufen 
mehr  anzunehmen  sind:  die  Anordnung  des  Inhalts  Avürde  schwer- 
lich so  gleichmäfsig  erhalten  sein.  Dazu  nehme  man  ff.  Lesarten 
WO:  V.  '2i>4  fehlt  hfi;  1208  icil,  1242  s/.- höchst  leicht  zu  beseitigende 
Lücken,  die  sich  kaum  über  mehrere  Abschreiber  hinaus  gleich- 
maßig erhalten  konnten ;  vgl.  suhfr  W  schoM  ü  <C  ■^alde  *W0 
10<J9  und  S.  XXVU.  7. 

Ist  das  richtig,  so  gilt  das  Stemma: 
*W0 


/  0  (terminus  ad  quem  1450?) 

/ 
W  (1472). 

Die  Datierung  von  W  stammt,  wie  jetzt  der  Vei-gleich  mit  O 
ergibt,  nicht  aus  *\V0  (MO.  229  Anm.  1). 

D.  Den  Bestand  von  *W0  können  wir  aber  imr  aus  W  und  0 
konstruieren ;  wir  haben  keine  Instanz  außerhalb,  die  bei  ab- 
weichenden Aussagen  zwischen  den  beiden  gleichgestellten  Zeugen 
entschiede.  So  müssen  wir  uns  erst  aus  inneren  Gründen  ein  Ur- 
teil über  ihre  Glaubwürdigkeit  bilden. 

1.  Verhalten  zum  Versbestande  in  W. 

W  fügte  an  Einzelversen  nur  89  =  108  hinzu,  veranlaßt  durch 
Korruptel  der  Vorlage ;  ließ  fälschlich  aus  492«.  908=\  1051",  564« 
748  a.  832  a.  1142  a  und  1 143  a  (als  Farallelfassungen?),  246  «  und  247  a, 
.531*  und  533a,  1015a  und  1016a  (im  Vierreim),  6.58"  (Grenze 
einer  Interpolation),  295".  295b.  915a  (Korrupteleii  der  Vorlage); 
210  und  210a,  1288  und  1288"  .sind  zu  Einzelversen  zusammen- 
geschoben. 

Zugesetzte  Reimpaare  —  hier  ist  es  natürlich  zunächst 
schwer  zu  entscheiden,  ob  die  Änderung  von  W  oder  schon  von 
*\V0  herrührt  — :  536/37,  wohl  nur,  um  das  vergessene  lade  nach- 
zubringen; ausgelassene  Reimpaare:  OOab,  474ab  1287 ab, 
1046ab.  1179  ab  I229ab:  es  handelt  sich  überall  um  Irrtümer  des 
Schreibers,  besonders  bei  Interpolationen.  Größere  Lücken: 
40a-c.  43a-e.   .346  "-f.  458a-c;     darüber  unten. 

2.  Verhalten  zu  den  Reimen  in  VV.' 

W  ändert  den  Reim  wegen  seiner  lautlichen  Gestalt:  am  -.guldin 


'  Ich  weiche  im  Folgenden  bei  zusammenhangslosen  Worten 
nach  Erfordern  der  Eindeutigkeit  von  der  Orthographie  des  Textes 
zu  der  mhd.  (und  der  handschriftlichen)  ab. 

II* 


XX  Einleitung. 

>  /?»  117,  kleit  >  selikeit :  ewikeit  483,  kuschelt :  leit  >  geleth  lllü; 
dingen :  bringen  >■  gelingen  596 ;  jo  >  nu  :  nu  632 ;  r'ich  :  -lieh  > 
?«2^  729,  mir-min  :  dir-bin  >  mtn-mir :  bin-dir  781,  sin  :  kunigin  ^ 
kun.  fin  1144  (vgl.  1351);  f?a  >  nach:na(ch)  1076;  d.  h.  W  verpönte 
das  dialektische  jti,  sprach  schon  ei  für  i,  sprach  gülden,  brengen, 
kunigin,  nach  und  die  Endung  heit  \vie  hit  (Rückert  S.  37). 

W  ändert  zweitens  den  Reim  wegen  ungeläufiger  oder  un- 
verstandener Worte,  die  er  enthält:  (drast)^  dast:was  \\^9,;  gali 

>  kenelin  -.kni  679;  benamen  >  samen  :  quamen  1162,  genaeme 
(nicht  als  Verbalfbrm  erkannt)  >  toaere  :  quaeme  1090;  platzte  > 
salzte  :  salzte  65;  unvorzogen  >  unfro  g  zogen  644;  fßr  unverstanden 
800;  vären  >  stramen  :  jaren  889;  /"ar^  >  art:tvart  620,  /"arf  : 
M-'orf  >>  fr«s^  :  ist  1047 ;  gerormiret  >  floriref  :  geziret  207,  vo^'- 
miren  >  t'0>"  en  /e^»n  :  2;/re>i  602 ;  gewaere  >  waere  :  7?er  109 ;  meister 
Ise  >•  meister  rei/s  :  ?^;«se  673.  ('/to  >-^  ÄoZ :  jo  560  könnte  auch  auf 
Rechnung  der  lautlichen  Form  von  ho  kommen,  ähnlich  niaeren  > 
maere  :  begere  1.  Ohne  lautliche  Änderung:  began  Inf.  >  Praet.  11, 
gefuge  Adv.  WO  33,  >  Subst.  W  706,  ich  wil  iz  wol  bewarn  > 
i.  tv.  do  heyme  beivarn  833. 

Drittens  läßt  W  auch  durch  Versehen  Reime  verloren  gehen: 
219.  998  (Umstellung  der  letzten  Versworte),  604.  1289  (Abirren), 
845  (Verlesen),  125.  294.  857.  1224.  1276.  Hier  ist  also  wie  in  V.  .560. 
602.  679.  729.  1090  (s.  o.)  der  Reim  einfach  aufgegeben.  So  ent- 
stehen V.  125.  1276.  1289  rührende  Reime;  vgl.  oben:  65.  6.32.  1076. 

Viertens:  W  schafft  (aufäer  diesen  rührenden)  neue  Reime. 
Die  durch  die  sprachliche  Form  der  Vorlage  veranlafäten  sind  schon 
genannt.  Dazu  kommen  j('o  :  ztvar  123  (zur  Verlängerung  des  Verses?), 
eben  :  vorgehen  >  vorlrihen  1009  (durch  salde  >  schulde  im  vorigen 
Verse  veranlaßt  und  charakteristisch  für  den  Dialekt  von  W),  kni  :  hi 
1104  (nach  1041),  und  in  den  zugesetzten  Versen  geben  (-.leben)  89, 
lade :  ruhen  536. 

Umgestellt  hat  W  die  Verse  der  Reimpaare  (90)  313.  349.  423. 
451.  673.  677.  781.    1106.    1186.     Umstellung  der  Reimwoile:    39. 

3.  Verhalten  zum  Versbestaude  in  0. 

Auslassung  von  Einzelversen:  zuweilen  scheint  ein  Vers 
wegen  eines  ungeläufigen  Reimes  beseitigt:  277.  324.  551.  567.  689 
(s.  u.) ;  der  Vers  fehlt  gerade  an  der  Grenze  einer  Interpolation :  324. 
4.59.  928;  er  ist  Marginale:  90.  294.  748,  Parallele:  832;  zuweilen  finde 
ich  keiner  andern  Grund  als  Irrtum  und  Nachlässigkeit:  16.  196. 
336.  346.  386.  619.  620.  702.  736.  742.  7.58  (kicsche,  vgl.  912.  913) 
836.  946.  974.     Zu  zwei  Versen  zusammengeschoben  sind  226—29. 

Nicht  selten  ist  dann  aber  doch  eine  Reparatur  solcher  Fehler 
versucht,  indem  für  den  aufgegebenen  Vers  ein  neuer  eingeführt 
wird,  aber  nicht  an  derselben  Stelle,  sondern,  wenn  der  erste  Vers 
eines  Reimpaares  ausgelassen  ist,  hinter  dem  zweiten: 


Einleitung.  XXI 

w  =.  nvü       0        ^v  =-  nvo       o         \v=^  *wo       o 

135     min           —            "248  diu  —           650  gewar          — 

sin         stn                      min  min                     dar          dar 

136»    —         rein                       —  rebelin                  —          sclutr. 

Wird  ein  zweiter  Reiinvers  ausjjelassen,  so  tritt  ein  Ersatz  vor 
den  ersten: 

—                    ff  et  an  —                   stunden 

076  kauf  man             kotifman  iW.)  yesimimnwn        geswummen 

han                            —  undcn                          — 

Ahnlich  807  uncorzogen  unvorzogen 

(tragen)  — 

han  haben 

man  man 

—  corstan  (=  verstanden): 

O  versteht  den   Reim  807/8  nicht,   bezieht   809   auf  807   und 

braucht  dann  einen   neuen  Reim  zu   810.     Noch   weiter  greift  die 

Schiebung  V.  1094 ff.:     wol  wol 

—  sol 
sol  sal 

—  liberal :  da  ist  ein  neues  Reim- 
paai"  dem   alten  unbequemen   {sol  statt  sal  s.  u.)  gegenübergestellt. 

Ein  andres  Mittel  ist  der  Anschluß  des  verwaisten  Verses  an 
das  nächst  vorhergehende  oder  folgende  Reimpaar: 

151.  -lieh  -lieh  661.  tiicht  — 

rieh  rieh  Crist  her 

mir  dich  jar  jar 

schir  —  war  icar. 

Ebenso  .345.  1136,  vgl.  419.  873. 

Oft  ist  die  Grenze  zwischen  Auslassung,  Umformung  des  Vor- 
handenen, Zusatz  nicht  zu  ziehen  (vgl.  146  «  159).  428.  912/13). 

Von  ganzen  Verspaare ii  hat  0  (außer  dem  Schlüsse)  fallen  ge- 
lassen 6.34/35  (vgl.  632)  und  41/42.  469/70.  570/71.  1100-1103  (an 
der  Grenze  von  Interpolationen). 

Zusätze  von  Einzelversen,  durch  die  besprochenen  Reim- 
schiebungen veranlaßt:  136«.  249  a.  275  a.  575«.  651«,  661«.  668«. 
810a.  1094a.  1097«,  dazu  1299».  Zusätze  von  Verspaaren: 
553«b  und  682 «b  ausmalende;  696»^  zur  Erklärung  des  verderbten 
vorigen  Verspaares. 

4.  Verhalten  zu  den  Reimen  in  0. 

O  ändert  den  Reim  wegen  seiner  lautlichen  Gestalt:  waere  : 
her  >  jar  109,  waere :  her  >  here  622 ;  selig  >  aynig  :  ledig  395, 
vgl.  ledig  :  selig  >  erlediget  487;  ruwe  :  nuwe  >  truwe  276; 
sen:gen  >  spechen  244,  gän'.tran  >  fahen  .381,  malt  :  gesait  > 
mut'.gtit  640,  geleit  >  legte:  kleit  339,  bi '.  gewi  >-  si  1031.  Hier 
ist  offenbar  die  Mundart  von  O  Ursache,  die  mhd.  ae  :  l\  urg.  eimv : 


XXII  Einleitung. 

etv,  mhd.  age :  ü  ai,  mhd.  ege  :  ei,  mhd.  ige :  l  zu  binden  verbot. 
Vgl.  ferner  gat  >  not:  rat  951,  hestan  igehan  >  «ye  1054  (0  spricht 
gen,  sten;  gän  :  dan  997  zur  Vermeidung  von  gen  :  hin);  suze 
Adv.  >  suzer  Adj.:  gruze  351  (Umlaut);  fWr  >  t?or  :  gar  550, 
rfar  >  waere  :  offenbar  1284  (f7a  und  Umlaut);  me  >>  e :  «t'e  75 
(mer);  herre-.mcre  >  fte^e?*  761,  herren  >  here\mere  947  (herr); 
wol '.  sol  >  ?roZ  :  so?  +  «*'0? :  uheral  1094  ^sf/7^ ;  -liehe  >  S2cfe  :  m^cfe 
230,  vgl.  (21)  439.  1166  (-leich),  perlin  >  2^.  finisin  608;  rebelin 
>  raben  :  vingcrlin  717,  rebelin  >  rrtfte  min:din  777;  scharlachen 
^  Scharlach  :  machen  30o,  kein  >  einer  :  gemein  815,  Ä;.  >  keiner: 
nein  >>  gemein  817;  Dative:  siMn^ :  Tragemunt  >  stunden  :  Tragunde 
101,  hande  >  handen  :  Z«nfZe  1098,  /"ar^  >  ivart:wert  252,  f.  > 
«<^ßs  :  li'ar^  721,  /". :  war<  >  tvorden  :  faren  823,  f.  >»  manigfalt  : 
wart  1070,  vgl.  1078.  1336(!).  Vgl.  «(^e/are  >  adler :  beivaren  364^. 
henke  >  öanA^ :  bedenken  7 1 . 

In  zahlreichen  andern  Fällen  aber  ist  die  Absicht  technische 
Verbesserung,  und  besonders  deutlich  ist  diese  Absicht  in  der 
Beseitigung  des  überstehenden  n  :  kosen  :  löse  '^  losen  133,  rabe: 
gaben  >  ^o*e  167  und  ähnlich  V.  (1)  359.  630.  695.  697.  739.  771. 
947;  zu  101.  1098  vgl.  oben;  in  V.  713  beruht  lone  :  schone  > 
schonen  auf  Mifsverständnis  des  beten,  V.  895  zeivare  :  jare  >  jaren 
auf  Irrtum.  Auch  überstehendes  /  beseitigt  0:  nicht  :  mich  > 
licht  427,  wise  :  embizst  ~>  spise  957 ;  überstehendes  r  :  aber  >  abe  : 
habe  540.  Andere  technische  Besserungen:  erslagen  :  wegen  > 
wägen  544;  ho:  so  >  /joc  :  «tac  560;  tmdertan  :  lobesam  >  schon 
498;  linden  :  geswummen  >  stunden  669;  icise  :  embizest  >  s^:^/*«? 
Cs  :  2^  957 ;  rechte  :  knechte  >>  knecht  69 ;  creftig  :  mechtig  566  ist  durch 
Auslassen  des  zweiten  Verses  beseitigt,  vgl.  /s<e<e  :7  /e^e  689,  [nicht:]  crist 
661,  nnvorzogen  [:  tragen]  807,  w/r  [:  schir]  153:   s,  auch  unter  3. 

0  ändert  zweitens  wegen  un geläufiger  Worte  im  Reime: 
art :  tvart  >  «»a^ :  tat  827 ;  aschenbrodele  >  aschenploderer  (Reim  auf- 
gegeben 323);  das  Neutrum  gebaere  ist  V.  575  in  ein  Fem.  ver- 
wandelt, 800  als  Fem.  eingefügt,  575  mit  Glossierung  versehen,  vgl.  43 1>. 
1062;  bange  >■  ande  :  lange  667,  bange  >  ande  :  lande  962,  vgl.  887: 
blicken  >>  geliicken  :  schicken  793 ;  (drast)  >  brochte  das  :  was  1 148 ; 
zuhant  >  sanc  :  Tiom^  624;  Ä;os  >  ?«s  :  ^ro^'  1 174;  knaben  ;>  buoben  : 
haben  315;  selig:  ledig  >  a?/«/^  395  (vgl.  487);  a?/e  geliche  >> 
williglich  :  /•?'c7ie  22 ;  wa«Y  :  gesait  >  gf?«^ :  «mi  640 ;  megetin  >  (Z/w  : 
min  145,  ?».  >  kunigin  :  sin  >  c?/»  453,  vgl.  397.  640;  maz  >  vur- 
baz  :  daz  318;  Wc7j<  >  vicht:  nicht  548;  rucf  >  &?tc^  :  smMrf  612: 
saWe  >  schuld  :  bald e  671;  schir :  mir  (Reim  aufgegeben)  1.54: 
vorsenket  :  irtrenket  >  vorsunken  :  irtrunken  1330;  s/rfer  >  gelidei' : 
wider  769;  sin  (esse)  >  wesen  din  :  «riw  377,  si»  >  dahin  1186; 
sm<  >>  stvint  :  m'/'w^  965 ;  sprach  >>  Jcc/i  :  sacfe  268 ;  far  >  gebaere  : 
rf«r  799;  rrrr  >-  tvar  :  dar  564  a ;  fart  >>  fffrm  :  wart  >  worden  823, 


Einleitung.  XXII! 

vgl.  -iryi.  7i>I.  823.  1070.  1078  (also  in  V.  (iSl  nicht  von  0):  irerben 
>  erben  :  corderben  1041);  r/einirbe  :  rordurbe  >  r/eworde  :  worbe  424: 
jTtV  ^  eil:  teil  93;  Ise  >  eijn -.iv'ise  073.  berant  -.bewant  >  /««^ 
67.0  beruht  auf  Nichtversteliii  der  Vorlage. 

Drittens  läßt  O  irrtümlich  Reime  verloren  gehn:  sol  :  bret 
da:  i^t  wol  >>  bracht  2.50,  (/eivar :  rordenkru  gar  >  vor  (==  rare?) 
590,  heilig  man  >  heilig  :  kau  lOll,  imie  :  tvolfinne  ^  schar  heiden 
1274  (Verstümmelung  der  letzten  Versworte:  sie  waren  wohl  für  O 
unleserlich) ;  sin  leben  >  leben  sin  :  gegeben  873,  gewar  warf  >-  wart 
ffeuar:fai-t  1180  (Umstellung  der  letzten  Versworte,  doch  s.  o.  zu 
fart) ;  riche  :  lobeliche  >  lobesam  439,  herzogen  >  herren :  betrogen 
741.  Beide  Reime  eines  Verspaares  gehn  verloren,  wenn  0  den 
ersten  so  ändert,  daß  er  noch  auf  das  vorige  reimt,  und  den  zweiten 
ganz  ausläßt  (s.  o.  S.  XX  f.). 

Willkürliche  Veränderungen  scheinen  mir  sin  >  din:  megetin 
4-53,  rebelin:  min  >  din  5.52,  hir:mir  >  dir  993;  gestorben  :  var- 
dorben  ]>  gestorben  was :  rardorhen  was  1-11,  schone :  trone  >  crone 
77.5,  do  >  so:iol306;  mit  Umdeutuug :  irtrinlcen  :  vorsinken  "^  ir- 
hiinken:  forsi'.nken  ()Ö9,  stunt :  grünt  ]>  »(?{>?;  113S,  w/c/i  >  s/fÄ  : 
f//f7j  1314. 

Die  Reime  sind  umgestellt  V.  .365.  423.  512.  534.  897.  (llfiö.) 
Die  Verse  sind  umgestellt:  353.  433.  528.  675.  1068.  1142a.  1143='. 
In  V.  598/99  hat  0  durch  Umordnung  das  Richtige  wiedereingeführt. 

5.  W  ist  also  im  Reime  weitaus  die  zuverlässigere  Handschrift: 
verschwindend  wenige  Zusätze.  Auslassungen  aus  Versehen,  kaum  aus 
Absicht,  auch  Unverstandenes  unverständlich  wiedergegeben,  weit 
weniger  Änderungen  dem  Dialekt  und  der  fortgeschrittenen  Sprache 
zuliebe  als  in  0  und  dabei  nicht  selten  Begnügen  mit  rührendem 
Reime  statt  völliger  Korrektur.  In  O  starke  Absichtlichkeit  und 
"Willkür,  aber  auch  Nachlässigkeit  in  Zusätzen,  Auslassungen  und 
Änderungen;  hier  allein  eine  eiiiene  Methode  Lücken  zu  verstreichen 
und  die  Absicht  technischer  Verbesserung  neben  reichlichem  Beseitigen 
ungeläutiger  Worte  und  Wendungen,  allerdings  etwa  von  V.  900  an 
ermattend,  wie  ja  denn  der  Schluß  ganz  aufgegeben  ist. 

(>.  Hier  reiht  sich  dann  von  seilest  eine  vorsichtige  Betrachtung 
des  Versin nern  an. 

Wir  können  in  einer  großen  Reihe  von  Fällen  aus  dem  Reime, 
aus  Analogien,  aus  dem  Inhalt  und  den  Lesarten,  aus  der  Kenntnis 
der  veraltenden  oder  sonst  gemiedenen  Bestandteile  des  Wortschatze- 
schließen, daß  in  W  oder  0  eine  Änderung  des  Überlieferten  vorhegt. 
a)Anderungen  in VV(vgl.S.XX).  im  =  nhd.  sich  beseitigt  280. 
an><«Y«7i>er/"n*(;  1324,  vgl.  953.  kiel,  durch  den  Reim  V.  791  für 
biz:>basAb3.1M.l01l;>daz  *W0    gesichert,    ist   W    unbe- 

972.  kannt :  vgl.  die  Schreibung  keyle 

hint  >  hüte  1316.  791;    >  schif  509.   800.   990. 


XXIV 


Einleitung. 


1144.    1184    {schif  WO    649; 

schif  >  man  0  898  zur  Ver- 

ständlichung). 
netze  >>  schif  694. 
rucken  >  achten  276. 
zusamenc  >  zu  houfe  1232. 
sorcUch  >  tmsubei'lich  1021. 
sorcsam  >  furchtsam  281. 

b)  Änderungen  in  0  (vgl. 
S.  XXI  ff;). 

achtbar  >  ^«  169. 

«^  in  den  Kompositionen  «//*»  5. 
1042,  rt^srtw/.  1232,  also  82.  207. 
7.33.  751,  alzuhant  61.  301. 
379.  1231.  (Also  ist  V.  1035 
alzuhant  O  nicht  von  0  ein- 
geführt.) In  andern  Fällen  ist 
gleich  das  ganze  «7 -Kom- 
positum beseitigt:  also  >  gar 
243,  >  und  allez  432,  >  mir 
490,  >  sam  618,  >  als  70. 
1219;  also  wolgemut '^  frolich 
und  IC.  526.  (Demnach  wird 
azo  1093  0  auf  ein  also  *W0 
zurückgehn;  W  hat  alz.) 
alzumale  >  allez  tvol  364. 
(Demnach  wird  zumal  474 1^  zu 
alzumale  zu  ergänzen  sein.) 
alumbe  scheint  W  wie  O  un- 
geläufig :  s.  die  Lesarten  zu  268 
und  367. 

bar  beseitigt  679. 

baz  beseitigt  72  (im  Reim  WO 
79);    aber  rurbaz  0  318. 

beiten  (WO  879)  >  harren  144, 
sumen  792. 

bi  >  mit  (dir  senden)  513. 

embizen  >  bizen   7'-23,   vgl.  958. 

hilc  >  lip  450. 

sich  leide  bedenken  (gedenken) 
umbe  (WO  907)  beseitigt  1224, 
vgl.  376.  1108. 

dinstman  >  man  572,  >  ge- 
meine man  1072,  vgl.  26. 


ebene  beseitigt  405. 

eigen     (lant)     beseitigt    74    und 

(durch  Versehen?)  1230,  vgl.  16. 
endelich  >  enlich  37. 
gän,  zu  ende  >  uzgen  932. 
hegän  >  triben  6. 
vorgelden  >  Zon  .s/n  419. 
gestern  >>  rechten  (verschrieben) 

365,  >  neckten  375. 
5'ifi'  beseitigt  158.  673.  687.  692, 

694.  1221.  1319;  gut  Subst.  > 

Adj.  1.3. 
aller  handc  >  allerlei  hant  795. 
ztihant    >    itzunde    1148,     be- 
seitigt 98.851,  sogar  im  Reime: 

624  (s.  o.);    vgl.  alzukanf. 
gehaz  >  ^ra»«  399. 
heizen  >  Za^en  337.  637. 
her  beseitigt  in   her  komen  358, 

her  sundern  27. 
hogeborn  >  wolgeton  54  (Reim!), 

hogemut  >  ivolgenmt  491. 
koren,  horte  lose  >>  begunde  zu 

losen     134,     Ziore     2H    >    so^ 

merken  3.    (Also  wird  /io/'c  V. 

94  nicht  erst  von  0  herrühren.) 
/c7(f  (WO  783)  beseitigt  513.  icht 

1047  verlesen? 
irne  >  indert  53.  797,  >  irgent 

84;  vgl.  ?:  >  /nfZeri  299. 
itslich  beseitigt  312. 
jemerlichen  >  komerlichen    951. 
JHncfrouwe    beseitigt    519.    583, 

>  vrouwe  (vor)  95.   143.   186. 

>  frouwelin  520  •,jnncfroii,ivelin 
Z>  froutvelin  449. 

/cfo*,  >  «jac  888.  1019;  vgl.  1218, 

797.  1012,  295«. 
kein  beseitigt  181.  816. 
kochkus  >  der  kneckte  hus  321. 
creme  >  betrübet  658,  >  swach 

699. 
kuchengesinde    unde    knaben   > 

Ä;ocÄe  keiner  und  kuchenbuben 

315. 


Einleitung. 


XXV 


Irunt  >  zu  wi'zzen  850. 

kusche  >>  uolgemut  912:  unhii- 
aclieit  beseitigt  913. 

llep  beseitifrt  2()1.  520.  553.  903. 
1004.  102().  (Also  rührt  es  167. 
352.  7H2.  982  nicht  erst  von  O 
her,  vgl.  auch  981.  1114.)  Vgl. 
lleplich  >>  lohelich  151,  ^fro- 
lieh  JipJich  1133. 

lip  >  leben  938. 

matt  beseitigt  338,  vgl.  640. 

meienris  >  hluendez  rei  415. 

vormezzen  glossiert  durch  r'tche 
139. 

mnde  >  fremde  78. 

HH  beseitigt  516.  986.  1262. 

purper  beseitigt  599,  mit  feilen 
glossiert  303.  [652. 

aeruen'^  gerasten  Gil ,  >  rucken 

daz  schachzagelspil  >  der 
Acliachzagel  24(5.  249.  264;  im 
Reime  >  den  schachzagelspil 
362! 

bescheiden  >>  hübsch  297. 

irschellen  beseitigt  1 188. 

scJiire  >  atich  .540,  beseitigt  806, 
vgl.  154. 

tilgende  und  schon(d)e  >  schö- 
ner tugent  93. 

geschutte  >  schotten  654. 

/ifr,  si,  in  selber^  her,  si,  in  1270. 
636. 1249  (beibehalten  66.  1089, 
vgl.  1211);  di,  daz  seifte  beseitigt 
150.  300;  selben  >  selbigen  19. 

serc  >  vasie  51,  >  stetiglich  1088. 

st»  >  wesen  242.  573,  vgl.  die 
Reime  378.  1186,  auch  856. 

r.orsinken  (WO  547.  660.  898. 
926)  >  undersinken  649. 

.«/n^e  (Oswcdt)  beseitigt  665.  1130. 
1146.  1228.  1251.  (Also  sinte 
l'-n.  762  nicht  von  0.) 

durchslan  >  beslan  342. 

snewiz  beseitigt  340.  .557.  625 
(verlesen  W  625);    vgl.    1126. 


Relativisches  so  beseitigt  385. 
1074;    vgl.  1052. 

sprechen  >>  jehen  233.  269. 
514,  >  reden  112. 1084;  siirach 
r>  spach  762;  lach  neu  ein- 
geführt 355.  (Also  sprach  11. 
479  nicht  von  O.) 

stolz  (St.  hirz)  beseitigt  1073. 

strichen  sw.  >  st.  131.  617.  62.5. 

SU  >>  swin  862,  vgl.  836. 

mit  truicen  >  mit  tvillen   1315. 

tmver  (gewant)  beseitigt  302. 

uf heben  >  anheben  1085. 

wnbekeren  >  iciderkeren  852. 

f«s^e  beseitigt  1079,  doch  vgl, 
51.  60. 

Das  verstärkende  vil  ist  beseitigt 
164.  393.  533.  554.  920.  924. 
965.  981 ;  vgl.  vil  wol  >  gar 
u-ol  vil  112.  (Also  ist  wohl  ril 
45  echt,  vil  0  130  scheint  ver- 
lesen für  wi.) 

virdehalp  >  vir  466. 

vol  >»  tvol  komen  1148. 

von  hitze  >  vor  h.  1280. 

vortragen  >  tragen  309. 

fridel  >  libhaber  497,  >  Äerr 
564.  906.  1090. 

fr/en  >  freuen  410.  533  *,  un- 
verstanden 431. 

fronten  >  nutze   116;    vgl.  577. 

/fan  =  nist  >  denne  948,  aus- 
gelassen 748,  vgl.  1026. 

gewar  >  gewis  1266. 

zeivare  >  vurwar  896. 

^«2;  tuenden  beseitigt  856. 

tvengelin  >  mundelin  1135. 

tverlich  >  frolich  522. 

rft  maerc,  ivi-ivaere  beseitigt  1086 
(vgl.  331.  1318). 

/r//>  >  frouwe  85. 

irwischen  beseitigt  700. 

!W?  bei  Zahlen  ausgelassen  263. 
663.  922;  ju*c/i<  /t'oZ  genesen 
>  i»VÄ<  «jre».  295;    sogar   im 


XXVI 


Einleitung 


Reime    n-ol  >>  vll   405;     vgl. 

wolgemut  >  frolich  und  iv.  526. 

Eingeführt    um    liep    zu    ver- 
meiden 261  ;  vgl.  husche  und  ho-. 
Hunderlich  >  zirlich  206,  >  sun- 

derlich  789;   wundern  >  tw- 

drizen   50;     round erschir    154 

fehlt  0  mit  dem  ganzen  Verse. 
ivüste  >>  fos<c  60. 
&<?3}7c  beseitigt  8. 
zHchtiglich  >  fuf/entUch  200.  349. 

c)    Änderungen     in    beiden 

Handschriften. 
ahcmbe  s.  unter  a. 
durch  in  mhd.  Sinne  beseitigt  0 

21.5;  W  447  doch  vgl.  1044  ^ 

1045. 
en,   ne  erhalten  in  ijrne  key   W 

818    (kayner  O),   in   ym   neme 

0  =  ennaeme  37,  «Wi  rwcTi  0 

=  enruoche  685 ;     nicht  enliz 

AVO  963,  aufgegeben  305.  692 

uö.    Ersetzung  durch  denne  818. 
Das    Präfix    ge     nach    Präterito- 

präsentien  WO  374.  647.  1012. 

1019.    1196.    1286,    W    10.54, 

0  1038.     In  den  Formeln   do 

her    (st)    dise    toort   gesx>rach 

WO  10.58.  1122.  1412;  doher 

(si)    angesach     O     199.     853. 

Auch  hier  neigt  sich  also  die  Wagschale  gar  sehr  zu  Gunsten 
von  W:  da  haben  wir  ein  paar  Modernisierungen  und  ein  paar 
Änderungen  unbekannter  Worte  oder  Formen ;  der  Schreiber  von  O 
dagegen  modernisiert  weniger  als  er  dialektisch  ändert:  der  räumliche 
Abstand  von  der  Vorlage  scheint  weit  mehr  ins  Ge^^icht  zu  fallen  als 
der  zeitliche.  Manche  Worte  —  wie  ja  die  Änderungen  ungleich  zahl- 
reicher sind  als  in  W  —  werden  regelmäßig  beseitigt,  mit  spaßhafter 
Prüderie  nicht  nur  die  hide,  liep,  fridel,  sondern  auch  kusche,  jnnr- 
frouwe,  megetin.  Aber  wir  dürfen  bei  0  aus  Änderungen  nicht  gleich 
schließen,  daß  ein  Wort  veraltet,  ungeläufig  oder  unbekannt  sei: 
noch  mehr  als  bei  den  Reimen  (s.  o.)  kann  natürlich  hier  Willkür 
und  Laune  wirksam  sein.  Die  Grenze  ist  schwer  zu  finden  und 
wie  diese  Liste  einerseits  keinen  Anspruch  auf  Vollständigkeit  er- 
heben kann,  so  mag  sie  andrerseits,  im  Zirkelschluß,  einiges  0  zu 


979,  ansach  WO  3-50.  W  199. 
853.  979.  1344.  Perfekti- 
visches  ge-  sonst :  gerute  W  652, 
in  0  (aus  Mißverständnis)  ge- 
ändert; gesaz  0  saz  W  725  ; 
gesterben  W  ir sterben  0  .549. 
stanc  W  gestanc  O  1280. 

hin-,  hinvur  entstellen  WO  1229, 
beseitigt  O  1256;  hinheim  > 
heim  wider  W  1040;  hinna  be- 
seitigt O  1178;  hinivider  0 
840  wird  anders  zu  beurteilen 
sein. 

/  beseitigt  W  205,  0  299.  1206. 

im,  ir  =  sich  beseitigt  W  280, 
O  535,  vgl.  1223. 

maz  n.>  fem.  W,  beseitigt  0  318. 

na  ist  W  ungeläufig:  vgl.  S.  XX; 
O  ändert  es  in  nahende  727, 
läßt  es  aus  728;  nane  W  nahen 
0  125.5. 

noch  >  doch  0  925;  dannoch  > 
ouch  u-ol  W  286;    vgl.  902. 

sunder  >  swynder  +  sunder  0 
äne  W  111,  vgl.  1322. 

widerfarn  >  wider  icerden  A\ 
225,  >  werden  0  225.  687. 

z}i  nach  beginnen  fehlt  noch  WO 
210.  1312,  0  1239.  1270;  ein- 
geführt in  WO  329.  372.  917, 
W  1239.  1270  (0  134). 


Einleitung.  XX  VII 

Lasten  verzeiclinen,  das  erst  auf  Gruud  der  von  0  gewonnenen  An- 
schauung so  gebucht  werden  dürfte.  So  zweifelhaft  bin  ich  z.  B.  bei  V. 
639  heschh-mer  W  hnter  0  oder  V.  776  trone  W  crone  0,  849  tvort  \\ 
ding  O.     Hier  nur  noch  ein  paar  Beispiele  für  solche  Willkür  in  O. 

edele  ist  beseitigt  V.  166.  356.  454,  beibehalten  353,  eingeführt 
(für  liehe  s.  o.)  903;    eingeführt  auch  106? 

selbig  beseitigt  1157;  beibehalten  656.  1082;  eingeführt  19.397. 

gar  beseitigt  3.  137.  139.  158.  440.  1255,  vgl.  gar  >  wol 
gar  im  Reime  787,  eingeführt  243  (für  also  s.  o.)   694,  486?  .508? 

uider  beseitigt  (225.  687.)  850,  eingeführt  852.  1079. 

williglichen  >  willig  241.  1056,  erhalten  11;  geliche  >> 
williglich  22,  stritlich  >  stritiglich  1240. 

Wechsel  zwischen  Artikel  und  Pron.  poss.  (siner  >•  der  hant) 
62.  107.  408.  492,  umgekehrt  1041.  1155.  1156:  hier  und  sonst 
■wirkt  das  Metrum  ein  (vgl.  34.  724.  1200  etc.):  die  Wortwahl  ist 
nur  als  Beispiel  für  das  Verhalten  der  Handschriften  im  Versinnern 
herausgegriffen. 

7.  Dies  Beispiel  wird  aber  mit  dem  Vorigen  (1^5)  genügen,  zu 
zeigen,  daf?  W  weit  die  bessere  Handschrift  ist,  dafs  auf  ihr  der  Text 
zu  basieren,  ihr  in  Zweifel  zu  folgen  ist. 

Außerdem  scheint  mir  auch  das  Verhalten  von  W  und  O 
(wenigstens  im  Reim-,  Vers-  und  Wortbestand)  so  individuell,  daß 
ich  daraus  eine  Bestätigung  meines  Stemmas  entnehme :  die  Ab- 
weichungen rühren  nicht  von  mehreren  Schreibern  her  —  es  hat 
sich  keine  Spur  davon  gefunden  — ,  sondern  nur  von  W  und  O. 
Wir  dürften  dann  auch  die  aufgezählten  Reimänderungen  heran- 
ziehen, unsre  Lokalisierung  der  Handschriften  (S.  XV,  S.  XVIII) 
zu  bestätigen. 

II.  *W0,  der  Archetypii-s  uiisrei*  Handschriften. 

A.  Konstruieren  wir  nun  aber  *W0.  den  Archetypus,  aus  W 
und  0,  so  zeigt  es  sich,  daß  er  nicht  einheitlich  ist,  daß  er  nach- 
trägliche Zusätze  enthält;  und  da  die  Einheitlichkeit  seiner  Reime 
anderweit  (Zwierziiia  ZfdA.  44.  349)  verfochten  ist,  so  müssen  wir 
besonders  behutsam  in  der  Ausscheidung  dieser  Zusätze  sein. 

1.  Zuerst  die  Stellen,  wo  sich  Differenzen  in  Versbestand  und 
-anordnung  der  Handschriften  mit  inhaltlichen  Widersprüchen  oder 
Zerstörung  des  grammatischen  Zusammenhangs  verbinden,  Kon- 
statierung einer  Interpolation  also  fast  selbstverständlich  ist. 

40a— c  und  43a— e  verraten   sich  schon   inhaltlich  als  Zusätze:  ,'40'— •. 
dort  (im  Dreireim!)  Widerspruch  zu  dem  Ziel    des  ganzen  Gedichts  ^3—}. 
und  zu  V.  37  ff.  insbesondere,  hier  deutliches  Ausspinnen  des  hnider 
45  und  mit  43<ie  Einlenken  zu  41  f.    Beide  Versgruppen  folgen  in  O 
als  ein  Ganzes   auf  40,   die   zweite   kommt   also    vor  die  Worte   zu 


XXVIII  EinleiluiiK. 

stehen,  denen  sie  gilt.  Also  ist  der  Zusatz  auch  noch  örtlich 
kenntlich:  wenn  40a— c  jn  *W0  neben  40 — 42  am  Rande  standen, 
so  schloß  sich  die  Bemerkung  zu  43  von  selbst  an  40  c,  und  so 
konnten  43^— e  vom  Abschreiber  als  zugehörig  betrachtet  und  mit 
40a— c  hinter  40  eingereiht  werden.  Dabei  gingen  41/42  in  O  ver- 
loren: W  verschmähte  beide  Zusätze. 
[90]  AV  stellt  V.  108  +  90  sinnlos  zwischen  88  und  91,  so  sinnlos, 

daß  W  nicht  ihr  Verfasser,  sondern  nur  ihr  Abschreiber  sein  kann: 
V.  90  stand  als  Zusatz,  der  wie  40  a  der  Keuschheit  dienen  soll, 
neben  92;  W  versah  ihn  von  V.  108  her  mit  einem  Reim  und  ord- 
nete ihn  ein,  aber  falsch. 

[147—58]  In  0  folgt  auf  14-0  sinnlos  ein  Reimvers,  der  aus  159  geformt 

ist.  Das  ist  sofort  verständlich,  wenn  wir  V.  147 — 58  am  Rande 
stehend  denken:  147 — 56  sind  christliche  Parallele  zu  129 — 46,  aus- 
gelöst durch  129 — .34.  Stand  also  147  neben  135,  so  konnten 
155/56  etwa  neben  145/46  kommen:  wir  hätten  also  eine  Interpolation,, 
die  wie  43a-e  am  Schlüsse  wieder  in  Gedanken  und  Reim  der 
Vorlage  einlenkt.  Dabei  das  frien  wie  in  O  (vgl.  S.  XXV)  durch 
irwerhen  erneuert.  157/58  standen  dann  als  Reimbesserung  neben 
159/60,  sodaß  her  sprach  einmal  ausfiel  (vgl.  564».  1142).  Übrigens 
wäre  es  V.  157  (159)  nach  her  sprach  155  unverständlich,  wenn  es 
jiicht  von  andrem  Verfasser  herrührte. 
[294]  Allein  W  hat  den  mildernden  Zusatz  294,  der  292/93  und  295 »b 

widerspricht,  (entstellt)  übernommen  und  folgerichtig  295  ab  aus- 
gelassen.    Nach  der  Anordnung  in  W  stand  er  am   linken  Rande, 

[458'    "^J  458a— c  o  sind  Parallelfassung  zu  459,  wegen  der  Lesart  Konigijn 

458  c  O  nicht  erst  von  O;  mit  dem  Plus  an  Inhalt,  das  wir  schon 
vorher  in  40  a,  ^94  etc.  fänden.  Am  Schlüsse  Einlenken  in  den 
Reim:    vgl.  43cle. 

[528/29''-]  Die  Umstellung  von  528/29  in  O  schreibe  ich  dei-  TexLanordnung 

der  Vorlage  zu:  s.  das  Druckbild.  Der  Sinn  von  526  ist  mißver- 
standen und  durch  Keuschheit  und  Glauben  erweitert:  vgl, 
40a-c  und  90. 

[530— :32.  V.  533  a  ist  nicht  Zusatz  von  0:    frewen  ist  aus /"/vV/t  entstellt, 

187— 90J  uj^fj  frißn  ist  0  ungeläufig.  Aber  wir  haben  nicht,  worauf  5.33/33  a 
antworten,  und  diese  Verse  sind  nötig,  weil  sie  erst  Spanges  Ja 
enthalten,  das  V.  490  ff.  noch  hinausgeschoben  war.  Die  Aufforde- 
rung, ein  goldenes  Ringlein  zu  schicken,  wird  also  unecht  sein. 
Dazu  paßt  aufs  beste,  daß  187 — 90,  Oswalds  Bitte  an  den  Raben, 
von  Spange  ein  Ringlein  zurückzubringen,  ohne  eine  andre  Ver- 
mittlung mit  dem  verräterischen  Vierreim  an  186  angeknüpft  ist 
(wie  .531a/532  an  .ö33/.533a,  vgl.  40  =>.  458«);  (jeren  192  bezieht  sich 
auf  185,  nicht  auf  188. 
[564.572/73.  0  läßt  ölOIll  aus,  offenbar  wegen  des  handgreiflichen  Wider- 

79798]  Spruchs   zu    572/73.     Aber    575    schließt    an    571,    nicht    an    573: 


Eiiileilunj.'.  XXIX 

V.  57:2/70  wollen  Oswald  mit  Heeresniaclit,  nicht  als  Kaufmann 
kommen  laj^sen.  Also  ^nedcr  eine  Parallelfassung:.  Die  aber  auch 
sclion  ö(i4  durcli  übergeschriebenes  und  in  ^V  erhaltenes  mit  siner 
schar  gej:en  ane  war  0  -<  ane  viir  *W0  vertreten  ist  und  797/98 
wiederkehrt.  797/98  sind  als  Interpolation  noch  besonders  jje- 
kennzeiciinet  durch  den  Versanfan^'.  der  aus  796  entnommen  ist, 
und  durch  die  Lücke,  die  sie  hinter  79()  gerissen  haben.  Die  erste 
Auffassung  ist  also  erhalten  durch  0  564  =>,  W  570/71,  WO  795/96, 
die  zweite^  durch  W  561,   WO  57:2/73,   WO  797/98. 

Am  schlimmsten  verderbt,  stellenweis  kaum  zu  erraten,  ist  unser  f659— 99] 
Text  V.  669  fi.  Und  nicht  nur,  weil  der  Inhalt  den  Schreibern  fremd 
war:  sowohl  in  W  wie  in  0  finden  sich  unabhängig  davon  selbständige 
Versumordnungen,  als  deren  gemeinsame  Quelle  mir  nur  das  im 
Druck  wiedergegebene  Textbild  denkbar  scheint:  die  Vorlage  ging 
hier  plötzlich  aus  Kurz-  in  Langzeilen  über  (d.  h.  wir  haben  hier 
eine  Interpolation,  die  am  untern  Rande  der  Handschrift  zugefügt 
wurde).  So  erklärt  sicli,  daß  0  von  V.  674  auf  676  springt,  W  un- 
abhängig von  67:2  auf  674  (das  gibt  noch  dazu  einen  Sinn!)  und  von 
676  auf  678:  die  Schreiber  waren  untereinander  stehende  Kurzzeilen 
gewohnt.  Der  Zusatz  würde  sich  inhaltlich  Y.  43aft'..  458a ff.  anreihen : 
eine  Ergänzung  aus  der  Sagen-  und  Literaturkenntnis  des  Verfassers. 
Auf  den  nächsten  Anstoß,  der  dann  das  Ende  des  Einschubs  bezeichnen 
könnte,  stoßen  wir  V.  695:  gleich  zwei  Vierreime.  In  V.  700  hat 
dann  einen  keinen  legitimen  Platz:  es  war  etwa  untergeschrieben; 
sonst  wäre  nicht  zu  verstehen,  wie  es  entstellt  nach  0  701  geraten 
konnte.  Übrigens  zeigt  0  700,  daß  den  fisch  zu  lesen  ist,  und 
durch  Auslassung  des  Verbums,  daß  das  Bild  der  Zeile  Avirklich 
verdorben  war.  Das  zugesetzte  einen  aber  setzen  wir  natürlich  in 
Beziehung  zu  einen  697,  d.  h.  zwischen  beiden  liegt  der  Schluß  des 
Zusatzes:  den  gehört  in  den  Zusammenhang  des  Dichters,  einen  in 
den  des  Interpolators  mit  seiner  Auswahl  von  Fischen.  Dann 
möchte  ich  die  Vielheit  der  abeHeime  als  Versuch  anseilen,  den 
Anschluß  an  den  echten  Reim  snabel  zu  finden  (wie  459c,  532  und 
sonst).  Sie  wären  dann  zugunsten  eines  neuen  Vierreimes  -in  auf- 
gegeben, der  auch  zu  den  echten  Reimen  überleitet.  V.  700  zeigte 
ja  schon  andre  Spuren  von  Verderbnis.  Eine  Lücke,  wenn  auch  imr 
von  einem  Verse  wäre  ohnedies  vor  700  aufzunehmen;  Reste  des 
Verlornen  könnten  in  den  o^e-Reimversen  695 — 99  stecken. 

Aber  der  Anfang  der  Interpolation  ist  mit  669  noch  nicht  ge- 
funden: der  Zusammenhang  mit  dem  Vorigen  ist  deutlicli  und  die 
Verderbnis  des  Textes  ist  zuvor  kaum  geringer.  Dazu  der  einzig- 
artige Reim  nicht :  crist,  das  sich  besorgen  an  und  vorsumen.  So 
glaube  ich  vielmehr  daß  659  die  obere  Grenze  ist,  bezeichnet  durch 
Fehlen  von  658 a  in  W  und  mangelndes  her  sprach:  der  Interpolator 
wünschte  eine  Ausführung  der  angekündigten  Klage. 


XXX  Einleitung. 

Die   Schreibung    in   Doppelkolumnen    paßt    zu   dem   Umfange 
des  Zusatzes. 
f74y]  Ein  Zusatz  wie   748   wäre   in  W  einzigartig,    ich    schreibe   ihn 

darum  lieber  *W0  zu  und  stelle  ihn    in   eine  Reihe  mit  294.  564: 
Inhaltsvariation  in   einem  Einzelverse  ]nit  Anschluß  an   den   über- 
lieferten Reim.     Hier  ist   vielleicht   Mißverstehen   von    748»    oder 
auch  Korruptel  (vgl.  0)  die  Veranlassung  gewesen. 
[77!i]  he>'  (der  Rabe)  sac/cte  779  ist  unverständlich  nach  her  (Oswald) 

sprach  777,  um  so  mehr,  als  781  ohne  Nennung  der  Person  doch 
meder  Oswald  spricht.     Dazu  Umstellung  von   781/82   in  W:    der 
Zusatz  stand  am  Rande,  der  Schreiber  fand  den  richtigen  Anschluß 
in  der  Kolumne  nicht  gleich. 
[832']  Denselben  Cliarakter  wie  748  scheint  mir  832 a  zu  haben;    vgl. 

dagegen  die  Art  der  Zusätze  von  0  in  der  Liste  S.  XXI. 
[1142.  114:;]  1142«  und  1143  "  können  natürlich  nicht  mit  den  direkt  wider- 

sprechenden Versen  1142  und  1143  bestehen,  stammen  aber  auch, 
schon  wegen  ihrer  ünvollständigkeit,  nicht  erst  von  O  her.  Das 
Textbild  zeigt,  wie  ich  mir  die  Einordnung  des  Keuschheitszusatzes 
(wie  40"-c.  90)  und  die  Entstehung  der  Ünvollständigkeit  von  1142 
(vgl.  157.  564«)  denke:  alle  beiden  und  V.  1143  sind  übergeschrieben 
über  die  Worte,  die  sie  ersetzen  sollen ;  der  laze  uns  sollte  für  das 
Neue  mitgelten,  das  Übrige  wurde  durchstrichen.  So  kommt  es, 
daß  1142  a  und  1143=^  in  W  ganz  ausgelassen  und  in  0  mit  dieser 
Verstümmelung  hinter  1143  gestellt  wurden. 
[1229  ^t]  1229  "b  fehlen  in  W,   die  Verderbnis  in    1230  (Auslassung    des 

gefaren  wegen  des  Mißverstehens  von  vur  1229  als  vehebatiir)  läßt 
vermuten,  daß  in  der  Vorlage  1230  unmittelbar  auf  1229  folgte,- 
1229ab  also  Zusatz  sind  von  der  Art  wie  43»— <-,  458a-c. 

2.  schließen   wir  auf  Interpolationen  aus  Zerstörungen  des  rein 
grammatischen    Zusammenhangs,     die    oft    mit    Lesartendifferenzen 
verbunden  sind. 
[123/24]  Zu  ivirt  hekant  122  fehlt  das  Subjekt:  vgl.  138  und  198.    Es  ist 

durch  die  erklärende  Ergänzung  123/24  verdrängt,   die   sich   durch 
der  statt  her  und  durch  den  plötzlichen  Dreiheber  123  kennzeichnet, 
[171—78]  In  V.  180  haben  WO  her  der  ni  vorgaz,   nämlich  der  Demut, 

Gerechtigkeit,  Keuschheit,  die  die  Steine  seines  Ringes  darstellten. 
Dies  der  aber  ist  nicht  zu  vereinen  mit  dem  sin  181,  das  sich  aus 
Sin  O  Hl/  W  für  *W0  ergibt:  der  ist  eingeführt  um  die  Interpola- 
tion 171—78  anzuknüpfen,  und  wir  erkennen  jetzt  ihren  Beginn  an 
dem  Vierreim  und  dem  aufnehmenden  daz  was.  Vgl.  909  ff. 
[989_ioio'  min  fridel  1012  überlastet  den  Vers,   paßt  nicht  zu  her    101 L 

Es  ist  zugesetzt,  weil  dieses  her  durch  einen  voi*ausliegenden  Ein- 
schub  unverständlich  geworden  ist.  Suchen  wir  die  zweite  Fuge, 
so  treffen  \vir  V.  989  auf  einen  Wechsel  der  redenden  Personen, 
der  nicht  ausgesprochen  ist:    es  fehlt  si  sprach,   und  der     Vers  ist 


KinleiluiiK.  >^XXI 

liberdies  in  0  verdorben.  Inlialtlich  aber  sind  V.  989/UU  höchst 
unverständig:  der  Rabe  erzählt  Oswalds  Unglück  auf  dem  Meere 
und  nun  fragt  die  Königin:  wo  hat  er  die  Schiffe  gelassen?  Als 
sie  dann  hört,  dafi  sie  versunken  sind,  will  sie  daheim  bleiben, 
läßt  sich  aber  sofort  umstimmen,  als  der  Rabe  droht,  dann  auch  auf 
Nimmerwiedersehn  zu  verschwinden:  eine  Öpielmannsapothcose. 
So  will  sie  alles  tun.  was  er  wünscht.  Und  was  wünscht  er?  Nicht, 
daß  sie  nun  doch  in  die  Flucht  willigt,  sondern  daß  sie  sich  taufen 
läßt.  Aber  die  Antwort  vergißt  der  Interpolator ;  her  lOll  bezieht 
sich  auf  hn  '.i88  und  also  auf  üswalt  98:2.  Der  Text  ist  sehr  zer- 
rüttet, weit  stärker  als  der  umgebende. 

3.  vermuten  wir  nach  dem  Vorigen  Interpolationen  auch  da,  wo 
die  Handschriften  Differenzen  im  Versbestand  haben,  auch  ohne  daß  sie 
mit  Zerstörung  des  grammatisciien  Zusammenhangs  verknüpft  wären. 

:i4f) "   und   247  "i  fehlen    in   W;     die    Antwort    auf    246"  folgt  [247- g9) 
erst   260.      Dazwischen   eine   Interpolation,    die   auch   äußerlich    als 
solche  kennbar  ist.     Denken  wir  ;24ü/246a  -f  260—66  und  247  —  59 
parallel  nebeneinander  geschrieben,  so  finden  wir:    der  Interpolator 
entnahm  den  ersten  Reim  aus  246,    wie  43«.  171;    der  Inhalt  von 

251  52  stammt  aus  262/63;    der   wunderliche  Fehler  brockt  0    251 
erklärt  sich  aus  Abirren  zu  gehrorht  WO  265,  den  Reim  tcrrt(!)  :  zart 

252  aus  dem  danebenstehenden   fort :  tvart  (!)   264;     der  Inhalt  von 
254/55  ist  gleich  dem  von  264/65. 

342«''  sind  wohl  als  Randzusatz  von  W   ausgelassen.      Die  Er-  'M2'>>] 
klärung  ist  ebenso  angeknüpft  wie  171. 

Das  Fehlen  von  324  in  0  wird  man  zunächst  lieber  durch  den  [:U7— 24J 
Reim  als  durch  Interpolationsunordnung  erklären  wollen.  Aber 
auch  der  Reim  scheint  auf  Interpolation  zuführen:  gefidere  :  aschen- 
hrodele  steht  einzig  da:  gefidere  reimt  sonst  nur  auf  nider,  sider, 
wider  und  zwar  7  mal.  Auch  die  beiden  vorigen  Reime  sind  einzig, 
desgl.  niaz  318.  Die  Wendung  in  V.  317  verrät  uns  dann  den  An- 
läng des  Einschubs,  es  ist  dieselbe  wie  V.  342i,  vgl.  171. 

V.  469/70  fehlen  in  0.  V.  469  spricht  der  Rabe,  489  plötzlich  und  [4ü9-88] 
unverständlich  die  Prinzessin.    Aber  die  Worte  des  Raben  sind  nicht 
Antwort  auf  das  Vorige;  489  schließt  an  468.  Vgl.  474ab  und  1318 ff.! 

Farallelanschluß    {703  ||  702)  und   Lücke   in    O    bezeichnet    den  [703—15] 
Beginn   einer  weiteren  Interpolation,    die  die  Tätigkeit  dos  Fischers 
noch  ausmalen,  den  Ablauf  der  Handlung?  noch  verdeutlichen  möchte. 
Die  Reime  703,  705,  71:5  nur  hier;    707  =  718. 

1046«'^'  fehlen  in  0.     Ich   halte    sie   mit  W    für  Parallelzusatz,  [io46'*] 
vielleicht  wegen  göt :  not. 

V.  1100—1103  scheinen  von  0  zu  notdürftiger  Herstellung  eines   1082—99] 
Zusammenhangs    ausgelassen,    denn    1100   schließt    nicht   an    1099. 
Als  die  Burg  verschlossen  ist  (1081)  beginnt   der  Rabe   mit  Spange 
zu  sprechen,  ohne  ilaß,  wie  sonst,  erzählt  wäre,  wie  er  zu  ihr  flog. 


XXXIL  Einleitung. 

Er  berichtet  ihr  das  Unheil  und  eibittet  iliren  Rat.  Sie  fordert,  daß 
Oswald  die  Tore  durch  Gebet  öffne.  Und  nun  1100:  der  Rabe 
fliegt  zu  seinem  Herren  und  meldet  ihm  —  daß  die  Burg  ver- 
schlossen ist.  Aber  nichts  von  Spanges  Rat;  vielmehr  fällt  Oswald 
von  selbst  auf  die  Knie  und  bittet  um  das  Wunder.  In  Wahrheit 
bezieht  sich  cU  hotescliaft  1100  auf  1079 — 81,  was  dazwischen  steht, 
ist  Einschub. 

[1178''']  1178ab,    wegen   des  gesinde   nicht  erst  von   0  (vgl.  315),   sind 

Reimparallele  zu  linjlS  (ga :  na,  vgl.  lOißal^);  dabei  zugleich 
inhaltliche  Vergrößerung  wie  564»,  797  etc. 

4.  Zu  den  bisher  besprochenen  Athetesen  gaben  nicht  irgend- 
welche Meinungen,  sondern  sichtbare  Eigentümlichkeiten  der  Über- 
lieferung Anlaß.  Erst  jetzt  geben  wir  diesen  sicheren  Boden  auf 
und  erheben  mit  so  gesammelter  Erfahrung  gegen  einige  Stellen  aus 
inhaltUchen,  technischen,  stilistischen  u.  a.  Gründen  Bedenken. 

[65—80]  V.    65 — 80   sind    spielmännische   Episode,    wie    317  ff.    1082  ff'. 

Oswald  hat  den  Waller  in  eine  Kemenate  geführt.  Das  ist  der  Ort 
zu  geheimer  Zwiesprache :  da  können  die  herren  nicht  anwesend 
sein.  Dazu  kommt  das  Zeugnis  der  Reime :  satzte :  platzte,  benhe  : 
bedenken  nur  hier;  besonders  bedeutsam  aber  me:we,  während 
sonst  (3 mal)  mer  gereimt  wird;  nn&haz'.des  (geschrieben  das),  mit 
dem  sich  nur  das  schon  athetierte  tvert :  fart  252  vergleichen  läßt. 
Streichen  wir  65 — 80,  so  schließt  sich  her  siivach  81  unmittelbar 
an  64. 
[389—402]  Y.  389  ff.  wird  Spange  ohne  Aultrag  und  vor  der  Werbung  von 

dem  Raben  aufgefordert,  sich  taufen  zu  lassen.  Als  Spange  das 
Ansinnen  zurückweist,  sind  des  Raben  Worte  ganz  ohne  Beziehung 
darauf,  es  wird  unmittelbar  die  Werbung  angeknüpft.  Der  Reim 
selig '.ledig  nur  noch  in  der  entsprechenden  Taufinterpolation  469  ff. 

[409—32]  V.  409  f.  heißt  es,  der  Rabe  habe  Spange  'gefreit',  aber  431  wird 

er  erst  dazu  aufgefordert,  und  er  freit  also  zum  zweiten  Male.  In- 
dessen besteht  die  erste  Freite  nur  aus  Mariengrußvvorten,  die  den 
Stempel  der  Entlehnung  auch  in  Rhytlunus  und  Stilisierung  (Anapher) 
an  sich  tragen  und  die  der  Entlehner  selber  hervorstechend  schön 
findet  (420/21).  Von  Oswald  und  seinem  Auftrage  ist  nicht  die 
Rede,  wohl  aber  von  den  Gefahren  der  Werbung,  und  da  ist  natür- 
lich V.  422  ff.  nichts  andres  zu  sagen  als  454  ff.  Welche  von  den 
beiden  Werbungen  die  eigentliche  ist,  kann  nicht  zweifelhaft  sein, 
zumal  erst  bei  der  zweiten  Oswalds  Name  fällt.  Klammert  man 
409 — 32  ein,  so  schheßt  nu  merke  433  genau  an  merke  405.  Ver- 
räterisch der  rahe  409  statt  her  nach  den  rahen  408. 
[447/48]  In  447  erkennen  wir  die  Motivierungsforrael  von  V.  317.  342  a 

wieder.   Der  Reim  und  V.  448  =  dem  interpolierten  392;   Vgl.  1140  f. 

[520—23]  V.  520  macht  der  Vierreim  stutzig,   V.  521    das  ringerlin  statt 

eines  Pronomens,    V.  523/24  der  Zusammenklang   mit    den   ausge- 


Einleitung.  XXXIII 

schiedenen  Versen  47:3  74.    Auch  der  Inhalt  ist  verdächtig:  eine  neue 
wundersame  Ringeis:enschat't  christliclier  Art:    vgl.  171  IT.,  5"28f. 

Die  Athetese  von  9S'J — lÜlU  erführt  noch  eine  starke  Unter-  [8«— '.)8J 
Stützung,  wenn  man  V.  <SM4  85  betrachtet,  die  sich  untereinander 
aufs  krasseste  widersprechen:  die  Reise  dauerte  17  Tage  —  8  Jahr: 
es  ist  eine  der  gegensätzlichen  Interpolationen  wie  4()'»,  294  etc., 
und  wir  sehen  nun,  daf?  885  fl.  wie  989  IT.  den  Untergang  von 
71  Schiften  einzuschmuggeln  bestimmt  sind.  Ich  begrenze  den  Eiii- 
schub  mit  898,  aber  wenn  wir  ihn  beseitigen,  werden  noch  ganze 
Versreihen  mitgerissen. 

Zunächst  905 — :2G,  wo  von  der  langen  Reise,  vom  9.  Jahre  [903—20] 
der  Reise  die  Rede  ist  und  von  dem  Ringe,  der  keusch  macht  und 
allen  Zorn  verrauchen  läßt.  In  der  Tat  bleibt  aber  917  fi".  das 
Ringlein  ohne  jeglichen  Erfolg,  —  Gott,  nicht  der  Ring  hilft  902  — 
der  Heide  erhält  zwar  vielleicht  eine  Antwort  auf  seine  Frage 
nach  Herkunft  des  Ringes  —  sozusagen  hinter  den  Kulissen : 
V.  920  —  aber  das  hat  weder  gleich  noch  später,  als  Oswald 
kommt,  die  geringsten  Folgen.  927  schliefst  sich  eng  an  899  ff.: 
ihm  widerfuhr  groß  Ungemach  auf  dem  Meere  (aber  Gott  und  Maria 
nahmen  ihn  in  ihre  Hut):    der  Proviant  ging  ihm  aus. 

So  bestätigt  sich  die  Athetese  von  779/80  (S.  XXX);  aber  [540-.53J 
V.  540 — 53  werden  wir  nun  streichen  müssen:  sie  enthalten  die 
Tugenden  von  Spanges  Ringe,  insbesondere  die  Voraussetzung  zu 
905 ff. :  wer  ihn  trägt,  kann  niclit  versinken.  V.  552/53  die  be- 
zeichnende Parallele  zu  .538;.39  (vgl.  43c.  157),  die  zugleich  Anfang 
und  Schluß  der  Interpolation  verrät.  Es  ist  die  vierte  Einfügung 
von  Ringeigenschaften:  171.  520.  90-5.  Die  Reime  540 — 545 
und  .550  51  nur  hier. 

1136 — 39  halte  ich  für  einen  der  Keuschheitszusätze:    der  Kuß,  [11.36—39] 
mit  dem  Oswald   die  Braut  empfing,   war  harmlos  und  der  einzige. 
Schlußanknöpfung   durch   den    Parallelismus    1139ff.  ||  1132  ff.    (vgl. 
552/53  II  538/39)  ;     an  aines  herzen  grünt    ist   allerdings    einzig   in 
seiner  Unverständigkeit. 

Überhaupt  weiden  wir  nun  fragen,  was  von  Spanges  kusche 
übrigbleibt,  nachdem  sie  sich  so  vielfach  als  unecht  erwiesen: 
40a-c.  90.  .528/29.  1136/39.  1142—43;    171—78. 

V.  55/56  gleichen  85/86,  nur  fehlt  kusche,  das  V.  86  bietet. 
Aber  es  folgt  in  einem  besonderen  Verspaar:  V.  57/58.  Indessen 
ist  denn  kusche  in  V.  86  an  seinem  Platze?  Es  zerstört  vielleicht 
den  Vers,  indem  es  ihn  fünfhebig  macht. 

Als  dann  der  Rabe  seine  Botschaft  bestellt,  sagt  er  V.  4.50: 
'Wolltest  du  sein  Buhle  sein,  so  wollte  Oswald  mit  dir  leben  kusche 
hiz  an  daz  ende  sin  (453) :  der  Nachsatz  scheint  dem  Vordersatze  zu 
widersprechen;  0  hat  das  kusche  schon  im  vorigen  Verse  unter- 
gebracht.    Stand  es  also  auch  hier  am  Rande? 

Baesecke,  Wiener  Oswald.  III 


XXXIV  Einleitung. 

Und  schließlich,  als  der  Rabe  Spanges  Zusage  brinsrt,  heißt  es 
(757):  'Dir  will  sie  sich  ergeben  und  keusch  mit  dir  leben  an  ires 
libes  ende  (759)'.  0  läßt  den  Mittelvers  aus,  und  wir  haben  von  dieser 
Stelle  aus  keinen  hinreichenden  Grund  anzunehmen,  daß  kusche  nicht 
in  *\V0  stand.  Aber  das  zeigt  sich  auch  hier,  daß  husche  in  diesen 
V'ersgruppen  keine  feste  Stelle  hat:  V.  57  (dabei  Unordnung  in 
V.  56)  und  W  453  ist  es  mit  biz  an  ir  ende  verbunden,  Y.  86,  758 
und  0  451  zu  mit  dir  leben  gestellt.  Nimmt  man  hinzu,  daß  es 
V.  86  vielleicht  den  Vers  zerstört,  V.  90  reimlos  hinzugesetzt  ist, 
so  möchte  man  die  ganze  husche  Spanges  für  unecht  halten.  (Wir 
dürfen  es  nicht  gleich  daraus  folgern,  daß  in  0  das  kusche  V.  57. 
104.  758.  912  fehlt:  0  vermeidet  das  Wort  aus  lauter  Keuschheit 
wie  fridel,  minne,  bule,  wip.  Aber  diese  Regelmäßigkeit  ist  doch 
auffällig.) 

Dazu  stimmt  noch  eine  andre  Beobachtung:  kusche  leben  heißt 
es  *W0  451.  758,  W  90,  0  86,  kusche  hliben  *W0  56  und  W  86:  leben 
paßt  auch  ohne  kusche,  bliben  nur  mit  kusche  zusammen :  die  Les- 
art leben  O  86  zeigt  noch  das  Aussehen  des  Verses  vor  Eindringen 
des  kicsche. 

Übrigens  läßt  auch  Oswald  dem  Raben,  als  er  ihn  auf  die 
Freite  schickt,  nichts  von  einer  Keuscliheitsbedingung  verlauten 
(142  ff.),  und  demgemäß  sagt  der  Rabe  (V.  472)  nur:  nim  Oswalt 
zu  einem  man. 

Allerdings  ist  auch  schon  im  Original  von  Keuschheit  die  Rede 
gewesen.  Spange  war  natürlich  in  dem  gewöhnlichen  und  mensch- 
lichen Sinne  kusche  und  konnte  auch  so  genannt  werden :  das  spricht 
V.  100  deutlich  genug  aus:  sie  wird  nicht  heiraten  und  darum  keusch 
bleiben.  Oswalds  kusche  (1109  und  1206)  läßt  sich  sehr  wohl  als 
mittelalterlicher  Zweck  der  Ehe  verstehn:  vgl.  4.50  ff.  Aber  solche 
Stellen  mögen  eben  die  eingehende  Bearbeitung  des  vielgeliebten  Motivs 
angeregt  haben,  deren  Spuren  sich  aber  auch  sonst  nicht  ganz  ver- 
wischen lassen:  V.  60 — 60 b  beziehen  sich  auf  jene  andre  kusche 
Spanges,  ohne  daß  ich  sie  zu  beseitigen  wüßte.  Aber  der  Vergleich  von 
55/56  mit  85/86  und  451/53  (zum  ivihe^  zu  nemen,  leben  >-  bliben, 
kusche:   s.  o.)  zeigt,  daß  hier  alles  übertüncht  ist. 

5.  Für  sich  allein  und  mit  besondrer  Vorsicht   betrachten  wir 
den  Schluß  von  V.  1336  an,  denn  da  fehlt  uns  die  Kontrolle  einer 
zweiten  Handschrift:    0  setzt  aus. 
[1363—1403]  V.  1363  ff.  verlangt  Oswald  von  Spange  als  Entgelt  für  die  Bitte 

um  Belebung  der  Heiden  das  Gelöbnis  der  Keuschheit.  Es  wäre  ja 
möglich,  daß  das  hier  einmal  echt  wäre,  es  ließe  ."sich  das  Gelöbnis 
einer  Kirche  (1049)  und  einer  Spende  (1206)  vergleichen.  Indessen 
lassen  sich  eine  xMenge  von  Verdachtsmomenten  dagegen  aufführen. 
Erstens:  Oswalds  Antwort  beginnt  (1363),  ohne  daß  der  Personen- 
wechsel  bezeichnet   wäre.     Zweitens:     Spange   bittet  Oswald    sehr 


Einleitung.  XXXV 

sonderbar,  für  ihre  und  seine  Seele  zu  beten  (1385 ff.);  das  aber  ist 
nachher  ganz  vergessen.  Drittens:  V.  1404  spricht  ohne  jeden  Über- 
^'an;.'  plötzlich  Oswald,  er  ist  schon  im  Gebet,  aber  von  der  t-'elobten 
Keuschheit  saj^t  er  keine  Silbe.  Da  ist  also  eine  Lücke,  vielleicht 
nur  von  zwei  Versen  (vgl.  1298/99),  und  wir  werden  nicht  leicht 
mehr  glauben,  daß  das  Zufall   ist.     V.  1397  ein  Dreireim  wie  40". 

14.58/59  halle  ich  für  Parallele  zu  14.55/5(i,  verraten  durch  die  [1458/59] 
liikonzinnität  an  sinte  Oswalden  1456   gegen   zu  dem  kunige    1458. 

Wir  scheiden  also  jetzt  *W0  in  ein  ursprüngliches  *WOj 
(=  I)  und  ein  dahineingearbeitetes  *ViO^  (=^  II),  und  wir  recht- 
fertigen unsere  Begrenzung  durch  Untersuchung  erstens  der  Vers-, 
zweitens  der  Reimtechnik. 

B.  Yerskiinst.  1.  Unser  Gedicht  stellt  sich  dem  Betrachter  lange  als 
ein  roh-unentwirrbares  metrisches  Gemisch  dar.  Es  finden  sich  allite- 
rierende ZweiUikter  (mit  der  'dipodischen'  Messung  des  Viervierteltaktes : 
>  /  X  X  X  X /  X  X  X  >: )  "eben  Viertaktern  f  A  /  >,  y  /  >;  xlxXlx  X ), 
zwischen  beiden  auch  Vierheber,  die  zur  alten  dipodischen  Messung 
neigen,  und  dazu  Verse  mit  augenscheinlich  nur  drei  verwirklichten 
Ikten;  die  Kadenz  -^x  ist  archaisch  gebunden  mit  (X)-^,  aber 
auch  modern  mit  x  X,  d.  h.  es  geht  Ahd.,  Mhd.,  Nhd.  durcheinander, 
das  Ahd.,  wenn  man  von  den  Dipodien  absieht,  zwar  erst  durch  den 
Bearbeiter  eingeschleppt,  das  Mhd.  aus  der  Überlieferung,  das  Nhd. 
aus  der  Sprachentwicklung  und  dem  Dialekte  wohl  erklärlich:  das 
Diphthongieren  macht  sich  zwar  noch  nicht  bemerklich,  wohl  aber 
eine  Verschiebung  der  Vokalquanlitäten,  die  das  alte  System  der 
Verskadenzen  und  damit  die  ganze  metrische  Technik  zu  stören 
.scheint.     Wie  tinden  wir  uns  durch  dies  Labyrinthy 

Ks  sind  1514  Verse  ( 1 298 'i  durch  Konjektur  gewonnen:  52  Plus- 
und  o  ^linusverse  gegen  Pfeiffer),  davon  1152  in  *'\VOi  (=  I), 
:562  in  *W0o  (=  II).  Die  1152  zerlegen  sich  in  575  Verspaare 
und  zwei  Einzelverse  (700  und  1350),  die  362  in  zwei  Dreireime 
(40".  1397),  174  Paare  und  8  Einzelverse  (43«.  294.  458  a.  564. 
699.  748.  832^1;    90). 

2.  Wir  beschränken  uns  zunächst  auf  I  und  nehmen,  um  in 
diesen  W^irrwarr  Ordnung  zu  bringen,  als  festesten  Ausgangspunkt 
die  Verse  mit  hochtonigem.  zweifellos  männlichem  Ausgange,  d.  h. 
wir  lassen  auch  alle,  die  erst  durch  Apokope  oder  Synkope  männlich 
geworden  sein  könnten  (irilligliche,  faren,  jchen),  desgl.  alle  mit 
dem  Reimschema  -^  /  :  -^  (koufman  :  lan)  vorläufig  beiseite; 
auch  den  konjizierten  V.  1298 <i  mit  1299.  Dann  bleiben  uns 
642  solche  Verse.  Davon  haben  bei  natürlicher  Lesung  etwa  257 
regehnä&igen  Wechsel  von  Hebung  und  Senkung. 

Auch  die  übrigen  haben  nicht  mehr  als  vier  Takle,  wenn  man 
liest,  we  folgt. 

iil* 


XXXVI  Einleitung. 

Der  Auftakt  ist  meist  einsilbig  oder  fehlt.  Zweisilbiger  Auf- 
takt besteht 

a)  aus  einem  unbetonten  Wörtchen  und  Präfix:  her  trwüschte 
700,  her  hegiinde  1241,  si  hegiinden  210",  der  entbiit  449,  und  ge- 
dinke  640,  tmd  begünden  1415,  wol  heran  290; 

b)  aus  einem  unbetonten  Worte:  (umhe  mine  1329.)  einen  (rdhen) 
111.  1054.  1059,  unser  herre  940,  also  liep  82,  wenig  gutes  828, 
groze  Übe  1186,  juncfrou  S2)dngen  186; 

c)  aus  zwei  unbetonten  Worten:  vor  dem  crüze  1340,  blz  der 
heide  1071;  wo  ist  Ostvalt  982,  di  hat  lügende  93;  wenne  ich  wi'irde 
460,  doch  in  got  902,  wer  si  friet  97,  daz  im  (cht  225;  her  (si) 
sprach:    (säge  mir)  81.  495.  777. 

Dreisilbiger  Auftakt  wäre  anzunehmen  in  {unibe  sin  völk  1358, 
ich  kume  hin,  Gegensatz  wider  194,  so  sprechet  dUe  1465),  dir  hat 
gesdnt  765,  und  tvil  an  göt  1362. 

Im  Versinnern  treffen  wir  mehr -als -zweisilbige  Takte 
folgender  Art. 

a)  ^^X  in  einem  Worte:  edeler  (edele  etc.)  166.  185.  .353. 
356.  454.  495.  524.  765,  himele  193,  samehmge  1174;  zusamene  1232; 
federe  863,  gefidere  876;  lebeten  1268;  kunige  466.  491,  manige 
1070.  1226;  lebendig  1333.  1414,  sibenzig  1081.  In  V.  249  und 
264  wäre  lesbar  schdchzägelspil,  aber  334  und  362  legen  schach- 
zdgelsp'il  näher. 

b)  ^  — X  in  zwei  Worten:  hdbe(n)  ge(tän),  meist  mit  der  Möghch- 
keit,  das  haben  zu  kontrahieren:  105.  641.  1197.  1203.  (1219.)  1265: 
göte  gedinet  1264,  niere  geivdchsen  726,  mere  geschdch  988,  tete  be- 
kdnt  1287  t),  g6te  bekdnt  1341;  tagen  gefdren  1196,  geren  gelonben 
1194,  räben  gezogen  111,  rdben  begünden  210;  disem  gebet e  1407; 
vdter  vorzdlt  459;    lidest  gedüldiglich  1406; 

räbe  nu  511.  (1101),  sdge  mir  81.  782,  Idde  si  535;  geben  ein 
275,  rdben  an  408,  körnen  in  800.  1043;  i'ibele  iz  1248,  swefel  und 
1277;  sdgen  von  592;  vdter  und  1313,  wider  zu  734,  wider  daz 
707,  ?^2fZer  sm  718,  iiber  des  560;  /eft^s^  (?m  1260;  tilgende  und  93; 
^e^e,  ff'as:  964,  sprechen,   her   361,    bitest,   daz  1358,   «?ere,    r?«^  768. 

(c)  Ji^^,  in  der  Senkung  zwei  enklitische  Silben:  möchte  her 
493,  schütte  her  626,  sdtzte  her  1156.) 

d)  ji-^^,  in  der  Senkung  eine  enklitische  und  eine  proklitische 
Silbe:  [dlle  geliche  210^,  rechtem  geloüben  1447,  hdte  gehört  507, 
vdste  geslözzeti  1079,  wite  bekdnt  96,  dinste  bestdn  1055;)  ivürde 
geivdr  590,   «ZZf  gemein  815,   dWe  gesünt    1417,    ^^feZ  gebetet    1323; 

(7j«^e  rfas  701,  7t(5?'<e  rfer  941,  mdchte  daz  1220;  irschellet  ein 
1188,  bringe  dem  539,  /"rm-e  dic/i  496,  friet,  di  106,  (JZ/e  der  621, 
snelle  hin  1179;)  tdten  di  338,  heiden  di  260,  sünder  ein  1028, 
Oswalden  den  1327,  t'inder  den  183,  ««f/e/' rfem  515,  Maria,  di  904; 
Zjitsie  sj  a»  1135,  brüder  bi  62,  kirchen  zu  445,  Ze/(/e  s^w  658  *>,  ^e- 


Einleitung.  XXXVII 

schaffen  mit  1141,  gcJonhen  von  13(52;  hner  din  Z~S,  alle  min  1057; 
eia,  ril  8ö5,  (öchter,  ga  1314; 

hat  her  zuhänt  98,  tcürt  her  gewär  <öLO,  stiz  her  den  1144,  ndm 
si  ein  538,  müst  du  ein  235,  uilt  du  im  1261. 

e)  x^ -»  in  der  Senkung  zwei  proklitisclie  Silben:    im  zu  geböte 

30,  mir  zu  vord^nken  591,  iräz  Jier  getcin  4^G\,  da z  zu  der  selbigen  1157. 

f);<-'X,  die  erste  Senkungssilhe  enklitisch:  (he'rre  daz  944, 
herre  mich  1352,  machte  sich  1179,  irbärme  dich  936,  (Jwfte  sic/i 
268,  t(?W.e  sj  534,  toüfe  daz  239,  />/e/,  f?«2r  97,  herren  her  942, 
froüiren  di  344,  virdehalp  466;)  williglich  192;  s(5  »c/i  m  1074; 
r/Ven  /»/  35,  dinen  und  4i)8,  ut'inders  so  361,  nu'isten  do  824,  t'/n*; 
50/  1300. 

g)  -^  x-^:  (Ä/>i  /"jtr^f  /i^r  1145,  wilkomen  750.  981,  uäz^ich  dir 
94.  489^  949.)  «%/^e;»  1078.  1157.  1176.  1432;  müste  in^an  382, 
nim  mich  in  940,  göt,  ich  dich  1105,  s^  einen  1073,  <«<«  stM^n  503, 
hin  libez  638,  Öswalt  der  982,  jüncfrou  (jiingfer)  zu,  436,  blschofe 
499.   Oswalden  1300. 

Diese  Rubrik  würde  sich  noch  sehr  vergrößei-n,  wenn  wir  nicht 
folgende  Takterleichterungen  durch  Verschieben  des  Akzents  für 
möglich  hielten:  daz  hörn  lutte  und  bedutte  1158,  Idnt  sint 
mir  48;  dazu  herkömmlicherweise  im  Auftakt:  richtüm  und 
13,  Oswiilt  in  44.  nein  sprach  daz  454,  bint  mir  daz  558,  got  din 
beschirmer  639,  Osivdlt  zuhänt  851,  Osivdlt  fil  1041,  jo  sprach 
si  1187,  gut  was  daz  1257.  Hierher  rechne  ich  auch  die  iambische 
statt  daktylische  Lesung  drei  einsilbiger  Wörtchen  im  Verseingang: 
daz  her  dem  282,  do  in  daz  325,  der  iiz  dem  726,  und  so  737.  853. 
979.  1014.  1100.  1122.  1154.  12.56.  (1343.)  1446.  1464.  Nötig 
sind  aber  alle  diese  Verschiebungen  nicht,  wie  die  Beispiele  oben 
unter  g)  zeigen;  die  Verse  sind  also  in  die  257  'regelmäßigen' 
nicht  eingerechnet. 

h)  vi/ww^:   {sdmelunge  1174;)    räter  ist  eiti  9(j,  leben,  liber  511. 

(i)  x-'—- -:  üngelnnben  1261,  heldenischer  201.  1260,  sjnse  weder 
724,  ösicalt  hate  1240,  sprach:  ivurdet  ir  299,  uzgestözen,  duz^ich 
864,  icäs^ich  nch  gebeten  1347. 

Akzentverschiebung  ließe  sich  annehmen  in  strichle  in  mit  ir 
625,  ici  her  unser  368,  under  im  di  1177,  also  her  mir  befölhen  1048.) 

3.  Aber  wenn  auch  keine  Fünftakter,  so  gibt  es  doch  V^erse 
mit  nur  drei  verwirklichten  Hebungen  unter  den  auf  Hochton  aus- 
drehenden. Sollen  wir  die  als  altertümlich  ansehen,  als  vierhebig 
stumpf,  mit  dem  vierten  Takte  in  pausa,  oder  als  modern,  einge- 
schleppt dadurch,  daß  die  alten  vierhebig  klingenden  Verse 
('<y  y  y  —  y)  dreihebig  (x  ^^  X  X  :^  X)  gelesen  wurden?  Beides  ist 
möglich.  Denn  daß  die  alte  klingende  Kadenz  noch  in  voller  Kraft 
ist,  zeigt  sich  daran,  daß  sie  auf  männliche  reimen  kann  (-^x  •~^)' 


XXXVIII  Einleitung. 

andrerseits  reimt  aber  auch  x  ><  auf  -^  x »  und  damit  ist  die  Vor- 
bedingung für  männliche  Dreitakter  gegeben. 

Es  bleibt  also  nichts  anderes  übrig,  als  die  Verse  selbst  zu 
untersuchen  und  zu  fragen:  wie  schwer  muß  eine  Silbe  sein,  um 
noch  einen  ganzen  Takt  füllen  zu  können?  Aber  natürlich  dürfen 
wir  zu  einer  solchen  Untersuchung  nur  die  Verse  heranziehen,  die 
am  wenigsten  in  den  Verdacht  der  Dreihebigkeit  kommen  können, 
d.  h.  die  kUngenden  der  alten  Art :  X  :J<  X  x  X  -^  X  ?  die  nicht  auf 
X^X:K:X:i<XxX   reimen. 

Daß  überhaupt  einsilbige  Takte  anzunehmen  sind,  lehren  die 
22  Verspaare  mit  den  Kadenzen  -^ :  -^  x  ^^'o  "^  dem  klingenden 
Verse  ja  notwendig  Synkopierung  des  vorletzten  Taktes  eintreten 
muß,  wenn  der  Akzent  nicht  verschoben  werden  soll :  alt :  Öswälf. 
Daß  er  nicht  verschoben  werden  soll,  lehren  wenige  Lesepi'oben. 
Man  kann  diese  Verspaare  in  zwei  Klassen  zerlegen:  in  der  ersten 
fällt  der  männliche  Reim  auf  einen  gehobenen  Nebenton  (reinikeit : 
hüsclteit),  in  der  zweiten  auf  einen  Hochton  (alt :  Osivcüt).  Von  der 
ersten  Art  zähle  ich  5,  von  der  zweiten  17. 

Jene  Synkopierung  des  3.  Taktes  verpflanzt  sich  aber  charakte- 
ristischerweise —  offenbar  durch  eine  Art  von  rhythmischer  Asso- 
ziation —  aus  den  weiblichen  auch  in  den  zugehörigen  männlichen 
Vers,  und  es  entstehen  Bindungen  wie  jär  alt :  Oswält  437,  (bis  frö  : 
also  496,)  kni  sin-.perün  608,  göt  gäii :  koufmän  801,  gehürn  sin: 
güldin  1016,   hirz  stdn:  dhistmän    1072,  gcwdr   wart :  näfärt    1180. 

So  ist  mit  den  Synkopen  zugleich  ihre  Einteilung  gegeben:  sie 
treten  ein  a)  innerhalb  eines  Wortes  (-^x)  oder  b)  zwischen 
zweien  (-^-^). 

a)  Die  erste  Art  findet  sich  innerhalb  der  00  Verspaare  auf 
-^X  (apokopierbare  sind  auch  hier  wieder  ausgeschlossen)  m  junc- 
froüiven  335.  345,  etTichen  596,  d'ineren  848  (wunderte  50,  hinderte 
1222).  Diese  Gruppe  erhält  Bestätigung  aus  den  Reimworten  der 
Verspaare  auf  -^x  •  ^^'  dinstwun  1072,  koufmän  576.  801,  näfäH 
1181;  Öswält  31.  438.  945.  1228,  fretssäm  91.  141,  wdrhett  ^U, 
kuschelt  1110.  UOö,  güldhi  118.  170.  1016.  1150,  j^erlm  608,  sördlch 
1021,  kerker  1253.  Es  schließen  sich  an  die  trennbaren  Komposita 
nä-trügen  34,  hin-springen  127.  161,  her-brmgen  597,  heim-färn  1040. 

b)  An  diesen  letzten  und  den  oben  genannten  Beispielen  (V.  437. 
608.  801.  1016.  1072.  1180)  zeigt  sich,  daß  noch  die  alte  Satzton- 
regel gilt:  das  Nomen  und  emphatisctie  Adverb  kann  einem 
folgenden  Worte  in  der  Betonung  nicht  untergeordnet  werden,  d.  h. 
es  ist  hochtonig,  wenn  es  vor  dem  Hochton  des  Reimes  steht,  und 
wenn  es  einsilbig  ist,  muß  Synkope  eintreten.  Wenden  wir  das  auf 
die  rein  khngenden  Verspaare  (-^x  :-^X  •''•"'  so  finden  wir  da 
noch  folgende  Fälle  von  Synkope  vor  dem  Reime:  mdrc  göldes  285, 
geu-är  wirden  1266.     Vom  zweiten  und  dritten  schließen  wir  dann 


Einleitung.  XXXIX 

auf  den  ersten  Veistal<t  und  lesen :  sin  surii  nätruf/en  34,  über 
mere  Ist  tjemvzzcn  140,  nf  di  bi'irc  quämen  mi'r^  1418  {dinest  und  17); 
da  stihit  ein  il33,  gar  iröl  i'inrordräzzin  1080  (hin  floiu/  her  mit  642, 
mit  Möjrlii-likeit  der  Akzentverschiei)ung). 

Da^'e^'en  fehlen  beweisende  Fälle  von  Synkope  zwischen  Verhal- 
lorm  und  Reim.  Ich  synkopiere  auch  ohne  solche  Zeugnisse  im 
Yersinnern  nach  Verbalform,  wenn  vor  der  nächsten  Hebung  zwei 
Silben  stehen,  von  denen  die  zweite  schwächer  ist:  Uz  si  ronnfren 
60:2,  S2)r(tcJi  zu  dem  233;    hat  mirz  gebunden  517. 

Zwei  (drei)  Synkopen  in  sin  swert  nä  trügen  34. 

4.  Wir  folfiern  jetzt:  im  hochtonig  schUeßenden  Verse  werden 
die  gleichen  Synkopen  zugelassen  sein  wie  im  klingenden.  Wo  wir 
mit  ihnen  nicht  auskommen,  um  4  Takte  zu  füllen,  müssen  wir 
dreihebige  Verse  annehmen. 

a)  Synkope  innerhalb  desselben  Wortes  fanden  wir  zugelassen 
beim  Kompositum,  hier:  hüsfroiiwe  1288»,  mdsfboümes  650;  jilnc- 
froü(wen)  166.  347.  379.  407.  5(52.  1336.  1346,  jüncfroüwelin  ^  ji'mc- 
froHTm  ":>  jüncferVin  449,  dndacht  1341;  snewiz(en)  340.  .557.  625 
(doch  vgl.  21);  kürzwile  246»;  öswdld(en)  963.  1101.  1183.  1327; 
bi.^chöfeOO  1423.  1430. 

Dali  auch  schwächere  Ableitungssilben  und  Flexionen  (nach 
Länge  und  vor  tonloser  Silbe)  einen  Iktus  tragen  können,  ist  zwar 
durch  das  Versinnere  der  Reimpaare  auf-^x  nicht  bezeugt,  wohl 
aber  durch  das  Vorhandensein  des  klingenden  Schlusses  mit  doppeltem 
Akzent.      Ich   lese    also:    grimnuyen   494,   gened\ger    1045,    seWigen 

1416,  trvnig  in  130;  ander  609.  1301,  bezzer  1025;  heiden  1178. 
1249,  trüwhi  1315,  wenden  856,  worden  138,  tvihischten  274,  würden 

1417,  dünVet  109,  shp//^  1179,  lüte  1413,  brachte  12.32,  grüste  271 
koste  263,  möchte  1286;  geloüh^te  593,  fölgeten  1076,  koüfet  301. 
Fraglich  scheinen  ferrh  in  832,  gefcirhi  1235;  nicht  möglich  gestern 
her  gewan  36-5,  schöne  hat  gecleit  369. 

b)  Synkope  zwischen  zwei  Worten,  a)  das  erste  ein  Nomen, 
aa)  vor  dem  Reim:  inh-  hdn  235,  lön  sin  3ö4,  geivänt  trelt  370, 
arm  näm  408,  mer  wänt  435,  tröst  Ut  1057,  kni  fll  1105,  dinc  hat 
1140.  tdc  wart  1310,  göt  ist  1.325,  bürc  gdn  1415;  hant  sin  518.  kil 
sin  \lAi,jdr  her  110,  man  nä  1077,  stül  auch  1281;  [nicht  fünt  11-54;) 

gut  rät  952,  gut  wint  1221;  liep  was  179,  cränc  wärt  658, 
hlöz  hin  864,  gewdr  wart  973,  leit  sin  1171,  gröz  was  1279,  tot 
ist  1358; 

gebrächt  wärt  265,  bereit  wärt  823,  getan  wärt  828,  getan  sin 
1033;    gesänt  mich  230,  gesätzt  dir  1290. 

ßß)  Also  im  Versinnern:  sjiH  ällez  283,  hirz  wünniglich  1066; 
wirc  williglich  11,  völk  überal  368,  hirz  überal  1069,  bürc  raste 
1079,  j;m  gär  1279;  Ä/rr,  rfrf^  1015;  //;;  »t'rtr^  339,  .(?c><  so^  354, 
bürc  mächte  1067,  ^■o/^•  üfbrach  1075;    M'cJrf  üzgesprach   1122,  /ior« 


XL  Einleitung. 

näm  1155,  werc  hau  1265,  pech  gi'izzen  1277,  stül  wert  1285,  göt 
heten  1305.  1335,  völk  hltest  1358;  tot  im  8,  hirz  her  1059;  hröt 
tind  240;  «/c/;^  me're  238.  381,  wic7?^  ««^en  592,  kht  widerfwe 
225  (Erhaltung  der  alten  Bedeutung  des  nicht]);  acht  jär  110,  eilf 
tage  7^1,  rlr  wöchen  1209,  drl  stille  1294,  rZr«  hundert  366;  .sc7iOJi 
güldin  766;    /7?-O0  itnr/e  262. 

ß)  Das  erste  Wort  ist  ein  Adverbium  aa)  vor  dem  Reime. 
Hierher  gehören  zuerst  die  trennbaren  Komposita:  hin  pmg  969, 
i'if brach  1075;  (drücte)  (in  sich  387;  her  gegen  245;  ferner  alhi 
sen  1262,  ztihänt  dö  1306,  (daz  stunde)  wöl  An  586.  843,  [iü6l  künt 
48,)  vil  schir  822,  vil  gd  1178  (mhd.  n-ol,  vil  und  dgl.  sind  also 
nicht  schwachtonig!)  [so  zart  974).  ßß)  Also  dürfen  wir  im  Vers- 
innern  lesen:  hin  loufen  534,  heim  für  1443,  üb  stiz  1144,  völ 
körnen  1148;  (füre)  her  durch  di  11^,  her,  juncfrouwe  (gesant)  436, 
zii  mäste  (gän)  492a,  hinvür  müste  (gern)  1256;  f/rt&/  sti'tnt  1281, 
{dari'iz  näm  538,)  (/«  älznhant  1035;  zuhdnt  in  der  656,  zuhdnt 
dö  823,  2;M/i«fi!'  »/  851.  1078,  ^^wÄan«  »d^  1148,  rZd  wrfrf  1293, 
nü  und  1143»;  «»ö^  sprechen  112,  «fdZ  drizenAöl,  tvöl  drizig  1233, 
r/dr  /erre  137,  ^^ar  frölich  508,  ^ar  mwfZe  722,  gär  ühele  1248, 
^«r  ^rdz  1279,  vil  liber  145,  ut7  gi'iter  965,  «^7  mänige  1070,  r/^ 
geren  446;    wolüf  endelich  819. 

Ich  schließe  hier  an  die  Synkopen  nach  Konjunktionen :  sint 
mir  ein  1169,  rfd  däz  dl  524,  di  7!cV622;  aber  nicht  tcö  däz  nicht 
1037:    däz  ist  hochtonig. 

Synkope  durch  Satzpause:  Jö,  töchter  363,  jö,  edele  495,  ^ö, 
7ifrre  1307,  nein,  sprach  59,  heran,  alle  290,  sd,  (?«^  180. 

Y)  Synkope  nach  Verbalform  vor  dem  Reim  ist  wohl  an- 
zunehmen in  si'imet  nicht,  daz  tvil  ich  820,  und  jiincfrohwe  waz 
mächt  ir  1346,  also  selbst  vor  dem  schwachen  Pronomen.  Da  dürfen 
wir  die  Grenzen  also  weit  ziehen.  Wir  synkopieren  erstens  in  Satz- 
pause, so  nach  her  (si)  sprach:  105.  236.  244.  353.  (355.)  363. 
375.  403.  585.  871.  935.  943.  1042.  1105.  1200.  1307;  desgl. 
ich  iveiz,  wäz  949,  her  blis,  däz  1157.  Zweitens  vor  Hochton: 
such  über  sich  1291,  angesäch  üncorzeit  525,  si  ginc  älzuhant 
1182,  (sprach  dö  509),  lif  vil  mänige  1070  (s.  o  ),  loärt  ni  968.  (söl 
lüilliglichen  Ml  würde  ich  nicht  zulassen:  sol  hat  schwächeren  Ton 
als  wil.)  Wir  synkopieren  drittens,  wie  unter  3,  auch  da,  wo  vor 
der  nächsten  Hebung  zwei  Silben  von  absteigendem  Gewicht  stehen : 
urh't  her  geivar  1293,  hat  dir  entboten  755,  (wil  oi'uh  darzu  1208,) 
flöug  in  daz  197,  entfil  im  daz  655,  fiöug  durch  ein  975;  für  in 
sin  1443,  stdt  m  sin  442,  tvil  mich  min  844,  gän  is  mir  578;  söl 
ich  mit  799,  lif  vil  mänige  1070  (s.  o.).  Akzentverschiebung  des 
Auftakts  ist  möglich  in  den  ähnlichen  Fällen  V.  245.  378.  459.  509. 
526.  621.  755.  9.59.  1047.  1334.  1354,  1201. 

h)  Synkope   nach   Pronomen:    aa)   in   Satzpause:    dir,   silberin 


Einleitung,  XLI 

1015";  ßß)  in  Emphase:  dtr  in  bedacht  37H,  dir  alle  min  1057, 
dir  habe  1^03,  du  weist  iz  950,  wi  ist  der?  Ii203,  wetz  schaffest  du 
355,  tcä:  ich  dir  406:  den  dngesach  350,  duz  was  entfallen  767, 
ddz  sützte  1156,  wo  duz  nicht  geschieht  1037,  des  nicht  enliz  305, 
von  d^n  schale  346  f,  der  fär  800,  ein  wärer  </öt  1325.  Nicht  zu- 
lassen würde  ich  Mr  grüzte  271,  her  nuiz  2951',  /je->  sprach  785, 
Ä('r  /s<  1190.  her  sände  1422,  Si'  sprächen  817;  rff'r  f'/jgrf^  1287», 
rfe»-  räben  380,  rf^m  A-/«rff  7,  d6n  ruben  267,  rfm  willen  1214,  rf/  dörfer 
1051»,  f/«2^  ander  1246,  dd^'  o//f^  1287^;  min  bröt  iinde  min  win 
240  (min  bröt  ünde  min  win). 

z)  Synkope  nach  Präposition  (virl.  b  ß)  ist  vielleicht  noch  mög- 
lich vor  zwei  schwachen,  absteigenden  Silben:  biz  an  daz  453;  an 
miner  463,  durch  mines  1018,  vün  sines  1020,  durch  ires  1036;  aus- 
schließen würde  ich  in  alle  575,  in  einer  827,  zu  einer  1051 ;  durch 
den  uillen  1214,  von  dem  hirzgewi  1032;  von  hinne  831,  zu, 
dir  1353. 

Wir  haben  damit  als  dreihebig  (unter  den  sicher  hochtonig 
schließenden  Verspaaren!)  bezeichnet  V.  7.  240/41.  267.  271.  295 b.  365. 
369.  380.  .57.5.  785.  817.  827.  831.  1032.  1037.  1051/51a.  1190.  1214. 
1246.  1287ab.  13.53.  1422.  Ich  bilde  mir  nicht  ein,  daß  das  die  einzig 
mögliche  Abgrenzung  ist:  dazu  reichen  die  Kriterien  oben  nicht 
aus,  und  je  objektiver  sie  sind,  desto  weniger  können  sie  augen- 
blicklichen Wallungen  des  Versbaus  nachkommen.  Es  genügt  zu- 
nächst, eine  Mindestzahl  anzusetzen.  Sie  vergrößert  sich  aber  noch 
durch  die  Beobachtung,  daß  6  von  den  25  Paare  bilden.  Prüfen 
wir  nun  die  Mitverse  der  gefundenen  einzelnen  Dreitakter,  so  er- 
gibt sich  in  einer  ganzen  Reihe  von  Fällen,  daß  sie  innerhalb  der 
oben  gefundenen  Grenzen  der  Taktfüllung  auch,  und  größtenteils 
leichter,  dreihebig  gelesen  werden  können:  8.  266.  270.  .366.  379. 
786.  818.  8.32.  1031.  1191.  1247.  1423. 

5.  Das  Resultat  ist  jedenfalls,  daß  wir  eine  Anzahl  von  drei 
hebigen  Versen  mit  Hochionschluß  anzunehmen  haben,  und  wir 
kommen  wieder  auf  die  Frage  zurück :  sind  sie  archaisch  oder  nach 
dem  Muster  dreihebig  aufgefaßter  klingender  Verse  geschaffen? 
Eine  exaktere  Antwort  ermöglichen  vielleicht  die  klingenden  Vers- 
paare: nur  wenn  die  nicht  mehr  als  klingend  aufgefaßt  wurden, 
konnten  sie  männliche  Dreitakter  veranlassen.  Kennzeichen  dafür 
wäre  das  Auftreten  klingender  Fünfheber,  X  x  X  x  X  x  Ä-^X>  ^'ß 
dann  als  vierhebig  voll,  X><X><X:)<X^X,  aufgefaßt  wären. 
Das  zu  untersuchen,  stehen  uns  die  männhchen  Viertakter  zur  Ver- 
fügung: an  ihnen  können  wir  studieren,  wie  schwer  auch  im 
klingenden  Verse  eine  Senkung  belastet  werden  darf,  ohne  daß  das 
Ganze  das  Viertakt-Maß  überschreitet. 

Der  Auftakt  ist  auch  hier  meist  einsilbig  oder  fehlt  ganz. 

Zweisilbiger   Aultakt   besteht   a)  aus   einem   einsilbigen   Worte 


XLII  Einleitung. 

und  Präfix:  do  hegünde  10,  her  hegünde  133,  tvaz  vordint  1267; 
b)  aus  einem  unbetonten  Worte:  über  mere  140,  beide  vater  9, 
toufen  drizig  1445;  c)  aus  zwei  tonlosen  Worten:  daz  ein  künig 
139,  und  den  ändern  311,  mit  den  siiwen  862,  uf  di  bürc  1418, 
mid  mit  goldc  208,  und  vor  liünger  728;  im  zu  füren  883,  iw  so 
jeineylichen  1449;  f?o^  /;»  kihiige  33,  nnr?  ?'c7i  wutsi!  836,  u-i  si  alle 
1419,  daz  her  uns  1457;  «?«  laz  hälde  161,  Ä^/-  ,9'fyj  riftern  314, 
?i  /«'^  6aWe  597. 

Dreisilbiger  Auftakt:  {virdehalp  hundert  232,  also  du  sprächest 
567),  her  sprach:  iz  ist 'üß,  her  sprach:  ir  habet  861,  her  rif:  u-olüf 
1072;  wi  si  di  heiden  1429,  di  man  vil  gerenZiß;  mit  sime  schiffe 
649,  her  Hz  im  bürge  15. 

Von  den  übrigen  dreisilbigen  Takten  wird  eine  ganze  Reihe 
durch  Tonverschiebung  im  Auftakte  zu  beseitigen  sein:  di  bi  den 
selben  19  und  ähnlich  313.  595.643.  1116.  1117.  1176.  1223.1331. 
1453;    (also  ich  722;)    drihi'indert  285.     Es  bleiben: 

a)  ^^— :  (mere  vorsetikef  1331,  herre  genizen  1116,  ivölde  si 
336,  begünde  mit  133,  hüte  behalde  1457;)  silber  also  ^07,  was  her 
vorsünhen  649;    alle  di  18,    fürsten  und  594;    floüg   her   mit   642. 

b)  x^X:  (hörte  gar  134,  vordinet  han  1267;)  vingerlin  162; 
hünger  vil  728;    läz  si  gar  793; 

c)  X  X^:  (niman  geliehen  227,  jnncfrouue  begunde  372,  janc- 
frouwen  mit  1129,  äntwnrte  1128;)  selbigen  1176,  güldine  232, 
itslichen  312;  sprach:  ist  her  566;  /r«e  e/«e  84,  koüfman  irtrünken 
648;    >?rt  s/«ew  312  (statt  ?i«  sinen);    Öswalt  hiz   127. 

d)  vj^ws^s-.;  (icünderte  di  335,  >»«s/e  mrY  den  836,  darüfe  tvas 
her  727,  kennest  du  in  83;  Tonverschiebungen  im  Auftakt:  under 
im  gesezzen  20,  tmder  im  di  1177,  «MfZ  w/<  sme«848;  st  ritlich  si 
zusämene  1242;)    heiden  grozen   1243,  uns  in  siner  1457. 

V.  1243  und  1457  werden  wir  doch  also  Fünftakter  oder  vielmehr 
weibliche  statt  klingender  Verse  anzunehmen  haben?  Und  ist  nicht  das- 
selbe für  die  14  Reimpaare  auf-^x  :  x  X  zu  erwarten?  (Unberück- 
sichtigt sind  die  Reime  auf  e.)  Nein,  es  zeigt  sich,  dafs  die  Verse, 
die  m,  t  oder  b  zwischen  den  Vokalen  des  Reimes  haben  (binamen  : 
quamen  25  und  so  1162.  1420,  boten:  taten  849,  gaben:  rabe  167 
und  so  .588.  630.  1112.  1206)  bei  mhd.  Messung  fünftaktig  werden, 
die  Reime  mit  r  an  gleicher  Stelle  (maeren  :  begei-e  1  und  so  811. 
1308.  1424)  dagegen  viertaktig  bleiben;  schwanken  kann  man  bei 
g :  trugen  :  fingen  346«;    ich  bevorzuge  die  Kadenz    xX. 

Dies  Gegenüber  ist  nicht  zufällig,  zumal  r  kraft  seiner  halb- 
vokalischen Natur  am  stärksten  zur  Dehnung  eines  vorausgehenden 
kurzen  Vokals  beiträgt  (vgl.  z.  B.  v.  Unwerth  §  102),  m  und  t  aber 
diejenigen  Konsonanten  sind,  vor  denen  die  Dehnung  am  schwersten 
eintritt  (vgl.  z.  B.  Wilmanns,  Deutsche  Gram.  I,  §  239.  2).  Es  kommt 
hinzu,   daß  im  Schlesischen  Länge   vor   einfachen  Konsonanten  mit 


Einleitung.  XIJII 

folgender  Endung  »  Q  r)  gern  gekürzt  wird  (v.  rnwerlli  §  103.  111). 
Wenn  wir  also  auch  nicht  sagen  wollen,  daC;  die  Ci  in  qiiamen,  täten, 
gäben,  begäbet  (trugen)  kurz  geworden  sind,  so  sagen  wir  doch,  daß 
diese  Worte  nicht  mehr  klingende  Kadenzen  bilden,  d.  h.  wir  haben 
zu  messen  XxXxX:><XxX,  bei  zwischenstehendem  r  aber 
X  X  X  X  X  -^  ;<  :  klingende  Fünftakter  fehlen  in  I :  auch  das 
Verspaar  1:24:2/43  (s.  öd)  erklärt  sich  jetzt  als  vierhebig  (771  und 
1448  werden  also  jetzt  dreihebig),  und  1456/.57  ließen  sich  heilen 
durch  Ansetzung  der  Akkusativform  Osiialt:  vgl.  145GA. 

Der  einzelnstehende  Reim  zthen  :  frien  222  ist  also  schon  wegen 
der  sonst  entstehenden  Fünftaktigkeit  von  223  zu  synkopieren. 

Die  alte  Kadenz  -^  x  '^fit  sich  also  getrennt  in  -^  V  und 
•yi  X.  Wie  wäre  es  auch  sonst  zu  erklären,  daß  wir  unter  den  rein 
klingenden  Yerspaaren  kaum  einen  Fänfhe])er  halben,  daß  die  sich 
aber  alsbald  einstellen,  wo  -^x  ^"^  xX  gereimt  ist?  Und  wie 
erklärten  sich  die  danebenstehenden  Reime  -^x  :-^?  Dann  aber 
muß  sich  natürlich  auch    x  <    in  -^x   und    x  >•    geschieden  haben. 

6.  Wir  prüfen  also  jetzt  die  Reime  mhd.  x  X  :  x  X ,  47  Paare 
nach  Abrechnung  der  S.  XLII  genannten  auf  -ren  und  der  beiden 
auf  hen  (210«.  1270).  Da  haben  wir  zunächst  eine  Schar  von,  mhd. 
gemessen,  Vierheber-Paaren  mit  der  Endung  -ben  (Typus  leben  : 
geben):  107.  218.  315,  mit  -gen  309.  341.  455.  644.  741,  d.h.  hier 
würden  wir  durch  Ansetzung  von  klingender  Kadenz  Fünftakter  er- 
halten, die  wir  glaubten  ausschließen  zu  können.  Dazu  kommen 
Einzel-Vierheber,  die  mit  Dreihebern  gebunden  sind:  auf  -ben  452. 
634.  11.52.  1410,  auf  -gen  329.  745.  Auch  hier  dürfen  wir  also 
nicht  klingend  lesen :  vor  -ben,  -gen.  -dien  bleiben  die  alten  Kürzen 
bestehn.  Wir  dürfen  also  auch  die  Dreiheber  (-Paaie)  auf  -ben,  -gen, 
-cheu  nicht  durch  klingende  Messung  auf  ein  Xormalmaß  zu  l)ringen 
suchen:  sie  stellen  sich  als  weibliche  zu  den  gefundenen  männlichen 
Dreihebern:  -ben  3.  288.  757.  829.  873.  1250.  1359.  1460  (3  oder  4 
Hebungen  307.  813).  -gen:  644.  807.  867.  1244.  12.54.  Über  771 
und  1448  s.  o. 

V.  29.5  genesen  (:  geiresen),  304  machen  (:  scharlachen),  784  Icomen 
(:  vernomen),  846  (:  fromen),  sind  mhd.  gemessen  vierliebig.  dürfen 
also  nicht  als  klingend  aufgefaßt  werden:  also  werden  auch  371  f.. 
789  f.,  357  f.,  845  f.,  1316  f.  als  Dreiheber,  nicht  als  khngende  Vier- 
heber anzusehen  sein. 

Für  -teil  (443  mit  rasten  und  mit  beten  got  teil  her  nicht  abe- 
treten) versagt  dieser  Beweis;  nach  dem  Vorigen  (unter  5)  setzen  wir 
mhd.  Messung  an. 

So  blieben  die  Reime  auf  -ren.  Wir  glaubten  sie  als  klingend 
betrachten  zu  müssen,  soweit  sie  mit  -ren  nach  langem  Vokal 
gebunden  wären.  Dem  scheinen  jetzt  zu  widersprechen  53  f., 
833  f.  und  1212  f.,   die,    wenn  mau  sie  klingend  liest   (irkoren :  ge- 


XLIV  Einleitung. 

b6?'en  53,  hewdrhi :  fären,  gewerhi :  ber/eren),  etwa  {ünftaktiir  werden. 
Den  Weg  weist  da  zorn :  t'orlorn  97  (vgl.  zorn-.horn  1164.  1188): 
-ren  ist  traditionell  synkopiert.  Ich  lese  also  nach  Bequemlichkeit 
des  Verses  irkorn  :  gehör n  53,  hewarn  :  farn  833,  gewern  :  hegern  1212, 
adelare :  beicaren  346  c. 

Die  alte  klingende  Messung  ist  also  noch  intakt,  wir  kommen 
auch  von  hier  aus  nicht  zur  Annahme  von  Fflnftaktern,  und  so- 
mit sind  auch  die  Dreiheber  nicht  veranlaßt  durch  klingende  Vier- 
takter, die  als  weibliche  Dreiheber  gelesen  wären,  sondern  sie 
stammen,  selbst  wenn  sie  nicht  mehr  als  Viertakter  empfunden  sind, 
von  den  alten  Viertaktern  mit  stumpfer  Kadenz,  d.  h.  pausiertem  letzten 
Takte,  ab:     XxX^X)K:Xi?Ä  oder   x  /<  X  x  X  -^rr. 

7.  Mit  dem  Ausschluß  der  Fünftaktigkeit  ist  nun  auch  für  die 
Beurteilung  der  bisher  ganz  außer  acht  gelassenen  Verse  auf  mhd. 
tonloses  e  ein  neues  Kriterium  gegeben:  wo  ohne  Apokope  Fünf- 
taktigkeit entstehen  muß,  wird  apokopiert. 

Ich  setze  also:  torliche:  rtche  1320,  ructe :  smucte  612  und 
schließe  an  steinen  :  reine  610.  schone  i  crone  119  belasse  ich  als 
Reminiszenz  aus  dem  MO.,  golcle  :  wolde  618  wegen  möglicher 
Verkürzung  des  also  (vgl.   1048). 

Eine  Begrenzung  der  Apokope  ist  aber  so  nicht  zu  gewinnen : 
Vierhebigkeit  ist  ja  nicht  Erfordernis,  entstehende  Dreihebigkeit 
braucht  Apokope  nicht  zu  hindern,  wir  könnten  z.  B.  39  di  im 
wol  gezeme  sowohl  als  /><X/xX/-^Xä  -wie  als  ^^Xj x>^l-^l^^ 
betrachten. 

8.  Eine  besondere  Gruppe  bilden  die  Reime  frägete :  sägete  51. 
212.  1282.  1297,  gefUlere:  widere  11.5.  19.5.  735.  8.39,  :  nidere  131. 
616.  Das  auslautende  e  wird  noch  einen  schwachen  Iktus  haben 
(W  schreibt  es  immer  außer  616),  sonst  wären  alle  diese  Verspaare 
dreihebig.  Aber  nur  einen  schwachen,  denn  es  steht  daneben  ein 
sider :  geflder  652,  '.tvider  769,  :  nider  1198:  lauter  Viertakter,  die 
durch  ein  letztes  e  zu  lang  würden;  in  diesen  Versen  läßt  dann 
auch  W  das  e  aus,  d.  h.  sider  ist  immer  zweisilbig,  nidei-,  geflder, 
Wider  haben  Langformen  neben  sich. 

So  ergibt  sich  doch  ein  klarer  Bestand  an  Versarten  in  I. 
In  der  metrischen  Einzelbeschreibung  toitzufahren  oder  sie  von 
einer  hypothetischen  zu  einer  definitiven  zu  erheben,  spare  ich  mir: 
die  Füllung  der  Verse  auf  x  ->  auf  x"-""  oder  apokopierbares  e 
ist  keine  andre  als  die  dargestellte  der  hochtonig  und  klingend 
schließenden,  und  die  Grenze  zwischen  Drei-  und  Vierhebern  ist 
natürlich  doch  nicht  festzulegen.  Die  gesamte  Verskunst  ist  ein 
Bild  schöner  alter  Natürlichkeit,  die  von  höfisch-epischer  Regelung 
und  von  Silbenzählen  nichts  weiß. 

9.  Ich  spare  mir  auch  die  Einzelbeschreibung  des  Versbaus  in 
II.  Die  Untersuchung,    in  derselben  Weise  geführt  wie  bei  I,  ergibt 


Einleitung.  XLV 

ein  sehr  ähnliches  BIM.'  So  entnehme  ich  aus  dem  vollständig 
vorliegenden  Material  nur.  was  meinem  Zwecke  dient:  die  hervor- 
stechenden Abweichungen  von  I.  Dabei  ist  festzuhalten,  daß  I  etwa 
den  dreifachen  Umfang  von  II  hat. 


:     in  1320  in  II  97 


Wir  haben  Reim- 
paare auf  mhd.    j        Sie  finden  sich  in  den  Versschematen : 
X/><X/><X/:><X/—  s.  unter  Nr.  2.  4.  7. 
XlkXik  Xl—ISB  s.  unter  Nr.  4.  5.  7. 
10     xlkxl:kxlkxl-^:  Xl^Xl^Xl-^l^n   s. 

^-  95        3.!^/^X/^X/-"/^^    s    unter  Nr^"'"  ""'  '• 

-e  yo         62  I  ^1^  ^1^  ^1^  ^i_j_  s.  unter  .^r.   /. 

,  l  Xl:kXl-kXlycXl—  .      »--PO      n-v 

^'■^"  '  Mx/:^X/:^X/^/^i.     s.unterNr.o.6.0u.9A. 

^a       ,<i  f  x/:k:X/><x/— /><cÄ  ,     v    •> 

^^  ^^         ^Mx/)^X/^X/^X/^X   ^-  "nter  Nr.  .^  u.  o. 

I  xl:kxl:kxl-^lkii 
—  X'k  X  14  6^  x/><  X/:ä<  X/:><  X/:i;  X  s.  unter  Nr.  5. 6. 9  Anm. 

i  xl:kxl:kxlkxlRs 
{xl:kxl:kxl:kxl:kx]    ^  „„,,,-   -•  „„. 

^X  47         11      X/^X/^XZ-^/^i.  Tau;. 

U/:J:x/:J:x/)^x/ifÄ    I  ^  ^'^•''"• 

X—  10  X;>;  X/><  X/:><  X/x-R  s.  unter  Nr.  S. 

Langzeilen  4    X/><X><;X/:kXxX/:s.  unter  Nr.  9. 

Verspaare,  also 
Verse ;   dazu 
Einzelverse,  also  Summe: 

1151  +3Ü3    =    1514. 

Die  Differenz  mit  den  Angaben  auf  S.  XXXV  erklärt  sich  daraus, 
daß  dort  Verse,  nicht  Reime  gezählt  sind,  also  700  an  I  fiel.  Unter 
den  320  Verspaaren  auf  -^  in  I  zählte  ich  257,  unter  den  97  in  II 
(unter  denselben  Bedingungen !)  74  Zeilen  mit  regelmäßigem 
"Wechsel  von  Hebung  und  Senkung,  d.  h.  sie  verhalten  sich  zu  den 
unregelmäßigen  dort  wie  1  :  1,49.  hier  wie  1  :  1,62. 

Ich  komme  auch  auf  dieselbe  Weise  wie  bei  I  zu  einer 
Neuorientierung  der  alten  Kadenzen  -^  x   ^^^  X  X . 

Von  den  Versen  auf  -^  x  =  x  X  fordern  die  Messung  x  X 
(zur  Vermeidung  von  Fünftaktigkeit)  sagen  :  icagen  421,  wir 
werden  sie  also  auch  l)ei  sagen  :  fragen  917  anwenden.  Bei 
selig  •.ledig  395.  487,  hete-.tete  919,  gote:spat£  13(57  bleiben  wir 
ohne  Entscheidung.  Fragen  wir  die  Reime  auf  mhd.  xX  :  xX, 
so  sprechen  stete :  fete  689  (falls  nicht  zu  apokopieren  ist)  und  rabe : 
haben  695  dafür,  daß  wie  in  I  außer  bei  zwischenvokaligem  g  auch 
bei  t  und  b  die  alte  Messung  erhalten  ist.    Die  gölte  dann  auch  479. 


575 

177 

1150 

354 

1 

9 

XLVI  Einleitung. 

I  hat  22  Pxeimpaare  auf  -^:-^x  II  ^^^^  10  statt  zu  er- 
wartender 7.  Trotzdem  fehlen  darunter  ganz  die  charakteristischen 
Versschlüsse  mit  Synkope  vor  dem  Hochton :  — — -  :  -^  _<  (s.  S.  XXXVIII). 
Vgl.  997. 

Die  Gruppe  der  Reime  auf  -^^-^  (in  I  10  Paare)  fehlt  in 
II  ganz!  Nicht  zufäUig:  statt  f rag ete :  saget e  heißt  es  hier  V.  917 
begunde  fragen :  sagen. 

Dafür  aber  eine  höchst  merkwürdige  andere  Gruppe,  in  der 
nur  das  schwache  e  der  letzten  Silbe  reimt,  die  also  schon  für 
Otfried  archaisch  wäre :  aschenbrödele :  gefi'dcre  323.  Aber  nur 
hier  ist  das  der  einzige  Reim,  das  eigentliche  Bindemittel  der  beiden 
Verse  ist  verloren,  in  den  drei  übrigen  Fällen  schliefaen  sie  sich  viel- 
mehr zu  regelrechten  alliterierenden  Langzeilen  zusammen:  544 
der  Wirt  nicht  irslägen  uf  wäzzer  noch  uf  wegen,  1381  stätc  ane  ällez 
gewunken  mit  n'örten  und  mit  irerJcen,  1389  iro  ich  b)n  in  Weldkn 
mit  den  icölken  oder  mit  den  winden.  Und  also  gehören  die  End- 
worte überhaupt  nicht  unter  die  Reimgesetze.  Auch  die  Zweigliedrig- 
keit, die  der  Viervierteltakt  mit  sich  bringt,  hat  sieh  in  diesen  m.  W. 
einzigen  echt  alliterierenden  mhd.  Kurzversen  (Zingerle,  Wiener  Sitz.- 
Ber.  47.  103  fi'.)  erhalten,  und  zu  mit  worten  und  mit  loerken,  mit  den 
tvolken  oder  mit  den  winden  stellt  sich  ich  trinke  oder  ezze  1391,  und 
auf  höherer  Stufe  bilden  wieder  1388—91  mit  1392—94  eine  zwei- 
gliedrige Gruppe,  die  dasselbe  erst  positiv,  dann  negativ  aussagt; 
auch  543/44  stehen  in  einem  solchen  Systeme  echter  alter  Variationen. 

Angenommen,  der  Fortschritt  der  Erzählung  würde  durch  eine 
von  links  oben  nach  rechts  unten  laufende  Linie  dargestellt,  so 
sähen  diese  beiden  alliterierenden  Variationssysterne  schematisch  so  aus : 

541  1388 

541/43  Hz  nach  vingerlinl)  89 

544  90 1 

5451  90 II 

.545 II  91 

546  1392 

547  93 1 
548/49                           93 II 

550  1394 

551  95 
\ 

.540.  695.  697.  709.  1009,  258,  1229«,  wenn  auch  in  2.58.  480.  1009. 
1229  a  dadurch  ein  Dreiheber  anerkannt  ist.  Dagegen  würden  V.  1373 
(sacken  :  machen)  und  1383  (breche  :  reche)  beide  Verse  dreihebig, 
wenn  wir  x  X  reimen  heßen:  ich  setze  da  also  gegen  I  die  Kadenz 
-^  X  an.  Um  so  mehr  auch  bei  dem  einzelnstehenden  Paare  begere : 
geweren   1046  a  und  bei  selig -.ledig  395.  487:    vgl.  Xr.  5  und  6. 


Einleitung.  XLVII 

Die  untereinanderslehenden  Verse  sind  also  auf  gleicher  Stufe  des 
Fortschritts,  stehen  also  in  Parallele  oder  Variation,  und  das  Regel- 
mäßige des  Vor-  und  Zurückschreitens  winl  deutlich,  wenn  auch 
nicht  alle  Beziehungen  so  ausgedrückt  sind:  z.  B.  546,  547  und 
548/49  stehen  auf  gleicher  Slule.  aber  54(j  und  547  variieren,  unter 
sich  wiederum  parallel,  das  ?</"  iruzzer  545 1,  548/49  sind  ||  546 '47  nur 
sofern  sie  544  ||  sind,  sie  gehen  zugleich  die  Summe  des  Vorigen 
und  kehren  damit  schon  wieder  zum  Ausgang  zurück.  551  macht 
dann  den  Anfang  eines  zweiten  Baues:  vgl.  1392 — 94.  Ahnlich 
ließe  sich  die  Wortvariation  1380  ff.  darstellen. 

Zum  Zeichen  aber  (wenn  es  noch  nötig  wäre),  daß  die  Stab- 
reime nicht  zutallig  sind,  finden  sich  auch  solche  Systeme  ohne  er- 
haltenen Stabreim:    997 

998 

999 
1000 
1001 

100i>. 
Neben  diesen   kunstvollen  Bauten  stehen  einfache  Variationen, 
Parallelverse:    423  ||  425,  485/86  1|  487/88. 

Aber  alles  dies  findet  sich  nur  in  II,  es  beweist  nicht  nur  für 
unsere  Scheidung,  sondern  es  gibt  zugleich  den  Schlüssel  zur 
psychologischen  Erklärung  mancher  Zusätze,  die  eben  nichts  weiter 
als  Variationen,  aber  nicht  eigner,  sondern  vorhandener  Verse  sind: 
1046«b,   11 79 ab  u.  a. 

Um  den  Stilabstand  recht  zu  ermessen,  vergleiche  man,   w-as  I 
gegenüberzustellen   hat,  z.  B.  die  ungegliederte  Parallelensammlung 
439 — 46,   in  der  nur    etwa  V.  443    apokoinu  steht.      Am    nächsten 
käme  noch : 
1066 

1067 
1068 

1069 
1070 

1071.  Aber  da  ist  das  Bauprinzip  doch 
schon  wieder  ein  andres.  Es  ist  der  Apokoinu-Stil:  1068  gehört 
zugleich  zu  1067  und  zu  1069/70,  1069/70  zu  1067  wie  zu  1071. 
Deutlicher  ohne  Variationen:  291 

292/93  I 
293 II 

295 
295» 

295  b 

296. 

Wie  in  I  (S.  XLIV)  leite  ich  auch  in  II  Apokope  bei  entstehender 
Fünflaktigkeit  her:  werliche  :  riche  522,  hitcrliche  :  cwiyliche  1379, 
uterne  :  ijerne  413,  rechte  :  knechte  69. 


XLVIII  Einleitung. 

Auch  in  II  haben  wir  solche  Systeme: 
911  (muste)  \\  914  1  317 

9121  915     !  318 

912II  915a 

913     916 


319 

320 
321 

322  f. 


Im  ersten  (Doppel-)Falle,  Avie  oben  bei  1066  ff.  Apokoinu  + 
Variation;  in  beiden  Fällen  sind  die  gemeinsamen  Glieder  Neben- 
sätze, nicht  wie  in  I  Sätze  oder  Satzteile:  ein  großer  syntaktischer 
Unterschied:  vgl.  R.  M.  Meyer,  Die  altgerm.  Poesie,  Kap.  IV  gegen  V 
und  VI. 

Apokoinu  einer  adverbialen  Bestimmung  I  1114.  1214.  1338 
(1339  also  in  Parenthese!);  eines  abhängigen  Nomens  II  898,  eines 
abhängigen  Nomens  in  doppelter  Konstruktion  I  1431. 

Ich  denke,  es  liegt  doch  schon  in  diesen  Feststellungen  einiges 
Beweisende,  namentlich  für  die  Interpolation  540  ff.  und  das  große 
Stück  1 363  ff.  Leichter  faßbar  sind  die  plötzlichen  Rhythmuswechsel 
am  Anfange  von  Einschüben.  So  folgen  mit  V.  123.  342».  1229  ab 
plötzlich  Dreier  auf  Vierer,  832»  Vierer  auf  Dreier,  V.  1142  (mit 
Beseitigung  des  rhythmischen  Schlusses)  klingende  auf  volle  Verse. 
Recht  deutlich  ist  der  rhythmische  Gegensatz  zwischen  Y.  145/46 
und  den  danach  gebauten  Versen  155/56.  Selbstverständlich  fällt 
nicht  immer  Interpolations-  und  Rhythmusgrenze  zusammen:  wenn 
der  Interpolator  im  Zuge  des  Textes  weiterdichtete,  fiel  er  natürlich 
leicht  und  von  seilest  in  dessen  Rhythmus;  vgl.  z.  B.  458a— c.  Die 
metrische  Andersartigkeit  zeigt  sich  dann  oft  erst  im  Innern  eines 
Einschubs,  z.  B.  469  ff.  an  den  vielen  kurzen  oder  stark  synkopierten 
Versen,  V.  171  ff.  an  der  Bindung  -^  :  -^  x  ?  die  so  verdreifacht  nirgend 
sonst  wiederkehrt. 

Sie  ist  hier  obendrein  mit  dem  für  II  bezeichnenden  dipodischen 
Rhythmus  gepaart:  174  X/xXxX/— —  175  X/x><xX/xX-^ 
176  Xl^Xx  X/-^-^.  Nicht  als  ob  in  I  diese  Taktart  fehlte  (z.  B. 
ängesäch  ünvorzett  524) ;  aber  einzelne  Verse  mit  dieser  Akzent- 
anordnung bringen  noch  keinen  dipodischen  Rhythmus  hervor,  man 
faßt  dann  von  selbst  "  "  als  eine  der  möghchen  Formen  der  Mono- 
podien  oder  des  Zweivierteltaktes  (also  als  X/><X/xX/:^X/xX) 
auf.  Daß  II  aber  echte  Dipodien  bewahrt,  zeigen  jene  jüngsten  aller 
(endreimlosen!)  deutschen  Alliterationsverse  und  überdies  besonders 
deutlich  V,  411  ff.,  das  musikalisch  schönste  Stück  der  Überlieferung, 
das  auch  durch  den  rhythmischen  Absatz  410/11  und  durch  die  An- 
erkennung als  schone  sprnche  V.  421  besonders  hervorgehoben  wird. 
Es  sind  zwei  parallele  vierzeilige  Strophen  aus  je  drei  gleichgebauten 


Einleituns. 


XLIX 


Laii^'zeilen  in  Viervierteltakt  (liipndischer  Messung)  und  einem  Ah- 
gesange  in  Zweivierteltakt  bestehend,  nf)ch  ausgezeichnet  durch 
Anapher  und  regelmäßig  immer  neueinsetzende  Daktylen. 

Schärfere  Beweismittel  geben  aber  doch  die  Reime. 

C.  Reimtechuik.  1.  Reimwortschatz.  Von  den  Worten, 
die  nur  I  im  Reime  braucht,  verzeichne  ich  zunächst,  die  wenigstens 
zweimal,  ich  lasse  sperren,  die  dreimal  vorkommen,  also  nach  der 
Verssumme  einmal  in  U  zu  erwarten  wären;  Zitate  zur  Erkenntnis 
der  Zusammengehörigkeiten  nach  Reimpaaren. 


da  do:na  1076.   1-234,  :jo  1306. 
gäbe  167.  630.  1112.  1^06,  vgl. 

geben, 
mac  1172,  mochte  Ind.  020,  Kotij. 

5ö.  85.  646. 
<il  278.  467.  869.  1438,  uheral 

270.  367.  1068.  1432. 
sal  270.  367. 
schal  278.  869.  1438. 
alt  31.  437.  459. 
lobe sn in  7.  407.  498. 
f reissam  91. 141,  vgl.  sorcsam  280. 
binamen  25.  1162.  1420. 
lanc  626.  1226,  lange  143.  667. 

751.  971.  1434. 
grande  228.  985. 
schände  580.  803. 
Spange  143.  751.841.  971.  1434. 
zuhant  16  mal. 
bekant  S  mal. 
geivant  301.  337. 
dar  343.  457. 
farn  833.  1424. 
bewarn  346  c.  833. 
zart  743.  973, 
drate :  kemenate  63.  383. 
haz  755.  11.58. 
geben  9  mal,  vgl.  gäbe, 
leben  11  mal. 
sprechen  (immer  in  der  Form 

sprach)  12  mal. 
{un)besrheiden  883.   1444. 
(nejkein  lATi.  815.  817. 
eine  606,  747,  alleine  ^7±  570. 
gemeine  272.  604.  815.  1118. 
reine  570.  610. 

Baesecke,  Wiener  Oswald. 


Jeken  191.  203.  210.  1270. 

s  weiter  1216.  1252. 

behende  99.  242. 

missewende  .57.  759. 

(uz)s enden  (Form  gesant)  435. 
512.  763.  1353. 

vorsenken  :  irtrenken  1330.    1452. 

her  109.  113.  574.  622. 

werden   14  mal. 

mere  87.  811. 

ere  17.  60a.  yn.  594.   ii28. 

lere  113.  1308. 

herre  8  mal. 

vormezzen  :  gesezzen  139.   1426. 

enchlich  37.  819. 

lobe  lieh  37.  439.  500. 

(Dazu  genediglich  729,  geduldig- 
lieh  1406,  stetiglich  1342, 
tnrlich  1320,  frolich  1132, 
wunderlich  205,  williglich 
1166,  tcunniglich  1066.) 

gesmide  :  side  599.  628. 

nid  er  131.  616.  1198, 

sider  652.  769.  1198, 

wider  5  mal. 

spil  260.  3.33.  361. 

vil  333.  361.  489.  1194.  1350. 

wil  93.  193.  489.  1194,  wolde 
582.  600.  618.  1064, 

zil  93.  193. 

gnldin  169.  11.50. 

finden  (fant)  5  mal. 

bringen  127.   161.  .596. 

springen  127.  161. 

kiut  AVjö.  059.  1220. 

vor  mir  en  207,  602. 

IV 


L  Einleitung. 

frist  953.  1324.  Tcrone  119.  614. 

zit  445.  10.56.  hörn  1164.  1188. 

vordrizen  129.  837.  1080.  zorn  97.  1164.  1188. 

jo  560.  632.  1208.  1306.  nu  159.  3-55.  632. 

herzöge  309.  741.  745.  gestmt  1142».  1332.  1416. 

(/olt  284.  299.  600.  618.  1064.        mut  441.  492.  502. 
holt  299.  582.  lute  771.  1408. 

tron  775.  1295.  w?n*-t'  276.  568. 

Mir  scheint  schon  hieraus  hervorzugehen,  daß  I  und  II  nach 
Inhalt  und  Wortschatz  (gäbe — geben,  leben,  al,  sprechen  und  jehen, 
iverden,  vil,  golt — gtildin  und  namentlich  Sjiange!)  Formeltechnik  (zn- 
hant,  frist,  jo)  \xn&\iid\ek.i  (Reime  auf -e/-;  bringen:  II  sprach  wohl 
hrengen;  vgl.  254  mit  127.  161.  596)  verschieden  sind,  daß  sich  solche 
Gruppen  nicht  durch  Zufall  gewinnen  lassen,  wenn  auch  natürlich  (wie 
übrigens  die  Zahlen  zeigen)  ein  Reimwort  das  andre  nach  sich  'zieht 
(Spange :  lange).  Ich  füge  noch  eine  Reihe  von  Worten  an,  die 
zwar  nur  einmal  in  I  vorkommen,  deren  Fehlen  in  II  also  nicht 
merkwiärdig  ist,  um  so  weniger  als  sie  altertümlich  oder  charakte- 
ristisch sind:  habe  =  Habe  927,  scharlachen  303,  sorcsam  280,  strüm 
901,  gan  801,  adelar  346c,  far  799,  laz  967,  reche  1238,  schrecken 
1238,  <^tageweide^  883,  einmuterleine  917,  hubischeit  327,  grim»iikeit 
1160,  heilen  879,  <^dresteny  1148,  hirzgewi  1031,  sorclich  1021, 
sich,  geliehen  226,  blicken  :  schicken  793,  vorzihen  222,  milt  1146, 
slnt  965  (s.  0.  sider),  embizen  957,  ungebrochen  95.5,  unvorzogen  807, 
löse  133,  rucken :  smucken  612,  hogemut  491,  wolgemut  526,  gemute: 
gute  1106. 

Was  II  dagegen  Eignes  aufzuweisen  hat,  ist  Folgendes :  habe  ^= 
Meer  1229^,  gelaben  697,  aber  540,  wägen  421,  ufslahen  705,  halde 
393.  671.  1007,  sa/tZe  671.  1007,  walt  1389,  tngentsam  528,  wolgetan 
471,  &a»tc  71,  geicanken  1381,  .sc/j«>-  564,  irfarn  401,  s^;a/p  1366, 
platzen  65,  ftcr^  79.  342 *i,  »(«z  317,  «re  75,  vorgeben  1009,  brechen 
1383,  gehrechen  912,  rechen  1383,  ledig  395.  487,  beide',  vorscheiden 
1142,  helfenbeinen  256,  fi^  458'!,  ewikeit  483,  jamerkeit  1397,  r/e- 
rechtikeit  175,  gemeit  189.  542,  Raphael  :  Gabriel  681,  selig 
395.  487,  rorgen  997,  sjc/i  gedenken  907,  irkennen  999,  t^'ej-c  1381, 
morgenstern  413,  «^e?^  252,  ß'a?/  679,  werlich  473.  522,  e««»/^- 
Zfc/i  :  luterlich  1379,  sicherlich  230  (vgl.  I),  ricÄ^  548.  1363,  /Men 
C^Y;  1397,  ZiieZjH  531»,  m«  240,  gesinde  1179»,  gesrcinde  893. 
1179»,  bevinden  675,  bewinden  675,  gelingen  319,  twingen  319, 
heginnen  1082,  «r  530,  ivnnderschir  153,  meienris  415,  «fise  673, 
vorlisen  401,  Äo  1402,  aschenhrodele  323,  ro?  693,  Zo^f^i  713, 
rosentou  411,  ?(«f?e  669,  kochhus  321,  küssen  147,  Zms/  147,  demtit 
173,  uz(trihen)  321. 

Die  Zahl  der  gemeinsamen  Reimworte  ist  dagegen  verhältnis- 
mäßig  gering,   namentlich   die   der   irgend   charakteristischen,    und 


Einleitung.  LI 

vielfach  unterscheiden  sich  1  und  II  nach  ihrer  Anwendung:  *  vor 
einem  Worte  bezeichnet,  daß  es  noch  unter  i2,  f  daß  es  noch  unter 
3,  "  unter  D  behandelt  wird:  abe  braucht  I  in  den  Kompositionen 
abesprechen  297,  herabefuren  11:24,  II  in  sich  abetun  479;  fVrtie; 
tac;  luuiemach  (geschieht,  uiderfert)  I  899.  987,  ohne  Verb  11  14U0; 
machen  (Kleider,  Schiffe)  I  303,  789,  (lebendig)  m.  II  1373;  "aache; 
*-\°sagen:  \t ragen;  f^f ragen;  d nrchslahen  (mit  golde)  I  341, 
II  258  (aus  I  entlehnt?  Vä^'l.  S.  LXIll);  irslahen;  fgewalf;  fOsu-alt;  fan 
in  den  Kompositionen  anbeten  I  1304.  1322.  1334,  II  389.  475,  an- 
rufen I  1312,  II  1029,  ansogen  I  510,  II  989,  nur  in  I:  angaffen 
209,  anheben  26G.  ankamen  ti'ans.  1190,  ^ansehen  201,  anstan  .586. 
843,  angeicinnen  365,  daran  1202,  nur  in  II:  anblicken  678,  ange- 
ruren  1136;  f^man  (jjemeinsame  einsilbige  Formen  in  allen  Kasus, 
18  mal  in  I.  5  mal  in  II);  *fgän;  *fhan;  kan;  *lan;  *stan]  *-\undeHan  I 
504,  II  572;  ^tvän;  ""f bange  (b.  nach  etwas  I  360.  961,  absolut 
II  667.  887);  *'^hant;  flant;  *fdar;  *fdar;  j°gar;  fjar;  f schar; 
fgewar  (werden)  1590.  650.  1293,  II  67.  921.  1002;  fwar;  ^offenbare ; 
"i^zuare;  *f'>fa>i;  frät;  *fstat-  -f^underlaz  1  1278,  II  923;  feben  I  3. 
1460,  II  1009;  fwec  (icege,  wegen)',  fknecht;  ^^ rechte;  -f legen;  *ge- 
schehen;  \sehen;  -fheide;  (gewinnes)  heil  I  274,  (gut)  heil  II  687;  teil', 
■\stein;  knscheit,  uarheit,  reinikeit;  fcleit;  (mir  widerfert)  leit  I  224, 
(mir  ist)  leit  II  458«;  \mait  I  105.  163.  524.  640.  877,  II  409; 
\unvorzait  I  163.  524.  877,  II  409;  '^heizen  (hiz);  ^jnemen,  vor- 
nemen;  ende;  senden  (sende,  gesant);  bedenken  trans,  I  375,  refl.  I 
1222,  II  71;  nennen;  j^der  [das  nur  II  80,  doi  nur  I  1262,  daz 
gemeinsam);  vorderhen: werben;  -fgebaere;  \^maere;  *°mere;  *geren — 
gerne;  *ezzen\  fvorgezzen;  fich,  fmir,  f^mich,  ^dir,  f^dich,  ■f'sich; 
flieplich  l  1132,  II  151;  ■fhimelriche,  jriche  Adj.;  f^ nicht;  °pflicht; 
*gefidere;  ffrien;  fligen  (lit  I  445.  1056;  gelegen  1254,  II  lag  779); 
ffligen  (flihen);  *guldin,  *silberin;  magedin;  lingerlin,  junc- 
frouuelin,  rebelin;  fmin,  -f^din,  fsin;  pin;  *tsm(Verb);  binden  (ge- 
bunden); *ktiniginn^{,  *zinne;  *fhinHeii;  *innen;  gewinnen;  wint; 
*'fhir;  2J«rc?/.<;  fcrist;  fbitten;  genizen  :  slizen  I  1116  cx^  II  1096; 
o/so  I  496,  II  1402;  wol;  solen  (sol);  *f körnen;  schone;  f gebot;  fgot; 
fnot  (aber  Plur.  note  nur  in  I  1448) ;  -fjuncfrouwe ;  -fgefuge  I  33, 
II  705;  *\tun;  *'>stunde;  grünt  I  656,  II  1138;  niunt;  \gut;  fhute 
1  939,  II  1458. 

2.  Verschiedenheiten  in  den  Wortformen  der  Reime. 
Substantivum.  kunigin  (trosterin  1027)  reimt  in  I  auf  -in 
185.  494.  765.  903.  975.  1144,  auf  inne  220.  753,  gewinne  103, 
hinnen  1120,  sinnen  ii^  (wolfinne:inne  1274),  II  kennt  nur  die  drei- 
silbige Form:   417.  665.  891.  1005. 

stat  hat  in  1  den  Dativ  stat  (-.hat  463),  in  II  stete  {:tete  689); 
ÄOM^hatin  I  und  II  unllektierten  Dativ  (61.556.  1126;  73),  flektierten: 
hande:  lande  II  1098,  hende :  spende  I  1210!  sttint  als  Dativ  in  I  und 

IV* 


LII  Einleitung. 

II  (101.  6.56.  1142a.  1156.  1332.  1416;  149.  1138.  1391),  aber  stunde 
nur  in  II  (1082).  Auch  der  Reim  fai-t  ist  I  und  II  gemeinsam,  aber  I  hat 
4  mal  den  Akkusativ,  11  mal  den  Dativ,  II  einmal,  Y.  252,  den  Dativ! 
Und  da  ist  der  Reim  auf  wet-t  einzigartig:  eine  Bestätigung,  daß 
der  Vers  aus  I  entnommen  ist  (s.  S.  XXXI).  Spricht  man  tverf  reim- 
gemäß, so  gleicht  es  dem  gewöhnlichen  Reimworte  zu  fart,  nämlich 
tvart,  und  es  erklärt  sich,  daß  dies  nur  in  I  auftritt. 

gefidere  I  115.  131.  195.  616.  652.  735.  839,  gefldere  11  323. 

Die  Endung  der  Stoffadjektive  ist  -ht  in  I:  guldin  117.  169. 
1016,  silberin  1015;  -en  in  II:  helfenheinen  256.  scharlachen  I  303  ist 
andrer  Herkunft,    hange  1  359.  961,  II  667;  bände  II  887  (vgl.  887  A). 

Bei  den  starken  Verben  mit  Wechsel  von  i  und  e  im  Präsens 
lautet  die  erste  Person  in  I  mit  i:  ich  entbir  859,  in  II  mit  e:  ich 
breche  1383  [ezze  :  vergezze  1393). 

Der  Konj.  Praet.  zu  sagen  lautet  in  I  sagete  51.  212.  1282. 
1297,  in  II  sait  1084. 

geschehen  bildet  geschieht  nur  I  1039  (geschach  I  899.  987. 
1258,  II  916). 

Vom  Verbum  l-omen  bildet  I  den  Inf.  komen  783.  845,  das 
Part.  Prät.  Tcomen  357,  1316,  das  Prät.  quam  41.  733.  1100,  quamen 
25.  1162.  1242.  1420,  Konj.  qiieme  39.  461.  II  kennt  die  Formen 
mit  ko  nicht  und  hat  nur  vom  Praet.  quam  905,  queme  1090. 

Vom  Verbum  han  wird  die  erste  Person  verschieden  gebildet: 
II  hat  nur  han  (1092),  I  han  290.  1348  und  habe  1052.  1112. 
1206.  Als  Infinitiv  hat  I  han  (5  mal)  und  hcthen  (6  mal),  II  nur 
haben  (2  mal),  als  dritte  Person  gilt  hat  (I  5  mal,  II  2  mal).  Die 
dritte  Person  der  Mehrzahl  han  I  165.  1264.  Der  Konjunktiv  und 
das  Präteritum  nur  in  II:  habe  540,  hate  703,  Konj.  hete  919. 

Der  Infinitiv  lan  nur  in  I  (5  mal);  /«^  I  305.  534.  963,  II  691, 
gelan  I  11,  II  989. 

Vom  Präsens  der  Verba  gän  und  stan  hat  I  13  zweifellose  a- 
Formen,  2  mal  reimt  gän  neutral  auf  stan  (493.  1414).  In  II  nur 
gen -.hin  997!  Nur  I  bildet  ein  Präteritum:  ginc : empfinc  43.  346 e, 
:mnc  1248;    gegangen  :  Spangen  841. 

Vom  Verbum  tun  hat  diesen  Infinitiv  und  den  Plur.  Prät. 
taten  nur  I  (159  und  849),  der  Sing.  Prät.  tele  ist  gemeinsam:  -.ge- 
bete  I  1338,  :  hete  Konj.  II  919,  -.stete  II  689;  desgl.  das  Part.  Prät. 
getan  I  1196.  1202.  1218.  1264.  1440,  II  77.  389,  vgl.  wolgefan  II 
471,  U7idertan  I  504,  II  572. 

Von  den  Formen  des  Verbum  subst.  sind  gemeinsam  bin  ist 
was  waren  teere  sin  (dieses  16  mal  in  I,  nur  2  mal  in  III);  nur  in 
I:  were7i  1418  (wesen  I  924);  nur  in  II  der  Konj.  si  431. 

mere  I  286.  761.  947  steht  gegen  nie  II  75;  hi  I  1041  gegen 
hir  II  993;  geren  I  1308  (ilere)  gegen  gern  II  413  (:stei-n). 
Von  innen   läßt  sich  für  I  nur  die   längere  Form  erweisen  izinne 


Einleitung. 


LIII 


739,  kitniijiHiH'  'J'20.  753,  wolfinne  1274  (wie  für  hinnen  :  sinnen 
857,  :  zinne  tioG,  kuniginne  1120);  II  hat  neben  innen:  zinne  43<l 
auch  die  Kurzform  in:stn  171  (/tm  fehlt),  zware : -ar,  -«/-nur  in  I: 
59.  363,  :  -are  nur  in  II:  429.  895.  Das  temporale  mhd.  do  Ivommt 
nur  in  I  vor,  im  Reim  auf  ö  und  ä:  107i>.  1234.  13ü(i.  Das  ent- 
sprechende Lokale  ist  dürl  1284,  II  550;  dar  =  dahin  I  565,  6-50. 
787,  II  1001. 

3.  Technik  des  Reims,  unreine  Reime,  aufs  Mhd.  bezogen, 
a)  Vokalisch  unreine  Reime,  a)  qualitativ. 

1. 


ae 

e 


;  ae 

0 


a :  o 
aer :  er 


e  :  e 
er :  er 
er:  er 
S :  i 
il  :  iel 

ir  :  ier 
6  :  (ni 
ö  :  u 
ü  :  uo 
u  :  uo 

H  :  tu 
uo :  üe 


tragen  :  herzogen  309,  <^trn- 
gen^  :  unverzogen     807, 
gesunt :  wont  435 
aldär-.offenbaere :  1283(1298") 
begäbet :  gelobet  588,    täten  : 
boten  849,  hät-.got  1328 
näch'.do  1076.  1234 
maeren  :  begern  1 ,  gewaere  : 
her  109,  gebaere :  her  574, 
waere  :  her  622,  kerkaere  : 
s  weher  1252 
gedaechten :  knechten  314 

ivandelbaere  :  ere  60  »,    die- 

naeren :  herren  847 
sehen :  gegen  244 
hei' :  lere  113,  gerne :  lere  1 307 
mer  :  hei'e  ST ,    :  herren   811 

spil  :  geviel    260,    tle  :  kiele 
791,  wil-.viel  1104. 


jö :  nu  632 

jö-.zuo  1208 

nu :  tuon  159,  flugen :  truogen 

346  a 
büwe  :  nitiwe  568 
suoze :  griieze  351 


II. 

iaWersa^Wß  67 1.1 007 

(ftas;  :  des   79,)   /"a/-^ : 

ivert  252,  {erslagen : 

wegen     544 ,     vgl. 

S.  XLVI) 


späte: gote  1367,  /id< : 
i^o<  391.  447 


saelic  :  Zetiic  395.  ^ 
Äaß^e :  ^eie  919 


tete :  s<e<e  689 


gen  :  hin  997 

[153 
mir :  hier  993, :  schiere 
flöch :  auch  914? 


gefuoge  :  slüege  705, 
<^sMore^  :fiieze  1450 
vej'lär :  ervüere  401 


LIV 


Einleitung. 


im  Auslaut 
vor  h 


vor  g 


vor 

d 

vor 

t 

vor 

ni 

vor 

l 

vor 

r 

auf  t 

auf  s,  z 
auf  z,  zz 

vor  cht 

-ich :  -iche 
-ich  :  -liehe 

{-riche  :  -liehe 

auf  m 


-in :  -en 

•in :  -in  (außer 
in  den  S.  LI 
verzeichne- 
ten Reimen 
SMikünigin) 


ß)  quantitativ,  in  offenen  Silben 
nu'.fnon  159,  nu:jö  032. 
rabe: gäben  167.630,  habe: 

gäbe  1112.  l'J06,  gelobet: 

begäbet  .588 
sagete  :  f raget e  51.  212.  1282. 

1297,  pigen  :  truogen  346  a 


boten  :  täten  849 

benamen  :  qiiämen  25.   1162. 
1420 

begern  :  maeren  1,  gerne:  lere 

1307,  gefarn  :  wären  1424 
in  geschlossenen  Silben 
stat :  hat  463,   bat :  rät  562, 

got :  hat  1 328,  :  not  1025. 

1045. 1192. 1200,:  ^0^404 
was :  was;  13, :  underläz  1278 
verdrozzen  (:  slözzen  1080), 

:  zestözen  837 
Jcnechten  :  gfd aechten     314, 

nacht : bedächt  375 
773.  935.  1291.  135.5.  1361 
230.  819.  1021.  1066.  1166. 

1406 
439.  .500.   729.    1320.  1.342, 

geUche  21.  1462) 
lobesam :  undertän  498,  «««» : 

sträm  901, :  capelläne  1430 
11.  29.   35.    111.    165.  209. 

290.  295b.  .504.  576.  586. 

809.  825.  843.  1072.1196. 

1202.    1218.   1240.    1256. 

1260.   1304.    1312.    1.322. 

1334.  1440  (26  mal) 
{-an :  -an  9mal,  -an :  -an  5mal) 


bin  :  m'in  782.  863,  bin  :  rebe- 
lin  236,  hin :  sin  1033, 
trosterinne :  sin  1027 

{-in  :  -in  fehlt,  -5« :  -in  42  mal) 


sagen  :  fragen     917, 

:  icägen  421 
ZetZic  :  sae?ic  395.  487 
tete:haete  919,  ^o^e : 

S2)«<<?  1367 


s.  d. 

verlür :  ervüere  401. 


&rt< :  r«^  1088,  :  hüte 
703,  got:  hat  391. 
447 

?<'rts :  underläz  923 


474  a.  683.  1371 


151.  473.  522) 


77.389.471.475.572. 
989.  1029.  1092. 
1136  (10  mal) 


{-an  :  -an  2  mal,  -an  : 

-ein  2  mal) 
hin  : gen  997 
bin  :  f/?M    685,   inne  : 

sin  171 

{-in  :  -in  Imal,  -?n  :  -in 
15  mal) 


Einleilunt 


I-V 


auf  / 
auf  r 


ah.mAle  1432,  npil  :  qeviel 
260 

schar: hlär  343,  f/ar :  zeicare 
59,  dar :  vih-e  564«,  ge- 
icar:  offenbare  1293,  fort : 
karte  851,  u-ort  :  gehurt 
506;  die  Reime  auf  ÄIV 
und  »)c>-  s.  o.  S.  LIII 


balde  :  saelde  671. 
1007 

((^ar :  d&r  550,)  ^fp- 
it-ffr  :  offenbare  67, 
Jrt/-<;  921,  mir: 
hier  993,  :  schiere 
153 


nach  fÄ 


nacli  r 


nach 

n 

nach 

t 

nach 

9 

nach 

s 

nach 

z 

nach 

w 

nach 

Vokal 

nach  ch 

nach 

r 

nach 

I 

nach  n 


Y)  Apokope  von  Stamm-e 

-liehe  :  -ich  230.  819.  1021. 

1066.  1166.  1406 
riche :  sich  1291 
offenbare :  gewar  1293, 

war  1464 
vÖ7'e  :  dar  564  a 
zetvare  :  gar  59,  ivür  363 
gebaere  :  her  574 
gewaere :  her  1 09 
lere:  her  113 
schiere  :  vier  821,   Über  ^e- 

fidere,    videre,    widere   s. 

S.  XLIV 
e&ene  :  /e?;^«  3.  1460 
rechte :  sZecÄ^  875 

huote:bluot  939 
geunge  :bi  1 03 1  s.S.  LVI 
/<'2.5e  :  embtzest  957 
«?a^e  :  tras  13 


67 


>»/r  153 


:  vorgeben  1009 
(richte  :  «icÄ^     548. 

1363) 
:.9?to^  1457 


juncfrotiwe  :  /ot<  41 1 


b)  Apokope  von  Flexions-e 

roiiche :  0Mc7i  1 280 

riche  (Dat.):  mich  935,  (?«c/i 
1355,  sich  1361 

waere  :  Äer  622  [schare  :  dar 
564) 

male:al  1432  (sale:al  270, 
S2>t7«  :  gevicl  260,  siVe  :  /*'j7 
193) 

capelläne  :  nam  1430,  be- 
weine :  Ä:ein  815,  hörne  : 
zorn  1164 


/■;7t? :  sJ  431 

:  mich  1371,  r/jVÄ  683. 

773,  ich  474 'i 
jare:  gewar  921 


L  VI  Einleitung. 

nach  ^  leite :-A-eitlie>0,zUe:lU4:Aö.       Mteibat  703,  saite  : 

1056,     gewalte    :   Oswalt  mait  1084 

1228,  arte  :  tcart  325, 
karte  :  /"«r^  851,  vriste  : 
krist  953,  ist  1324, 

oder,  nach  den  Flexionen  geordnet,  Apokope  des 

Dat.  Sg.  M.  N.       roMc7?<;  1280,  riche  935.  1355.       y«re  921,  7icJie  4  mal 

1361,    »jd/e    1432,    hörne 

1164  (s«;e270,  s^)«?^  260, 

zile  193) 
Dat.  Sg.  Fem.      ztteUb.  1056,  ^ejwfZ^e  1228, 

arte  325,  triste  953.  1324 

(schare  564) 
Nom.  Plur.  gemeine  815 

Akk.  Plur.  capellune  1430 

3.Sg.Ind.Prät.       Mrfe  851,  Z^#e  1160  häte  703,  sajYe  1084 

3.    Sg.     Konj.       tvaere  622 

Prät. 
2.  Sg.  Imp.  fHe  431 

e)  Synkope  und  Eklhlipse.     (Über  ren  vgl.  S.  XLII  f.  und  XLVI.) 
t§t,  lustete  :  wüste    385,    (beltefe  : 

bereitete  805.  879) 
(ie<  gekleidet :  treit  369 

f cs#  embizest :  f^iise  957 

»»c»  steinen  :  reine  619,  dannen  : 

gewan  719 
^e  «e/jew  :  (Zen  1 262,  :  ö'<^5'^»*  244, 

sweher:  her    1216,    :  l-er- 

kaere    1252;     rer^iÄe»^  : 

/■/7e>z  222 
ge  iragenigän  381,  gegen '.sehen      treget  :  gemeit     -542, 

244,  gewige  -.bi  1031,  Zi^ff:  (maget  :  tmv  er  zaget 

zite    445.    1056;     ^rep-ei!  :  409,  Sö^'e^e  1084) 

gekleidet  369,  geleget :  Ä;?e/^ 

339,     %eCe  :  -A;^/«     1160 

[maget '.  gesaget   105.   640, 

unverzaget  163.  524.  877) 

2)  Epithese  (Nicht-Apokope  gegen  das  Mhd.). 

beger :  maeren  1 ,  Mier :  herren      verlür  :  erviiere  401 
811,  :Äere  87 

Ti)  Enthese  (Nicht-Synkope  gegen  das  Mhd.),  vgl.  Seite  XLII  f.  und  XLVI. 


Einleitung. 


LVIl 


b)  Konsonantisch  unreine  Reime. 
Inlaut :   h'.g 


a)  Einfache 


d:l 

:  n 
s :  z 
Auslaut :  m  :  n 


ch 


icise :  embizest  957 

quam  :  man  41,  alsam  :  man 
ll232,  lobesam  :  underfan 
498,  nam  :  capelläne  1430 

was  :  vergaz  179,  laz  967, 
mäz  13,  saz  725,  undei-lciz 
1278,  k(')s:grüz  1174 

flouc-.ouch  941.  969 


Konsonanz. 
habe:  tage  1229» 
Zfrf/c  :  saelic  395.  487 
?ßjV7f :  keine  748. 


if«.s:rfrt2  342'i.  908  a. 

137ö,underläz9'2^, 

hns :  uz  321 
9U(flouc  oder  fluch?) 


n  :  r  nach  d:  heiden  :  cleider  232 


Inlaut: 


z:  zz 

Auslaut :  c:ft 

s :  zt 


ß)  Einfache  auf  Doppelkonsonanz. 

herre :  mere  761,  herren  :  nier 
811,  mere  947,  eren  17. 
311.  594.  1128,  dienaeren 
847 

zestözen :  verdrozzen  837 


Zflc :  kraft  779 


?Wse :  embizest  957 


Inlaut:  nd:ng 

:  »W/n 

cA< :  /^ 

:s< 

/< :  kl 

•.rt 

Auslaut  :cA<:s< 


Y)  Doppelkonsonanz. 
lande(n)  :  bange  359.  962 

mechtic :  kreftic  566 
tichten :  crinteti  1428 
wtV^e :  mWe  1146 
«/<e>- :  marter  933 


unden :  geswummen 
[669 


necÄi :  crisi  661 


b)  Überstehende  Konsonanien. 

n    nach    ton-      Infinitive:    1.33.   226.   346c.       71.393.695.697.709. 

losem  e:  455.  771,  5  Fälle  1046»  =  6  Fälle 

(rabe: gäben)       Andre    Formen:    (33.)   167.       147.     256.     907     = 

3.59.  (610.)  811.  88.3.  947.  3  Fälle 

10.39.   1222.    12.54.   1308. 

1418.    14.56   =   13  Fälle. 

(Über      hinnen,      innen, 

Zinnen  s.  S.  LH  f.) 

nn  :  tiion  159 


nach   beton- 
tem Vokal: 


habe :  aber  540 


LVIII 


Einleitung 


lac  :  kraft  ll'd,  mich  ; 
nicht  427 


so  : hoch  1402. 


min  •.min  1385 
-Uche :  -liehe      1379, 
-Un  :  -Ihi  531  a 


t'.  wise  :  b'izest  957,  ivas:<^dr- 

ast'^  1148,  kan  :  Tirtn^GS, 

getan  :  /«ff»^  1264 
cfe:  dö-.näch  1076.  1234 

c)  Rührende  Osivalt :  gewalte  1228  (/"re/s- 

Reime.  sam  :  lohesam    91.     141), 

zuhanf :  haut  624,   -Z^c?^e  : 

-«c/je  37.  205.  1132,  -lin: 

Unb84.  in,  hochgeniuöt: 

nmot  491 
Die  Verschiedenlieit  von  I  und  II  wird  hier  doch  durch  Hilfe 
der  tabellarischen  Darstellung  ganz  augenfällig.  Ich  mache  nur  auf 
weniges  noch  aufmerksam :  auf  das  charakteristische  ö  :  n,  uo  nur  in 
I,  den  schlesischen  Übergang  e  >  o  nur  erst  in  II;  nur  in  I  ungleiche 
Vokalquantiläten  vor  h  und  m  (s.  o.  S.  XLII  ff.),  die  Apokope  von  -liehe 
—  II  apokopiert  überhaupt  viel  schwächer  — ,  die  Synkope  über  h, 
g,  d  hinweg  —  in  II  nur  in  -egit;  in  II  das  Fehlen  von  a:o  und 
allen  Unreinheiten  der  «--Reime,  die  in  I  so  zahlreich  sind,  dafür 
größere  Laxheit  im  Konsonantismus,  dreifach  häufiges  Fehlen  des 
Infinitiv  -n.  Und  was  den  Konsonantismus  betrifft,  ist  der  Unterschied 
besonders  groß:  gemeinsam  (abgesehen  von  den  überstehenden 
Konsonanten)  sind  s :  z,  cht :  ft  und  st,  aber  nur  in  I  die  m :  n, 
r:rr  (Mrre.'),  z:zz,  nur  in  II  die  sonst  so  häufigen  b:g  (in  I  wird 
age  zu  ä !)   dazu  d  :  l  und  n,   nd  :  mm. 

D.  Wiederum  bietet  sich  von  den  fest  gegebenen  Reimen  der 
Weg  zu  einer  vorsichtigen  Betrachtung  des  Versinnern  nach  seiner 
sprachlichen  und  stilistischen  Struktur.  (Von  hier  ab  wieder  Zitate 
nach  Versen;    vgl.  S.  XLIX.) 

1.  Wendungen,  die  nur  in  I  vorkommen.  (Ordnung 
nach  dem  Reimalphabet.) 

hei-  (si)  sprach  zu  dem  ruhen  288.  634.  829. 
do   her  (si)  —    angesach,    zuchtiglich  her  (si)  zji  im  (ir)  sprach 

199.  350.  1344:  do  her  (si)  —  angesach,  l    .         ^       ■        \  unde 
^  ''  '   \st  empfinc  tn      J 

>s^j/-ac/i  853.  979;  doher  —  tvort  —  gesprach  :  her  —  sac7ill22.  1412. 
wunderliche  sacken  371.  789  (groze  suchen  II  1373). 
höre,  waz  ich  dir  wil  sagen  455,  vgl.  wil.  (hören  sagen  330.  1245.) 
fragete  und  hat,  daz  her  im  sagete  51.  212.  1282.  1297;    vgl.  2 

s.  V.  fragen, 
alle  dem  Substantiv  oder  Pronomen   nachgestellt   (im  Reime)  279. 

467.  870.  1438;  ebenso  alle  gemeine  272.  604.  1118  (adverbiales 

uheral  271.  368.  1069.  1432). 
rifen  (ivimschten)  mit  schalle  278.  869.  1437. 
des  ivildes  meres  stram  I  901. 
heidnischer  man  201.  266.  282.  1260. 


Einleitung.  MX 

7uit  (iiwer)  snewizcn  haut  557.  625.  (1126),  bi  siner  hant  02. 

bekant  r/eben  217,  tun  764.  1287b. 

her  (si)  ginc  (fürte  etc.),  da  her  (si)  fant  347.   1126.   11S2. 

Die  Reime  auf  fat't  in  der  Formel  mit  der  seihen  fort  s.  unter  V,  2. 

hat  im  Reim   mit  Enjambement  des  zugehörigen  Part.  Prät.  114U. 

116!'.  1329  (hat  geschaffen,  hatlivecgeftcrt,  hat'irslagen.) 
her  [si)  fiirte  (tnic)  in  drate  in  eine  kcmenate  63.  .383. 
ane  inaze  13.  881. 

her  hat  rorlorn  sin  leben   107.  219,  vgl.  im  wurde  benomen  s.  l.  873. 
her  hegunde  Jen  210«.  1270. 
ane  alle  missewende  58.  760. 

volge  miner  lere  114,  aller  diner  lere  teil  ich  volgen  geren  1307. 
groze  herren  18.  311,  mit  sinen  herren  811.  847. 
Nachgestelltes  lob el ich:  fromve  l.  38,  hunig  l.  439,  graren  1.  .500. 
tvnnders  also  vil  333.  361,  also  rechte  vil  490. 
höre  waz  ich  dir  sagen  wil  94.  489;  vgl.  sagen, 
gelonhe    mir    1289,    daz    sage    mir    944,    daz    sage    ich    dir  239. 
.    7()S.  1015«. 
an  diser  fr  ist  953.  1324. 
stc  aller  zit  445.  1056. 
nicht  enliz,  her — hiz  305.  963,  cf.  Uz  II. 
des  wildes  meres  ho  560. 
jo  als  angehängte  Bekräftigung  633.  1209. 
von  golde,  also  —  icolde  618.  1064,  vgl.  600. 
atie  allen  spät  579. 
Nachgestelltes  nu  160.  356.  632. 
an   der  stunt    101,   in  (zu)  der  selbigen  stiint  656.  1157.  1416,  zu 

diser  stunt  1332,  nu  und  zu  aller  stunt  1143«,  zu  disen  stunden 

516,  zii,  keinen  stunden  181;  vgl.  2. 
alse  ich  dich  ka^i  beduten  772. 

2.  "Wendungen,  die  nur  in  II  vorkommen. 
hegunde  fragen,  daz  si  im  solde  sagen  917;  vgl.  unter  1  fragete ! 
Nachgestelltes  balde  392.  671.  1007. 
lant  stan  zu  uwer  hant  73. 
Parenthetisches  daz  ist  war  664.  886  (vgl.  364). 
ane  alle  vare  430. 
des  wildes  meres  vare  890. 
vru  und  darzu  8j)ate  1368. 
deste  baz  79.  342b. 

daz  tete  her  (si)  umbe  daz  317.  342«.  909,  vgl.  447. 
Nachgestelltes  wer  lieh  473.  522. 
Pflicht  han  zu  40b.  i.^g. 
uf  di  rechten  truwe  din  248. 
irtrinken  -\-  vor  sinken  546.  659.  897.  925. 
enliz  :hiz  in  Umkehrung  691;  vgl.  1. 


LX  Einleitung. 

in  der  selbigen  stunde  1082;    zu  der  seihen  stunt  150,   zu  keiner 

stnnt  1138.    1391,  zu  den  stunden   485,   zu  allen  stunden    1369; 

vgl.  1. 

3.  Wendungen,  die  I  und  II  gemeinsam  sind. 
groz  Ungemach  I  899.  987,  II  1400. 
mit  gewalt  I  1228,  II  178. 
sunder  tvan  I   111.   209.  1029.  1322,  II  475,    ane  allen  argen   wan 

II  1136. 
Nachgestelltes  gar  I  60.  591.  787,  II  551. 
gewar  werden  mit  Gen.  I  650.  1293,  II  67.  1002,  mit  abhängigem 

Satze  II  921. 
offenbar  sprechen  I  1463,  II  67. 

zwar  als  Verstärkung  von  jo  oder  nein  I  59.  363,  II  429. 
ane  underlaz  I  1278,  II  923. 
tun  (un)rechte:  knechte  I  865,  II  69. 
in  alle  dem  gebere,  als  —  waere  I  575.  1062,  II  43^. 
horte  (sagefe)  maere,  wi  (daz)  waere  I  331.  1102.  1318,  II  1086. 
Zur   Gewinnung    des    bequemen   Reims    in   -ich  sind  mich,  dich, 
sich  gegen  den  Prosagebrauch   hinter   das   regierende  Verbum   ge- 
stellt: I  230  (uzgesant  mich),  1067  (machte  sich),  1361  (taufen  sich), 
II  428    (lezest   toten  mich),   684   (gesant  dich),    1372   (gewern   mich). 
Also  2  gegen  3  Fälle. 
Nachgestelltes  nicht  I  1019.  1038,  II  549. 
Inversion  von  dir,  mir:  1.592.  59.3.  767.  1004.  1290.  1302,  II  123. 

246. 
nim  mich  in  dine  hut  940,  neme  in  s.  h.  1458. 

Hieran  würde  sich  dann  die  Legion  von  vergleichenden  Beob- 
achtungen des  reinen  Versinnern  knüpfen.  Sie  lassen  indes  weder 
so  sicher  auf  das  Original  schließen  wie  die  bisherigen,  noch  ge- 
hören sie  in  diesen  Rahmen,  noch  scheinen  sie  nach  dem  Vorigen 
nötig.*     Denn  ich  glaube,  daß  die  Differenzen  iin  Versbau,  in  Form 


^  Nur  eine  der  sonst  angestellten  Proben  und  Beobachtungen 
sei  wenigstens  anmerkungsweise  mitgeteilt. 

Beide  Handschriften  heben  aus  den  Majuskeln  der  Zeilenanfänge 
einige  durch  besondere  Größe  und  Ausführung  hervor;  ich  zähle 
31  in  W,  12  in  0,  davon  6  gemeinsame. 

W  bezeichnet  mit  solchen  Majuskeln  den  Helden  Oswalt  oder 
Sinte  Oswalt  (101.  147.  739.  805.  869.  1041.  1198);  dazu  Dohannes 
(statt  Johannes  1442).  Aber  auch  sein  Pronomen  wird  so 
herausgehoben:  Her  81.  135.  230;  ebenso  Sy  =  Spange  357. 
429,  Her  =  der  Rabe  244.  785  (aber  dies  Her  und  Sg  mit  Ausnahme 
des  interpolierten  V.  230  nur  in  der  Verbindung  mit  sprach);  Dei' 
=  Oswald  437,  =  der  Rabe  280.  745. 

Aber  daneben  muß  man  in  W  doch  eine  Majuskel  anerkennen, 


Kiiileituii^'.  LXI 

und  Gebrauch  der  meisten  anomalen  und  so  vieler  nomaler  Worte, 
insbesondeie  auch  die  DitTerenzen  der  Reimtechnik,  die  ja  aus  den 
Listen  in  die  Auj.'en  springen,  den  erforderlichen  Beweis  für  richtige 
Sonderung  von  I  und    11   erI)rinKen :  unuKiglich  könnten  die  Grenz- 


die  einen  Fortschritt  der  Hnndluns',  ein  Neueinsetzen  markiert:  Do 
199.  TrlL  V2h±  1-291.  141_',  />r^s•  :^17,  Demc  1,  Ahn  1\1,  Alziihanf 
ll!24.  Diese  Bedeutuni;  zeigt  sicli  ijbrigens  auch  darin,  daß  Majuskeln 
nur  im  Satzaniange  und  nur  im  ersten  Reimpaarverse  stehen. 

Und  hier  liegt  für  uns  der  kritische  Wert  dieser  Majuskeln: 
wenn  sie  ein  Neueinsetzen  markieren,  so  erklärt  es  sich,  warum 
sie  gern  nach  dem  Ende  eines  Einschubes  auftreten:  81.  524. 
717.,  d.  h.  diese  Majuskeln  geben  wie  die  Verslückeii,  von  denen 
wir  ausgingen,  einen  Beweis  für  die  Richtigkeit  der  Athetesen  und 
dafür,  daß  die  Interpolationen  in  *VVO  noch  als  solche  kenntlich 
waren;  der  Abschreiber  empfand  den  Schluß  der  Interpolation  auch 
äußerlich  als  Sinnesabschnitt  und  setzte  um  so  leichter  und  vielleicht 
halb  unwillkürlich  die  Majuskel.  Und  ebenso  bezeichnet  umgekehrt 
der  Schreiber  mit  der  Majuskel  317  das  Einsetzen  einer  Interpolation. 

Dann  bleibt  als  Rest:  Di/  herren  67,  Howaz  763,  Lat  nch  1007. 
Da  könnte  man  sagen:  der  Schreiber  W  bildet  nur  gewisse  Ma- 
juskeln (D  1 1  mal,  H  5  mal,  S  5  mal,  O  3  mal,  A  2  mal,  L  1  mal) 
und  das  D  besonders  häufig:  er  schrieb  D>/  67  statt  f/y,  wie  er, 
bezeichnend  genug,  Y.  1441  Dohannes,  nicht  'Johannes  schrieb. 
Auch  Howaz  763  ließe  sich  zur  Not  so  erklären  (sonst  4  mal  .S'). 
Aber  das  L  in  Lut  1007  ist  einzig.  Und  es  steht  wie  D  67  in 
Interpolation  I 

O  hat  Majuskeln  für  den  Helden  Hunte  Osimlt  147.  739.  119S, 
OsicaJt  805.  879.  931.  1041;  für  den  Artikel:  Der  rahe  582;  für 
Neueinsatz:    Des  1309,  nach  Interpolation:    Nu  18-2,  Ap  1144. 

Auch  hier  sind  mir  die  Majuskeln  von  782  und  1144  Bestäti- 
^ng  meiner  Athetesen. 

W  und  0  gemeinsam,  also  wohl  auf  *W0  zurückzuführen  sind 
{abgesehen  vom  V.  Ij  die  Majuskeln  V.  147.  739.  S05.  1041.  1198. 
sämtlich  zur  Hervorhebung  Oswalds.  Aber  aus  Der  rabe  0  532 
im  Vergleich  mit  W  437.  280.  745  wird  man  folgern  dürfen,  daß 
auch  das  Fronomen  des  Raben,  also  auch  Spanges  in  *\V0  so  be- 
zeichnet werden  konnte. 

Jedenfalls  läßt  sich  an  keinem  Punkte  zeigen,  daß  die  Majuskeln 
schon  in  *\V0  Sinnesabschnitte  angekündigt  hätten  (allerdings  stehen 
sie  nur  im  Satzanfang  und  im  ersten  Verse  eines  Reimpaares),  und 
damit  erhöht  sich  ihre  Bedeutung  für  das  Erkennen  der  Inter- 
polationsgrenzen. V.  147  zeigt,  daß  auch  der  Interpolator  Hynte 
Oswalt  schrieb.  Aber  daß  er  einen  andern  Majuskelbrauch  hatte  als 
W,  zeigten  67  und  1007,  die  sich  auch  so  als  unecht  verraten. 


LXII  Einleitung. 

linien  der  massenhaften  beo])achteten  Erscheinungen  mit  den  von 
uns  angenommen  Nähten  zwischen  Echt  und  Unecht  zufällig  zu 
sammeufallen,  statt  sich  in  unendlich  verschiedenen  Winkeln  zu 
kreuzen.  Nur  bei  ganz  kleinen,  vereinzelten  Athetesen  greift  viel- 
leicht keines  der  herbeigezogenen  Scheidemittel  an.  Alier  da  ist 
dann  schon  oben  der  umgekehrte  Weg  eingeschlagen,  indem  Hapax- 
legomena  solcher  Stücke  aufgewiesen  wurden.  Dann  aber  darf  auch 
noch  erinnert  werden,  daß  der  umfänglichere  Teil  aller  Athetesen 
nicht  von  mir  herrührt,  sondern  vom  Text  gegeben  ist,  daß  nur  bei 
ganz  wenigen  der  Text  gar  keine  Handhabe  bot. 

Ich  betrachte  also,  Einzelfehler  zugegeben,  meine  Scheidung 
doch  als  soweit  richtig,  daß  wir  darauf  weiterbauen  können,  wenn 
wir  nun  *W02  und  *WOi  jedes  für  sich  untersuchen. 

III.    *W02,  die  Zusätze  zu  *WOi. 

A.  Stammt  nun  aber  *W02  von  einem  oder  von  mehreren 
Verfassern?  Wir  vergleichen  die  Interpolationen  untereinander. 

Inhaltlich  korrigieren,  ergänzen  oder  erläutern  sie  *WOi. 

Zu  der  ersten  Gruppe  gehören  40a— c  (Gott  wollte  nicht,  daß 
Oswald  eine  Frau  nahm),  294  (der  Rabe  soll  nicht  getötet,  nur  ge- 
fangen werden),  458»— c  (der  Heide  sagt  nicht,  sondern  schwört,  er 
werde  seine  Tochter  heiraten),  564.  572/73.  797/98  (nicht  allein, 
sondern  mit  Heeresmacht  soll  Oswald  ausziehen),  885 — 98  (nicht 
17  Tage,  sondern  8  Jahre  war  er  unterwegs),  1142/43  (nicht  um  Ge- 
sundheit, sondern  um  ein  Ende  in  Keuschheit  bittet  er). 

In  der  zweiten  Gruppe  überwiegen  die  christlichen  Zutaten: 
389—402.  469—88.  989—1010  (Aufforderungen  zur  Taufe),  409-32 
(Mariengrüße),  1082 — 99  (Auf beten  des  Tors  geboten);  auch  daß 
Spange  keusch  bleiben  soll,  kann  man  dahin  rechnen:  40«— c. 
90.  1136—39.  1142/43.  1363—1403.  Die  Ausstattung  von  Oswalds 
und  Spanges  Ringen  mit  wunderbaren  Eigenschaften  hat  schon 
spielmännischen  Einschlag:  171  —  78.  528/29.  .540—53.  779/80. 
905 — 26.  Die  gleiche  Mischung  in  65—80  (Hochmut  der  Knechte, 
Demut  Oswalds  vor  dem  Waller).  Ganz  spielmännisch  die  Sorge  um 
den  Hunger  317 — 24,  die  Ausschmückung  der  Schachszene  247 — 59, 
die  Vergrößerung  der  Dimensionen  564.  572/73.  797/98.  11 79  ab. 

Andere  Vervollständigungen:  659 — 68  (Ausführung  der  an- 
gekündigten Klage),  1229ab  (Oswald  kam  an  einem  Sonntage  heim; 
auch  als  christliche  Zutat  aufzufassen). 

Schließlich  einfache  spielende  Parallelen:  748.  1458/59. 

Aber  auch  inhaltlich  Neues  wird  herzugebracht:  43»— e  (der 
Waller  als  Bruder  des  Königs),  187—90  (der  Rabe  soll  einen  Ring 
zurückbringen),  669 — 99.  703—16  (die  Episode  mit  Ise  aus  dem 
Orendel),  885—98  (Versinken  der  Schiffe),  905—26  (Spange  mit  dem 
Ringe  vor  ihrem  Vater). 


Einleitung.  LXIII 

Die  übrigen  Ergänzungen  könnte  inan  ratioiiaiislische  oder 
technische  nennen:  989—1010  (die  Frage  nach  den  Schiffen  wird 
beschwichtigt),  108-2—99  (die  Nachricht  von  Schließung  der  Burg 
soll  auch  an  Spange  kommen  und  sie  soll  Rat  gel)en). 

Das  ist  der  Übergang  zur  dritten  Gruppe,  den  Erklärungen.  Sie 
sind  V.  317 — '■2A  und  34^"^  ausdrücklich  mit  daz  tete  her  umbc  daz  ein- 
geleitet.  Ferner  43'»—*-'  (wie  Oswald  den  Fremden  als  Bruder  anreden 
konnte,  eine  falsche  Erklärung),  83:2*  (diu  herre  hat  nach  dir  gesant). 

Meist  ist  die  Verknüpfung  dieser  Interpolationen  mit  dem  alten 
Texte  auch  formal  noch  kenntlich:  an  der  Übernahme  des  letzten 
Reimwortes  oder  Reimes  (so  daß  Drei-  und  Vierreim  entsteht):  43^ 
171.  187.  247.  520.  564;  oder  es  ist  irgendeine  Wendung  des 
Originals  wiederaufgenommen:  294  {her  muz),  409  (der  rabe),  703 
(geslungen),  797  [di  man),  1229 '^  (quam),  779  {her  sprach  \\  her 
saget e);  beides:  171  (daz  tvas  und  Reim  auf  -in);  V.  157.  564  und 
1142  hat  sich  der  Interpolator  sogar  gespart,  die  aufgenommenen 
Worte  (her  sprach,  ici  ir  fridel,  und  laz)  noch  einmal  zu  schreiben. 

Andere  Interpolationen  haben  ein  Schlußglied,  mit  dem  sie  in 
den  Reim  des  Originals  einlenken:  4.58 a-c.  528—32.  659—99. 
Doppelt,  am  Anfang  und  Schlüsse,  angeknüpft  ist  147 — 58.  Ganz 
parallel  den  Anstoß  gebenden  Reimpaaren  gebaut  sind  11 79  ab. 
14.58,59.  Aber  auch  größere  Stücke  sind  so  an  das  Gegebene  an- 
gelehnt: 147 — 58.  247  —  59;  nicht  einmal  in  der  Nähe  braucht  die 
Stelle  des  Originals  zu  sein,  aus  der  entlehnt  wird:  vgl.  1011  ff. 
und  1082 ff.  Da  ist  es  dann  nur  ein  Schritt,  daß  nicht  mehr  der 
Wortlaut,  sondern  nur  noch  der  parallele  Aufbau  des  Inhalts  die 
Entlehnung  verrät:    409 ff. 

Schließlich  braucht  also  die  Verknüpfung  nur  eine  unaus- 
gesprochen gedankhche  zu  sein:  40 ^-c  (Oswald  sollte  eine  Frau 
nehmen  —  Gegensatz:  das  wollte  Gott  nicht;  vgl.  oben  die  korri- 
gierenden Interpolationen),  659 — 66  (Ausführung  der  berichteten 
Klage  des  Raben).  Hierher  gehören  auch  die  Erklärungen  daz  tete 
her  umbe  daz  317.342».  Vgl.  90  (Anfügung  als  Relativsatz),  572/73 
(Verknüpfung  mit  tind)  usw.;  vgl.  65-80,  4G9— 88,  540—53,  832% 
905-26,  989—1010,  1082—99,  1363—1403. 

Aber  der  Zusammenhang  ist  keineswegs  überall  gewahrt:  die 
Interpolationen  sind  großenteils  gar  nicht  als  Einschübe  zu  verstehen, 
sondern  als  Parallelfassungen,  Anmerkungen,  als  Ersatz  des  Da- 
stehenden. Soweit  sie  dem  Texte  widersprechen  (Gruppe  1),  ist  das 
selbstverständlich,  aber  auch  schon  wegen  der  grammatischen  Kon- 
struktion können  oft  Altes  und  Interpoliertes  nicht  nebeneinander  be- 
stehen: 123,24.  458 'i-c.  699.  797/98,  auch  1363-1403.  Vgl.  Kap.  II  A. 

Daß  der  Interpolator  auch  den  vorhandenen  Text  überarbeitete, 
zeigten  schon  V.  157.  564.  1142;  dazu  nehme  man  das  S.  XXXIllf. 
über  die  kusche  Gesagte. 


LXIV  Einleitung. 

Also  doch  eine  starke  Verschiedenheit  des  Inhalts,  eine  große 
Mannigfaltigkeit  seiner  Verknüpfung  mit  dem  zuvor  Überlieferten. 
Aber  zwischen  allen  Gliedern  Überp^änge,  nirgends  Gegensätze:  die 
Verszahlen  kehren  in  den  einzelnen  aufgestellten  Rubriken  in  den 
verschiedensten  Kombinationen  wieder.  Spielmännische  Zusätze, 
christliche  Zusätze,  aber  auch  Zusätze,  die  beides  sind,  alle  drei  mit 
oder  ohne  formale  Anknüpfung,  alle  drei  sowohl  Ergänzungen  als 
Erläuterungen  als  Korrekturen  enthaltend,  alle  drei  neben,  aber  auch 
in  die  Stelle  des  Überlieferten  tretend.  Auch  die  Interpolationen,  die 
neues  Sachliche,  Sagenhafte  bringen,  aus  dem  Morolf,  aus  Orendel, 
schließen  sich  doch  in  der  Art  ihrer  Anknüpfung  ganz  den  übrigen 
an.  Nehmen  wir  dazu  die  Resultate  des  vorigen  Kapitels,  das  eine 
große  Masse  von  kleinen  und  kleinsten  Bezügen,  von  Ähnlichkeiten, 
Parallelen,  Gleichheiten  in  Wort  und  Reim  in  allen  denkbaren 
Kreuz-  und  Querrichtungen  feststellte,  ferner  das  jetzt  hervor- 
springende besonders  Gemeinsame  dieser  Interpolationen,  daß  sie  näm- 
lich nicht  die  sonst  so  häufig  von  Bearbeitern  angestrebte  formale  oder 
dialektische  Besserung  der  Überlieferung  zum  Zwecke  haben,  so 
werden  wir  schließen,  daß  *W02  von  einem  Verfasser  herrührt, 
oder  doch,  daß  der  Fehler  für  die  weiteren  Untersuchungen  nicht 
zu  groß  ist,  wenn  wir  nur  einen  annehmen.  Denn  es  bleibt  ja  die 
Möglichkeit  offen,  daß  ein  und  andrer  Benutzer  bei  Lektüre  der 
Handschrift  einen  Vers  oder  eine  Glosse  hinzuschrieb  (so  wird  uf 
der  hiirc  1097  zu  erklären  sein;  vgl.  ferner  die  Anmerkungen  zu  V. 
2.  20.5.  346a.  512.  808.  1391  und  S.  XXIX  über  V.  700),  aber  jedenfalls 
hätte  sich  das  nach  allen  Proben  und  Versuchen  in  den  engsten 
Grenzen  gehalten  und  wir  brauchen  es  nicht  weiter  in  Betracht  zu 
ziehen :    fast  durchaus  könnte  *W02  der  Verfasser  sein. 

B.  Natürlich  können  wir  von  unserem  Interpolator  nur  wissen, 
was  die  Handschriften  uns  erraten  lassen. 

Zur  Datierung  hilft  uns  in  etwas  Nr.  15  der  erschlossenen  Ge- 
dichtsammlung *^V0,  eine  sehr  schlechte  Wiedergabe  der  Sibyllen- 
Weissagung.  Das  Gedicht  muß  in  dieser  Fassung  zur  Regierungszeit 
Karls  IV.  entstanden  sein.  Also  wäre  1348  terminus  a  quo.^  Als 
terminus  ad  quem  hätte  zunächst  1450  zu  gelten,  vermutlich  das 
Jahr  der  Niederschrift  von  0  Nr.  6,  oder  wenn  das  zu  unsicher 
scheint,  1472,  das  Jahr  von  W. 

Die  Heimat  von  ^WOg  ergibt  sich  aus  den  im  vorigen  Kapitel 
mitgeteilten  Reimlisten.     Die  Monophthongierung  von  ie  und  üe  ist 


^  Die  Hoffnung  genauerer  Datierung  nach  der  Sibyllen- Weissagung 
scheint  zu  trügen.  Das  Gedicht  setzt  den  Weltuntergang  auf  das  Jahr 
1300+61  fest:  schon  anno  1.300  erscheint  ein  Komet  und  es  kommt 
groß  Ungemach  über  die  Christenheit;  doch  das  ist  nichts  gegen  das, 
was  61  Jahre   später   geschehen  wird.     Aber  W  schreibt  1400 -f  64 


Einleitung.  LXV 

zwar  alliremein  iml,  desgleichen  ä  >  ö,  aber  die  Entwicklung;  e'^ci, 
ae'^  a  (wert,  des,  saelde),  t"  >  1  (gen)  weist  in  Verliindung  mit  Formen 
wie  hin  (Weinhold  S.  4-2,  v.  Unwerth  §  101),  göt  (Weinhold  S.  51, 
V.  Unwerth  §  DG)  nach  Schlesien  (Rückert-Pietsch  S.  24f.  und  36  f. 
Weinhold  S.  :23,  iJf)  und  40,  v.  Unwerth  §  8,  i24  und  26) ;  die  Anordnung 
der  t'-Reime  ist  charakteristisch  schlesisch :  ae  ä  e  e  und  e  ö  oe  nur 
unter  sich  gebunden  (vgl.  Heilborn  PBB.  13.567  und  meine  'Sprache 
der  Opitzischen  Gedichtsammlungen'  S.  48fr.).  Nach  v.  Unwerth  §  15 
gilt  bei  Dehnung  ö  für  mhd.  o  (göt)  im  Gebirgsschlesischen,  Lau- 
sitzisch-Schlesischen  und  Glätzischen;  e  >  a  vor  r  paßt  ebendahin 
(§  9.2,  vgl.  118.2).  Der  Reim  nicht  :  crist  661  erklärt  sich  dann  als 
7iischt  (Weinhold  S.  81):  crischt  (vgl,  Rückert-Pietsch  S.  144:  vnrschte, 
yrschten,  bischtuin  und,  mit  Fragezeichen,  eldisclien=^eldisten). 

Einige  Male  können  wir  aus  Fehlern  von  W  und  0  auf  den 
Dialekt  von  *W02  schließen  und  so  bestätigt  sich  diese  Lokalisierung: 

*W02  i  <^  mhd.  e  folgt  aus  ich  ruch  0  <^  inruch  =  enruche 
*W02  685;  1JS  ist  W  das  ist  O  <  is  is  =  ist  iz  *W02  708.  hande 
W  andtc  0  <  hande  =  bange  *W0  887  (Dialekt  von  Mittelwalde 
in  Glatz:  Weinhold  S.  68). 

Aus  der  Lokalisierung  fließt  denn  die  Möglichkeit,  den  Wandel 
vom  mhd.  zum  nhd,  Vokalismus  zur  genaueren  Datierung  innerhalb 
jener  hundert  Jahre  zu  benutzen. 

Nach  Arndt,  Der  Übergang  vom  Mhd.  zum  Nhd.  in  der  Sprache 
der  Breslauer  Kanzlei,  Breslau  1898,  S.  21f.  und  33f.  sind  dort  seit 
1389  i  und  ü  nur  noch  Ausnahmen;  sie  waren  in  den  Urkunden 
von  1352  und  59  noch  Regel  (während  gleichzeitig  Karls  IV.  Prager 
Kanzlei  schon  Mischung  zeigt:  S.  117).  Nach  Rückert-Pietsch  S.  95f. 
finden  sich  die  neuen  ei  schon  in  den  ältesten  schlesischen  Literatur- 
denkmalern :  vereinzelt  in  den  Trebnitzer  Psalmen,  zahlreicher  schon 
im  Psalterium  Petri  de  Patschkau  (Hs.  von  1340),  ganz  durch- 
gedrungen zuerst  in  einer  Homilie,  deren  erhaltene  Niederschrift  ins 
Ende  des  14.  Jahrhunderts  gesetzt  wird  ('Hom.'  Rückert-Pietsch  S.  19). 
Was  au  <|  H  betriflt,  so  dringt  es  langsamer  vor,  aber  es  sind  nur 
vereinzelte  M,  die  sich  noch  ins  15.  Jahrhundert  erhalten  und  wahr- 
scheinlich nur  da,  wo  Verkürzung  eingetreten  ist  (aaO.  S.  88f.). 


statt  lSOO-l-61.  Die  Einsetzung  von  64  für  61  hatte  (im  Jahre  1472) 
kein  Interesse  für  W,  sie  beruht  also  auf  einem  Versehen  von  W 
oder  rührt  schon  von  *W0  her.  Und  auch  die  Änderung  1300>1400 
getraue  ich  mir  nicht  *W0  oder  W  zuzusprechen.  Sie  könnte  von 
W  wie  *W0  (aber  auch  von  einem  noch  früheren  Abschreiber)  vor- 
genommen sein,  weil  nicht  nur  1300,  sondern  auch  1400  Jahre  vor- 
über waren;  aber  ebenso  möglich  ist,  daß  ein  Schreiber  vor  1400 
änderte,  um  die  Prophezeiung  auch  in  seine  Zukunft  zu  verlegen. 
Baeseckc,  Wiener  Oswald.  V 


LXVI  Einleitung. 

*W02  reimt  nur  i  und  ü  ohne  Spur  von  Diphthongierung.  Und 
daß  das  nicht  lediglich  eine  Folge  literarischer  Tradition  ist,  beweisen 
doch  wohl  so  starke  Provinzialismen,  wie  tvert  :  fart,  saelde  :  halde, 
ledig  :  saelig,  gotc  :  spate,  dann  aber  auch  die  i :  j-Reime,  die  hätten 
auseinanderfallen  müssen. 

Wir  werden  also  doch  *W02  im  14.  Jahrhundert  in  ^Gebirgs- 
schlesien",  am  ehesten  in  Glatz,  suchen. 

C.  Aber  was  ist  das  für  ein  Mensch,  zugleich  Zölibatäer  und 
„Spielmann"?  Hier  bestätigt  sich,  was  ich  MO.  S.  386 ff.  ausführte 
und  was  man  mir  nicht  glauben  wollte:  daß  das  „Spielmännische" 
früh  zum  literarischen  Stil  geworden  ist.  fVgl.  auch  Vogt,  ZfdPh.  I'l. 
4S0.)  Oder  wie  käme  ein  solcher  Spielmann  ins  14.  Jahrhundert? 
Könnte  lesen  und  schreiben?  Und  hätte  die  Möglichkeit,  einen  wert- 
vollen Sammelkodex  zu  übermalen? 

Wir  werden  uns  also  doch  einen  Kleriker  denken,  der  bei  und 
nach  Lektüre  von  *WOi  Taufe,  Gebet  und  sonstiges  Christentum,  be- 
sonders aber  auch  die  Grundsätze  der  Enthaltsamkeit  auch  gegen  das 
Original  zur  Geltung  zu  bringen  suchte  und  dem  das  Spielmännische 
an  Inhalt  und  Form  aus  'literarischer'  Bildung  zufloß.  Und  zwar 
weist  uns  die  Vorliebe  für  Maria,  weisen  uns  die  Marien  grüße,  die 
rhythmisch  und  bildlich  schönsten  Verse  der  Überlieferung,  deutlich 
auf  die  Zisterzienser  und  ihr  ausgebildetes  Salve  regina  (Wintei-, 
Cistercienser  II.  183).  Aber  ich  kann  doch  dies  Stück  nicht  herleiten. 
Die  Anrede  rosentoio  fehlt  bei  Salzer  (Sinnbilder  und  Beiworte  Mariens, 
Progr.,  Seitenstetten  1886  ff.)  -wie  in  den  WörLerbüchern  ganz,  und 
eine  ähnliche  Zusammenstellung  der  Anreden  finde  ich  in  den  Marien- 
grüßen nirgends.  Am  meisten  klingt  noch  Marien  rosengarten  (Bartsch, 
'Erlösung',  S.  284  ff.)  an,  vierzeilige  Strophen  (s.  o.  S.  XLVIII),  die 
abwechselnd  mit  Ich  gruze  dich  und  gegruzet  sistu  beginnen.  Sie  stehen 
in  einer  Nürnberger  Handschrift  des  1-5.  Jahrhunderts,  aber  Bartsch 
möchte  das  Original  ins  14.  und  in  die  Provinz  Sachsen  setzen;  mir 
scheint  es  nach  den  Reimen  salde  (=  saelde): enthcdde,  getruwe :rwve, 
hän  :  vorstnän  gleich  gut  nach  Schlesien  zu  passen.  Dann  hätten  wir 
etwas  unseren  Versen  409  ff.  wenigstens  Ähnliches  in  Schlesien.  Aber 
der  Abstand  wäre  doch  groß :  dort  ein  Gebet,  an  das  Ave  Maria  geknüpft, 
hier  in  kräftigem  ParaUeUsmus  aufgereihte  Einzelanrufungen.  Original 
aber  sind  die  Verse  schwerhch,  so  gut  sie  in  den  Rhythmus  von 
*VV02  passen.  Was  Vogt  ZfdPh.  22.479  aus  Fichard,  Frankf;  Archiv 
III.  2.57  und  Hätzlerin  77*  anführt,  steht  noch  weiter  ab.    Dort: 

Got  grilsz  dich  liebes  lieb  on  leid, 

Di  teil  mich  grosz  lieb  zu  dir  dregt, 

Das  got  nit  tvil, 

Das  ich  hy  dir  ivon  söl, 

So  het  mir  got  wol  getan, 

Das  er  mich  soUcher  groszer  lieb  het  erlan. 


Einleitung.  LXVII 

Also  nur  ein  ,Gott  grüße  dich",  keine  Aufreihung  schöner 
Epitheten,  die  Alternationstechnik  der  des  Oswald  entgegengesetzt. 
Das  Stück  der  Hätzlerin  läßt  nur  die  drei  ersten  Verse  der 
ersten  Strophe  mit  ,Gott  grüße  dich"  beginnen,  hat  nur  wenige, 
zerstreute  und  unbedeutende  Epitlieta.  In  beiden  Gedichten  anders- 
artiger Inhalt,  aber  doch  in  beiden,  wie  in  *W02,  Anrede  an  eine 
irdische  Frau.  —  Da  steht  doch  viel  näher  das  ZfdA.47.28S  mit- 
geteilte Lilienfelder  Marienlied,  das  jede  Strophe  mit  ausgesuchten 
Epitheten  beginnen,  aber  allerdings  den  Gruß  fehlen  läßt.    (Anm.) 

Jedenfalls  aber  auch  hier  literarische  Kenntnis,  wie  wir  sie  für  die 
mancherlei  spielmännischen  Zusätze  ja  ohnedies  anzunehmen  haben. 
Sowohl  für  die  typischen  dos  Hungers,  der  goldenen  Kleider  und 
dergleichen  als  für  die  individuellen:  Orendel  und  Ise  sind  ja  ge- 
radezu genannt,  Ise  mit  dem  Yerspaar  (674/73),  das  ihn  im  Orendel 
immer  von  neuem  einzuführen  hat  (Berger  zu  Or.  5.54),  und  der 
Inhalt  des  Gedichtes  ist  in  V.  675— 77  kurz,  wenn  auch  nicht  richtig 
angegeben.  Von  vornherein  ist  also  anzunehmen,  daß  unser  Fisch- 
fang dem  des  Orendel  nachgebildet  sei.  Wie  dort  Ise  von  Orendel, 
fordert  hier  der  Rabe  von  Ise  ein  Fischen: 

Or.  578  dö  ßeng  ei-  in  einer  hJei-       Osw.  692  der  gute  got  das  nicht 
nen  wile  enliz, 

fische  vol  die  grozen  gedien,  her  finge  vil  schire  wol 

des  half  im  also  schone  sin  schif  guter  fische  vol. 

sant  Peter  dö  von  Röme.     (Auch  Morolf  will  fischen:    291.) 

Und  wie  dort  einer  der  Fische  den  Rock,  hat  hier  einer  den  Ring 
im  Leibe.  Das  im  Or.  häufige  und  gerade  auch  in  V.  579  vor- 
kommende galie  finden  wir  nur  einmal  hier  im  Oswald:  V. 680,  und 
es  leitet  zu  einem  anderen  Zusammenklang  der  beiden  Gedichte  über, 
dem  Gabriel :  Raphael,  Or.  1389,  Osw.  680,  vgl.  MO.  V.  665. 

Aus  dem  Orendel  leite  ich  auch  das  Versinken  der  71  Schiffe 
her,  das  *W02  nur  mit  starken  Änderungen  des  Originals  hat  ein- 
führen können. 

Gr.  367   Uf  dem  (Kleber-)w«-   si      Osw.  885  do  mnste  her  wol  acht 

Utgent  dri  jär,  jar 

—  daz  ist  sicherlichen  war  —  nmhefaren,  daz  ist  war 

ü71   Der  junge  lag  in  grözer  not:  i>n  was  uzermazen  bände, 

er  forht,erniileste  l'td  enden  tot.  her  künde  nicht  zu  lande 

Dö  was   der  junge   künig  be-  kamen  in  den  jaren. 

standen 
und     mohte    nit    kumen    von 
dannen. 
Oswald  rettet  sich  dann  auf  dem  letzten  Schiffe,  Orendel  bleibt 
nur  eine  Planke: 

V* 


LXVIII  Einleitung. 

Or.  673  zwen  und  sihenzig  kiele      Osw.  895  in  dem  eisten  jare 
die  sind  mir  alle  versunken  Uz  im  got  zeicare 

und    in   dem   wilden    mer   er-  alzumale  irtrinken 

triinken  ein(!)  und  sibenzig  schiff e  V07'- 

sinken 
Osw.  991    her  sprach   'si  sint  ir- 
trunken 
unde  in  dem  tcilden  mere  vor- 
sunken.'' 
Dieser  Zusammenklang    besonders    schlagend    wegen    der    im 
Oswald  ganz  einzigartigen  Inkonzinnität  des  irtrimken. 

Ist   also   auch   das  Schachspiel,   soweit   es   von  *W02   stammt, 
Entlehnung  aus  dem  Orendel?    Nur  die  vier  Verse  256 — 59  bringen 
Neues  (s.  o.  S.  XXXI),  aber  eben  die  klingen  fern  an  die  einzige  kurze 
Erwähnung  eines  Schachspiels  im  Orendel  an: 
Or.  900  si  tribent  kurzw'ile  vil, 
si  zugen  im  schächzagelspil 

in  einem  bret  was  fischin  Osw.  259  daz  bret  ivas  von 

und  daz  gestein  tvas  guldhi,  helfenbeinen, 

ergraben  harte  kleine;  Saphiren  ivaren  di  steine, 

daz  guot  edel  gesteine,  mit  golde  so  durchslagen, 

daz  hete  vil  der  wunne,  daz  iz  ir  zwelfe  musten  tragen, 

ez  liuhte  als  die  sunne. 

Aber  auch  im  Morolf  heifat  es  226.  3 ff.: 

sie  liiez  ir  balde  [he>-\  füre  tragen 
ein  gut  schächzabelbret, 
daz  ivas  mit  golde  wol  durchslagen. 
227   Vil  edels  gesteines  dar  inne  lag, 
daz  lachte  schone  alsam  der  tag, 
Smaragde  unde  jächant, 
und  aus  dem  Morolf  (142.  153.  158)  wird  es  stammen,   dafs  Trage- 
mund zu  Oswalds  Bruder  gemacht  werden  soll  (43  c).   Auch  die  Vor- 
liebe  für   wunderkräftige   Ringe   ist   Morolfisch,   vgl.    93 — 96   (Osw. 
914-16).  248.  604.  657  f.  und  die  Anm.  zu  187  und  544. 

Dagegen  scheint  mir  eine  Kenntnis  des  Oswald  *MS  oder  *zn 
nicht  nachweisbar^,  man  müßte  sonst  annehmen,  daß  der  Eid  des 
Heiden,  der  an  Stelle  einer  einfachen  Mitteilung  tritt  (458*),  aus 
*MS  310  oder  *zn  45.  14  stamme.  Aber  solche  Eide  gibt  es  ja  viele: 
vgl.  Münchener  Oswald  S.  267.  Und  gegen  die  Entlehnung  spricht 
deutlich,  daß  unter  all  den  'Anklängen'  von  *MS  an  *W0,  die  ich 
im  Münchener  Oswald  S.  230 f.  zusammengestellt  habe,  kein  einziger 
aus  *W02  ist;    und  unter  allen  aufgezählten  'gleichen  Wendungen' 


*  Daß  0  anderweit  von  Oswald  wußte,  folgt  aus  676  und  1230: 
Oswald  von  Engellant,  während  er  nach  *W0  in  Deutschland  wohnt. 


Einleitung.  LXIX 

stimmt  *W02  nur  in  denen  zu  *MS,  tlie  mit  *W0,  gemeinsam  sind: 
in  alle  dein  yeherc  4ob,  [der  gute  got)  daz  nicht  enliz,  her  en  ... 
692,  in  der  seihigen  siunde  (s.  0.). 

Mir  scheint  auch  das  noch  ein  schwerwiegender  Beweis  für 
meine  EinteiUmg  in  I  und  II. 

IV.  *WOi,  »lor  ursprüngliche  Oswald  uiisres  Archetypus. 

Auch  den  Dialekt  von  *W0,  können  wir  aus  den  Fehlern  unsrer 
Handschriften  ermessen. 

*VVOi  e  <\  mhd.  i  folgt  aus  cri/ten  0  <^  creften  *W0  7.34,  wirt 
0  <  vert  *\V0  803,  unheten  0  <  beten  (=hiten)  *W0  1013,  an  bete 
W  <  nti  bete  (=  nu  bite)  *W0  1193. 

*WOi  /  <  mhd.  e  folgt  aus  dem  0  <  dime  *W0  1055. 

nVOi  a  <  mhd.  e  folgt  aus  das  WO  602  <  das  *VVO  =  des, 
des  W  das  0  <  das  *W0  =  desSSl.  1116;  vgl.  16.  130.  577.  590. 
754.  858.  1014.  1315.   (das  W  braucht  nicht  erst  von  W  herzurühren.) 

*WOi  o  <  mhd.  u  folgt  aus  poste  0  <  koste  *W0  1185,  aber 
vber  0  <  ohir  *\V0  1291. 

*WOi  /  <  mhd.  te  folgt  aus  leben  0  <  lihe  *W0  1186. 

*WOi  e  <  mhd.  che  folgt  aus  Desen  W  <  Gesen  *W0  206; 
auch  aus  czen  0  28.  346  c  u.  ö.  dürfen  wir  vielleicht  auf  ehe  >  e  in 
der  Vorlage  schließen,  da  0  dies  h  sonst  nicht  nur  festhält, 
sondern  sogar  durch  ch  wiedergibt:    S.  XVIII. 

Wortformen:  Also  0  <^  Ap  =  ohe  nVO  622,  Das  W  <  bas  = 
biz  nVO,  972.  1173. 

Alle  diese  lautlichen  Eigentümlichkeiten  teilt  *WOi  mit  W,  und 
wir  haben  auch  anderweit  Grund  genug  zu  der  Annahme,  daß  beide 
denselben  Dialekt  haben. 

Schon  Hoffmann  hat  Nr.  14  unsrer  Handschrift  W,  das  Osterspiel, 
als  schlesisch  oder  böhmisch  erkannt  (Fundgruben  II.  296).  Wir 
können  darüber  hinausgehen  und  sagen:  es  hat  den  Vokalismus  des 
Schreibers  von  W:  vgl.  dahin  :  sten  Fundgr.  IL  308.  13,  mcre  :  schiere 
303.  23,  sere  :  viere  335.  14,  kop  :  top  (=  köpf  :  toup)  321.  4. 
Aber  unter  jenen  beiden  Gebieten  dieses  Vokalismus  (S.  XV)  scheidet 
vielleicht  eine  Anspielung  das  eine  aus: 

Siceiget,  traue,  und  lat  euer  swanzen. 
Zu  Breslau  uf  dem  turne  becket  man  gute  mosanzeti, 
Zu  Otmachau  gar  gute  weiche  k^se: 
Ich  getraue  gar  wol  vor  euch  genesen 
sagt  320.  15  ff.  der  Mercator  zu  seinem    scheltenden  Weibe   in   der 
bekannten    komischen    Mittelszene.      Konnte    das    Nest   Ottmachau 
weit  bekannt  sein?    Wo  nicht,  bleiben  wir    durch   den   Dialekt  an 
das  Bergland  östlich  von  Cantli-Jauer-Charlottenbrunn-Münsterberg- 
Beichenstein  (daneben  liegt   Ottmachau)  gefesselt,    und    die    beiden 
Heimatbestimmungen  bestätigen  sich  gegenseitig. 


LXX  Einleitung. 

Nun  stammt  das  Osterspiel  aus  der  Vorlage  *W0,  d.  h. :  ein 
Stück  von  *W0,  das  vor  seiner  Aufnahme  in  die  Sammelhandschrift 
selbständig  existiert  haben  muß,  ist  in  derselben  Gegend  entstanden, 
in  der  unser  Johannes  schrieb.  Dann  ist  es  wohl  natürlich,  auch 
*W0  in  diese  Gegend  zu  setzen.  Wir  müßten  sonst  annehmen, 
daß  das  Osterspiel  von  dort  nach  x  gewandert  und  in  *\V0  aufge- 
nommen, daß  aber  *W0  in  die  Heimat  des  Osterspiels  zurückge- 
langt und  dort  abgeschrieben  sei ;  gewiß  eine  sehr  künstliche  An- 
nahme. 

Als  Zeitbestimmung  haben  wir  wie  für  ^WOg  (S.  LXIVf.)  das 
Jahr  1348,  und  wir  werden  mit  *WOi  noch  weniger  als  mit  ^WOj  ins 
15.  Jahrhundert  hinabsteigen  wollen. 

Daß  aber  *WOi,  der  Oswald  unsres  Archetypus  vor  Eindringen 
der  Interpolationen  ^WOg,  die  Originaldichtung  gewesen  sei,  werden 
wir  schon  deshalb  nicht  gern  glauben,  weil  dieser  Archetypus  eine 
Sammelhandschrift  war. 

Den  Beweis  erbringen  die  Fehler  von  *WOi;  die  einem  Original 
nicht  zuzutrauen  sind:  598/99,  929/30  sind  umgestellt;  1298»  fehlt; 
34  trug  <  trugen;  225  ivorcle  <Cfure',  884  tagereise  <itagewekU\ 
1234  doch  <  dö,  1239  sich. 

Dabei  ist  noch  zu  sagen,  daß  *WOi    nur  Symbol   ist    für   alle 
Handschriften  die  zwischen  Original  und  Archetypus  liegen  könnten. 
Wir  unterscheiden  sie  nicht  mehr,  und  unser  Stemma  ist  jetzt: 
**WOi  (Original)  Orendel,  Morolf  etc. 
I 
*WOi  -f  nVO.,  (beide  Teile  nach  1348,  vor  1400) 


/       O  (bis  1450) 
W  (1472). 

Y.  **WOi,  das  Original  des  Wiener  Oswald. 

A.  Für  die  Beurteilung  des  Dichters  und  seines  Werkes,  zu 
dem  wir  damit  emporgestiegen  sind,  steht  uns  zunächst  nur  dieses 
Werk  zur  Verfügung.  Wir  versuchen  eine  Analyse,  und  die  mag 
auch  als  nachträgliche  Probe  auf  uusre  Athetesenexempel  ange- 
sehen werden. 

V.  1—30  enthalten  Einleitung  und  Vorgeschichte.  Oswald  ver- 
waiste früh,  so  begann  er  früh  mit  guten  Werken.  Seine  Macht  v.drd 
in  den  herkömmlichen  Formeln  geschildert  (15—30),  und  sein  Reich- 
tum ist  besonders  groß,  weil  sein  Vater  ein  Heide  war  (13/14):  der 
Dichter  kannte  von  der  Literatur,  die  im  Morgenlande  spielt. 

Als  Oswald  erwachsen  ist,  raten  ihm  seine  Mannen,  ein  Weil:)  zu 
nehmen,  das  seiner  würdig  ist  (30 — 40). 

Und  nun  nicht  erzählt:  'Einmal'  oder:  'Da  trat  Oswald  an  die 
Zinne,   da   sah   er   einen  Waller  kommen,  den  begrüßte  er:    Lieber 


Einleitung.  LXXl 

Bruder,  ^omlern:  'Als  er  an  die  Zinne  kam,  sah  er  einen  Mann 
kommen,  den  begrüDte  er:  Lieber  Bruder.'  So  kann  doch  eigentlich 
nicht  sprechen,  wer  einen  unbekannten  Verlauf  l)erichtet,  sondern 
nur,  wer  einen  schon  liekannten  oder  doch  zu  erwartenden  neu 
erzählt,  oder  wer  aus  der  Erinnerung  schöpft  und  dabei  manches 
überschlägt.  So  hat  denn  auch  der  Interpolator  seine  Erklärung 
43"  tV.  beigegeben. 

Oswald  fragt  den  Bruder  nach  seinem  Namen.  "^Tragemund, 
alle  Lande  sind  mir  kund.'  Der  zweite  Teil  der  Antwort  (V.  49) 
gehört  offenbar  nicht  hierher:  er  ist  von  früherher  durch  eine  feste 
Reim-  und  Gedankenassoziation  mit  dem  ersten  verknüpft.  Aber  er 
dient  hier  zur  Begründung  des  Folgenden :  Oswald  fragt  den  Waller 
nach  einer  Frau,  die  keusch  mit  ihm  bleiben  Avürde;  der  weifi  keine, 
die  Welt  ist  zu  schlecht  geworden. 

Oswald  führt  den  Bruder  in  eine  Kemenate,  fragt  ihn  um  eine 
Königin  (61—64,  81—86)  und  erhält  nun  prompt  die  Antwort: 
Spange,  eines  reichen  Heidenkönigs  Tochter  über  Meer. 

Bis  dahin  also  alles  Geschehen  ganz  mechanisch,  mit  marionetten- 
mäßigen Ruckbewegungen,  kaum  einmal  etwas  Gedankenhaftes  oder  gar 
eine  Überlegung:  die  liegt  der  Dichtung  weit  voraus,  und  die  letzten 
Worte  Tragemunds:  'Wer  sie  freit,  hat  sein  Leben  verloren'  (97/98), 
sind  wiederum  für  sich  allein  nicht  verständlich:  ergänze:  der  Vater 
tötet  alle  Freier. 

Mit  musterhafter  Unmittelbarkeit  folgt  auf  Tragemunds  Ant- 
wort die  Bitte  rat  mir,  wi  ich  si  gewinne,  und  Tragemund  rät:  du 
hast  einen  Raben  seit  8  Jahren  zum  Sprechen  erzogen,  den  laß 
bringen,  schmücke  ihn  mit  Gold  und  Silber  und  schicke  ihn  in  das 
Heidenland.  Wieder  kein  Wort  der  Verwunderung  oder  der  Er- 
klärung bei  einem  so  merkwürdigen  Rate;  in  der  Lücke  hinter  122 
kann  kaum  etwas  andres  gestanden  haben,  als  was  123/24,  vermut- 
lich in  besserem  Reimgewande,  darbieten. 

Der  Rabe  wird  gebracht,  Oswald  kost  ihm  und  gibt  ihm  den 
Werbungsauftrag.  Er  weiß  plötzlich,  daß  die  Königstochter  Spange 
heißt;  dagegen  verlautet  nichts  mehr  von  der  Schmückung  des  Raben. 
Der  erklärt  sich  bereit  und  verlangt  nur  ein  yuldin  vingerlin  für  Frau 
Spange.  Und  hier  (KiO  f.)  auch  einmal  eine  Erklärung:  denn  edele  Jung- 
frauen haben  von  ihrem  Lieb  gerne  liebliche  Gaben;  also  eine  Er- 
klärung, die  den  alten  Sinn  des  Ringes  gewiß  nicht  trifft.  Der  Ring  wird 
gebracht  —  er  war  Oswalden  lieb  —  und  dem  Ra]:)en  unter  den 
Flügel  gebunden.  Der  Rabe  hat  ihn  erst  gefordert,  weder  Oswald 
noch  Tragemund,  al)er  Oswald  fordert  nun:  gil)  ihn  Spange  durch 
den  tciUen  min. 

Der  Rabe  sagt  zu,  fliegt  ins  Heidenland  und  kommt,  in  reißendem 
Forlschritt,  V.  200  zur  Zwiesprach  mit  dem  Heiden,  ohne  daß  ein 
Wörtchen  über  die  Örtlichkeit  gesagt  würde.    Sie  begrüßen  sich  und 


LXXII  Einleitung. 

man  ist  erstaunt  über  seine  Ausrüstung,  von  der  wir  doch  nichts 
gehört  haben.  Der  heidnische  König  fragt  nach  Woher  und  Wozu 
(214 f.),  aber  der  Rabe  wagt  nicht  die  Wahrheit  zu  sagen:  erst  jetzt 
erfahren  wir,  daß  der  Heide  umbringt,  wer  um  seine  Tochter  Avirbt 
(vgl.  97  f.).  Aber  der  Rabe  hilft  sich  nicht  etwa  durch  eine  List, 
er  schiebt  nur  auf,  indem  er  fragmentarisch  von  den  viertelhalb- 
hundert  goldenen  Kleidern  spricht,  die  sein  'deutscher'  König  'bereit' 
hat,  und  den  Heiden  auffordert,  sich  taufen  zu  lassen ;  auch  der  (ebenso 
unvermittelte)  Vorschlag,  Schach  zu  spielen,  bedeutet  doch  nur  einen 
Aufschub  und  etwa  ein  Dekorationsstück.  Das  prächtige  Brett  wird 
gebracht,  der  Rabe  soll  anheben.  Aber  vorher  erbittet  er  die 
Sympathie  aller  im  Saale  Anwesenden  —  erst  hier  hören  wir,  daß 
dies  alles  in  einem  Saale  vor  sich  geht  —  und  verspricht,  alle  neu 
zu  kleiden,  nämlich  wenn  er  gewinnt,  was  nicht  hinzugefügt  ist. 
Der  Rabe  zieht  vorsichtig  und  gewinnt,  300  M  Goldes  und  dazu 
noch  mehr:  vorher  war  davon  nicht  die  Rede.  Der  Heide  zürnt 
übermäßig:  der  Rabe  soll  sterben.  Aber  er  weiß  zu  besänftigen: 
'Nehmt  das  Gold,  kauft  mir  Gewand  und  laßt  Euch  Kleider  davon 
machen'.  Dieser  kindliche  Handel  kommt  zustande,  die  Kleider 
werden  an  alles  Volk  bis  herab  auf  das  Küchengesinde  verteilt,  und 
schließlich  läßt  sich  auch  der  König  herbei;  ein  solches  Kleid  zu 
tragen.  NB.  das  Kaufen,  Machen,  Kleiden  geschieht  hinter  den 
Kulissen  derselben  Szene,  in  der  der  Heide  so  schwer  zürnt! 

V.  330:  Jungfrau  Spange  hört  von  dem  wunderbaren  Vogel. 
Sie  läßt  sich  herrlich  kleiden:  schneeweiße  Seide  mit  Wasserperlen  und 
mit  Golde  wohl  durchschlagen!  Sie  kommt  mit  großem  Gefolge,  im 
Schatten  ihrer  gezähmten  Adler  vor  ihren  Vater:  'Bei  meinem  Gott 
grüße  ich  dich.'  (351,  vgl.  3.54).  Wie  naiv!  Wie  wenig  kann  sich 
der  Dichter  auf  den  heidnischen  Standpunkt  stellen !  Als  wäre  ihr 
Gott  nicht  auch  der  Gott  ihres  Vaters!  Der  Heide  bestätigt,  daß  er 
gestern  300  M  an  den  Raben  verloi-en  habe:  daß  eine  Nacht 
zwischen  dieser  und  der  vorigen  Szene  liegt,  ist  nirgends  angedeutet. 

Spange  bittet  um  den  Raben.  Der  Vater  hatte  ihn,  behauptet 
er  hier  (375/76),  schon  'gestern  zu  Nacht'  ihr  zugedacht.  Vielleicht 
ist  das  ein  spielmännischer  Witz  (den  0  unzweideutiger  zu  machen 
suchte).  Der  Rabe  will  nicht  mehr  gehen  —  auch  das  spielmännisch  — , 
so  muß  ihn  Spange  in  ihre  Kemenate  tragen.  Dort  redet  sie  allein 
mit  ihm.     Das  Gefolge  ist  inzwischen  vergessen. 

Und  nun  wirbt  der  Rabe  für  seinen  König  Oswald,  der  jetzt 
nicht  mehr  als  Deutscher  vorgestellt  wird,  dafür  aber  ein  bestimmtes 
Alter,  15  Jahr,  neu  erhält.  Spange  antwortet  ein  sehr  rundes  Nein 
(454):  der  Vater  hat,  als  die  Mutter  starb,  verheißen,  daß  er  einst 
sie  zum  Weibe  nehmen  würde.  Und  dann  ohne  rechten  Zusammen- 
hang: 'Um  meinetwillen  hat  er  wohl  viertehalbhundert  Königssöhne 
umgebracht'.    Nämlich,  ergänzen  wir,  ergänzte  der  Hörer  und  Dichter 


Einleitung.  LXXIIl 

nach  bekanntem  Sagenverlauf:  weil  sie  um  micli  warben,  die  ilim 
bestimmt  war. 

Aber  Spange  lenkt  noch  ein:  'Wenn  ich  nun  einwilligte,  köinite 
Oswald  denn  meinem  Vater  widerstehn?'  (489  ff.)  Und  nun  kann 
der  Rabe  Oswalds  Macht  in  den  alten  Formen  aufzählen,  so  daß 
Spange  j,'anz  froh  wird. 

Hier  haben  wir  also  wirklich  einmal  eine  Gedanken-  und  Ge- 
sprüchsentwicklung.  Aber  in  alter  Ungeschicklichkeit  folgt  nun  (.512) 
Spanges  Frage:  'Hat  mir  mein  Friedet  etwas  gesandt?'  Also  eine 
Frage,  (iie  nur  durch  die  vorher  bekannte  Antwort  veranlaßt  ist. 
Aber  der  Sinn  des  Ringleins  war  elien  (vgl.  S.  LXXI)  in  Vergessenheit 
geraten,  —  sonst  hätte  es  der  Rabe  von  selbst  herausgegeben  oder 
Spange  hätte  gefragt :  'Wo  ist  der  Ring V  oder  'Hast  du  keinen  Ring 
mitgebracht?'  —  und  da  es  einmal  hinzugehört,  muß  es  anderweit 
eingefügt  werden.  Sie  freut  sich  über  das  Ringlein,  nimmt  nun 
die  Werbung  wirklich  an,  und  übergibt  dem  Raben  ihrerseits 
eins  für  den  Verlobten.  Er  wünscht  (554),  daß  sie's  ihm  an- 
binde 'mit  srrüuer  Seide',  und  dies  'grüne  Seide'  tut  eine  starke 
stilistische  Wirkung:  die  modale  Bestimmung,  die  nur  für  den 
historischen  Bericht  paßt,  ist  mit  Haut  und  Haaren  in  den  Wunsch- 
satz übergegangen. 

Ehe  er  über  des  wilden  Meeres  Strom  heimfliegt,  bittet  der 
Rabe  (V.  562)  die  Prinzessin  um  Rat,  wie  Oswald  ohne  Gefahr  zu 
ihr  kommen  möchte.  Als  Kaufmann  mit  72  Schiffen  ;  mit  dem  Raben. 

Kaufmann  und  72  Schiffe,  das  scheint  schlecht  zueinander  zu 
passen,  und  der  Interpolator  hat  denn  auch  Anstoß  daran  genommen. 
Der  Widerspruch  erklärt  sich  offenbar  aus  mangelhafter  Erinnerung; 
im  Münchener  Oswald  dienen  die  72  Schiffe  noch  für  das  ganze 
Heer.  Aber  dem  Dichter  verschwand  dieser  Widerspruch :  die  Zahl 
72  ist  rein  stilistisch  zu  verstehen,  macht  so  viel  und  so  wenig  wie 
72  Schlösser  (1081),  viertelhalbhundert  ermordete  Königskinder  (4GG) 
oder  13000  taufende  Bischöfe  (1425)  Anspruch  auf  Wahrscheinlichkeit 
gewöhnlicher  Art. 

Nun  -will  der  Rabe  heimfliegen  (582),  aber  Jungfrau  Spange  hält 
ihn  zurück,  und  es  wird,  einmal  verweilend,  geschildert,  wie  schön 
sie  ihn  schmücken  läßt.  Auch  'auf  sein  Haupt  eine  Krone'  erhält  er, 
als  ob  er,  wenigstens  wenn  Tragemunds  Rat  (119)  ausgeführt  ist, 
nicht  schon  eine  trüge.  Denn  in  Wahrheit  ist  jene  Schmückung 
nur  zu  erzählen  vergessen,  wie  schon  der  Empfang  bei  den  Heiden 
und  die  Gleichheit  von  119/20  und  Ol. 5/ IG  zeigt,  die  sich  wieder  aus 
gemeinsamer,  zurückliegender  Quelle  herschreibt. 

Nun  erst  erhält  der  Rabe  den  gewünschten  Urlauli,  und  Spange 
verabschiedet  sich  sehr  zärtlich  (634 — 41).  Der  Rabe  fliegt  bis  zum 
11.  Morgen,  da  kommt  er  ans  Meer  —  und  will  ausruhen.  Merk- 
würdige  Verzerrung    eines    Ursprünglichen,    Einfachen!      Natürlich 


LXXIV  Einleitung. 

war  er  11  Tage  über  dem  Meere  geflogen  und  suchte  nach  einem 
Ruhepunkte,  wie  im  Müuchener  Oswald.  So  aber  siebt  man  nicht 
ein,  warum  der  Rabe  nicht  ruhte,  als  er  ans  Meer  kam,  und  das 
Meer  ist  nur  noch  eine  Gelegenheit,  den  Ring  zu  verlieren,  wie  es 
nun  einmal  —  soviel  hielt  die  Erinnerung  fest  —  geschehen  müßte. 
Ich  möchte  auch  noch  nicht  einmal  daraus,  daß  der  Rabe  auf  dem 
Mastbaum  eines  versunkenen  Schiffes  ausruht,  den  Schluß  ziehen, 
daß  der  Dichter  wirklich  den  Schauplatz  dieser  Begebenheit  nahe 
der  Küste  denke.  Er  dachte  wohl  über  diesen  Punkt  überhaupt 
nichts  Genaueres.  Und  lag  denn  nicht  ohnehin  die  heidnische 
Burg  am  Strande  ?  Gesagt  ist  es  nirgends,  man  möchte  es  nur  aus 
114ä  folgern  (ah  sti'z  her  daz  schif  sin);  aber  nirgends  ist  auch 
sonst  gesagt,  daC^  von  der  Landungsstelle  zur  Burg  etwelche  Ent- 
fernung ist,  zumal  nirgends  eilf  tage  fart  wie  hier.  Es  bleibt  also 
doch  das  Resultat:  der  Verlust  des  Ringes  im  Meere  stand  der  Er- 
innerung des  Dichters  fest,  aber  die  Art  der  Einführung  dieser  Szene 
war  ihr  schon  halb  entschwunden. 

Kurzum,  der  Rabe  verliert  den  Ring,  als  er  sein  Gefieder 
schüttelt.  Er  klagt,  aber  er  erwischt  den  Fisch,  der  den  Ring  ver- 
schlungen halte;  wohl  mit  göttlicher  Hilfe:  V,  695 — 99  scheinen 
Vorhandenes  (eine  Bitte  an  Gott?)  zu  verarbeiten  (s.  a.  S.  XXIX).  Jeden- 
falls nur  noch  Rudimente  einer  Episode. 

Der  Rabe  fliegt  wieder  elf  Tage,  da  ruht  er  auf  einem  Steine, 
'der  aus  dem  Meere  gewachsen  Avar'  (alte  Formel),  und  Gott  speist 
ihn  in  seinem  großen  Hunger  aus  dem  Paradiese,  bis  er  vollends 
heimfiiegen  kann  (719—38).  Oswald  steht  mit  Gefolge  «?i  der  zinne 
und  verkündet  des  Raben  Wiederkehr.  Aber  der  achtet  der  Herren 
nicht  und  fliegt  seinem  König  Oswald  auf  die  Achsel.  Bewillkomm- 
nung, Botschaft  und  die  Frage:  was  hat  sie  mir  gesandt?  (703, 
nicht:  hat  sie  mir  etwas  gesandt?)  Der  Rabe  nennt  den  Ring,  sagt 
auch,  daß  er  verloren  war  und  mit  Gottes  Hilfe  zurückgewonnen 
ist  (nichts  von  Isel),  und  knüpft  eine  fromme  Mahnung  daran;  aber 
daß  ihn  nun  Oswald  erhält  und  sich  etv/a  darüber  freut,  davon  hören 
wir  nichts.  Seine  Antwort  auf  die  Botschaft  ist  nur:  ich  hegere 
mich  nicht  mere  761  und  auf  die  Mahnung:  geren  libe.z  rehclin,  selig 
si  di  lere  din  111.  Er  fragt  vielmehr  gleich  weiter,  wie  er  hin- 
kommen soll.  Der  Gedanke,  daß  vielleicht  Oswald  das  selbst  über- 
legen müsse  und  daß  erst  auf  eine  solche  Äußerung  des  Raben 
aufgetragener  Vorschlag  folgen  könne,  scheint  dem  Dichter  gar  nicht 
mehr  beizugehen.  Also  auch  hier  wieder  die  Frage  nach  der  fertigen 
Antwort  gemacht.  V.  795/96  [hanUverc  aller  hande)  geben  dabei 
eine  Ergänzung  der  Lücke  hinter  571,  ohne  selber  ganz  verständlich 
zu  sein:  aber  es  handelt  sich  doch  wohl  um  hantiverc,  nicht  um 
anticerc  (vgl.  808). 

Auch  jetzt  folgt  keine  Äußerung  von  Oswald.    Vielmehr  läßt  er 


Einleitung.  LXXV 

sogleich  die  Schiffe  bereiten,  und  man  fahrt  aus  auf  das  wilde  Meer. 
Aber  den  Raben  hat  man  vergessen:  Oswald  fragt,  aber  niemand  bat 
ihn.  Üa  sendet  er  'Boten',  'acht  oder  vier",  nach  ihm,  und  sie  kommen 
wieder  heim,  ohne  daß  von  Schill  und  SchilTahrt  irgend  die  Rede  wäre. 
Sie  finden  den  Raben  sehr  heruntergekommen,  und  er  will  nicht  mit: 
'Mein  Herr  hat  mein  vergessen  und  ich  mußte  mit  den  Säuen 
essen'  (835  f.).  Charakteristisch  wieder  dieses  Und :  V.  830  ist  ein 
fertiges  Requisit,  das  damit  an  835  angeknüpft  wird.  Er  schämt 
sich  auch,  mit  so  zerstoßenem  Gefieder  vor  Jungfrau  Spange  zu 
treten.  Es  sei  denn,  daß  Oswald  selbst  ihn  hole.  Also  purer  Eigen- 
sinn. Aber  das  eben  ist  das  Wesen  dieser  Szene,  daß  sie  für  den 
Aufbau  des  Ganzen  gar  nichts  zu  bedeuten  hat,  wie  sie  auch  durch 
nichts  vorangelegt  ist :  sie  ist  reines  Zwischenspiel  zum  Ruhme  des 
spielmännischen  Raben. 

Also  Oswald  kehrt  um  und  bittet  schön,  und  der  Rabe  wiederholt 
seine  Klage.  Aber  den  Tod  der  Übeltäter  w-ill  er  nicht,  und  als  der 
König  ihm  die  Krone  zurechtgesetzt  und  sein  Gefieder  glatt  gestrichen 
hat,  ist  er  bereit,  und  nun  eilen  sie  ohne  Maßen  über  Meer  (881).  Wie 
auf  Meerfahrten  des  Mittelalters  fast  selbstverständlich,  geht  es  dabei 
nicht  ohne  großes  Ungemach  ab,  trotz  besonderen  göttlichen  Schutzes: 
der  Proviant  geht  aus.  Oswald  flelit  zum  Himmel,  der  Rabe  hört 
es  und  fragt,  was  ihm  fehle,  worauf  denn  die  richtige  Antwort  er- 
folgt: chi  weist  iz  selber  wol  (950).  Der  Rabe  rät,  wöchentlich  drei- 
tägiges Fasten  zu  geloben  (was  bei  der  Hungei-snot  gut  zu  raten, 
aber  sehr  gedankenlos  ist),  Oswald  tut  es  und  alsbald  wird  eii;  guter 
Wind  gesandt,  der  sie  zu  Lande  bringt  (966). 

Ohne  daß  noch  irgendwelche  Worte  verloren  werden,  macht 
sich  der  Rabe  zur  Burg  des  Heiden,  er  'schwebt  darunter'  bis  Spange 
sein  gewahr  wird  (973)  und  —  so  erwarten  wir  und  so  folgt  im  MO. 
20iJ9  —  ihn  hereinzieht:  statt  dessen  heißt  es  hier:  er  fliegt  durch 
ihr  Fenster  (975),  als  ob  in  V.  973  stände  unz  licr  ir  gewar  ivart. 
Sie  empfängt  ihn  allein,  und  er  berichtet  von  Oswalds  Ankunft  und 
seinem  großen  Ungemach  auf  dem  Wasser.  Weder  von  seinem 
Heere  noch  von  seiner  Kaufmannschaft  verlautet  etwas.  Und  so 
verlangt  Spange  auch  nicht  etwa,  daß  Oswald  einen  automatischen 
goldenen  Hirschen  habe  oder  mache,  sondern  daß  er  ihn  erbete. 
Der  Kaufmannplan  ist  ganz  vergessen,  und  auch  der  Hirschplan 
wird  nicht  etwa  entwickelt,  der  Hirsch  ist  vielmehr  zu  einer  my- 
stischen Vorbedingung  des  Brautraubs  geworden.  Der  Rabe  berichtet 
an  Oswald  und  der  fällt  ohne  jede  andere  Antwort  auf  die  Knie  und 
erbetet  den  Hirschen  mit  Hilfe  des  Gelöbnisses  einer  Kirche.  Der 
Hirsch  läuft  vor  der  Heidenburg  umher,  bis  der  König  ihn  bemerkt,  der 
ruft  sein  Volk  auf,  und  30000  Mann  ziehen  auf  die  Jagd;  bei  derselbigen 
Fahrt  wurde  die  Burg  mit  1-1  .Schlössern  wohl  verschlossen  (1078  f.). 
Erst  so  merken  wir,  was  Spanges  und  dann  Oswalds  Absiebt  mit  dem 


LXXVI  Einleitung. 

Hirschen  gewesen  sein  müsse:  er  sollte  den  Heidenkönig  zur  Jagd 
verlocken,  im  Eifer  sollten  die  Tore  offen  bleiben  und  Spange  ent- 
kommen. Aber  indem  der  Dichter  diesen  Plan  vereitelte,  hat  er 
auch  seinen  Aufbau  vergessen:  es  kann  also  beides  nicht  wohl  von 
ihm,  sondern  nur  aus  älterer  Überlieferung  stammen. 

Sofort  kniet  Oswald  nieder  und  betet,  daß  die  Schlösser  sich 
öffnen  möchten  (1104).  Er  wiederholt  dabei  sein  altes  Gelöbnis,  das 
schon  seinen  Dienst  getan  hat  (10.50 ff.):  wie  kann  er  also  darauf 
bauen?  Aber  die  Schlösser  öffnen  sich,  und  der  Rabe  —  wundersames 
Bild  —  führt  Jungfrau  Spange  an  ihrer  Aveißen  Hand  seinem 
Herrn  zu.  Der  bewillkommnet  und  küßt  sie,  und  ohne  daß  noch 
ein  Wort  über  Plan  und  Vorbereitung  gesagt  würde,  fährt  er  mit 
ihr  hinaus  auf  des  Meeres  "Wilde  (1148). 

Da  kommt  der  Vater  heim,  er  hat  den  Hirschen  erjagt  und  will 
ihn  seiner  Tochter  schenken:  sie  war  ihm  lieb  als  sein  Leben.  '^Als 
er  sie  nicht  fand,  nahm  ei'  ein  Hörn  von  der  Wand  und  blies,  und  das 
bedeutete  seinen  Zorn'  (1155 ff.).  Wieder  eine  Versteinerung:  es  ist 
nicht  erzählt:  er  Avar  zornig,  er  blies,  damit  seine  Leute  kämen,  und  sie 
kamen.  Vielmehr  ist  das  Hörn  und  das  Blasen  geradezu  symbolisch 
geworden.  Es  kommen  also  30000  Heiden  und  der  König  eröffnet 
ihnen,  daß  ein  Kaufmann  seine  Tochter  entführt  habe.  Hier  zuerst 
wieder  (V.  IIG'.))  hören  wir  von  Oswalds  Kaufmannschaft.  Wir  fragen 
vergeblich,  wie  der  König  davon  wissen  kann,  denn  weder  hat 
Oswald  irgend  davon  Gebrauch  gemacht,  noch  ist  dem  Heiden  etwas 
gesagt  worden. 

30000  wählt  er  von  den  30000  aus  und  setzt  den  Flüchtigen 
nach.  Als  Spange  sie  kommen  sieht,  ist  weder  Plan  noch  Hoffnung, 
es  heißt  rundweg:  'Große  Liebe  muß  geschieden  sein:  mein  Vater 
hat  sein  Hörn  erschallt,  das  bedeutet  seinen  Zorn',  und  so  bleibt 
natürlich  nichts  übrig  als  Gebet  und  Wunder,  und  Avie  das  Wunder 
sein  muß,  steht  in  großer  Dummdreistigkeit  so  fest,  daß  man  Avieder- 
um  nicht  glauben  kann,  der  Dichter  habe  es  erst  in  diesem  Zusammen- 
hange erfunden :  'Mache  daß  der  Heide  in  drei  Tagen  nicht  so  weit 
fahren  kann,  Avie  Avir  heute'. 

OsAvald  betet  also  und  gelobt  diesmal  außer  dem  schon  Gelobten, 
über  vier  Wochen  eine  Spende  zu  tun  und  allen  zu  gewähren,  die 
etAvas  von  ihm  bitten  (1212).  Da  erhebt  sich  ein  guter  Wind,  der 
OsAvald  forthilft,  indes  der  Heide  irrefährt.  So  kommt  er  heim, 
sammelt  ein  Heer  —  natürlich  300C0  Mann  — ,  und  als  die  Feinde 
am  3.  Tage  landen,  können  sie  sich  besiegen  lassen:  eine  Kampf- 
schilderung haben  Avir  kaum  in  Andeutungen.  Wir  entnehmen 
nur  daraus,  daß  ein  Teil  der  Heiden  im  Meere  ertrinkt,  avo  der 
Schauplatz  ist.  Der  andre  Teil  Avird  erschlagen,  nur  der  König  ge- 
fangen: die  alte  fürchterliche  Art  literarischer  Heidenkämpfe. 

Der    Kerker    des    Heiden    lag    am    KirchAvege:     gut   Avar   das 


Einleitung.  LXXYII 

dem   gefangenen  Mann.      Hier   also   auch    einmal   ein  Hinweis   auf 
Späteres. 

Eines  Nachts  erscheint  ihm  ein  Engel  (1258)  und  läßt  ihn  Hölle  und 
Himmel  sehen,  dort  seine  Hausfrau  als  Wölfin,  und  einen  Stuhl  für 
ihn  selber  —  welche  Zusammenstellung!  —  hier  nahe  am  Throne 
drei  Stühle,  zwei  für  Oswald  und  Spange,  einen  für  ihn,  wenn  er 
sich  taufen  läßt.  Auf  solches  Angebot  ist  dann  der  Heide  sogleich 
bereit,  und  als  sein  Töchterlein  morgens  auf  dem  Kirchgange  vor- 
überkommt, —  der  Dichter  hat  sie  noch  nicht  taufen  lassen  —  spricht 
er  sie  an  (1314 ff.):  Er  hat  von  einem  guten  Gott  gehört  und  sieht 
ein,  Avie  töricht  es  war,  den  Teufel  anzubeten.  Nicht  ApoUinus, 
Jupiter  oder  Mahomet  ist  also  genannt,  und  es  ist  dieselbe  religiöse 
Naivität,  die  wir  schon  vorher  fanden :  der  Dichter  sieht  das  Heiden- 
tum doch  immer  nur  als  Kein-Christentum  und  wundert  sich  dann 
Ober  die  Torheit. 

Aber  so  sehr  der  Heide  durch  die  Anschauung  überzeugt  ist,  er 
knüpft  an  seine  Taufe  doch  (1327)  eine  Bedingung:  daß  Oswald  seine 
Leute  durch  Gebetes  Kraft  zum  Leben  zurückrufe.  Das  paßt  natürlich 
nicht  zusammen,  aber  diese  Auferweckung  ist  eben  eine  spielmän- 
nische  Szene,  die  so  wenig  in  die  Komposition  zu  passen  braucht 
wie  die  Hauswurstszenen  in  das  Drama. 

Jungfrau  Spange  eilt,  findet  Osw'ald  im  Gebet  (1338)  und  trägt 
ihm  ihr  Anliegen  vor.  Oswald  betet,  und  sogleich  sind  die  Heiden 
■wieder  lebendig,  und  zwar  am  Meeresufer  (1414).  Oswald  dagegen 
scheint  in  seiner  Burg  gedacht,  und  diese  ganz  in  der  Nähe  zu  hegen. 
Jedenfalls  ist  die  Szene  recht  unanschaulich;  man  merkt  auch,  daß 
die  Zahl  30000  leerer  Schall  ohne  entsprechende  Vorstellung  is'. 
Desgleichen  die  13000  Bischöfe,  die  nun  zur  Taufe  herbeigerufen 
werden.  Sie  nehmen  obendrein  ihre  Kapellane  zu  Hilfe  und  taufen 
erst  die  Neubelebten,  dann  Spange  —  erst  jetzt  wird  sie  Christin!  — 
und  ihren  Vater,  ohne  daß  wir  von  seiner  Befreiung  oder  von  sonst- 
weichen Umständen  gehört  hätten :  stets  dieselbe  Unanschaulichkeit. 
Er  erhält  den  Namen  Johannes  (1437),  aber  es  leuchtet  durchaus 
nicht  ein,  was  diese  Namengebung  in  der  Ökonomie  der  Dichtung 
etwa  bedeuten  könnte.  Die  Getauften  aber  riefen  alle  (1440):  'Sankt 
Oswald  ist  ein  heiliger  Mann,  der  dies  Wunder  hat  getan',  und  wir 
freuen  uns  über  die  Naivität,  mit  der  hier  von  dem  starrgewordenen 
Sankt  Oswald  nichts  andres  im  Prädikat  steht,  als  schon  das  Subjekt 
enthält. 

Johannes  fährt  heim,  tauft  30000  Heiden,  und  die  nicht  wollen, 
läßt  er  sehr  jämmerlich  umbringen. 

'AUhie  hat  das  Buch  ein  Ende':  von  einer  Hochzeit  ist  keine 
Rede,  nicht  einmal  ein  Ausbhck  in  Oswalds  Zukunft.  Es  folgt  nur 
noch  ein  Aufruf,  sich  im  Gebete  an  ihn  zu  wenden. 

Wir  haben  also  eine  im  Sinne  des  Dichters  vollständige  Über- 


LXXVIII  Einleitung. 

lieferung  von  einheitlicher  Komposition  vor  uns:  außer  etwa 
V.  659  ff.  nur  kleine  belanglose  Löchlein  erst  unserer  Hand- 
schriften, und  zwar  zumeist  in  den  Interpolationsfugen,  aber  keine 
Lücken,  die  durch  unsere  Athetesen  gerissen  wären.  Wie  ja  denn  die 
meisten  Literpolationen  nur  zur  Aufrundung  und  Ausmalung  dienen 
sollten,  zur  Verchristlichung  und  Belebung  dieser  armen,  fahlen 
Unanschaulichkeit,  die  nur  rasch  die  materielle  Wiedergabe  des 
interessanten  und  wunderbaren  Inhalts  abmacht,  und  man  versteht, 
daß  sie  nötig  oder  doch  willkommen  schienen.  Denn  freilich:  im 
Sinne  dieses  alten  Inhalts  ist  die  Erzählung  sehr  fragmentarisch. 
Der  Dichter  berichtet  Halbbekanntes,  das  der  Hörer  schon  aus  Er- 
innerung und  geschulter  Phantasie  ergänzen  wird,  und  seine  eigne 
Erinnerung  ist  eine  recht  mangelhaft  gewordene  Brücke:  viele  Planken 
sind  in  die  Lethe  hinabgestürzt,  da  springt  er  hastig  über  die  er- 
haltenen, und  auch  die  sind  vielfach  aus  den  Fugen  und  verschoben. 

Aber  was  uns  so  erhalten  wird,  ist  doch  ein  hochwillkommenes 
Zeugnis  für  das  Verlorene:  wir  wissen  den  in  neue  Umgebung  ge- 
paßten alten  Worten  und  Wendungen  die  alte  hinzuzudenken  und 
schließen  wie  bei  den  Graniten  unseres  Tieflandes  auf  Art  und  Heimat 
des  ursprünglichen  Zusammenhangs. 

Und  dann  ist  auch  wohl  Neues  zugekommen.  Aber  das  zu  be- 
urteilen erlauben  uns  die  beiden  Handschriften,  die  uns  bisher  einzig 
geführt  haben,  nicht  mehr:  hier  ist  der  Punkt,  wo  unsere  aus  der 
gesamten  Oswaldüberlieferung  abzweigt  und  sich  nur  noch  von  ihr 
aus  charakterisiert.  Das  Stemma  der  drei  erhaltenen  Fassungen 
(*MS,  *zn,  *W0)  aber  ist  (vgl.  MO.  S.  237  und  376): 
*MW 

l\ 
*Mz  \ 

I     \     \ 
^MS    *zn  *W0 

B.  Dann  wäre  also  der  Inhalt  von  *MW  aus  der  Strophentabelle 
MO.  S.  349  ff.  abzulesen  (=  0 -f  *MW).  Ich  gebe  ihn  aber,  zur  Be- 
quemlichkeit und  um  die  aus  dem  Vorigen  gewonnenen  Verbesserungen 
anbringen  zu  können,  noch  einmal  in  fortlaufendem  Bericht. 

Die  einleitende  Aufforderung  zuzuhören  mit  der  Nennung  Oswalds 
und  dem  Hinweis  auf  das  (vorliegende?)  Buch  ist  in  *MS  und  *W0 
1 — 6  gleichermaßen  erhalten  und  schon  bezeichnend  für  die  Distanz 
der  beiden  Gedichte  auch  da,  wo  sie  sich  inhaltlich  einigermaßen 
decken.  Daß  Oswald  von  EngelUtnt  und  mute,  sagt  nur  *MS  (später 
auch  *zn). 

Dann  folgt  gleich  die  erste  Umstellung  von  *W0:  daß  Oswald 
früh  verwaiste,  gehört  nach  *MS  (vgl.  Kudr.  5  und  S!Ü9),  hinter  die 
Aufzählung  der  Macht.  Die  aber  ist  in  *zn  *W0,  d.  h.  *MW,  voll- 
ständiger als  in  *MS,  sofern  sie  an  den  Vater  anknüpft  (*zn  44.  11, 


Einleilui)^'.  L.W  IX 

*W0  1:2— i)0).  Die  Anfziihlungr  selbst  bestätigt  ihre  alte  feste  Formel 
liaftigkeit  durch  die  starken  Wortanklänge  aller  drei  Fassungen.  Im 
einzelnen  aber  hat  *W0  doch  umgeordnet  (die  Bischöfe  vor  die 
Grafen  gestellt!)  und  die  Herzogen  ausgelassen. 

Daran  erst  schlofs  sich  in  *MW  der  Bericht  von  Oswalds  Waisen- 
tum  und  Frömmigkeit. 

Dann,  nur  in  *zn  (44-.  14/15  und  IS)  und  *W0  (31  ff.)  erhalten,  der 
Rat  der  Mannen,  eine  Frau  zu  nehmen.  In  *MS  3.5 ff.  ist  daraus  ein 
Gebet  Oswalds  geworden,  aber  jener  Rat  ist,  wie  die  deutlichen  An- 
klänge beweisen,  darin  (V.  45)  aufgenommen  (MO.  S.  307). 

Unmittelbar  daran  schloß  sich  (*MS  193,  *zn  44.  IS,  *W0  42) 
das  Auftreten  des  alten  Wallers,  dem  zweiundsiebzig  Lande  be- 
kannt sind  —  ich  hob  schon  hervor,  wie  diese  Mitteilung  in  *W0 
nachhinkt  — .  Sein  Name  Tragemund  ist  nur  in  *W0  richtig  erhalten. 
Er  wird  drate  in  die  bekannte  Kemenate  geführt  und  gefragt,  ob  er 
eine  geziemende  Braut  weifs.  Keuschheit  bis  ans  Lebensende  wird 
weder  in  *MS  noch  in  *zn  (noch  in  *W0)  gewünscht.  Alter  Über- 
lieferung gemäß  antwortet  er  erst  nein,  ehe  er  zögernd  die  rechte 
nennt.  (In  *W0  geschieht  nur  die  zweite  Frage  in  der  Kemenate.) 
Dies  Zögern  ist  in  *MS  noch  mit  dem  Folgenden  motiviert,  in  *W0 
führt  keine  Brücke  mehr  von  dem  Nein  zum  Ja,  und  erst  aus  *MS 
erklärt  sich  jenes  abrupte  icer  si  fi-iet,  der  hat  sin  leben  rorlorn. 
Es  ist  Spange :  der  Name  wieder  nur  in  *W0  unentstellt  (MO.  S. 
379  f.)  Das  anfängliche  Abmahnen  ist  in  *\V0  nur  andeutungsweise 
(97/98, 105 —  7)  erhalten :  es  ist  dadurch  geschwächt,  äaü  das  Apollonius- 
rootiv  —  der  alte  Heide  will  seine  Tochter  selbst  heiraten  und  tötet 
darum  alle  Freier  —  in  *W0  an  eine  ganz  andere  Stelle  verschlagen 
ist:  es  ist  Spange  als  Antwort  auf  des  Raben  Werbung  in  den 
Mund  gelegt  (454—63). 

Es  folgte  der  Rat,  den  redenden  Raben  zu  schicken.  Das 
fromme  Possenspiel  der  HerJjeischaffung  (*MS  372—401)  ist  fih-  *MW 
nicht  zu  erweisen  (MO,  S.  260  f.);  es  ist  in  der  Strophentabelle  MO. 
S.  350  versehentlich  unter  0  statt  unter  *Mz  gestellt. 

Oswald  bittet  den  Raben,  Bote  zu  sein:  das  ist  das  Natürliche 
und  ist  auch  durch  *W0  135 — 46  und  n  46.  6  für  *MW  bezeugt.  Daß 
er  sich  selbst  anbietet  und  den  Inhalt  seiner  Botschaft  schon  vorher 
weiß,  ist  eine  Glorifizierung  des  Raben,  die  erst  diesseits  *Mz  liegt. 
Der  Rabe  wird  prächtig  geschmückt;  *\V0  berichtet  nur  des  Wallers 
Rat:  eine  Schmückung  des  Geschmückten  folgt  erst  bei  Spange 
(585—619),  inhaltlich  weit  abweichend  von  *MS;  aber  auch  in  *MS 
sind  ganze  Versreihen  dem  beauftragten  Goldschmiede  zuliebe  ein- 
gefügt. 

Der  Rabe  erhält  Ring  und  Botschaft  (*W0),  nicht  auch  einen 
Brief  (*Mz) ;  nichts  von  der  Bedingung,  daß  sich  Spange  taufen  lassen 
müsse.     Er  nimmt  den  Auftrag  an  (*W0  191—95  entsprechen  mit 


LXXX  Einleitung. 

deutlichen  Anklängen  *MS  598/99,  602—4,  die  MO.  S.  351  fälschlich 
€rst  *MS3  zugeschrieben  sind:  vgl.  MO.  S.  211  und  312.  Eine  von 
den  ältesten  *MW-Interpolationen ,  die  noch  in  der  Handschrift 
kenntlich  sind:    MO.  S.  312). 

Von  dem  Hinfluge  des  Raben  weiß  *MS  zwei  Abenteuer:  wie 
er  auf  einem  Stein  einen  Fisch  verzehrte  und  wie  die  Meerweiber 
ihn  fingen ;  *zn  und  *"\V0  schweigen.  Auf  dem  Rückfluge  verlor 
er  nach  gemeinschaftlichem  Bericht  das  Fingerlein,  nach  *lSh  ver- 
half ihm  der  Einsiedet  wieder  dazu,  nach  *W0  'envischte'  er  seihst 
den  Fisch,  der  es  verschlungen  hatte;  aber  dann  hungert  ihn  noch- 
mals und  er  wird  auf  einem  Steine  vom  Paradiese  her  gespeist: 
720—34.  Dies  letzte  ist  ja  augenscheinlich  Dublette,  zumal  *\V0  von 
dem  Hinfluge  kein  Ereignis  berichtet.  Es  folgt  aber  auch  daraus,  daß 
*W0  720—34,  700,  nach  dem  Wortlaut  aufs  nächste  mit  *MS  624/25, 
628 — 35,  645  verwandt  sind.  Dies  ist  also  ursprünglich  das  Aben- 
teuer des  Hinflugs  (*MS  622—25,  628—49,  *W0  720—34),  und 
danach  ist  MO.  S.  351  zu  ändern;  *MS  fügte  dann  noch  die  Pueer- 
weiberepisode  hinzu. 

Mit  772  setzt  in  *MS  das  Alte  wieder  ein:  der  Rabe  kommt  zu 
Aron,  dem  Heidenkönig  (dessen  Namen  *zn  verderbt,  *W0  verloren 
hat:  MO.  S.  378  f.) :  von  der  ganzen  Reise  sind  in  *W0  die  drei  Verse 
196—98  übrig  gebheben. 

Der  Rabe  sieht  die  Jungfrau,  aber  sie  ist  wohl  verwahrt.  Das 
hat  zwar  nur  *MS  erhalten  (785  ff.),  aber  es  wird  durch  den  Chorus 
der  Brautfahrtdichtungen  bestätigt.  Auch  die  Schilderung  ihrer  Be- 
gleitung muß  ich  jetzt  (gegen  MO.  S.  319)  *MW  zusjjrechen:  die  An- 
klänge an  *W0  343  ff.  sind  zu  deutlich.  Denn  zwar  hat  *W0  diese 
Schilderung  an  eine  viel  spätere  Stelle  gerückt,  der  Baldachin  ist  zu 
einem  (/uter  geworden,  den  Schatten  bringen  vielmehr  die  zahmen 
Adler,  aber  die  zahlreiche,  jungfräuliche  Begleitung,  das  Nachtragen, 
der  Schatten  sind  geblieben. 

Der  Rabe  fliegt  auf  des  Heiden  Tisch,  man  ist  gar  erstaunt 
über  ihn  und  fragt  nach  Herkunft  und  Gewerbe.  Er  läßt  sich  rride 
geben  und  bringt  seine  Botschaft  vor;  der  Heide  gerät  in  Zorn  und 
will  ihn  umbringen.  Dieser  natürliche  Zusammenhang  ist  in  *W0 
(226  ff.)  durch  Schachepisode,  spielmännische  Kleiderpracht  und  Tauf- 
forderung zerstört,  nur  einige  Reminiszenzen  sind  geblieben:  daß 
der  Rabe  nicht  gleich  die  Wahrheit  sagt,  h-ot  uncle  win  zugesichert 
erhält,  und  der  Zorn  des  Heiden,  der  nun  nicht  recht  motiviert  ist. 

Jungfrau  Spange  hört  von  dem  Raben,  kommt  herbei,  bittet 
ihn  für  sich  los  und  trägt  ihn  in  ihre  Kemenate.  Da  läßt  sie  der 
Rabe  den  Ring  nehmen  und  richtet  seine  Werbung  aus.  *W0  hat 
die  Werbung  vorangestellt  und  läßt  dann  verkehrterweise  Spange 
jene  wunderliche  Frage  tun:  hat  min  fridel  tizgesant  mir  bi  dir  icM 
über  lant'i  Worauf  dann  der  Ring  verabfolgt  wird.     Inzwischen  aber 


Einleitung.  LXXXI 

hatte  Span^'e  die  Werbung'  ;iu?t:eschlapen  —  aus  Furcht  vor  dem 
Vater,  der  sie  heiraten  will  und  alle  Freier  umbringt:  in  *MS  schon 
V.  310  IT.  —  und  erst  eingewilligt,  als  der  Rabe  Oswalds  Macht  in  jenen 
alten  Formeln  geschildert  hatte;  bezeichnend  für  das  Wandern  fester 
Versgruppen  innerhalb  eines  Gedichtes,  zumal  auch  *MS  diese  Schil- 
derung öfter  verwendet;  nur  eben  nicht  hier. 

Der  Rabe  will  heim,  Spange  hält  ihn  und  behandelt  ihn  wohl. 
Aber  *iMS  und  *W0  —  *zn  schweigt  —  weichen  weit  voneinander 
ab:    *W0  verlegt  hierher  die  Schmückung  des  Raben. 

Zu  Ring  und  Botschaft  erliält  er  Amveisung,  wie  Oswald  kommen 
solle:  mit  zweiundsiebzig  wohlausgerüsteten  und  wohlbemannten 
Schiffen.  *W0  hat  nur  die  Zahl  zweiundsiebzig  belassen,  und 
recht  sinnlos,  denn  Oswald  soll  hier  nur  als  Kaufmann  kommen. 
Es  scheint,  als  habe  das  *\V0  aus  dem  Schlüsse  der  Erzählung  fest- 
gehalten, wo  Oswald  in  der  Tat  auch  in  *MS,  also  in  *MW  mit 
einem  Schiffe  vor  der  Burg  des  Heiden  liegt. 

In  allen  drei  Fassungen  ist  ausdrücklich  hervorgehoben,  daß  er 
den  Raben  mitnehmen  müsse,  wenn  die  Fahrt  gelingen  solle  (*MS 
11 75  f.,  *zn  48.20  f.,  *W0  574). 

Der  Rabe  fliegt  also  heim,  und  im  Sturm  (*W0:  als  er  auf 
einem  Mastbaum  rastet  und  das  Gefieder  schüttelt)  verliert  er  den 
Ring.  In  *Mz  verhilft  ihm  ein  frommer  Einsiedel  wieder  dazu,  der 
dort  auf  einem  Felsen  im  Meere  sitzt;  *W0  hat  nichts  dergleichen, 
und  ich  möchte  glauben,  daß  das  nicht  Vergeßlichkeit  ist,  denn  auch 
die  frommen  Oswaldsagen  von  Villach  und  aus  dem  Rosental  (MO. 
S.  251)  lassen  den  Ring  ohne  fremde  Gebetshilfe  zurückgewinnen, 
und  die  Einsiedelepisode  klingt  nach  Brandan.  *W0  hat  seinerseits 
den  Fischfang  des  Hinflugs  auch  auf  den  Rückflug  verlegt  (s.  o.). 

Der  Rabe  wird  daheim  wohl  empfangen;  die  Einzelheiten 
weichen  stark  voneinander  ab.  Er  entledigt  sich  der  Botschaft  und 
des  Ringes,  Oswald  betreibt  alsbald  die  Ausrüstung,  und  hier  ist  es 
*Mz,  das  die  Gelegenheit  zu  einer  abermaligen  Aufzählung  von  Os- 
walds Macht  wahrnimmt.  *W0  berichtet  kaum  mehr  als  die  Ab- 
fahrt, und  dann  stimmen  alle  drei  Zeugen  überein,  daß  der  Rabe 
doch  vergessen  wurde  {*MS  1610,  *zn  51.  11,  *W0  813).  In 
*Mz  merkt  man  das  erst,  als  man  im  feindUchen  Lande  ange- 
kommen und  verborgen  vor  Anker  gegangen  ist.  Erst  von  diesem 
Punkte  aus  wird  dann  ein  einzelnes  Schiff  vor  die  Burg  detachiert. 
*W0  hat  die  Zwischenstation  vergessen  und  denkt  wohl  von  vorn- 
herein nur  ein  Schif?  (trotz  der  alten  Zahl  72):  so  kommt  es, 
daß  das  Fehlen  des  Raben  ohne  Anknüpfung  und  Motivierung  auf 
der  Fahrt  bemerkt  wird.  Boten  werden  gesandt,  ihn  nachzuholen. 
Er  will  nicht,  er  ist  inzwischen  zu  sehr  vernachlässigt  und  herunter- 
gekommen, um  noch  fliegen  zu  können:  Oswald  selbst  soll  ihn 
holen;  und  Oswald  tut  es.  Dies  alles  nur  in  *W0  erhallen.  In  *Mz 
Baesecke,  Wiener  Oswald.  VI 


LXXXII  Einleitung. 

ist  an  Stelle  der  Boten  ein  zu  diesem  Zwecke  von  dem  ganzen 
Heere  erbeteter  Engel  getreten,  der  den  Raben  durch  ein  Wunder 
—  *MS  tut  auch  noch  einige  Possen  hinzu  —  herbeischafft.  Aber 
die  alten  Klagereden  des  Raben  vor  dem  Boten  und  vor  Oswald, 
seine  anfängliche  Weigerung  und  ihre  Begründung  lassen  sich  aus 
den  Gleichklängen  noch  wohl  erschließen.  In  *W0  gelobt  Oswald 
dann  Bestrafung  der  Säumigen  und  der  Rabe  begütigt,  in  *MS  ver- 
langt der  Rabe  den  Galgen  für  sie,  und  Oswald  begütigt,  was  wohl 
ursprünglicher  ist.  Von  Schrecken  der  Fahrt  und  einem  rettenden 
Gelübde  weiß  nur  *W0  (899  ff.). 

Nun  kann  der  Rabe  zu  Spange  gesandt  w^erden.  Er  erbittet 
ihren  Rat:  mit  einer  kleinen  Schar  soll  sich  Oswald  vor  die  Burg 
legen,  denn  mit  Gewalt  ist  nichts  auszurichten.  (Diese  Detachierung 
ist,  wie  gesagt,  in  *W0  verloren.)  Er  soll  sich  für  einen  Kaufmann 
ausgeben  (MO.  S.  256  f.  und  308;  in  *W0  ist  nur  vorher  und 
nachher,  V.  59.5.  801.  807  ff.  und  1169,  davon  gesagt). 

Das  Folgende  nur  in  *Mz  erhalten :  Oswald  tut  nach  dem  Rate. 
Er  wird  bemerkt,  der  Heide  zieht  feindlich  aus,  läßt  sich  aber 
beruhigen.  Hier  gibt  sich  Oswald  in  der  Tat  für  einen  Kaufmann 
aus.  Nun  ■werden  die  Christen  gut  behandelt,  aber  Oswalds  Vor- 
haben rückt  nicht  weiter. 

Hier  setzt  *W0  wieder  ein:  in  *W0  hat  Spange  gleich  bei  des 
Raben  Ankunft  geboten,  daß  Oswald  einen  gold-  und  silbernen 
Hirschen  erbete,  und  das  geschieht  denn  auch  mit  dem  Gelöbnis  einer 
Kirche,  das  nur  *W0  kennt.  In  *zn  hat  Oswald  plötzlich  einen 
Hirschen.  In  *MS  wird  ein  schwerer  Motivierungsapparat  —  Traum^ 
Goldschmiede  —  für  ihn  in  Bewegung  gesetzt.  Das  Ursprüngliche 
■wird  gewesen  sein,  daß  dieser  Hirsch  zu  den  Kleinoden  des  Kauf- 
manns gehörte  —  die  silberne  Maus  der  Herbortsage  ist  eine  genaue 
Parallele,  MO  S.  271  und  288  ff.  — .  Diesen  wunderbaren  auto- 
matischen Hirschen  läßt  Oswald  vor  Arons  Burg  laufen,  und  die 
Heiden  veranstalten  ein  Jagen;  das  haben  wieder  alle  Fassungen  ge- 
mein, nur  daß  *MS  weit  ausführlicher  geblieben  ist  als  *zn  und  *W0. 

Und  nun  war  es  einst  der  Lebenspunkt  der  ganzen  Dichtung  — 
MO.  S.  27 1  ff.  und  308  f.  — ,  daß  die  Heiden  in  ihrem  Eifer  das 
Burgtor  offen  ließen  und  Spange  so  entweichen  konnte.  Das  war 
die  alte  Entführungslist.  Aber  sie  ist  sehen  im  Archetypus  unsrer 
drei  Fassungen,  in  *MW.  plump  zerstört:  die  Heiden  schließen  das 
Tor,  und  es  muß  dann  aufgebetet  werden.  Wichtig  ist,  daß  diese 
Schließung  noch  in  unseren  Handschriften  als  Einschub  kenntlich 
ist,  an  Zerstörung  des  grammatischen  Zusammenhangs  und  der 
Reimabfolge  (MO.  S.  218  f.). 

Es  folgt  die  Hirschjagd.  Inzwischen  entweicht  die  Prinzessin. 
Ihre  List,  daß  sich  eine  ihrer  Jungfrauen  derweil,  mit  Krone  und 
könidichem  Mantel,   zuschauend   auf  die  Zinne  stellen  muß,   ist  in. 


Einleitunjr.  LXXXIII 

*MS  ganz,  in  *zn  stückweise  und  unverstanden  bewahrt,  *WÜ  hat 
sie  vergessen:  da  verhingt  Span^^e  sogleich  von  Oswald  das  Auf- 
beten, das  sie  in  "Mz  selbst  vornimmt,  als  sie  die  List  gescheitert 
sieht.  Dies  zerstörende  Aufbeten  war  aber  schon  in  *M\V  (*MS 
L>545fT.,  *zn  53.  i>0  IT.,  *\V0   1104  IT.). 

So  entkommt  also  Spange  zu  Ktinig  Oswald,  der  sie  lieblich 
empfängt.  In  *MS  hatte  der  Rabe  sie  ihm  angekündigt,  in  *VVO 
sogar  an  der  Hand  zugeführt.  Alsbald  stöfät  Oswald  zu  seinem  Heer 
—  das  fehlt  natürlich  in  *W0  —  und  fährt  davon. 

Der  Heide  hat  den  Hirschen  nicht  fangen  können  —  in  *W0  fängt 
er  ihn  und  will  ihn  seiner  Tochter  schenken  (1149  f.)  — ,  er  kommt 
heim  und  mufa  das  Geschehene  erfahren.  Er  bläst  sein  Hörn.  Seine 
Heerscharen  wissen,  was  das  bedeutet  und  strömen  zusammen.  Sie 
hören,  dati  Spange  von  Kaufleuten  —  hier  nur  in  *W0  —  geraubt 
ist,  und  da  wird  denn  nachgesetzt.  Der  Rabe  (Spange  *W0)  sieht 
die  Heiden  kommen,  und  Spange  gibt  alles  verloren.  Aber  Oswald 
erbittet  vom  Himmel,  daß  die  Heiden  sie  nicht  einholen  können. 
Er  gelobt  dafür  in  *MS,  niemandem  mehr  etwas  abzuschlagen;  in 
*W0  ist  es  (außer  der  schon  zweimal  versprochenen  Kirche)  eine 
Spende,  wobei  er  allen  gewähren  will,  die  in  Gottes  Namen  bitten. 
Also  jedenfalls  ein  Gaben-Gelübde  in  *MW  (*MS  2787  ff.,  *W0 
1198  ff.).  Und  trotzdem  Einholen  und  Kampf.  In  *W0  erscheint 
zwar  jetzt  alles  wohlmotiviert,  weil  Oswald  nur  ein  Schiff  hat  und 
der  Heide  ihn  erst  einholt,  als  er  daheim  und  an  der  Spitze  einer 
Heeresmacht  ist.  Aber  dieses  eine  Schiff  ist  ja  erst  aus  den  zw-ei- 
undsiebzig  geworden,  und  so  bleibt  für  *MW  jener  Widerspruch 
ZAvischen  Gelübde  und  Einholen  bestehen,  den  wir  wiederum  nicht 
einer  Originaldichtung  zusprechen  werden. 

F]s  kommt  also  zum  Kampf,  auf  einer  Insel,  wie  *Mz  überein- 
stimmend mit  verwandten  Dichtungen  berichtet,  und  die  Heiden 
werden  bis  auf  Aron  erschlagen.  In  *W0  wird  er  eingekerkert  und 
sieht  sich  dann  durch  himmlische  und  höllische  Visionen  veranlaßt, 
die  Taufe  zu  erbitten.  Aber  eben  diese  Visionen  weisen  auf  fremden 
Ursprung;  daß  der  Heide  vielmehr  jetzt  getauft  werden  soll, 
zeigt  sich  auch  in  *W0  an  der  Meerszenerie  (1413  f.),  die  eben  jener 
Kampfinsel  angehört.  Daß  Aron  nicht  gleich  zur  Taufe  bereit  ge- 
wesen ist,  klingt  auch  in  *VVO  noch  an,  in  *MS  ist  sein  Sträuben 
noch  spaßhaft  ausgedehnt,  aber  daß  er  die  Erweckung  seines  Heeres 
zur  Bedingung  machte,  ist  in  allen  drei  Fassungen  noch  wohl  er- 
halten. (Vgl.  MO.  S.  2.Ö9  und  306  f.)  In  der  Tat  erweckt  Oswald  die 
Toten  durch  sein  Gebet  zu  neuem  Leben,  und  sie  werden  getauft. 
(*MS  setzt  noch  ein  weiteres  Tauf hindernis  hinzu:  als  Aron  die  Seinen 
wieder  lebendig  sieht,  will  er  von  neuem  kämpfen,  aber  sie  weigern 
sich:  sie  haben  die  Hölle  gesehen.)  Auch  Sjiange  wird  getauil  und 
Aron,    der    nun  einen    neuen    christlichen  Namen  erhält.     Er  zieht 

VI» 


LXXXIV  Einleitung. 

heim  und  tauft  sein  Volk:  so  *zn  *W0,  also  *MW:  hier  hat  *MS 
geändert:  er  zieht  mit  Oswald,  denn  seine  Mannen  sind  schon  wieder 
gestorben. 

Oswald  kommt  heim  —  in  *W0  schon  vorher  —  und  feiert 
die  Hochzeit. 

Am  Schluß  stand  wohl  noch  eine  Aufforderung,  den  h.  Oswald 
anzurufen  und  etwa  ein  Segen;  beides  nur  in  *W0  erhalten. 

C.  1.  So  ergibt  sich  von  einem  andern  Gesichtspunkte  noch 
einmal  eine  Charakteristik  von  **WOi  (vgl.  Abschnitt  A).  Sie  er- 
gänzen sich  beide  leicht,  und  ich  will  zur  Beurteilung  nur  noch 
einzelnes  herausheben  und  gruppieren. 

Es  sind  doch  eine  Reihe  von  alten  Zügen,  die  *W0  allein  er- 
halten hat:  die  Namen  Tragemund  und  Spange;  die  Botschaft,  die 
den  Raben  nachholen  soll,  und  daß;  Oswald  ihn  dann  doch  persön- 
lich bewegen  muß  mitzukommen;  auch  der  Schluß.  Dazu  das 
Negative,  daß  der  Brief  bei  der  Werbung,  daß  Meerweiber  und  Ein- 
siedel  noch  fehlen.  Mit  *zn  gemeinsam  bewahrt  *W0  das  Alte 
vor  jener  ersten  Machtaufzählung  (Y.  12  — :20)  und  in  dem  Rat  der 
Mannen,  eine  Frau  zu  nehmen;  daß  Oswald  den  Raben  bitten 
muß,  die  AVerbung  zu  tun,  daß  Aron  schließhch  heimzieht  und 
sein  Volk  tauft;  auch  daß  Oswald  als  Kaufmann  auftritt,  wäre  ohne 
*W0  *zn  nicht  mehr  als  ursprünglich  zu  erkennen. 

Aller  wieviel  hat  *W0  verloren  I  Da  ist  keine  Kriegsfahrt  mehr, 
jene  verhohlene  Zwischenlandung  fehlt,  und  so  fehlt  der  Kampf  auf 
der  Insel  und  all  das  Doppelwesen,  das  sich  aus  der  Zwischen- 
landung ergibt.  Es  fehlt  Spanges  List  auf  der  Mauer;  es  fehlen  die 
Verhandlungen  des  Raben  mit  dem  Heiden  (dessen  Name  auch 
verloren  ist) :  nur  einige  Bruchstücke  sind  da  hall)  unverständlich  stehen 
geblieben.  Aber  auch  von  schmückender  Breite,  von  hübschen, 
bunten  Ausmalungen  ist  nichts  erhalten:  die  Ausrüstung  der  Schiffe, 
das  Zusammenrufen  der  Mannen,  die  Schilderung  der  Heidenburg 
oder  der  Jagd  und  ihrer  Veranstaltung,  wie  Aron  gegen  den  ver- 
meintlichen Kaufmann  auszieht  und  von  seiner  Tochter  begütigt 
wird,  woran  Oswald  sie  vor  ihren  Begleiterinnen  erkennt:  alles  das 
und  viel  mehr  versunken  und  vergessen.  Auch  die  spielmännischen 
Züge.  Freilich  sind  wir  da  noch  weniger  sicher  als  sonst,  Avas  wir 
davon  schon  *MW  zuzuschreiben  haben.  An  Stelle  der  alten  Fülle 
und  kindlich-unhöfischen  Pracht  ein  skeletthaft  mageres  Leben,  Über- 
reste der  Erinnerung,  die  leidlich  logisch  verknüpft  sind,  alles  brüchig 
und  sprunghaft  und  gegen  Ende  immer  löcheriger  und  dürftiger. 

Das  stimmt  zu  der  Art,  die  wir  schon  an  **WOi  allein  erkannten: 
vgl.  Abschnitt  A. 

Nehmen  wir  dann  alle  jene  Umstellungen  noch  hinzu,  den  weiten 
Abstand  des  Wortlauts  von  *Mz  und  *W0  auch  da,  wo  Gleiches  zu 
berichten  ist  —  besonders  in  Gebeten  —  und  das  Fehlen  jeglicher 


Einleitung.  LXXXV 

Berufung  auf  eine  vorliegende  «chriflliche  Quelle,  so  werden  wir 
für  bestätigt  halten,  daß  ivir's  hier  mit  einer  Aufzeichnung  aus 
schwankendem  Gedächtnis  zu  tun  haben. 

(Zugleicii  aber  hat  sich  wohl  durch  das  Vorige  bewährt,  daß  in 
der  Tat  *MW  in  *MS  erhalten  ist:  wir  fanden  wohl  Lücken  und 
Bearbeitungen  in  *MS,  nirgends  aber  Umstellungen :  das  wäre  höchst 
unwahrscheinlich,  wenn  nicht  *MW  in  *MS  steckte,  wenn  *MS  ein 
neues  Gedicht  in  neuer  Handschrift  wäre.  Es  sind  ja  auch  äußer- 
liche Spuren  von  Interpolationen  in  *MW  erhalten:   MO.  S.  322.) 

Zum  Eigentum  unsres  Dichters  **W0]  und  seiner  Charakteristik 
gehören  aber  außer  dem  Gedanken-  und  Wortkitt  der  seine  Er- 
inneningsbrocken  verbindet  auch  noch  Zutaten  an  neuen  Motiven. 
Daß  Oswald  nach  dem  Namen  des  Wallers  fragt  (45  f.),  daß  er  heimge- 
kehrt sein  Heer  sammelt  (1230  ff.),  daß  Spange  zu  ihm  kommt,  ihn 
für  Aron  zu  bitten  (1337  ff.),  wird  zur  ersten  Klasse  gehören,  desgl. 
ihre  Ansprache  an  den  Vater  (351  ff.).  Bei  andern  kann  man  zweifel- 
haft sein:  Oswald  ist  auf  die  Zinne  getreten,  als  er  den  Waller  kommen 
sieht  (41);  der  Abschied  des  Raben  von  Spange  wird  verweilender 
geschildert  ((135 ff.);  der  Rabe  ruht  auf  einem  Mastbaum  (650 f.);  die 
Getauften  rufen  'Osicalt  ist  ein  heilig  man^  (1440).  Andere  Zutaten 
tragen  rein  christlichen  Charakter:  Oswalds  Frömmigkeit  (441  ff.),  das 
Gebet  um  den  Hirschen  (1042  ff.),  Einzelheiten  der  Taufe  (1418  ff.)  und 
besonders  jenes  Kircbengelübde  von  V.  1112,  das  sich  selbst  als 
Dublette  gibt.  Ein  oder  zwei  Züge  sind  spielmännisch:  der  Rabe 
will  von  Spange  getragen  werden  (381,  vgl.  403,  407),  30000  Mann 
folgen  dem  Hirschen  (1076),  13000  Bischöfe  taufen  die  Heiden  (1425). 
Da2u  die  mit  einer  christlichen  Taufforderung  verknüpfte  Kleider- 
episode (226  ff.).  Dies  alles  zeigt  mehr  Armut  als  Reichtum  des  Dichters. 
Aber  das  letzte  Beispiel  hat  vielleicht  schon  literarische  Bedeutung. 

2.  Noch  mehr  das  Schachspiel  (244  ff.) :  es  ist  als  Entlehnung 
aus  dem  Morolf  längst  erkannt.  Auch  hier  aber  haben  wir  ge- 
dächtnismäßiger Überlieferung  entsprechend  weniger  Wortanklänge 
als  Gleichheit  der  Situation :  der  Rabe  gleicht  Morolf,  der  sich  auch 
durch  ein  Schachspiel  hinhält,  dabei  sein  Haupt  verwettend;  das 
Brett  ist  prächtig  und  muß  besonders  gebracht  werden.  Auch  unsere 
300  Mark  sind  in  ihrem  unvermittelten  Auftreten  ein  Nach- 
klang der  30,  gegen  die  Morolf  sein  Haupt  —  nicht  setzen  will. 
(S.  o.  S.  LXVIII.) 

Die  Not  und  das  Gebet  auf  dem  Wasser  (899—1)04,  927—64) 
entsprechen  geläufigen  Situationen  Brandans.  Auf  seinem  Schiffe  ist 
eine  Kapelle  (109)  wie  auf  Oswalds  ein  Altar  (933).  Als  sein  Schiff  auf 
dem  Meere  festliegt  (1456  ff.),  da  löst  er's  durch  sein  Gebet,  und 
gerade  Marien  leint  ist  es,  das  um  guten  wint  angegangen  wird  (1610. 
1761.  1875,  Osw.  9.59—66).  Was  aber  die  Ähnlichkeit  so  schlagend 
macht,   ist,   daß   ein  Johannes  bei  Lösung  der  Schiffe  hilft.     Dieser 


LXXXVI  Einleitung. 

Johannes  sagt  V.  1647:    ich  was  ein  heidenisch  knnic  rieh 
nnd  hän  gelebet  wunderlich 
in  Sunden  grobelichen. 
dö  veHriben  mich  die  Crtchen. 
Er  kam  mit  dem   Rest   seiner   Leute    ans   Land    und   wurde    von 
einem  manne  reine  empfangen,  der 

1676  toufte  mich  mit  siner  hant 
find  nante  mich  Johannes. 
So   wissen   wir,   woher  unser  Aron  den  Namen  Johannes  hat.     Üb- 
rigens  legte   der  indische  Priesterkönig  den  Namen  nah.     Beispiele 
für  Einsiedler  auf  Meeresfelsen,  vom  Himmel  gespeist  wie  der  Rabe, 
hat  Biandan   mehrere   getroffen:    291  ff.,   358  ff.,    vgl.  852  flf.     Sogar 
wörtlichen  Anklang  kann  man  dabei  beobachten: 
Brandan350  —  der  himelische  böte       Osw.  731  (got) 

bräht  dar  sine  spise  der  im  sine  spise 

von  dem  vrönen  paradise.  sande  uz  dem  ^;ar(?tse, 

dö  er  die  spise  dö  genam,  di  her  also  lange  nam, 

er  nam  urlop  als  im  zam.  biz  her  wider  zu  creften  quam; 

sjnse  -.paradise  in  derselben  Situation  auch  Br.  869.  Auch  sonst 
finden  sich  Wortanklänge,  und  vielleicht  ist  die  Gebetaufforderung 
des  Schlusses  nach  St.  Brandan  geformt. 

Die  Vision  des  Heiden  (1258  fi.)  aber  trägt  offenbar  die  Züge  der 
Tundaluslegende.  Als  Tundalus  tot  scheint,  tritt  ein  Engel  zu  seiner 
Seele  und  verkündet,  daß  er  ihr  Hölle  und  Himmel  zeigen  werde 
(Wagner  10.25,  12.18).  Sie  sehen  in  der  Hölle  verschiedene  Bestien 
(16.6,  27.17,  35.3).  Bei  der  letzten  fragt  die  Seele,  wer  das  sei 
(37.14).  Es  ist  Luzifer,  er  wird  von  Teufeln  besonders  gequält 
und  quält  seinerseits  qui  rel  Christum  oninino  negant,  vel  neganti- 
um  ojjera  faciimt  (38.  4).  Im  Himmel  sieht  die  Seele  verschiedene 
Sessel  (43.8,  47.12,  48.17,  vgl.  auch  Annolied  725  ff.).  Auf  einem 
(43.8)  sitzt  ein  König.  Einer  ist  leer  (54.14).  Dixit  autem  anima: 
Cujus  est  istud  sedile,  aiit  quare  sie  vacat  ?  Respondit  ei  Malachias 
dicens:  Ista  sella  est  cujtisdam  de  fratHbus  nostris,  qui  nondum 
migravit  a  corpore,  set,  dum  migraverit,  in  tali  sede  sedebit.  Alle 
diese  Züge  finden  sich  in  unserm  Oswald  wenigstens  angedeutet 
wieder.  Dazu  immer  wiederkehrend  hitze,  stanc  unde  rouch  (Osw. 
1280.  Daß  unser  Dichter  die  Himmelsstühle  auch  in  die  Hölle  ver- 
setzt, entspricht  seiner  dargelegten  Art.)  Um  wörtliche  Anklänge 
aber  steht  es  auch  hier  mißlich.  Der  alte  niederrheinische  Tundalus 
(der  das  Latein  sklavisch  übersetzt)  läßt  uns,  fragmentarisch,  wie  er 
ist,  alsbald  im  Stich.  Aus  Albers  Tnugdalus  führe  ich  Y.  2061  ff.  an: 
ein  stuol,  der  stuont  noch  laere: 
wes  der  selbe  icaere, 

die  sele  des  grbz  wunder  nam:  vgl.  Oswald  1281  ff. 
Zu  den  schattenden  Adlern  habe  ich  schon  MO.  S.  233  und  Anm. 


Eiiüeilung.  LXXXVII 

die  Vöpel  Salomos  und  Rolamlslied  G58  f.  angezogen.  De.«gl.  S.  268 
die  Herbortsage  (Thidlirekss.  234).  Dazu  kommt  die  Legende  des 
Servatius  (Acta  ss.  Mai  III.  215).   Ahnliches  bei  Singer  ZfdA.  35.  184 f. 

3.  Wir  würden  sciion  wegen  dieser  Entlehnungen  der  Meinung 
beitreten,  nach  der  **W0,  ein  Geistlicher,  kein  Spielmann  ist.  Seine 
Kenntnis  des  Morolf  darf  uns  noch  weniger  abschrecken  als  bei  "WOj 
die  des  Orendel  und  Morolf.  Zwar  kündigt  V.  1  fremde  mere  an,  und 
das  Werk  ist  durchaus  nicht  als  etwas  Heiliges  oder  auch  nur  Kirch- 
liches bezeichnet.  Wohl  aber  spricht  sich  ein  kindlich  gläubiger 
Sinn  und  reichliche  Wunderfreudigkeit  überall  aus,  es  wird  fleißig 
gebetet,  eine  Spende  und  eine  sehr  reelle  Kirche  —  mit  guter  Pfründe! 
—  wird  gelobt;  auch  das  Spielnuinnische  ist  nirgends  zweideutig 
oder  roh  —  es  tritt  überhaupt  nur  schüchtern  auf  —  und  am  Schlüsse 
dann  die  fromme  Anrufung. 

Ausschlaggebend  aber  scheinen  die  Anfangsverse :  Von  sinte 
Oswalden  leben  ist  nach  V.  3  und  5  ein  Buch  zum  Vorlesen,  ist  also 
kein  spielmännisches  Gedicht  im  alten  Sinne,  so  sehr  es  die  Züge 
eines  solchen  tragen  mag,  ist  vielmehr  schon  ein  Produkt  der 
Buchdichlung. 

4.  Es  liegt  nahe,  unsern  Oswald  in  die  Nähe  der  rheinischen 
Spielmannspoesie,  insbesondre  des  alten  Oswaldgedichtes  zu  rücken. 

Dafs  er  md.  ist,  ergibt  sich  schon  aus  den  i  =  ie,  u  =  uo, 
11  =  ii(,  aus  der  Gruppierung  der  e-Reime,  desgl.  aus  den  Synkopen 
von  h  und  ff  zwischen  Vokalen.  (S.  die  Tabellen  S.  LIII  ff.)  Gegen 
Schlesien  scheinen  die  ausschließlichen  sol,  gCin,  stein  der  Reime  zu 
sprechen  (Rückert-Pietsch  S.  265  f.);  auch  in  Böhmen  sind  ffen,  sten 
die  regelmäßigen  Formen  (Jelinek  S.  34,  Bernt  S.  202  und  ZfdA.  52. 254). 
Aber  daß  der  Böhme  Heinrich  von  Freiberg  (ed.  Bernt  S.  107  f.)  noch 
um  1290,  der  schlesische  Dichter  von  Ludwigs  Kreuzfahrt  noch  um 
1305  literarischerweise  gän,  stein  reimt  (Kinzel,  ZfdPh.  8.  390), 
stimmt  uns  vorsichtig.  Und  die  Formen  gie,  vie,  lie  fehlen  auch  bei 
andern  östlichen  Dichtern  (Zwierzina  ZfdA.  45.  66  A.  2). 

Wenn  wir  uns  aber  zum  Westen  wenden  wollen,  müssen  wir 
gleich  bis  Ripuarien  gehen :  niechtig  :  kreftig  566,  nouwe  :  houive  568, 
darzö  -.jö  1208,  drögen  :  rlOgen  346".  Indessen  der  erste  dieser  Reime 
kommt  vereinzelt  auch  östlich  vor,  z.  B.  bei  Jeroschin,  und  es  gesellt 
sich  ein  ht :  st  in  tickten :  cristen  1428,  wie  es  Weinhold,  Mhd.  Gr. 
§  208,  als  obersächsisch  verzeichnet  (kneste,  richtet :  ristet);  noch  näher 
liegt  gewest :  recht  im  schlesischen  Osterspiel  317.  25;  der  zweite 
Reim  kann  als  nüive  •.buice,  der  dritte  als  rfar^«  :_;«  gelesen  werden, 
der  vierte  lautet  glätzisch  trugen  :  vliigen.  Und  dazu  paßten  gut  die 
göt :  hat,  teil :  tvW,  hin  :  min,  hin  :  sin.  Ausschlaggebend  aber  scheint 
mir  jö  :  nu  632. 

Für  Glatz  allein  verzeichnet  Weinhold  (Cber  deutsche  Dialekt- 
forschung usw.,  Wien  1853,  S.  60)  ein  ä  >  ü  injü,  und  dazu  stimmt. 


LXXXVIII  Einleitung. 

daß  V.  Unwerth  dem  mhd.  d  dort  ein  ö  mit  einer  Artikulation,  die 
der  des  A  nahekommt,  zuspricIU  (§  22  A.  1).  Dazu  kämen  dann 
wohl  wieder  die  benachbarten  österreichischen  Gebiete  des  Oppa- 
landes  und  Nordmährens  (§  135). 

Daher  also  reimt  Jo  nicht  nur  auf  nu  und  zi'i,  sondern  auch 
auf  dö  und  dieses  du  anderweit  auf  nä  (1076)! 

Das  völlige  Fehlen  von  Diphthongierung  hält  uns,  wie  bei  *W0.„ 
im  14.  Jahrhundert  fest,  aber  jene  literarischen  Reime  führen  uns 
über  die  Rückertschen  Denkmäler  des  schlesischen  Dialektes  (seit 
den  Trebnitzer  Psalmen)  hinauf  und  mahnen  uns,  den  Anschlufs  an 
die  nichtlokale  mhd.  Kunstdichtung  zu  suchen. 

Nun  habe  ich  innerhalb  Schlesiens  nur  eine  einzige  Stätte  der 
Oswaldverehrung  feststellen  können,  und  H.  Neuling,  Schlesiens 
ältere  Kirchen,  Breslau  1884,  verzeichnet  (S.  58)  auch  nur  diese 
einzige:  zu  Crummendorf  bei  Strebten. 

Dort  liegt  die  Pfarrkirche  Sti.  Oswaldi,  die  auch  durch  ein  Porträt 
des  Heiligen  (etwa  von  der  Wende  des  16./17.  Jahrhunderts;  s.  die  Ab- 
bildung) als  solche  bezeichnet  ist,  auf  einer  Höhe  aufserhalb  des  Ortes. 
Sie  ist  1908/9  und,  nach  einer  Epitaphinschrift,  gegen  1576  renoviert; 
und  dieses  Epitaph  besagt  zugleich,  daß  hier  Mie  alten  Vorfahren 
des  löblichen  alten  Geschlechts  der  Tzioner  vom  Romsberge  der 
mehrer  Teil  mit  den  Ihren'  begraben  liegen.  Sie  wird  also  damals 
schon  älter  gewesen  und  somit  die  sein,  die  (nach  H.  Neuling)  1335 
und  1418  urkundlich  erwähnt  wird,  zumal  sie  als  Kirche  eines 
Heiligen  nicht  wohl  von  vornherein  Begräbniskirche  gewesen 
sein  kann. 

Von  der  ZAveiten  Kirche  des  Ortes,  die  auch  in  Betracht  käme, 
steht  die  Ruine  im  Pfarrgarten.  Sie  trug  bis  gegen  1782  noch  ihr 
Dach,  wird  also  erst  1643  bei  dei' völligen  Einäscherung  Crummendorfs, 
nicht  schon  durch  die  Hussiten  zerstört  sein,  mindestens  wenn  sie 
wirklich  das  Datum  1553  trägt  (Knie,  Statistisch -topographische 
Übersicht  der  Dörfer  und  Städte  Schlesiens,  Breslau  1845,  S.  327). 
Aber  selbst  wenn  das  nicht  das  Datum  der  Errichtung  ist,  haben 
wir  bei  dieser  Kirche  doch  keine  Handhabe,  sie  höher  zu  datieren 
oder  auch  nur  mit  Oswald  in  Beziehung  zu  setzen. 

Ich  verdanke  diese  Angaben,  soweit  sie  nicht  Büchern  ent- 
nommen sind,  der  Bereitwilligkeit  des  Herrn  Provinzialkonservators 
der  Kunstdenkmäler  Schlesiens,  Dr.  Burgemeister,  und  besonders 
des  Herrn  Pastoren  Schaefer  in  Crummendorf.  Ob  ich  sie  richtig 
kombiniert  habe,  steht  dahin;  ich  getraue  mich  auf  diesem  Boden 
zunächst  nicht  weiter.     Vgl.  die  Anmerkung. 

Crummendorf^   liegt   außerhalb    des    oben    umzirkten     engsten 


^  Goethe  schrieb  1823  über  'Die  Mandelquarz  führende  Gebirgs- 
art  von  Crummendorf'. 


Einleitung.  LXXXIX 

Dialektgebietes  Glatz,  indessen  haben  sie  ein  sehr  wichtiges  Gemein- 
same: sie  gehörten  beide  Bolko  IL,  1301  —  41  Herzog  zu  Münster- 
berg, der  auch  Herr  von  Schweidnitz  und  Jauer  geworden  war  und 
Glatz  zu  Lehen  hatte;  und  zu  diesem  Bolko  steht  alles  in  Beziehung, 
Avas  wir  aus  dem  Ende  des  dreizehnten  und  der  ersten  Hälfte  des 
vierzeiinten  Jahrhunderts  an  schlesisch-deutscher  Literatur  haben. 
Er  ist  der  mächtigste  aller  schlesischen  Herzöge  seiner  Zeit  und 
der  letzte,  der  der  böhmischen  Krone  widerstand,  Einführer  des 
Lehenswesens,  ein  ritterlicher,  prachtliebender,  fehdelustiger,  jagd- 
erpichter,  doch  frommer  Mann  gewesen.  (Vgl.  z.  B.  Luchs,  Schles. 
Fürstenbilder  des  Mittelalters.  Breslau  187!2,  Nr.  !20;  K.  Grünhagen, 
Gesch.  Schlesiens  I,  Breslau  1SS4.  146  ff.)  Ein  Bericht  des  von  seinem 
Vater  gegründeten  Klosters  Heinrichau  vom  3.  Juni  1336  (Papst  Bene- 
dikt Xn.  hatte  eine  Revision  der  Zisterzienserstifte  angeordnet) 
schreibt  z.  B.  die  Not  der  Brüder  den  mannigfaltigsten  Bedrückungen 
des  Landesfürsten  und  seines  Gefolges  zu,  der  Zerstörung  der  Feld- 
früchte durch  seine  ausschweifende  Jagdlust,  den  fortdauernden  Geld- 
erpressungen und  Auflagen,  den  Waldzerstörungen,  der  gewaltsamen 
Wegnahme  von  Pferden,  Vieh  —  und  Büchern,  was  alle  seinen  Schaden 
von  1:2000  Gulden  ausmache  (Versuch  einer  Geschichte  des  vor- 
maligen Fürstlichen  Cistercienser-Stiftes  H.,  ed.  Stenzel,  Breslau  1846, 
S.  11:2  ff.).  Und  doch  hat  Bolko  gerade  diesem  Kloster  seine  Neigung 
zugewandt  und  es  mit  vielfachen  Begabungen  bedacht  (aaO.  S.  104. 111. 
l\hf.  118.120,  Liber  fundationis  claustri  sanctae  Mariae  virginis  in 
Heinrichow  ed.  Stenzel,  p.  97.  115). 

Ob  er  eine  Erziehung  in  literis  genossen,  wissen  wir  nicht. 
Sein  Vater  war  in  Heinrichau  in  die  Wissenschaften  eingeführt, 
und  er  selbst  ließ  seinen  Sohn  und  Thronfolger  Nicolaus  dort  unter- 
richten. Für  Bolko  H.  fehlt  ein  direktes  Zeugnis,  wenn  wir  jene 
Wegnahme  von  Büchern  nicht  so  deuten  wollen. 

Aber:  die  rede  von  Ludwigs  Kreuzfahrt  (zwischen  1301  und 
1.305  entstanden)  ist  von  ihm  geboten  (V.  4  und  5576  ff.),  und  sie 
wird  schon  darum  in  seinem  Gebiete,  nicht  in  oder  bei  Troppau 
abgefaßt  sein  (Röhricht,  ZfdPh.  8.420,  vgl.  Jantzen,  ZfdPh.  36. 1  ff.): 
der  Dichter  sagt  V.  5567  ff.  und  5709  ff.  nur  von  zwei  Gewährsmännern, 
die  er  dort  kennen  gelernt  iiabe  (vgl.  1533 ff.  5740ff.  6596 ff.).  Aus 
der  Sprache  wird  sich  seine  Heimat  nicht  bestimmen  lassen,  denn 
er  gehört,  wie  Heinrich  IV.  von  Breslau  als  Lyriker,  noch  zur 
höfischen  Kunst,  die  das  Dialektische  meidet.  'Ludwigs  Kreuzfahrt' 
ist  die  einzige  Woge,  die  die  hochdeutsche  Epik  über  die  schlesischen 
Gebirgsdämme  geworfen  hat.  Und  Bolko  gehört  zu  den  roman- 
tischen Spätlingen,  die  im  eigenen  Leben  die  Ideale  der  Dichtung 
verwirklichen  möchten:  als  es  im  Jahre  1335  zum  letzten  Kampfe 
für  die  Selbständigkeit  gegenüber  der  böhmischen  Krone  gegangen 
war,   verteidigte  er  sich  aufs  glücklichste  in  seiner  Stadt  Franken- 


XC  Einleitung. 

stein,  und  dazu  berichtet  unsere  älteste  und  nach  dem  Herausgeber 
zuverlässige  Quelle,  die  1384/85  geschriebene  Chronica  principum 
Poloniae,  bei  Stenzel,  Scriptores  rer.  Siles.  I,  Breslau  1835,  S.  124: 

Porro  suis  te)npo)ibus  2)er  dominum  Karolum  predictum,  eisdem 
temporihus  marcliionem  Moravie,  Frankenstein  est  vallatum  et,  sind 
andivi,  multi  nobiles  de  Bohemia  et  Moravia  de  parte  marchionis  in 
obsidione  hujusmodi  capti  sunt,  sed  quodam  tempore,  per  dictum 
dominum  dominum  Karolum  sollempni  convivio  preparato,  ad  quod 
invitaverot  dictum  ducem,  ordinatisque  nobilium  multis  speciosis 
mulierihus,  imstulavit  cum  Ulis,  captivos  hos  dimitti  solutos,  quod  et 
fecit  ad  instanciam  eai-undem,  et,  sicut  multi  rcferunt,  si  exaccio- 
nasset  captivos  eosdem,  tantas  habnisset  ptecunias,  quod  terram  tctm 
benenn  sicut  habuit  cum  hiis  emere  potuisset.  Demum  igitur  tracta- 
tnm  est  inter  regem  Bohemiae  et  enndem  ducem  talitei;  quod  suis 
heredibus  vasalhis  regis  Bohemie  atque  regni  factus  est. 

Einen  homo  viirabilis  et  valde  sohiciosus  nennt  ihn  einführend 
derselbe  Historikus,  und  er  fährt  fort  (S.  l!23):  et  sicut  andici  phiri- 
morum  relatibus  gesnt  plurima  risu  digna.  i^ani  qnctdam  vice  in 
novo  foro  Wrntislariae,  tibi  tunc  ad  forum  multe  concurrerant  mu- 
lieres  lacticinia  venundantes,  ipse  omniuni  lac  venale  habencium 
amphoras  fecit  emi  cum  lade  ac  in  hospicio  suo  ad  hoc  dolio  pre- 
X>arato  totum  lac,  quod  emerat,  infundi.  Sed  antt-quam  miilieres 
essent  pagate,  quelibet  de  suo  2^''^^'io  ammonuit.  Dux  ait,  quelibet 
vestrum  recipiat  de  dolio  suum  lac,  nolo  enim  ros  p)agare  de  illo. 
Quo  cognito  mulieres  accelerando  quelibet  amphoram  suam  misit  ad 
dolium,  lac  suum  )-es\unere  cupiens,  quod  infudit.  In  quo  mulierum 
congressu  tantus  est  factus  impetus,  ut  quelibet  amphoram  suam  con- 
cuteret  et  sie  fractis  vasis  contendere  sinml  ceperunt,  et,  ut  audivi, 
se  mutno  foi-titer  capillarunt.  Ex  quo  faito  duci  hoc  cernenti  est 
factum  solacium  magni  risus.  Post  contencionem  igitur  hujusmodi 
mulierum  sedavit  easdem  et  dato  precio  cuilibet,  eas  cum  gaudio  fecit 
abire.  Hoc  et  huic  similia  facta  digna  ridiailo  suis  tenqwribus 
multa  commisit,  que  p>^^'  omnia  longum  esset  narrare. 

In  diese  Schwanksphäre  gehört  auch  "der  horte"-  des  Dietrich 
von  Glatz  (v.  d.  Hagen,  Gesamtabenteuer  I.  20),  die  Erzählung  von 
dern  wunderbaren  Gürtel,  der  einem  Ritter  die  höchste  Gunst  einer 
schönen  Dame,  dann  aber  auch  der  Dame  die  Verzeihung  ihres 
zornig  davongegangenen  Gatten  gewinnt.  Denn  sie  zieht  hinter 
ihm  her,  als  Ritter  verkleidet,  und  als  er  den  Gürtel  von  ihr  er- 
bittet, gibt  sie  ihn  nur  unter  der  Bedingung,  daß  er  ihr  tue,  wie 
man  den  Weibern  tut.  Da  kann  ihn  denn  das  verkleidete  Weib  einer 
ketzerischen  Schamlosigkeit  beschuldigen  und  die  Versöhnung  herbei- 
führen. 

V.  879.      Wilhelm,  der  vrouu-en  kneht, 

der  schuof,   daz  ich  getihtet  tcavt  — 


EinleiUiiij,'.  XCI 

883.     sin  vater  saz  ze   Wideita, 
geivaJiJik  voget  was  er  da. 

Ein  Vopt  Wilhelm  von  Weitlenau,  der  als  Kreuzritter  starb,  wird 
in  einer  Urkunde  von  li29ß  (Grünhagen,  Retj^esten  III.  24:2)  als  tot  er- 
wähnt. Zu  Weidenau  aber  wohnte  auch  Herr  Ludwig  von  Medliz, 
Vasall  König  Wenzels  IV.,  den  der  Dichter  von  'Ludwigs  Kreuzzug' 
(V.  55(36 ff.,  5702ff.  u.  ö.)  als  Gewährsmann  nennt:  v.d.  Hagen,  Minne- 
singer IV.  33.  Damit  ist  wohl  die  Beziehung  Dietrichs  zu  Bolko, 
die  schon  durch  seine  Heimat  und  den  Charakter  seines  Werkes 
nahegelegt  ist,  hinlänglich  sichergestellt,  und  wir  mögen  ihn  auch 
durch  jenen  vrouwenhneJit  Wilhelm  und  Ludwig  von  Medliz  mit 
dem  Dichter  des  Kreuzzuges  verbunden  denken. 

Der  Verfasser  des  Krnzigere,  der  mere  von  der  marter  Jesu 
Crist,  stammt  aus  Frankenstein  (V.  11442  ff.),  der  bevorzugten  Stadt 
Bolkos,  und  schreibt  auch  im  Wiener  Ordenshause  seinen  heimat- 
lichen Dialekt.  Er  datiert  (V.  11475)  nach  Christ  yehurt  besundert 
tüse)it  und  driihtindert,  d.  i.  kurz  vor  Bolkos  Regierungsantritt. 

Dem  Petrus  von  Patschkau  gehört  ein  deutsches  Psalteriuni  von 
1340  (Hoffmann  v.  F.,  Monatschrift  für  Schlesien  II.  675,  Rückert- 
Pietsch  S.  20 f.):  das  ist    die  Regierungszeit   und   das  Land  Bolkos.' 

Auch  die  Trebnitzer  Psalmen,  die  man  sich  wunderlicherweise 
als  ältestes  Denkmal  schlesischer  Sprache  zu  betrachten  gewöhnt 
hat,  könnten  in  diesen  zeithchen  und  örtlichen  Umkreis  gehören. 
Denn  für  ihre  Herkunft  aus  Trebnitz  ist,  soviel  ich  weifs,  nichts 
andres  ins  Feld  zu  führen,  als  daß  die  Handschrift  da  gefunden  ist. 
Dagegen  sprechen  aber  eine  Reihe  von  dialektischen  Eigentümlich- 
keiten: abgesehen  von  den  zahlreichen  e  für  mhd.  i,  u  für  mhd.  o, 
i  für  mhd.  e  das  du  =  dö  118.  92,  thoben  =  touben  57.  5,  und 
einige  e  für  mhd.  ei  (ed.  Pietsch,  p.  XLVlIIff.). 

Indessen  lasse  ich  das  absichtlich  auf  sich  beruhen  und  konstatiere : 
zu  Bolkos  II.  Lebzeiten  (deutsche)  Literatur  und  literarisches  Interesse 
nur  in  seinem  Bannkreise,  im  übrigen  Schlesien  nichts  dergleichen, 
wenigstens  nichts  bisher  Fi.xiertes.  Diese  Literatur  ist  allerdings  recht 
verschiedenartig:  höchst  weltlich-ritterlich  der  Schwank  des  Dietrich 
von  Glatz,  höchst  geistlich-ritterlich  'Ludwigs  Kreuzzug', ^  ganz  geist- 
lich der  Kreuziger  und  zumal  die  beiden  Psalterien,  die  sich  schon 
außerhalb  der  Literatur  stellen. 


^  P.  ist  aber  nicht  nur  Name  des  Orts,  sondern  auch  eines 
Breslauer  Geschlechts. 

^  Als  Zeugnis  für  Bolkos  Frömmigkeit  und  geistliche  Richtung 
mag  etwa  auch  das  Folgende  dienen.  An.  1341.  d.  II.  Junii  ettni 
decessisse  testantur  Henelius  in  Ghron.  Monsterberg,  et  Pohlius  in 
Annal.  Wratislav.  MSt.  ad  an.  hunc:  '^Boleslaus  Herczog  zu  Münster- 
berg, alss  er  in  ensserster  Schicachheit  lag,  hat  Er  sich  in  wahrem 


XCII  Einleitung. 

Vielleicht  gehört  aber  auch  jenes  Osterspiel  nicht  nur  in  unser 
Dialektgebiet  (S.  LXIX),  sondern  auch  in  Bolkos  Zeit:  dann  würde  sich 
der  Reigen  schließen,  und  die  sprachlich-volkstümlichen  und  die 
geistlichen  Elemente  des  Kreuziger  wären  hier  zu  ganzer  Ent- 
faltung gekommen. 

Der  literarischen  Skala  entspricht  eine  sprachUche  von  der 
Kunstsprache  zum  Dialekt:  der  borte,  Ludwigs  Kreuzzug,  der  Kreuziger, 
die  Psalterien,  das  Osterspiel. 

Da  also  gilt  es  den  Oswald  einzureihen,  und  die  Wahl  kann 
nicht  schwer  fallen. 

Der  borte  kann  gleich  außer  Betracht  bleiben:  er  gehört  noch 
ganz  zur  importierten  oberdeutschen  Kunst,  kaum  daß  er  in  einigen 
Wendungen  an  unser  Gedicht  anklingt. 

Auch  Ludwigs  Kreuzzug  zeigt  noch  keine  speziell  schlesischen 
Reime,  und  der  Dichter  ist  Nachahmer  Wolframscher  Kunst  (Kinzel 
ZfdPh.  8.  379  ff.,  Jantzen,  ZfdPh.  36.  1  ff.). 

Aber  im  Kreuziger  schießen  sie  dann  empor:  siehe  Khulls  Aus- 
gabe S.  349  ff.  Ich  hebe  davon  nur  die  heraus,  die  für  die  Lokali- 
sierung des  Oswald  in  Frage  kommen  können :  mhd.  o :  ou  (stoc  =  bouc), 
ti  :  ö  (sun  :  person),  ä  :  u  (narrten  :  vrumen?);  dazu  die  Mono- 
phthongierungen, dei-  Schwund  von  h  zwischen  Vokalen  und  der  Reim 
cht.-ft  usw.:  überall  die  nächste  Verwandtschaft  mit  dem  Oswald- 
dialekt. Wir  dürfen  das  als  Bestätigung  unsrer  Lokalisierung  nehmen. 
Die  neuhochdeutschen  Diphthonge,  die  sich  schon  eingeschlichen 
haben,  müssen  aus  der  Wiener  Umgebung  des  Verfassers  stammen. 

Dagegen  steht  im  Textlichen  und  Technischen,  (z.B.  in  den  künst- 
lichen Enjaml^ements)  in  Geist,  Inhalt,  Wort  und  Wendung  der 
Oswald  Ludwigs  Kreuzzuge  doch  näher  (vgl.  die  Anmei'kungen). 

Es  ergibt  sich  also  eine  chronologische  Verschiebung:  der  ältere 
Kreuziger  ist  bereits  stärker  dialektisch  gefärbt  als  der  jüngere  Kreuz- 
zug, und  wir  wundern  uns  nicht  darüber:  in  der  höfisch-ritterlichen 
Kunst  mußte  sich  die  alte  Art  besser  und  länger  erhalten  als  in 
der  geistlichen. 

Der  Oswald  ist  viel  stärker  dialektisch  als  Ludwigs  Kreuzzug 
und  ist  mit  ihm  verwandt,  ist  also  jünger.     Aber  er  ist  andrerseits 


Glauben  zu  dem  Sohn  GOTTES  gewendet,  das  Besponsorium  und 
den  schönen  Kirchen-Gesang  mit  heller  Stimme  gesungen:  Tribularer, 
si  nescirem  misericordias  TU  AS  DOMINE:  Tu  dixisii:  Nolo  mortem 
Peccatoris,  sed  ut  convertatur  et  vivat.  Qui  Cananaeum  et  Piiblicannm 
evocasti  ad  poenitentiam,  et  Petrum  lacrymantem  suscepisti  misericors 
DOMINE.  Nach  dem  Behenntnäss  seiner  Sünden  hat  Er  sich  mit 
GOTTES  Barmher zigheit  getröstet,  und  ist  d.  IL  Junii  seeliglich 
verschieden' .  (F.  W.  de  Sommersberg,  Silesiacarum  rerum  scrii)tores 
Lipsiae  1729.  I.  407,  in  der  von  ihm  zugefügten  Dissertatio  historica.) 


Einleitung.  XCllI 

weniger  dialektiscli  als  der  Kreuzis,'er,  bewahrt  noch  literarische 
Formen  (gihi,  stau,  sol,  vor/oni,  ich  enthir,  Reime  ae :  e),  und  der 
Kreuzij.'er  ist  älter  als  der  Kreuzzujj:.  Wir  dürfen  also  nicht  zu  weit 
vom  Kreuziper  abrücken,  und  ich  denke,  wir  bleiben  im  ersten 
Jahrzehnt  des  1-i.  Jahrhunderts. 

Denn  kurz  danach  wüten  jahrelang  Pest  und  Hungersnot  in 
Schlesien,  und  dann  haben  wir  die  rein  dialektischen  Denkmäler  an- 
zusetzen, jene  Psalterien  u.  a. ;  und  in  jener  Zeit  hält  uns  auch  die 
literarische  Verwandtschaft  mit  Ludwigs  Kreuzzug.* 

Ist   aber  unser  Dichter   ein   Geistlicher   —   und  es  gebt  wohl 


*  Ich  hoffe,  mit  dieser  Einreihung  des  Oswald  die  Äbtötung  der 
alten  unterbindenden  Doktrin  von  Rückert  und  Fleisch  wenigstens  vor- 
zubereiten, daß  das  Schlesische,  als  es  uns  zuerst  entgegentritt,  eine 
einheithche  Sprache  sei.  Jedenfalls  sollte  man  sich  über  die  Einheit 
nicht  zu  sehr  verwundern,  wenn  man  zuvor  die  Vielheit  ausgeschlossen 
hat.  Oder  gibt  es  etwas  so  unbegreiflich  Selbstverständliches,  wie  daß 
dieser  angeblichen  Einheit  auf  dem  Boden  buntester  Kolonisation  eine 
sichere  Verschiedenheit  vorausliegen  müsse?  Und  sollte  nicht  diese 
Verschiedenheit  ein  besseres  Fundament  der  Besiedlungsgeschichte 
hergeben,  als  die  fränkischen  und  flämischen  Hufen,  das  deutsche 
Haus,  das  deutsche  Recht  und  deutsche  Sitte,  die  jedes,  uns  täuschend, 
über  ihren  eigentlichen  Bereich  liinausgegriffen  haben?  So  gut 
wie  bei  den  Schwaben  des  Banats  und  den  Siebenbürgern  muß  man 
die  Frage  nach  der  Herkunft  der  verschiedenen  Schlesier  aus  ihrer 
Sprache  zu  beantworten  suchen.  Und  es  muß  vorausgehen  — 
mutatis  mutandis  —  eine  Arbeit,  wie  sie  Müllenhoffam  Althochdeutschen 
von  Fulda  getan:  aus  fest  datierten  und  lokalisierten  Urkunden  mög- 
lichst vieler  Einzelorte  die  Sprachentwicklung  ablesen  und  registrieren, 
die  Resultate  zu  der  modernen  Dialektgeographie  in  Beziehung 
setzen  und  die  alten  literarischen  Denkmäler  in  das  gewonnene  Netz 
eintragen.  Gewiß  ist  das  schwieriger  als  beim  Ahd.,  weil  die 
Schreiber  unter  viel  komplizierteren  Bedingungen  stebn,  weil  die 
ältere  und  vordialektische  Literatur  Schlesiens  sich  fertiger  Kunst- 
sprachen und  -Stile  bedient,  die  das  gewonnene  Bild  immer  wieder 
trüben  werden.  Aber  dafür  erhöht  sich  ja  auch  die  Aufgabe  aufs 
schönste:  sie  gibt  das  Bild  einer  heraufkommenden  Schriftsprache. 
Die  Paßhöhe  auf  ihrem  Wege  aber  bezeichnet  Bolko  und  seine 
Literatur,  und  wir  erkennen  daran  die  kulturelle  Bedeutung  eines 
solchen  Mäzens:  weil  die  neuen  Dichtwerke  in  seinem  Lande  ent- 
standen, wird  der  Dialekt  dieses  Landes  zur  Schrifts])rache,  und  wir 
können  schon  bei  den  Trebnitzer  Psalmen  zweifelhaft  sein,  ob  ihr 
Dialekt  noch  eine  Heimatbestimmung  innerhalb  Schlesiens  ermög- 
liche oder  schon  literarisch  übernommen  sei.  (Vgl.  die  Anmerkung 
am  Schlüsse  des  Buches.) 


XCIV  Einleitung. 

auch  aus  dem  Obigen  hervor,  daß  sich  in  Bolkos  Kreise,  wo  noch 
die  höfische  Kunst  in  Geltung  und  Übung  stand,  ein  Ritter  der  alten 
niedrigen  Gattung  nicht  hätte  annehmen  können  — ,  so  suchen  wir 
zunächst  in  den  Klöstern  des  Landes. 

'Daß  die  frommen  Mönche  schreibend  sich  auch  viel  mit  dem 
Leben  der  Märtyrer  und  Heiligen  beschäftigen,  zeigt  das  Beispiel 
des  Conrad  von  Ganth'  —  auch  Canth  gehört  zu  Bolkos  Gebiet  — 
'(Martyrologium  Benedictinum.  Bibl.  Un.  IV.  F.  71.  Cod.  membr. 
ann.  1338)  und  des  Canonicus  von  Glogau,  Joannes  von  Predmost 
(Passionale  Sanctorum  Bibl.  Uu.  IV.  Hist.  eccles.  F.  178.  Cod.  membr. 
an.  1374).  Aber  das  wichtigste  Erzeugnis  unter  solcherlei  Arbeiten 
war  ohnstreitig  die  Legende  der  heil.  Hedwig  . . .,  wovon  wenigstens 
drei  Handschriften  aus  dem  14.  Jh.  noch  vorhanden  sind,  deren 
eine  höchst  Avertvolle  auf  der  Universitätsbibliothek  sich  befindende, 
welche  IV.  F.  190.  bezeichnet  ist.  unstreitig  bald  im  Anfange  des- 
selben verfertigt  ist  und  als  deren  Schreiber  sich  Nicolaus,  Mönch 
des  Klosters  Leubus  nennt'.  (Henschel,  Schlesiens  wissenschaftl.  Zu- 
stände im  14.  Jahrhundert,  Breslau  1850,  S.  3:2.) 

NachThoma,  Die  colonisatorische  Tätigkeit  des  Klosters  Leubus, 
Leipzig  1894,  S.  150,  war  dort  im  13.  Jh.  eine  Explanatio  S.  Isidori 
Episcopi  in  vetus  et  7iorum  testamentum  und  eine  vita  servorum  Dei 
Barlaam  et  Joscqihat  e  Graecis  Jo.  CUmacis  sive  Sinaitae  in  Latinum 
translata,  und  die  Vorarbeiten  des  Mönches  Engelbert  lieferten  die 
Grundlage  zu  der  im  Anfang  des  14.  Jahrhunderts  verfaßten  Bio- 
graphie der  H.  Hedwig. 

Diese  Nachricht  ist  als  Parallele  für  Oswald  wichtig;  die  Herzogin 
Hedwig,  die  Gründerin  von  Trebnitz,  ist  erst  1268  kanonisiert. 

Di"e  Grafschaft  Glatz  hat  (seit  etwa  1230)  bis  zum  Jahre  1365 
eine  Schule,  die  der  Hospitaliter  in  der  Hauptstadt.  Ihr  gehörte  in 
der  Zeit,  die  für  uns  in  Betracht  kommt,  Arnestus,  der  erste  Erz- 
bischof von  Prag  an  (geb.  1297),  der  zuvor  im  väterlichen  Hause 
unterrichtet  war.  Er  stiftete  dann  die  Glatzer  Augustinerpropstei, 
die  1349  geweiht  und  1365  auch  mit  einer  Schule  (aber  nur  für 
16  Zöglinge)  ausgestattet  wurde.  (AI.  Bach,  Urkundl.  Kirchen- 
geschichte der  Grafschaft  Glaz,  Breslau  1841,  S.  16.  25.  29.  33; 
Frind,  Die  Kirchengeschichte  Böhmens,  II,  Prag  1866,  S.  319f.  — 
Über  die  Gelehrsamkeit,  Büchersammlungen  und  Schulen  der 
Augustiner  s.  Kolde,  Die  deutsche  Augustinerkongregation,  Gotha 
187^  S.  48  ff.) 

Auch  Kloster  Kamenz,  Gründung  Herzog  Heinrichs  I..  gehörte 
zuerst  den  Augustinerchorherrn  (vom  Sand  in  Breslau).  Es  wurde 
1249  dem  Bischof  Thomas  I.  von  Breslau  abgetreten,  der  es  zu  einer 
Zisterzienserabtei  erhob  und  aus  Leubus  besetzte.  Auch  hier  hat 
es  eine  Schule  gegeben,  und  ohnedies  hatte  uns  schon  eine  Spur 
auf  die  Zisterzienser  geführt  (S.  LXVl).    Es  laufen  auch  etliche  Fäden 


Einleitung.  XCV 

nach  Glatz  (im  Jahre  h294  schenkt  König  Wenzel  die  Stadt  Mittel- 
walde.  die  wir  bei  Betrachtung  des  Dialektes  erwähnen  mußten)  und 
nach  Bolkos  Lieblingsstadt  Frankenstein,  dessen  Kirche  unter  Kanien- 
zer  Patronat  stand  (Heyne,  Dokumentierte  Geschichte  des  Bisthums 
und  Hochstiftes  Breslau,  I,  Breslau  1860,  S.  262.  387.  954).  Aber 
die  Beziehungen  zwischen  Kanienz  und  dem  Herzog  sind  keineswegs 
glänzend  gewesen.  Zwischen  1331  und  34  hat  er  das  Stift  überfallen 
und  geplündert.  Es  folgten  Interdikt  und  Exkommunikation,  nach- 
mals ein  Sühnevertrag  (Heyne  I,  957,  J.  A.  Kopietz,  Kirchengeschichte 
des  Fürstentums  Münsterberg  und  des  Weichbildes  Frankenstein, 
Frankenstein  1885,  S.  517).  Kamenz  w'ar  auch  das  Hauptquartier  des 
Markgrafen  Karl,  als  er  (1335)  gegen  Bolko  zog  (Frömrich,  Kurze 
Geschichte  von  Kamenz,  Glaz  1817,  S.  72).  Dazu  kommt,  daß  1416 
viele  Bücher  durch  die  Hussiten  verbrannt  sind  und  1427  bei  einem 
abermaligen  Überfall  das  Kloster  völlig  zerstört  wurde  (Kopietz  S.  519), 
so  daß  also  die  Oswalddichtung  schon  einen  besonders  günstigen  Zu- 
fall hätte  in  Anspruch  nehmen  müssen,  um  in  unsre  Hände  zu 
gelangen. 

In  Grüssau  sassen  zuerst  Benediktiner  aus  Opatowitz,  die  Hein- 
rich 11.  im  Jahre  1238  berufen  hatte.  Aber  sie  sehnten  sich  heim  und 
verkauften  ihren  Besitz.  Bolko  I.  besetzte  1292  das  Kloster  neu  mit 
Zisterziensern  von  Heiurichau.  Er  Heß  sich  auch  dort  bestatten. 
Aber  wir  haben  kein  Zeugnis,  daß  sich  seine  Neigung  auf  den  Sohn 
übertrug,  vielmehr  kam  das  Kloster  1303  unter  die  Herrschaft  Bern- 
hards von  Schweidnitz,  des  Bruders  unseres  Bolko  (Heyne  394. 
962.  969). 

Dagegen  haben  \vir  eine  Neigung  Bolkos  zu  Heinrichau  schon 
bezeugt  gesehen.  Er  hat  sich  dort  schließlich  auch  mit  seiner  Ge- 
mahlin beisetzen  lassen,  und  das  schone  Grabmal  mit  Bild  und  In- 
schrift ist  uns  erhalten  (Luchs,  Schles.  Fürstenbilder  des  Mittelalters, 
Breslau  1872,  Nr.  20).  Und  Heinrichau  empfiehlt  sich  ohnedies  durch 
die  unmittelbare  Nähe  von  Crummendorf,  der  Stätte  der  Oswald- 
verehrung,  und  durch  seine  Besitzungen  im  Glätzischen.  Bolkos 
Vater  und  Bolkos  Sohn  erhielten  dort,  wie  gesagt,  ihren  Unterricht, 
es  heißt  namenthch  von  Abt  Johannes  II.  (1321 — 28),  daß  er  bemüht 
gewesen  sei,  das  Studium  der  Wissenschaften  in  seinem  Kloster  zu 
fördern,  und  viele  junge  Edelleute  hätten  damals  Unterricht  empfangen 
(Stenzel,  Versuch  S.  1081'.).  Man  war  aber  auch  gelehrt  in  Kloster 
Heinrichau.  Höchstwahrscheinlich  hat  gleich  einer  der  zuerst  mit 
von  Leubus  gekommenen  Mönche,  der  nachmalige  Abt  Peter,  einen 
Hauptanteil  an  dem  Libtr  Fundationis  claiistri  S.  M.  V.  in  Heinrichow, 
der,  zum  größten  Teil  noch  im  13.  Jahrhundert  von  mehreren  Mit- 
ghedern  des  Klosters  verfaßt,  vielleicht  die  aufschlußreichste  und 
zuverlässigste  Quelle  für  die  schlesische  Geschichte  der  Zeit  ist,  be- 
.sonders   wertvoll,   nachdem    Schulte  u.  a.  unter  den   altschlesischen 


XGVI  Einleitung. 

Urkunden  so  sclireciilich  aufgeräumt  haben.  (Vgl.  Stenzel  S.  Xllff.) 
Die  Vielheit  der  Bearbeiter  und  Nachträgler  ist  eine  Parallele  zu 
unserm  *W0.2.  Ums  Jahr  1340  lebte  dort  der  Bruder  Conrad,  der 
einen  lihelhis  de  exposicione  vocahuJorutn  (naturkundliche  Namen 
mit  allegorischen  Deutungen)  kompilierte  (IV.  Q.  92  der  Breslauer 
Universitätsbibliothek);  von  ihm  ist  auch  die  wichtige  CJironica 
Polononnn  'geschrieben'  (Henschel,  Schlesiens  wissenschaftliche  Zu- 
stände im  14.  Jahrhundert,  Breslau  ISöO,  S.  7  und  16;  vgl.  die  Anm.). 

Daß  wir  aber  den  Heinrichauer  Mönchen  den  Besitz  einer  Über- 
lieferung wie  **W0,  zutrauen  dürfen,  das  beweist  die  Miszellanhand- 
schrift  I  duod.  41  der  genannten  Bibliothek,  zuvor  Besitz  unseres 
Klosters. 

Sie  enthält  aufser  einer  Erzählung  der  Passion  (1»  Extendit 
maniim  et  afipvit  gladivm  üt  ymolaret  filiü  —  SO^'  So  habe  ich  Glicht 
hessirs  gelesin  de  wol  geion  rnd  friilichen  wessen  amen)  und  einer 
Sammlung  von  Sprüchen  der  Altväter,  die  später  zwischen  die  Stücke 
des  Kodex  geschoben  sind  (auf  dem  unbezifferten  Bl.  Oa  [Ob  enthält 
eine  farbige  Zeichnung,  Christus  am  Kreuz  mit  Maria  und  Johannes] 
auf  129a — 130b  tind  176^— 178b)  nur  Visionsliteratur.    Und.  zwar 

1)  S.  80b — 129a  eine  deutsche  Übersetzung  des  Tundalus  (bei 
Wagner,  Visio  Tnugdali,  Erlangen  1872,  Nr.  I,  5.21 — 56.1,  mit  einer 
Einleitung  nach  Wagner  I.  4.26 — 5.3  und  einem  erbaulichen  Schlüsse 
versehen) ;  Anfang :  In  der  czeyt  Alz  mä  zelte  noch  cristi  gehurt 
Tausent  hüdert  rnd  in  dem  newn  vnd  newnczigiste  jore  Czu  czeifte 
keyser  Conrats  vnd  in  den  virden  iore  des  hohstes  Eygeny  czu 
yhernia;  die  Unterschrift  lautet:  Hy  endet  das  buch  Tüdali  vö  der 
r'czuckte  sele  vnd  irer  gesichte  hymelischer  freude  vn  helUsser  peyn 
alles  mit  seyne  figure:  die  Figuren  fehlen,  d.  h.  wir  haben  hier 
eine  Abschrift. 

2)  131a  Von  dem  fegfewer  santi  j;aMc(/  in  ybernia.  etc. 
Das  man  aber  gruntlich  vnd  an  alle  czweyfliinge  tvyssen  vnd  merchen 
milge  das  ey  fegfeuer  sey  —  161b  So  ivirt  das  reich  vnsers  koniges 
ihn  xpi  dester  ee  erfitllet  in  dem  himelische  iherusaUm.  (136»  Ey 
ritter  czu  knnig  steffans  czeite  war  in  diesem  Fegfeuer:  was  der 
davon  erzählte,  hörte  ein  Abt  Gilbertus  vnd  furbas  [durch?]  eyne 
mechtige  aht  des  closters  Garis  gesriben  worden  ist.) 

3)  161b  hy  mercke  ein  loblich  hübsch  exempel  von  offen  barüge 
vö  dem  irdischen  paradisz  von  eyne  yüge  herczoge  der  drei/  hundert 
ior  clor  ynne  tvas  vnd  her  tcolde  tvenne  her  were  nur  eyn  halben 
tag  dor  ynne  getvest  \\  MAn  list  tvy  in  den  oberen  welschen  landen 
were  ey  mechtige)-  herczog  —  175b  X)y  sele  kam  wider  in  dy  euyge 
freüde  dy  ir  vo'heyssen  wart  dy  ivolle  vnsz  got  alle  noch  disse  tot- 
liche lebin  genadickliche  gebin  vnd  verleyhen  amen.  (Dieses  Stück 
fehlt  in  dem  geschriebenen  Kataloge  der  Handschriften- 
abteilung der  Berliner  Kgl.  Bibliothek.) 


Einleitung.  XGVII 

4)  170"  hyc  hebet  sich  an  ei/ne  offi  harüge  eynes  geysfa  In  Gots 
namen  amen  Es  geschach  noch  der  gebort  xpi  »M-CCCC-  rnd  ijm 
ügben  rfid  drei/ssigislen  ijorc  yn  dem  monde  nouenber  yn  dem  lande 
czu  Cleben  kölnisches  sttfftes  yn  eyne  dorffe  genant  Medrich  ge- 
legt bey  dausbergk  der  Stat  alzo  genant:  Da  erschien  40  Jalir  und 
1:2  Wochen  nach  seinem  Tode  der  Geist  des  Ackermanns  Henrich 
Puschmann  seinem  Urenkel  Arnold  Puschmann  als  Hund.  Arnold 
erlöst  ihn  durch  Almosen,  Messelesen,  eine  Aachenfahrt  und  andre 
gute  Werke  allmählich  aus  seinen  Teinen-,  bis  er  schließlich  in  über- 
irdischer Klarheit  erscheint.  Bei  jeder  Erscheinung  fragt  er  den  Geist 
nach  dem  Jenseit  aus,  ohne  daß  aber,  wie  in  den  vorigen  Stücken, 
die  Hölle  geschildert  würde.  Schluß  ^i-oOb;  Got  gebe  rnsz  hy  alzo 
zu  lebe  das  wir  mit  gote  müsse  ewigliche  bleybe  amen  'l'i'  92  Hy 
endet  sich  des  geistes  Offenbarüge.  (Ein  Stück  hieraus,  über  'die 
Frau  Hulden,  die  unter  der  Erden  wohnen  und  unter  den  Hollunder- 
bäumeu'  in  der  Zeitschritt  für  Volkskunde  '22,  S.  179  f.!) 

Es  scheint  alles  von  einer  Hand  geschrielien  (Abschluß 
vor  Nachtragung  der  Altvätersprüche  anno  1492),  und  auf  dem 
oberen  Deckel  innen  heißt  es :  Yste  Uhellns  ^  fratris  germani  de 
tribnl  (Triebel  in  der  Niederlausitz??).  Es  ist  aber  Abschrift  eines 
älteren  Kodex:  vgl.  die  Unterschrift  des  Tundalus  und  den  Nachtrag 
S.  203t>  unten,  der  ein  Abspringen  beweist.  Der  Dialekt  stimmt  zur 
Heimat  des  Kodex:  vgl.  außer  den  obigen  Auszügen:  i-<  e:  offstin  27, 
gestyn  127,  irsien  196;  u<Cö:  fridichen  1,  blus  27,  hlusser  141, 
brut  1S6;  o  <i  ou  :  glohigen  i8b,tirlop  \90,  koffen  189;  e  <  ei :  gest  l^% 
a<Cc:  gehalffen  203 ;  o  <] «  woste :  209 ;  «  <;  o  :  sulches  131,  widde  1 33, 
suhlen  137,  wtdlen  138,  hüllen  179;  dazu  off  =  auf  189,  antwart  192; 
lebin  83,  abir  138  u.  dgl.;  ader  =  aber  236,  seen  188,  kegen  81,  kegent 
140,  schepper  192,  klopten  240;  erlozest  83,  zo  139;  her  durchgängig. 

In  dieser  Handschrift  erblicke  ich  einen  sehr  gewichtigen  Zeugen 
für  die  Lokahsierung  Heinrichau.  Wir  glaubten  (S.  LXXXVI)  die 
Kenntnis  des  Tundalus  für  unsern  Dichter  erweisen  zu  können,  und 
hier  finden  wir  einen  Tundalus,  obendrein  vereinigt  mit  andern  Dich- 
tungen, die  des  Dichters  Phantasie  in  solche  Richtung  getrieben  und 
in  ihr  festgehalten  halien  mögen,  die  wahrscheinlich  auch  noch  andere 
Motive  hergeliehen  haben.  *W0  berichtet  V.  1276  ff.,  daß  die  Teufel 
der  alten  Heidin  Schwefel  und  Pech  in  den  Hals  gegossen  hätten; 
im  Tundalus  nichts  dergl.,  aber  im  Patricius  heißt  es  144*  do  tcare 
grosz  düpfel  mit  zerlassenS  nietal  dz  mnste  sy  trincken.  Im  Paradies, 
heißt  es  155t>,  muß  der  Ritter  auf  Geheiß  der  ihn  empfangenden 
Bischöfe  'über  sich'  in  die  Herrlichkeit  des  Himmels  sehen 
(vgl.  *W0  1291);  täglich  wird  man  dort  einmal  vom  Himmel  ge- 
speist. Auch  die  Ansätze  zur  Keuschheit  könnte  unser  Oswald 
**WOi  aus  dieser  Überlieferung  haben  oder  *W02  halte  sie  von 
dorther  verstärkt:  denn  in  Nr.  3  unsrer  Handschrift  muß  der  junge 
Bnesecke,  Wiener  Oswald.  VII 


XCVIII  Einleitung. 

Herzog  Mutter  und  Freunden  zu  heiraten  'verwilligen',  aber  er 
möchte  durchaus  keusch  bleiben,  und  so  bittet  er  denn  Gott  um 
einen  Schutzengel.  Der  führt  ihn  aus  der  Brautnacht  zu  rechter 
Zeit  ins  Paradies,  und  als  er  heimkommt,  sind  360  Jahre  verflossen. 
Durch  Benutzung  dieser  Überlieferung  verriete  sich  also  unser 
Dichter  als  Heinrichauer  Mönch.  Nach  seinem  Dialekte  stammte  er 
aus  dem  Glätzischen  oder  doch  vom  Gebirgsrande:  und  eben  dort- 
hin —  damit  schheisen  wir  den  Ring  —  hatte  sich  der  Heinrich- 
auer Besitz  ausgedehnt,  besonders  im  Eulengebirge.  Schon  1228 
waren  vom  Herzog  5U  Hufen  Wald  bei  Bauze,  zwischen  Franken- 
stein und  Silberberg  geschenkt;  dazu  kam  1239  der  Wald  Raudno: 
aus  beiden  wurde  ein  ältestes  deutsches  Dorf  gebildet.  Nach  dem 
Tatareneiiifall,  1244,  \\ird  das  Dorf  Schönwalde  gegründet  und  mit 
deutschen  Bauern  besetzt,  die  dem  Kloster  allein  zu  zinsen  halten. 
1252  wird  eine  nach  Peterwitz  zu  gelegene  Mühle  geschenkt.  Im 
14.  und  15.  Jahrhundert  kam  andres  hinzu,  und  das  Kloster  besaß 
ein  bis  an  die  Glatzer  Grafschaft  reichendes  zusammenhängendes 
Gebiet  bei  Silberberg  (Winter  II,  331  nach  dem  Liber  fundationis). 
Daß  unser  Gedicht  auf  besondern  Anlaß  entstanden  ist,  folgt 
aus  seiner  Struktur:  das  Kirchengelöbnis  fehlt  in  den  anderen 
Oswaldfassungen,  und  der  Realismus  seiner  Einführung  samt  Priester 
und  Pfründe,  der  aus  der  hergebrachten  und  kräftigen  Stilisierung 
ganz  herausfällt,  verstärkt  sich  noch  dadurch,  daß  es  logisch  zweck- 
los und  verräterisch  doppelt  angebracht  ist:  so  finden  wir  in  zahl- 
losen Urkunden  Gründungen  begabt,  es  fehlte  nur  noch,  daß  'die  aller- 
besten Dörfer,  die  ich  habe'  (1051a  f.)  auch  benannt  würden.  Hier  ist 
das  Vorbild  nicht  etwelche  Sage,  .sondern  die  Wirklichkeit  östhcher 
Kolonisation,  und  so  ist  auch  Oswald  in  diesem  Gedichte  nicht  von 
Engelhüif,  sondern  ein  deutscher  König,  und  es  bleibt  für  die 
mittelalterliche  Phantasie  otien,  daß  die  damals  von  ihm  gelobte 
Kirche  die  jetzt  ihm  gewidmete  sei.  D.  h.  es  gab  ein  solches  Gelöbnis 
und  es  wurde  dann  mit  dem  Gedichte  umkleidet. 

Das  Gelöbnis  seinerseits  ruht  natürlich  auf  der  Kenntnis  der 
Sage  und  Legende  des  Heiligen.  Ich  nehme  also  an,  daß  die 
Crummendorfer  Kirche  die  damals  gelobte  ist  —  auch  ihre  Lage 
außerhalb  des  Ortes  spricht  für  ein  Sondergelübde  — ,  daß  man  bei 
ihrer  Weihe  jene  Überlieferung  hervornahm  und  bearbeiten  ließ. 
Wer  der  Stifter  war,  wissen  wir  nicht:  daß  er  fürstlich  war,  folgt  aus 
dem  Gedichte,  daß  er  der  Landesherr  war,  liegt  nahe,  und  Avie  Bolko 
die  rede  von  Ludwigs  Kreuzzuge  niJU  rehte  geordenf  fand  und  sie  neu 
zu  bearbeiten  befahl,  mag  er  gleiches  bei  Oswald  geboten  oder  irgend 
angeregt  haben.  Vgl.  auch  S.  XCIV  über  die  neue  Vita  der  H.  Hedwig. 
Der  Bearbeiter  wurde  ein  Heinrichauer  Mönch,  vermutlich  vom 
Glatzer  Gebirge  gebürtig,  der  in  seiner  Erinnerung  das  alte  Gedicht 
*MW  trug. 


Einleitung.  XCIX 

VI.  *yL\y\  der  Archetypus  der  drei  erlialteueu  Oswaldfassungeii. 

A.  *M\V  liattcn  wir  (MO.  S.  .38.5)  vor  das  Jahr  IISS  und  unweit 
Aachen  angesetzt.  Aachen  und  Heinrichau,  vor  1188  und  nach 
1300,  der  äufserste  Westen,  der  äußerste  Osten,  1^0  Jahre  Zwischen- 
raum: wie  reimt  sich  das  zusammen  V 

Aber  wir  werden  ja  nicht  zufällig  zwischen  den  Dialekten  von 
Schlesien  und  Ripuarien  geschwankt  haben,  vielmehr  bedeutet  eine 
solche  Ähnlichkeit  eine  Heimatbestimmung  für  unsere  Kolonen. 
Lassen  wir  einmal  das  wenige  Nur-schlesische  (S.  LXXXVII  f.)  beiseile 
und  betrachten  unser  Denkmal  als  fränkisch,  so  ergibt  der  Sprachatlas 
für  die  Lokalisierung  folgendes:  he?-  gilt  etwa  nördlich  der  Linie 
Diedenhofen  — Wadern  —  Wittlich  —  Daun  —  Münstereifel  —  Bonn  — 
Blankenberg — Altenkirchen,  f/öf  =^  giiot  nördlich  Trier — Wittlich  — 
Trarbach  —  Oberlahnstein  (vgl.  Frings,  Studien  zur  Dialektgeographie 
des  Niederrheins  zwischen  Düsseldorf  und  Aachen,  Marburg  1910, 
§  142,  Wrede,  AfdA.  20.  106  ff.,  ±2.  112  ff.),  fflöhe  =  geloube  nördlich 
St.  Vith  — Daun  —  Mayen  —  Neuwied  —  Kaub  —  Idstein  (Frings  §  1.52. 
Wrede,  AfdA.  23.  212  und  220ff.,  24.  ll-^ff.).  Die  Grenzen,  aufeinander- 
gelegt, ergeben  die  Linie  St.  Vith  —  Daun  —  Münstereifel  —  Bonn  — 
Blankenberg —  Allenkirchen:  nördlich  davon,  also  in  Ripuarien,  wäre 
unser  Oswald  entstanden,  d.  h.  *VVO  läfst  die  Heimat  von  *MW  noch 
deutlich  erkennen.  Ich  weiß,  daß  in  dieser  Rechnung  kräftige  Fehler- 
quellen sprudeln,  daß  wir  auch  den  Sprachatlas  nicht  ohne  weiteres 
für  das  Mittelalter  gelten  lassen  dürfen,  aber  was  wir  von  der  mittel- 
alterUchen  Sprache  wissen,  stimmt  zu  solcher  Ansetzung,  ganz  ripu- 
arisch  wären  namentlich  kreftig :  mechtig  und  houwe :  nouwe  (vgl. 
routce :  nonwe  Serv.  II.  89'.i).  Und  ein  Zeugnis  der  Wanderung 
von  Ripuarien  nach  Schlesien  bleibt  dies  Zusammentreffen  doch, 
zumal  wegen  der  nichtschlesischen  Eigentümlichkeiten  (auch  der 
seltenen  Fremdworte:  gründe,  guter])  von  *VVO.  Es  gewinnt  auch 
sogleich  weitere  Stützen. 

B.  Denn  aus  Ripuarien  führt  ein  ganz  bestimmter  Weg  nach 
unserem  Kloster:  Altencampen  bei  Geldern —Walkenried  —  Pforta  — 
Leubus  —  Heinricbau:  es  ist  der  Weg  der  Zisterziensergründungen. 
Nicht  da&  die  wandernden  Gründer  Träger  des  Oswaldgediciites  ge- 
wesen wären :  von  Altencampen  zog  der  neue  Konvent  nach  Walken- 
ried schon  1127.  Pforta  ist  von  daher  (nach  einem  kurzen  Zwischen- 
aufenthalt in  Schmölln)  11.32  gegründet,  Leubus  von  Pforta  schon 
m  den  siebziger  Jahren.  Das  ist  für  unseren  Oswald  zu  früh.  Aber 
die  Verbindung  zwischen  den  Klöstern  ist  ja  auch  später  nicht  unter- 
brochen. Es  war  strengstes  Gebot,  daß  die  Äbte  alljährlich  zum 
Generalkapitel  in  Citeau.x  erschienen;  der  Abt,  der  ausbleibt  (nur 
wegen  Krankheit),  muß  doch  einen  Mönch  an  seiner  Statt  scliicken 
(Winter,   Die  Cistercienser  des  nordöstlichen  Deutschlands,  I,  Gotha 

VII* 


C  Einleitung. 

1868,  S.  173  f.).  Später,  als  durch  die  Konkurrenz  der  Dominikaner 
und  Franziskaner  wissenschaftliehe  Betätigung  näher  gelegt  war, 
kam  der  Austausch  studierender  Mönche  hinzu.  Das  Generalkapitel 
von  1245  heschlofä,  daß  in  jeder  Ordensprovinz  eine  Abtei  ein 
Studium  der  Theologie  haben  solle,  zu  dem  die  Abte  geeignete 
Mönche  zu  entsenden  hätten.  Dartiber  hinaus  errichtet  man  studia 
generalia:  das  bedeutendste,  das  Kolleg  von  St.  Bernhard  in  Paris, 
'das  eine  Art  Kloster  von  Cisterciensermönchen  aus  allen  Gegenden 
war  und  selbst  Novizen  aufnehmen  konnte'  (Winter  II,  143  f.). 
Solche  Studien  waren  ursprünglich  freiwillig,  später  übte  man  doch 
auch  einen  Zwang  aus;  besonders  drängt  man  auf  Besuch  der 
Universität  Paris,  und  Klöster,  die  sich  keinen  Lektor  halten  können, 
müssen  bei  Bestrafung  des  Abtes  Mönche  in  andre  Klöster  zum 
Studieren  schicken.  Die  Kosten  des  Unterhalts  müssen  an  den 
Cellerarius  der  Unterrichtsanstalt  überbracht  werden,  sind  sie  nach 
Monatsfrist  nicht  entrichtet,  so  werden  sie  verdoppelt  (Winter  III, 
45  ff.).  Dazu  die  alljährlichen,  streng  festgehaltenen  Visitationen 
durch  die  Mutterabteien  (Winter  II,  151  ff.).  Das  alles  gibt  ein  be- 
ständiges Ab-  und  Zugehen,  zumal  die  Klöster  für  alle  reisenden 
Ordensbrüder  die  gebotenen  Herbergen  sind. 

Für  die  Verbindung  von  Heinrichau  mit  seinem  ältesten  deutschen 
Mutterkloster  im  Klevisch-Geldrischen  Lande  haben  wir  ja  obendrein 
das  bestimmte  Zeugnis  des  Dialekts  und  der  Breslauer  Handschrift 
mit  ihren  Visionen  aus  'Medrich  Klever  Landes',  in  denen  die 
Kirchen  und  Orden  von  Köln  und  Aachen  so  wohl  bekannt  sind, 
von  den  irischen  Heiligen  zu  schweigen. 

Daß  wir  den  Ausgangspunkt  der  Wanderung  des  Oswald  Avii-k- 
lich  in  jener  Gegend  zu  suchen  haben,  versichert  mir  dann 
schließlich  noch  eine  halb  zufällige  numismatische  Beobachtung. 
Nach  Bentzmann,  Numismatisches  Legendenlexikon,  Berlin  1865, 
S.  181  kommt  St.  Oswald  als  Schutzpatron  vor  auf  Münzen  von 
Berg  i.  Zütphen,  Düren,  Zug.  Das  Zuger  Vorkommen  stimmt  zu 
Bergers  Beobachtungen  über  den  Schweizer  Strang  der  Oswald- 
überheferung  (PBB  11.  423  ff.),  interessiert  uns  hier  aber  weiter  nicht. 
(Beschreibung  bei  Madai,  Vollständiges  Thaler-Cabinet,  2,  Königsberg 
1766,  S.  705,  Nr.  4679  und  J.  Appel,  Münzen  und  Medaillen  der  Repu- 
bliken, Städte  usw.,  AVien  1829,  S.  903,  Nr.  3332:  Brustbild  mit 
Harnisch,  Krone  und  Heiligenschein,  in  der  rechten  Hand  Szepter, 
in  der  Linken  der  Rabe  mit  Ring  im  Schnabel.)  Von  den  Dürener 
Münzen  weiß  ich  nichts.  Die  Chroniken  der  Stadt  (Schoop,  Grundzüge 
der  Geschichte  Dürens,  Düren  1898,  Brüll,  Chronik  der  Stadt  Düren, 
'Düren  1901 — 08)  geben  nicht  den  mindesten  Anhalt  für  eine  Ver- 
bindung des  h.  Oswald  mit  dieser  Stadt.  Für  Berg  (bei  Emmerich, 
im  Niederländischen)  entnehme  ich  aus  van  der  Chijs,  De  munten 
der  voormalige  beeren  en  steden  van  Gelderland,  Haarlem  1853,  II, 


Einleitung.  CI 

Jll  IT.,  daß  die  erste  Oswaklmünze  aus  der  Zeit  Graf  Wilhelms  IV. 
mach  l.*)46)  entshimmt.  (Oder  seines  Vaters  Oswalds  II.,  der  1.546 
achtunddreißigjährig  starb?)  Der  Name  Oswald  tritt  in  dem  Ge- 
sehlechte  zuerst  144:i  auf;  es  wäre  allerdins^'s  möj^'lich,  daß  die 
Zählung:  als  Oswald  I.  sich  auf  die  Erhebung  in  den  Grafenstand 
bezieht,  die  diesem  Manne  zuteil  ward. 

yon  berge  stammt  aucii  der  hannes  puschmann,  auf  den  sich 
Arnold  Puschmann  als  Zeugen  beruft  für  jene  Visionen  (S.  i^SOt^).  Ist 
es  dieses  Berg? 

Aber  der  Oswald  muß  ja  nicht  von  Mönchen  nach  Osten  mit- 
genommen sein,  wenn  er  auch  jenen  Weg  gegangen  ist.  Denn  mochten 
auch  die  Zisterzienser  sich  zunächst  jeder  Oberherrlichkeit  über 
Lehens-  oder  Zinsmannen  enthalten  und  ihre  Arbeit  auf  eigene 
Rechnung  mit  Laienbrüdern  treiben  müssen,  so  konnte  ja  schon  unter 
diesen  Laienbrüdern  der  Träger  der  Oswaldüberlielerung  sein.  Aber 
überdies  ziehen  die  Mönche  viele  Landsleute  wie  von  selber  nach, 
sie  zeigen  den  Grundherren  die  Vorteile,  die  mit  'flämischen'  ^ 
Bauern  zu  erzielen  sind,  sie  üben  da  sogar  eine  Vermittlertätigkeit. 
(So  die  Walkenrieder:  Sebicht,  Die  Cistercienser  und  die  niederlän- 
dischen Kolonisten  in  der  Goldenen  Aue,  Zs.  des  Harzvereins  für  Ge- 
schichte und  Altertumskunde  "ii  (18SS),  38  und  .54.  Vgl.  R.  Schröder, 
Die  niederländischen  Kolonien  in  Norddeutschland  zur  Zeit  des 
Mittelalters,  Berhn  1880,  S.  17.)  Daher  in  der  Goldenen  Aue  (wahr- 
scheinlich schon  zwischen  1150  und  60:  Sebicht  S.  32)  und  um 
Erfurt,  im  Osterlande  und  in  der  Lausitz  neben  den  Besitzungen 
von  Walkenried,  Schulpforta^,  Dobrilugk  u.  a.  zahlreiche  nieder- 
ländische Kolonien  (Schröder  S.  19,  mit  Literaturangaben).  Und  nach 
Winter  I,  119  sind  es  gerade  Landleute  aus  der  Gegend  des  Muttei'- 
klosters  Altencampen,  die  die  Goldene  Aue  kolonisiert  haben.  Um 
das  Kloster  Doberan  sitzen  desgleichen  Kolonisten  aus  der  Nähe  von 
Altencampen.  Die  Zisterzienser  der  polnischen  Klöster  Lond  und 
Wongrowitz,  ebenso  einige  im  Krakauer  Sprengel  waren  von  Alten- 
berg bei  Köln  (1132  von  Morimund  gegründet)  gekommen  und 
rekrutierten  vielfach  von  dorther  ihre  Kolonisten.  (Auch  Blamschein, 
Über  die  Germanisierung  der  Länder  zwischen  Eibe  und  Oder,  Köln 
1894,  S.  15  hebt  die  Umgebung  von  Altencampen  und  Altenberg 
als  Quellgebiet  der  Kolonisierung  hervor.)     Chorin   war  das  Mutter- 


*  'Flämisch',  'niederländisch',  'holländisch'  werden  damals  gleich- 
gesetzt (vgl.  Anm.  2).  'Niederländisch'  hat  selbstverständlich  noch 
seine  natürliche  Bedeutung. 

^  Südlich  von  Pforta  sind  schon  zwischen  1125  und  1140,  vor 
Gründung  des  Kloster^;,  'Hollandini'  angesiedelt,  qul  et  Flamingi 
nuncupantur  (Vogel,  Ländliche  Ansiedlungen  der  Niederländer, 
Döbeln  1897,  S.  VIII,  Böhme,  Urkundenbuch  des  Klosters  Florta  I,  S.  5). 


CII  Einleitung. 

kloster  von  Paradies,  Paradies  stiftete  Priment.  die  Arbeiter  aber 
schickte  gewöhnlich  das  Mutterkloster.  'Ebenso  haben  die  Mönche 
in  Schlesien  gern  heimatliche  Genossen  zur  Ansiedlung  ihrer 
weiten  Grundstücke  herbeigeholt',  meist  Ackerleute  und  Handwerker, 
doch  auch  Ritter  (Beheim-Schwarzbach,  Die  Besiedelung  von  Ost- 
deutschland durch  die  zweite  germanische  Völkerwanderung,  Berlin 
1882,  S.  36.  38.  45.  Weitere  Zeugnisse  bei  Wendt,  Die  Germani- 
sierung der  Länder  östlich  der  Elbe,  IL,  Liegnitz  1889,  S.  67  ff.)  Das 
ist,  was  wir  brauchen. 

Aber  auch  die  Politik  des  Klosters  hielt  die  Kolonen  auf  dem 
Wege  seines  eignen  Vordringens:  Kloster  Pforta  kaufte  die  in  seiner 
Nähe  angesessenen  niederländischen  Bauern  zur  Abrundung  seines 
Besitzes  aus,  indem  es  ihnen  vorteilhaft  Ländereien  bei  seiner  neuen 
Gründung  Leubus  einräumte  (Name  Flämischdorf.  Vgl.  Schröder 
S.  28).  Damals  also  gab  es  auch  bei  Zisterziensern  zinspflichtige 
Bauern,  und  solche  zinsptlichtige  Bauern  fanden  wir  auch  in  dem 
Heinrichau  gehörigen  Schönwalde  —  hier  zuerst  und  auf  lange  einzig 
deutsche  Besiedlung  mit  deutschem  Sonderrechte  (W.  Schulte,  Silesiaca 
S.  62  und  73) !  —  also  in  der  Gegend,  die  uns  der  Dialekt  als  Heimat 
unseres  Dichters  angewiesen  hatte.  Und  wir  werden  an  diese  Kom- 
bination um  so  lieber  glauben,  als  das  eigentliche  Glatz  größtenteils 
aus  wettinischen  Landen,  jedenfalls  nicht  aus  Franken  kolonisiert 
ist  (v.  Zeschau,  'Die  Germanisierung  von  Glatz',  Glatzer  Vierteljahrs- 
schrilt  7.  1  ff.). 

C.  Einmal  ist  bei  dieser  Wanderung  die  schriftliche  Überlieferung 
abgerissen:    **WOi  ist  nach  dem  Gedächtnis  geschrieben. 

Wann  ist  sie  abgerissen?  In  der  Geschichte  von  Heinrichau 
wäre  nur  ein  Zeitpunkt  einigermaßen  plausibel:  der  Mongoleneinfall, 
der  dem  Kloster  Brand  und  Verwüstung  brachte.  Aber  es  ist  doch 
mehr  als  zweifelhaft,  ob  die  Mönche  damals  bereits  eine  deutsche 
schriftliche  Überlieferung  besaßen.  Noch  1199  ist  den  Zisterziensern 
Versemachen  bei  Strafe  der  Versetzung  verboten;  bis  1240  haben 
wir  nur  von  asketischer  Literatur  innerhalb  des  Ordens  Nachricht, 
und  gerade  aus  Altencampen  (und  dem  Jahre  1210)  hören  wir,  wie 
sich  an  einem  L  aienbruder  die  Beschäftigung  mit  den  Wissenschaften 
und  der  Verkehr  mit  weltlichen  Lehrern  strafte  (Winter  II,  145ff.). 
So  werden  wir  doch  bei  der  natürlichen  Annahme  bleiben,  daß  das 
Abbrechen  schriftlicher  Überlieferung  mit  der  Auswanderung  des  Ge- 
dichts zusammenfällt. 

Wann  wanderte  es  aus?  Wir  werden  zunächst  sagen:  vor  1188. 
denn  da  ist  nach  unserm  Ansatz  (MO.  S.  375)  die  Bearbeitung  *Mz  ent- 
standen, die  u.  a.  die  Geschichte  von  den  goldenen  Kreuzen  und  von 
dem  Einsiedel  hinzutat,  die  *W0  nicht  hat.  Das  scheint  freilich  ein 
Schluß  ex  silentio  und  um  so  mißlicher,  als  *W0  aus  schwankendem 
'Gedächtnis  verfaßt  ist.     Aber   wir  haben  doch   auch   gesehen,   daß 


Einlei[ung.  CHI 

unser  *\V0  an  Stelle  dieser  Einsiedelepisode  nicht  etwa  einfach 
niclits  hat,  sondern  andres  und  rrsi)rünglicheres.  Nun  könnte  es  ja 
natürlich  neben  der  (in  *M.S  erhaltenen)  interpolierten  eine  nicht 
inter]iolierte  Überlieferung  von  *MW  gegeben  haben.  Al)er  wir 
können  darum  doch  nicht  mit  der  Auswanderung  von  *M\V  be- 
liebig weit  im  13.  Jahrhundert  heruntergehen,  denn  erstens  zeigt 
unser  Gedicht  schon  einen  neuen  Dialekt  konstituiert,  es  muß  also 
doch  wohl  zwischen  Auswanderung  und  Aufzeichnung  schon 
mindestens  ein  Generationswechsel  stattgefunden  haben  und 
zweitens:  es  ist  noch  Siiielmannsepos:  es  hat  nicht  nur  keine 
der  späteren  Interpolationen  von  *MS  (wir  Avürden  *Mz  oder  eine 
spätere  Stufe  als  Archetypus  vermuten),  sondern  auch  keinen  ritter- 
lichen und  modernen  Zug,  die  Zeit  der  literarischen  Blüte  wäre 
sjjurlos  an  ihm  vorübergegangen :  statt  dessen  vielmehr  Kenntnis  des 
Morolf  und,  noch  bei  dem  späteren  Bearbeiter,  des  Orendel.  Ich 
glaube  doch,  daß  solches  fossile  Weiterleben  eher  den  Daseinsbe- 
dingungen versprengter  Ansiedler  als  der  breiten  geistigen  Entwick- 
lung der  westlichen  Kulturlande  entspricht,  wenn  sich  auch  der  Rhein 
an  der  weiteren  Entwicklung  des  Epos  kaum  noch  beteiligt  hat.  Unser 
Oswald  ist,  wie  wir  sahen,  in  einer  Mischung  von  Kunstsprache  und 
Dialekt  geschrieben.  Er  ist  zwar  nicht  das  älteste  schlesische  Literatur- 
denkmal, das  schon  durch  die  Sprache  als  schlesisch  kenntlich  wäre 
—  das  ist  der  Kreuziger  — ,  aber  das,  in  dem  die  Kunstsprache  zeit- 
lich am  weitesten  in  die  Dialekte  hineinragt,  und  in  jedem  Falle 
ein  merkwürdiges  Zeugnis  der  Übergangszeit,  der  in  Schlesien  so 
bald  der  zweite  Übergang  zum  Nhd.  folgen  sollte.  Aber  die  Sprach- 
kunst ist  hier  nicht  die  oberdeutsche,  die  über  Böhmen  gekommen 
ist,  die  des  Minnesingers  Herzog  Heinrich,  Dietrichs  v.  Glatz,  des 
Kreuzzugdichters,  der  sich  wolframisch  gebärdet,  sondern  es  ist, 
wenn  auch  natürlich  alteriert,  die  alte  fränkische  von  archaischer 
Verskunst  getragene  der  Denkmäler  vor  Veldeke,  des  Spielmanns- 
epos, die  Vertreterin  jener  älteren  Kolonisation  und  Kultur,  die  aus 
dem  Westen,  nicht  aus  Böhmen  herrührt  und  sich  so,  umgestaltet, 
aber  noch  kenntlich   in  das  neue  Jahrhundert  hinübergerettet  hat.^ 


'  Ich  meine  hiermit  natürlich  nicht  Epochen  der  Besiedlung, 
wie  Weinhold.  Foi-schungen  zur  deutschen  Volkskunde  II.  '■lOitf.  und 
21of!'.,  eine  niederdeutsche  des  12.  Jahrhunderts  und  eine  spätere 
md.  ansetzt:  für  das  zwölfte  Jahrhundert  läßt  sich  nach  Entlarvung 
des  gefälschten  Leubuser  Stiflungsbriefes  von  llT-ö  überhaupt  keine 
deutsche  Besiedlung  mit  deutschem  Recht  in  Schlesien  nachweisen, 
und  die  nd.  Einwanderung  braucht  nicht  vorauszuliegen  (W.  Schulte 
in  Silesiaca.  Breslau  ISiiS,  S.  hSi'.).  Zwei  andere  Ejjocben  der  Be- 
siedlung unterscheidet  AV.  Schulte,  Zs.  des  Vereins  f.  Geschichte  und 
Alterthum  Schlesiens  34,  Breslau  1900,  S.  289:  'Die  ersten  unter  Her- 


GIV  Einleitung. 

Jene  Unterwerfung  Bolkos  II.  aber  ist  symbolisch  für  das  neue  Über- 
gewicht Böhmens:  mit  dem  Namen  dieses  letzten  selbständigen 
Fürsten  verknüpfte  sich  die  letzte  Aufzeichnung  fränkischer  Kunst  in 
der  Form  des  fränkischen  Brautfahrtepos,  und  insofern  ist  der  Oswald 
seiner  Art  nach  doch  älter  als  Ludwigs  Kreuzzug,  der  horte,  selbst 
als  Heinrichs  Minnelieder:  es  ist  die  bekannte  Erscheinung,  daß  sich 
bei  kolonialen  Entwicklungen  die  heimische  Stufenfolge  chronologisch 
verschiebt. 

Die  Überlieferung  des  Münchener  Oswald  ergibt,  wenn  wir  jenes 
Datum  1188  aufgeben,  wohl  weiter  keinen  brauchbaren  Terminus 
für  die  Auswanderung  des  Gedichtes:  *MW  ist  nach  unsern  Ermitt- 
lungen eben  die  Handschrift,  die  den  Münchener  Oswald  mitsamt 
den  späteren  Interpolationen  nach  Bayern  trug  und  dort  Archetypus 
von  *MS  wurde;  und  das  ist  jetzt  aufs  neue  dadurch  bestätigt,  dafs 
Analyse  und  Vergleich  von  *W0  nicht  eine  Umstellung  im  Texte 
des  MO.  ergeben  haben:  kam  *MW  nach  Bayern,  so  ist  es  leicht 
möglich,  daß  eben  dadurch  die  schriftliche  Überlieferung  in  den 
Rheinlanden  abgeschnitten  wurde.  Der  letzte  fränkische  Interpolator 
aber  schrieb  nach  dem  Wolfdietrich  B  (MO.  S.  368),  also  wäre  die 
Handschrift  wohl  erst  zwischen  1^.50  und  1300  aus  Franken  nach 
Bayern  gebracht,   und   diese  Daten    sind   obendrein    recht   unsicher. 

Nach  allem  möchte  ich  die  Auswanderung  des  Gedichts  *MW 
in  den  Osten  und  den  Beginn  mündlicher  Überlieferung  nicht  unter 
die  erste  Hälfte  des  13.  Jahrhunderts  herabrücken. 

D.  Es  könnte  also  von  den  ersten  Mönchen  im  Jahre  1226, 
aber  auch  von  Kolonen  ihrer  Heimat  mitgebracht  sein,  z.  B.  denen  von 
Schönwalde,  1244.  Für  das  zweite  spricht  laut  der  nicht-heinrichauer 
Dialekt;  auch  daß  die  Kolonen  direkt  aus  Franken  gekommen  sein 
können,  während  der  erste  Konvent  aus  Leubus  verschrieben  wurde 
—  die  Namen  der  Mönche  sind  erhalten,  sagen  uns  aber  nichts^  — ; 
ferner,  daß  das  Gedicht  nach  Stoff  und  Aufliau  nicht-geistlich  wai-; 
schließlich,  daß  auch  sonst  außerhalb  Heinrichauer  Gebiets,  eben  in 
Ca'ummendorf  oder  bei  dem  Stifter  der  Kirche,  eine  Kenntnis  Os- 
walds anzunehmen  ist. 

Zwei  bis  drei  Menschenalter  mihidlicher  Überlieferung  blieben 
aber  doch  bestehen,  und  wir  hätten  hier  die  meines  Wissens  einzige 


zog  Heinrich  I.  unternommenen  Besiedlungs versuche  berührten  nur 
einzelne  Striche  des  Landes  und  blieben  von  den  schon  bebauten 
und  bevölkerten  Gegenden  fern.  Sie  wurden  durch  den  Mongolen- 
einfall jäh  unterbrochen.  Mit  dem  Frieden  aber,  der  dem  verheeren- 
den Sturme  folgte,  begann  die  Periode  der  systematischen,  in  groß- 
artigem Umfange  betriebenen  Ansiedlung  in  allen  Teilen  Schlesiens.' 
^  Liber  fund.  S.  69 :  Abt  Henricus,  Mönche  Bodo,  Petrus,  Arnol- 
dus,  Burchardus,  Adelmannus,  Bertoldus,  Judeus,  Witigo,  Henricus. 


Einleitung.  CV 

Gelegenheit,  das  fixierte  Schlufsiesultat  solcher  mündlichen  Üi)er- 
lieferung  mit  dem  fixierten  Ausgangspunkte  zu  vergleichen.  Was 
wir  da  finden,  ermutigt  nicht,  ilir  romantischen  Gedenkens  für  jene 
Zeit  eine  wesentlich  andere  Bedeutung  als  heute  zuzuschreiben  oder 
sie  als  bestimmend  auch  nur  innerhalb  der  uns  erhaltenen  spiel- 
männischen  Literatur  anzusehen:  sie  bewahrt  nur  iMe  Plauptzüge 
der  Handlung  und  wenige  festgeprägte  Verse  und  Wendungen.  Auch 
die  Spielmannsepen  hatten  vielmehr  schrifthclie  Tradition.  Das 
mußten  wir  schon  vermuten  aus  der  Gegensätzlichkeit  in  der  Über- 
lieferung der  beiden  Elemente  spielmännischer  Dichtung,  die  ich 
hervorgehoben  habe  und  die  nun  erläutert  und  bestätigt  wird:  der 
ernsthaften  Fabel  und  der  burlesken  Intermezzi.  Diese  können  wir 
kaum  einmal  in  den  Archetypus  zurückverfolgen  —  ohne  daß  sie 
darum  jünger  sein  müßten  — ,  sie  haben  keinen  festen  Platz,  sie  sind 
das  variable  Element  mündlicher  Überlieferung,  deren  schrifthcher 
Niederschlag  ein  Zufallsbild  gibt  und  zufällig  bleibt,  während  die 
Ü})erlieferung  der  eigentlichen  Fabel  längst  schriftlich  geworden  ist 
und  die  Spuren  mnemotechnischen  Weitergebens  nur  noch  in  der 
ängstlich  festgehaltenen  Gleichheit  des  Auf  haus  zeigt  (MO.  S.  266  ff.). 
Ich  nehme  also  an,  daß  die  Osvvalddichtung  rMW)  von  'fläniin- 
gischen'  Zisterzienser-Kolonen  vor  12.^0  als  mündliche  Erzählung  mit 
nach  Osten  getragen  wurde  und  daß  nach  Generationen  einer  ihrer 
Nachkommen,  Mönch  zu  Heinricliau  geworden,  das  Erzählte  nach 
der  Erinnerung  in  neuen  Versen  niederschrieb. 

YII.    0,  (las  Ori^inalgedicht  von  König  Oswald;  Schluß. 

Daß  aber  mit  *MW  noch  nicht  die  Origiualdichtung  erreicht  ist, 
habe  ich  MO.  S.  308.  376  f.  dargelegt :  der  Dichter,  der  die  Hirschlist 
anlegte,  kann  sie  nicht  auch  selbst  durch  Schließen  des  Burgtores 
zunichte  gemacht  haben;  der  Dichter,  der  den  Kampf  zwischen  Os- 
wald und  Aron  herbeiführte,  hat  ihn  nicht  zugleich  durch  ein  Ge- 
lübde hintertrieben.  Das  ergibt  eine  einfache  Überlegung,  und  es 
bestätigt  sich  durch  den  handschriftlichen  Befund:  noch  jetzt  zer- 
bricht das  Schließen  des  Tores  den  grammatischen  Zusammenhang 
in  unseren  Handschriften,  d.  h.  auch  die  Originaldichtung  0  ist  in 
*MS  überliefert,  das  Stemma  ist  jetzt: 
0  (ca.  1170— 80) 

*MW 


*Mz  (vor  1188) 

*MS    *zn  *W0  (ca.  1310). 


CVI  Einleitung. 

Wie  ich  mir  dann  wieder  0  aus  spielmännischer  Brautfahrtsage 
und  kirchlicher  Legende  erwachsen  denke,  darf  ich  nach  den 
ausführlichen  Darlegungen  des  MO.  hier  nicht  wiederholen.  Nur 
meine  Zusammenfassung  (S.  381)  sei  für  die  Leser  dieses  Buches 
neu  abgedruckt: 

Beda  erzählt,  daß  der  northumbrische  König  Oswald  die  Heiden 
bekämpfte  und  die  Tochter  eines  heidnischen,  später  getauften 
Königs  heiratete;  bei  dem  Legendenschreiber  Reginald  (1165)  ein 
wunderbarer  Rabe;  Karls  spanische  Kriege;  dazu  der  sprechende 
Vogel  der  Kreuzfahrt  Karls  und  der  berühmte  Heideukönig  Harun 
in  der  vita  Caroli  Magni:  das  sind  im  gröbsten  die  Elemente,  die, 
ganz  losgelöst  von  der  Legende,  im  Gedanken  an  Karl  und  nach 
dem  Vorbilde  der  Ortnitdichtung  spielmännisch  zu  einer  Handlung 
von  typischem  Inhalt  und  Aufbau  vereinigt  wurden,  indem  ein 
sprechender  Rabe,  wie  einer  der  heidnischen  Vögel,  die  dämonische 
Werber-  und  Helferrolle  Alberichs  übernahm.  Zu  der  Kombination 
dieser  gegebenen  Motive  kommt  dann  die  Erfindung  oder  doch  An- 
bringung von  Spanges  Listen. 

Als  Heimat  und  Abfassungszeit  gab  ich  den  Bannkreis  von 
Aachen  und  die  siebziger  Jahre  des  12.  Jahrhunderts  an. 

Dieses  Gedicht  0  wurde  bis  1188  in  eben  jener  Gegend  christ- 
lich umgearbeitet  zu  *MW,  in  dem  namentlich  die  alten  Listen  durch 
Gebetswunder  ersetzt  sind ;  was  *MW  sonst  an  Plus  oder  Minus  gegen 
O  hat,  ist  aus  der  Überlieferung  natürlich  meist  nicht  zu  erkennen. 

Dies  neue  Gedicht  wurde  vor  rund  1250,  wahrscheinlich  von 
Heinrichauer  Kolonen  wiederum  derselben  Gegend,  gedächtnismäßig 
ins  schlesische  Gebirge  (Glatz)  getragen. 

Zu  Anfang  des  14.  Jahrhunderts  zeichnete  es  einer  von  ihren 
Nachkommen  als  Heinrichauer  Mönch  aus  der  Erinnerung  auf,  in 
archaischer  Technik,  wenn  auch  mit  Aufgabe  der  alten  Strophenform, 
halb  schon  im  neuen  Dialekte,  dabei  spielmännische  Reminiszenzen 
einflechtend  und  mit  Kenntnissen  aus  der  Bibliothek  des  Klosters, 
vielleicht  bei  Gelegenheit  der  Oswaldkirch-Weihe  in  Crummendorf 
und  vielleicht  auf  Anregung,  direkte  oder  indirekte,  Herzog  Bolkos  IL 
von  Münsterberg:    **WOi. 

**WOi  wurde  nach  1348  in  eine  Sammlung  deutscher  Gedichte, 
*W0,  aufgenommen;  Dialekt  des  Schreibers  S.  LXlXf.  begrenzt,  zu 
Heinrichau  stimmend,  nicht  glätzisch. 

Noch  im  selben  Jahrhundert  zog  es  ein  anderer  Mönch  durch 
beigeschriebene  Zusätze  (*W02)  möglichst  ins  Christliche  und  Keusche, 
brachte  aber  auch  neues  Spielmännische,  besonders  aus  Orendel  an; 
auch  hier  die  Technik  noch  altertümlich  (echte  Alliterationsverse!), 
der  schlesische  Dialekt  schon  weiter  durchgedrungen. 

Aus  der  Sammlung  *W0  wurde  bis  1450  (?)  eine  Auswahl 
geistlicher  Stücke  abgeschrieben,  die  auch  unseren  Oswald,  allerdings 


Einleitung.  CVII 

unvollsländijr,  aber  mit  Einbeziehung  von  *W02,  enthüll:  0,  nach 
dem  Dialekte  etwa  in  Iglau  oder  Ülmülz  anzusetzen.  Und  dafi  aus 
Schlesien  Wege  ins  Olmützer  Metropolilaiikapitel  führen,  zeigt  sein 
Handschriflenkatalog,  der  unter  Nr.  403  verzeichnet:  Jus  Ma(jde- 
burgense  f/ernian.  fransniiititin  per  Henriciitn  ducem  Wratislariae 
fol.  pg.  saec.  14. 

Eine  andere  vollständigere  Abschritt  der  Sammlung  und  unseres 
Oswald  nahm  im  Jahre  1472  ein  Mann  des  *WO-Dialektes  von  Hein- 
richau:  W,  Johannes  —  nescio  quis. 


-Ä-- 


CVIII 


Torbemerkiuigen  zum  Texte. 

Ich  hoffe,  das  Vorausgehende  wird  meine  TexthersleUung 
einigermaßen  rechtfertigen. 

Eine  Wiedergabe  der  Orthographie  von  W  —  denn  0  kommt  bei 
seiner  Dialektmischung  und  seinem  ganzen  Charakter  W  gegenüber 
nicht  in  Frage  —  eine  solche  Wiedergabe  ist  unnötig,  weil  der  Alp- 
druck der  Handsclirift  vorliegt;  auch  spricht  das  Fehlen  ortho- 
graphischer Differenzierung  von  *W^Oi  und  *W02  dafür,  daß  W 
seine  eigne  Schreibung  (von  1472!)  durchsetzte.  Die  Herstellung 
der  Formen  des  Archetypus  aus  den  Cbereinslimmungen  von  W 
und  0  ist  zwar  mühsam,  aber  nur  für  ^WOj  erstrebenswert,  da 
der  Archetypus  unsrer  Handschriften  zugleich  das  Original  für  *W02 
ist  (S.  XVIII  Anm.);  in  *W0,  würde  sie,  nach  den  Reimen,  viel- 
fach das  Original  verfälschen  (die  Diphthongierung!)  und  seine 
charakteristische  sprachliche  Zwischenstellung  (s.  S.  XCIIf.,  CHI) 
verwischen:  denn  der  Archetypus  gehört  schon  der  Zeit  des  reinen 
Dialektes  an  (s.  S.  LXX). 

Es  mußte  also  ein  künstlicher  Text  gewagt  werden,  ein 
Kompromiß  zwischen  Mhd.  und  Schlesisch,  der  überall  willkürlich 
ist,  wo  er  sich  nicht  auf  Reime  stützt.  Und  selbst  da  ist  der 
Schluß  auf  das  Versinnere  ebenso  mißlich,  wie  kaum  umgänglich: 
aus  gän  stän  im  Reime  folgt  nicht,  daß  das  schlesische  gen  sten 
im  Innern  ausgeschlossen  v.'ar,  aber  eine  Grenze  ist  da  und  in  allen 
gleichen  Fällen  nicht  zu  finden.  Und  dazu  kommt,  daß  aus  *MW 
auch  manche  sprachliche  R^eminiszenz  mit  entlehnten  Versen  und 
Wendungen  hereingeflossen  sein  mag. 

Ich  gehe  bei  diesem  Kompromisse  von  W  aus,  behalte  seine 
unschlesischen  und  seine  alten  Formen  (z.  B.  Deme  1)  und 
verallgemeinere  sie,  namentlich  die  von  den  Reimen  gegebenen, 
übernehme  aber  auch  vieles  Orthographische  und  anderes  (sinem 
und  sinie,  Dat.  uch,  die  Kurzform  des  Pron.  iz,  heulen,  wolde  Ind., 
weide  Konj.,  hate,  hete  etc.),  das  —  nach  unserm  Geschmacke  — 
nun  einmal  geregelt  sein  soll  oder  muß. 

Aber  ein  nicht-schematisches  Textbild  läßt  sich  ja  über- 
haupt nicht  liefern:  das  natürliche  Verschiedenschreiben  eines  und 
desselben  Wortes  (off-iiff,  Osicalt-Oswaklf).  die  Willkür  im  Wechsel 


Vorbemerkungen  zum  Texte.  CIX 

von  *  und  e  der  Nebensilben,  von  ei  und  e>/  und  dgl.  wäre  nur 
durch  \Villkür  nachabmbar.  Wenn  wir  ferner  c  und  k,  f  und  v 
(nach  W,  mit  nur  leiser  Regelung),  u  und  v  scheiden,  die  Majuskeln 
den  Eigennamen  vorbehalten,  1/  (trotzdem  dt  si  i  das  an  Hand- 
schriften und  Handschriftenabdrucke  gewöhnte  Auge  zuerst  be- 
leidigen), auch  cz,  dt  und  dgl.  beseitigen,  die  Auslautverhärtung 
(außer  in  -ig)  durchführen,  die  Komposita  nach  ihrer  Art  getrennt 
oder  nicht  getrennt  schreiben,  so  ist  das  nur  graphisch.  Aber  auch 
etymologische  Schulmeisterung  erlauben  wir  uns  z.  B.  im  Trennen 
von  s  und  z  (das  schlesischer  Genitiv-Akkusativ,  daz  =  mhd.  daz), 
ei  <C  egi,  ai  <  agi,  ft  <  tet  und  in  einem  geregelten  Nebeneinander 
von  unde,  alse  und  anderen  Vollformen  vor  Vokalen,  und,  als  etc. 
vor  Konsonanten  («/so  ist  immer  beibehalten,  aber  ev.  zu  elidieren); 
apokopierte  und  Kurzformen  sind  aus  dem  Reim  ins  Innere  über- 
tragen nur,  wo  es  viersilbige  Takte  zu  vermeiden  galt.  Im  Reime 
bin  ich  von  der  Orthographie  des  Versinnern  möglichst  nicht  ab- 
gewichen: es  hätte  sich  sonst  eine  sehr  häßliche  Zwiespilltigkeit  er- 
geben oder  aber  die  Nötigung,  auch  das  Versinnere  phonetisch  um- 
zuschreiben, und  das  hätte  gerade  das  eigentümlich  Künstliche  der 
schlesischen  Dichtung  verwischt:  noch  Opitz  braucht  die  alten 
Zeichen  mit  der  neuen  mundartlichen  Bedeutung,  und  wir  sind  ja 
vom  Enghschen  und  sonsther  gewöhnt,  aus  der  unmöglichsten 
Orthographie  den  Gleicbklang  der  Reime  herauszulesen.  Und  so 
ist  überall,  stillschweigend,  geregelt.  Einzelnes,  noch  nicht  Er- 
wähntes in  den  Anmerkungen;  Kontrolle  ermöglicht  überall  Pfeiffers 
Abdruck.  Natürlich  bleibt  vieles  unsicher:  wir  müssen  W  und  0 
aus  sich  bewerten,  keine  dritte  Handschrift  bestimmt  und  rechtfertigt 
unsere  Wahl. 

Als  Interpunktion  hätte  ich  am  liebsten  nur  das  alte  Enjambe- 
mentszeichen genommen:  die  nhd.  zerstört  in  der  mhd.  Syntax  gar 
zu  viele  feine  Zusammenhänge,  die  dann  auch  das  AUerwelts-Kolon 
nicht  flicken  kann,  und  die  mhd.  Interpunktionslosigkeit  und  Syntax 
bricht  in  den  vielen  Apokoinu-Konstruklionen  doch  immer  wieder 
durch.    Ich  habe  mich  dann  auf  die  gi'öbste  Gliederung  beschränkt. 

Der  Verlockung,  *WOi  und  *W02  orthographisch  tüchtig  zu 
unterscheiden,  habe  ich  fleißig  widerstanden,  nur  die  sprachlichen 
Ergebnisse  aus  den  Reimen  sind  auf  das  Versinnere  angewandt 
(geren,  gun  usw.  *W0,,  gerne,  gen  usw.  *W02).  Der  Text  spiegelt 
also  eine  Gleichheit  zwischen  Original  und  Interpolationen  vor,  die 
sicherlich  nicht  vorhanden  war. 

Dagegen  sind  .sie  durch  die  Mittel  der  Druckerkunst,  durch 
Klammem  und  Größe  der  Verszahlen  geschieden,  und  so  gebe  ich 
zwar  eine  (mangelhafte)  sprachliche  Rekonstruktion  des  Originals, 
aber  eine  schematisch-bildliche  des  Archetypus  der  Handsclu'iften, 
denn  ich  möchte   dieses  vernachlässigte  und  doch  Text-  und  Über- 


ex  Vorbemerkungen  zum  Texte. 

lieferungsverhältnisse  oft  so  rasch  erklärende  Hilfsmittel  nicht  wieder 
(wie  beim  Münchener  Oswald)  mir  und  andern  vorenthalten.  Zwar 
stimmt  nun  die  Reihenfolge  der  Verszahlen  nicht  immer  —  ich  habe 
zu  anderweitiger  Bequemlichkeit,  zur  Kontrolle  und  zur  Kennzeich- 
nung meiner  Abweichungen  von  W  die  Pfeifferschen  Zahlen  bei- 
behalten ^  —  aber  das  Lesen  von  oben  nach  unten,  von  links  nach 
rechts  gibt  schon  den  richtigen  Zusammenhang.  Neben  die  echten 
sind  diejenigen  unechten  Verse  gestellt,  die  sie  sprachlich  oder  ge- 
danklich aufnehmen,  die  parallel  sind  oder  nach  dem  Handschriften- 
befund solche  Anordnung  vermuten  lassen.  Die  übrigen  sind  in 
die  Kolumnen  der  echten  eingereiht.  Ich  brauchte  also  eigentlich 
dreispaltigen  Druck:  Das  Echte  in  der  Mitte,  die  Zusätze  rechts  und 
links,  auch  oben  und  unten.  Die  Technik  fordert  da  einige  Ein- 
schränkungen und  Inkonsequenzen,  aber  es  handelt  sich  ja  auch 
nur  um  ein  schematisches  Bild,  und  die  Einleitung  gibt  die  nötigen 
Erklärungen. 

Der  kritische  Apparat  läßt  nur  die  rein  orthographischen  Les- 
arten aus  (vgl.  die  Anm.).  Seine  Zeichensprache  ist  wohl  unzwei- 
deutig. Majuskel  (außer  in  Eigennamen)  bezeichnet  das  Anfangs-, 
nachgesetztes  Kolon  (wo  es  nötig  oder  deutlicher  scheint)  das  Schluß- 
wort eines  Verses!    Kursive  Zahlen  beziehen  sich  auf  den  Text. 

Die  Anmerkungen  sollen  Erklärungen,  nicht  Parallelen  geben. 
Keinesfalls  wollte  ich  den  spielmännischen  Formelschatz  nochmals 
ausbreiten:  man  findet  ihn,  abgesehen  von  den  Ausgaben  des 
Orendel  und  Morolf  auch  in  meinem  MO.  und  ebenda  die  Anklänge 
an  unser  Gedicht.  Hier  versuche  ich  vielmehr  die  schlesische  Seite 
von  *W0  durch  die  schlesischen  Verwandten  hie  und  da  zu  be- 
leuchten, zu  denen  ich  (wegen  der  Entlehnungen  daraus)  noch  den 
Brandan  stelle.  Dazu  kommen  Rechtfertigungen  des  Textes  und 
hauptsächlich  die  Hinweise  auf  die  Einleitung,  die  zugleich  als 
Register  dienen  und  das  Verstreute  erst  zu  einem  Kommentar 
erheben  können. 


^  Ich  mußte  im  Apparat  trotzdem  die  Umstellungen  in  W  be- 
zeichnen, um  damit  zugleich  über  0  (und  WO)  Auskunft  zu  geben. 


Text. 


Bildnis  des  heiligen  Oswald  in  der  Kirche  zu  Crummendorl 


Deme  nach  fremden  meren 

stat  alle  sin  begere, 

der  höre  zu  gar  eben 

von  sinte  Oswalden  leben, 
5     daz  alhi  geschriben  stat, 

und  waz  her  begangen  hat. 

dem  kinde  lobesam 

der  tot  im  bezite  nam 

beide  vater  unde  rauter, 
10     do  begunde  her  vil  guter 

werc  williglich  began. 

sin  vater  bäte  im  gelan 

richtum  und  gutes  ane  maz, 

sint  daz  her  ein  beide  was, 
15     her  liz  im  bürge  und  lant  zu  eigen, 

des  musten  im  bezeigen 

dinst  und  vil  eren 

alle  di  grozen  herren, 

di  bi  den  selben  jaren 
20     under  im  gesezzen  waren: 

nun  kunige  riebe 

dinten  im  alle  geliche, 

1.  frewden  mere  W.  2.  Sten  O.  alle  fehlt  O.  begern  O 
{vgl.  8).  3]  Der  sal  mercliken  eben  O,  5.  alhi  BaiiscJi]  allw  W  an  w 
korrigiei-t,  hy  O.  6.  petriben  O.  7.  kinde]  bayden  O.  8.  yn  O.  bezite] 
begeren  O  (vcß.  2).  9.  beide  fehlt  O  (rrjl.  7).  10.  her]  der  WO.  guter 
V.  Kraus]  gute  WO.  11 .  w.  w.]  Werchk  williklichn  O  Vil  willich  her  W. 
13.  und  g.]  gutt  O.  14.  daz  fehlt  O.  beide]  kayser  O.  15.  burge- 
zu]  pleybn  O.  16  fehlt  O.  des]  Das  W.  musten]  muste  man  W. 
17.  Cw  dinsten  vill  vnd  czw  O.  19.  selbigen  O.  20.  waren] 
worden  O.     22]  Seyn  ym  willikleich  O. 

Baesecke,  Wiener  Oswald.  1 


2  Oswald  und  Tragemund. 

drizen  bischofe 

gehörten  zu  sinem  hofe, 
25  virzig  graven  binamen 

alle  zu  sinem  dinste  quamen, 

von  den  wart  her  gesundert 

ritter  sibenzen  hundert 

unde  drizig  tusent  man, 
30  di  im  zu  geböte  musten  stan. 

do  der  milde  sinte  Oswalt 

gewuchs  unde  wart  so  alt, 

daz  im  kunige  gefuge 

sin  swert  na  trugew, 
35  do  riten  im  alle  sine  man, 

her  solde  daz  mit  nichte  lan, 

her  enneme  endelich 

eine  frouwen  lobelich, 

di  im  wol  gezeme 
40  unde  ir  geburt  im  eben 

queme.  [40>des  wolde  unser  herre  nicht, 

also  Oswalt  an  di   zinne    '  zu  dem  her  hate  stete  pflicht, 
quam, 

do  sach  her  komen  einen    '  daz  her  quam  darzu  nicht.] 
man: 

zu  sinem  hofe  her  do  ginc.  [43»  und  zu  sinen  herren  ginc 

Oswalt  in  wirdiglich  em-    ''  in  alle  dem  gebere, 

pfinc,  '  ob   her   des   kunigs  bruder 

were. 
45  her     sprach      'vil     liber    "  sinte  Oswalt  an  der  zinne 
bruder  min  '  wart  des  bruders  inne.] 

wi  ist  der  name  din?' 

26.alle]YmO.  s.  d.]  hoffe  O.  27.  dem  was  O.  her  fehlt  O.  28.  funffczen 
O.  30.  di  fehlt  O.  musien  fehlt  O.  31.do]BysO.  32.GewuchTr.  34. 
nochtrug  TFnoch  ym  trug  O.  36.  daz]  es  O.  37.  enneme]  ym  neme  O 
sulde  nemen  W.  enleich  O.  39.  beqweme:  W.  40.  ir]  yman  O.  czeme: 
W.  40a-c  fehlen  W.  41/42  fehlen  O.  43.  sinem  h.]  ym  O.  her  do] 
palde  O.  43a-e  folgen  in  O  auf  40  c,  fehlen  W.  43b.  allem  O.  43 de. 
czynnen :  ynnen  O.  44]  Mitt  der  hant  her  yn  vmftng  O.  45.  vil  fehlt  W. 


Oswald  und  Tragemund.  3 

her  sprach  "^ich  heize  Tragemunt, 

alle  lant  sint  mir  wol  kunt, 

zwu  und  sibenzig  zungen.' 
50     das  wunderte  den  jungen 

gar  sere,  daz  her  in  fragete 

und  bat,  daz  her  im  sagete, 

ob  her  irne  hete  irkorn 

eine  juncfromven  so  ho  geborn, 
55     di  im  zu  nemen  tochte, 

da  her  mit  bliben  mochte 

kusche  biz  an  sin  ende 

ane  alle  missewende. 

'nein'  sprach  der  bruder,  'zwar 

60  di  werlet  ist  so  wüste  gar 
60"  und  gar  wanrZel&ere, 

'^  daz  man  nicht  gibt  uf  di  ere.' 

61  sinte  Oswalt  alzuhant 

nam  den  bruder  bi  siner  haut 

und  fürte  in  vil  drate 

in  eine  kemenate. 
65     [uf  sinen  stul  her  in  satzte, 

uf  di  banc  her  selber  platzte. 

di  herren  wurden  des  gewar, 

si  sprachen  alle  offenbar 

'herre  ir  tut  nicht  recht, 
70     daz  ir  nider  fallet  also  di  knecht 

uf  di  harten  benke, 

ir  sult  uch  baz  bedenken, 

47.  tragmit  O.  48.  wol  fehlt  O.  49.  zwu]  Dor  czw  O  Czwe  If. 
sibenzig]  czwanczig  O.  50.  vordres  O.  öl.  sere,  daz]  fast  O.  yn 
do  O.  52.  bat  fMt  O.  ym  do  O.  53.  ynder  O.  54.  wol  geton  W. 
55.  im]  mir  O.  56.  da  her]  Vnd  dy  O.  mit]  mit  ir  W  mit  mir  O. 
57.  kusche  fehlt  O.  sin]  yr  O.  58.  ane]  Vnd  W.  60.  wüste]  faste 
O.  60ab  fehlen  W.  wankel  nere  O.  61.  al  fehlt  O.  62.  der  O. 
64.  seyn  O.  66.  her  fehlt  O.  selber  platzte]  sich  solbir  satczte  W. 
67.  worn  ir.  70.  als  eyn  O.  71.  herle  banchk  O.  72.  Ja  ir  O. 
baz  fehlt  O. 


4  Tragemunds  Bat. 

daz  da  sten  zu  uwer  hant 

stete,  bürge  unde  eigen  lant, 
75     und  tut  uwerm  libe  nicht  so  we 

und  sitzt  uf  di  benke  nicht  me.' 

her  sprach  'durch  got  habe  ichz  getan, 

daz  diser  gar  mnder  man 

geruhe  darufe  deste  baz, 
so     wi  wol  gan  ich  im  das!'] 

her  sprach  'sage  mir  über  bruder  min, 

also  lip  als  got  dir  mac  gesin, 

kennst  du  in  dinen  sinnen 

irne  eine  kuniginne, 
85     di  mir  zum  wibe  tochte 

und  [kusche]  mit  mir  leben  mochte?' 

do  sprach  der  bruder  here 
88     '^ferre  über  daz  wilde  mere 

91  da  wont  ein  kunig  freissam, 

92  der    hat   eine    tochter      oo   [mit  der  du  kusche  macht 

lobesam,  leben,] 

93  di  hat  tugende  und  schone  ane  zil, 
höre  waz  ich  dir  sagen  wil: 

95     juncfrou  Sj^ange  ist  si  genant, 

ir  vater  ist  ein  beide  wite  bekant, 
wer  si  friet,  daz  sage  ich  ane  zorn, 
sin  leben  hat  her  zuhant  vorlorn, 
si  ist  so  gar  behende, 
100    si  blibet  kusche  biz  an  ir  ende'. 

73.  stet  O.  74.  eigen]  dy  O.  75.  tut  fehlt  O.  76]  Siezet  nyder 
uff  dy  panchk  als  ee  O.  77.  her  sprach  fehlt  W.  ichz]  ich  W.  78.  daz- 
muder]  Des  der  fromde  O.  79.  Gerwte  O.  darufe  felilt  O.  SO.  wi] 
Vil  W.  81.  sage  mir  fehlt  Jt  .  8^2.  Sage  W.  also]  So  O.  dir  got  W. 
83]  Mogistu  yndert  vorsynnen  O.  84.  irne  fehlt  O.  85.  czw  eyner 
frawen  O.  86.  leben]  bleibin  W.  87.  her]  hyr  W.  88.  daz  w.]  dem  O 
90  folgt  mit  108  als  erstem  Reimpaarverse  auf  88;  90  fehlt  O  ganz, 
108  fehlt  O  in  dieser  Verhindung.  91.  da  fehlt  O.  93.  Sy  W. 
schöner  tugent  vill  O.  94]  Vorwor  ich  das  sprechin  wil  W.  95. 
Vorbang  O.  96.  ist  fehlt  O.  den  beiden  W.  97.  sage  ich]  loss  O. 
98.  Das  haupp  O.    zuhant  fehlt  O.    99.  so  fehlt  O.    100.  biz  fehlt  O. 


Trageuiuiuls  Rat.  5 

sinte  Oswalt  an  diT  stunt 

sprach  S'il  liber  Trageniunt 

rat  mir,  wi  ich  si  gewinne 

di  selbige  [kusche]  kuniginne.' 
105     her  sprach  'alse  ich  habe  gesait, 

wer  si  friet  di  schonen  malt, 

der  hat  vorlorn  sin  leben, 

doch  wil  ich  dir  einen  rat  geben, 

der  noich  dunket  gewer: 
110     du  hast  wol  acht  jar  her 

einen  raben  gezogen  sunder  wan, 

daz  her  vil  wol  sprechen  kan: 

den  laz  balde  bringen  her 

unde  volge  miner  1er: 
115     vorgulde  im  sin  gefidere, 

iz  bringet  dir  fromen  widere, 

vorsilbere  im  di  clawen  sin, 

den  snabel  mache  im  guldin^ 

mache  im  uf  daz  houbet  schone 
120     eine  guldine  crone 

und  laz  in  in  daz  beiden  lant 

fligen,  dar  wirt  im  bekant  .  .   , 

[der  sei  frien  dir 

di  edelen  mait,  daz  geloube  mir'.] 
125     her  sprach  'vil  liber  bruder  min 

got  lone  dir  des  rates  din.' 

sinte  Oswalt  hiz  hin  springen, 

101.  stunden  O.  102.  tragunde  O.  103.  mir  fehlt  O.  104.  kusche 
fehlt  O.  106.  si]  do  O.  edle  O.  107.  das  1.  O.  108]  WO,  doch 
in  W  hinter  88;  hier  hat  W:  Her  mag  nicht  avoI  do  wedir  strebin. 
109.  der]  Doch  W.  dewehte  W.  gewer]  gwar  O  ys  notcze  were 
W.  110.  her  fehlt  O.  111/12.  sunder  wan,  daz  her]  ane  wan 
Das  her  ir  swynd'  man  Sund' der  O.  gar  woll  vill  reden  O.  113. 
laz]  hayss  dir  O.  ll.ö.  im  fehlt  O.  IIG.  kompt  dir  nucze  O.  118. 
Vorguide  ym  seyn  snabil  feyn :  ir.  gülden  O.  122.  dar]  das  J^' do 
O  (vffl.  198).  123.  dir]  dir  Jo,  Jo  anfjefiifjt,  J  mit  Ansatz  zu  einer  andern 
Majuskel  W.  124.  mir  czwor  IV.  125.  bruder  fehlt  O.  min]  deyn  ff. 
120.  das  rotin    H.     127.  sinte  fehlt   ft.     ly.s  O. 


6  Aussendung  des  Raben. 

her  hiz  den  raben  bringen, 
her  satzte  in  uf  sine  schoz, 
loO  (wi  wenig  in  das  vordroz!) 
her  strichte  im  sin  gefidere 
von  dem  houpte  biz  hernidere, 
her  begunde  mit  im  kosen 
(der  rabe  horte  gar  lose), 
135  her  sprach  Vil  liber  rabe  min 
du  must  nu  min  böte  sin 

gar  ferre  in  fremde  lant.  [147  sinte  Oswalt  mit  lusten 
mir  ist  worden  bekant,  i48do  den  raben  kuste 
daz  ein  kunig  gar  vor- 149  vorne  an  sinen  spitzen  munt 
mezzen 
140  über  mere  ist  gesezzen,  150  und  dructe  in  zu  der  selben 

stunt 
der  ist  ein  beide  freis-isian  sin  herze  liplich, 

sam 
und    hat    eine    tochter  152  her  sprach  '^got  von  hirael- 

lobesam,  rieh 

di   ist   genant  juncfrou  lösder   laze    dich    gesunt    von 

Spange,  mir!' 

du    solt     nicht    beiten  154  her  lachte  in   an  gar  wun- 
lange, derschir, 

145  vil  liber  rabe  min  155  her  sprach 'vil  liber  rabe  min 

146  frie  mir  daz  megetin!'  iseirwirp  mir  daz  megetin!' 
157  her  sprach  'ich  vorsage  dirz  nicht, 

158  ich    habe    darzu    gar    gute 
pflicht.'] 

128.  li.  h.  fehlt  O.  v.  vor  sich  O.  130.  wi]  Vill  O.  131.  straich  O. 
132.  Vom  n  .  133.  zu  k.  WO.  134.  pegunde  czw  losen  O.  135  fehlt  O. 
136.  nu  fehlt  O.  Auf  136  folgt  in  O:  Sprach  sand  oswolt  rayn.  137. 
gar  fehlt  O.  139.  k.  reich  v.  O.  140.  das  mer  ist  h'  W.  143.  vor- 
bange O.  144.  harren  O.  146]  Ich  will  gern  tun  den  willen  deyn  O. 
149.  s.  sp.]  den  O.  150.  selben  fehlt  O.  151.  lobeleich  O.  152. 
her]  Vnd  O.  got  hy  W.  153.  mich  gesunt  vnd  dich  O.  154  fehlt  O. 
155.  h.  spr.]  Dw  O.  156.  mir]  nw  W  {vgl.  146).  magtateyn  O. 
158.  d.  g.  g.]  czw  diser  O. 


Aussendung  des  Raben.  7 

159  daz  wil  ich  gerea  tun 

160  daz  du  mir  gebutest  nu. 
nu  laz  balde  hin  springen, 
ein  guldin  vingerlin  bringen, 
daz  ich  muge  unvorzait 
geben  der  vil  schonen  mait, 

165     obe  ich  si  irwerben  kan, 

wenne  edele  juncfroun  geren  han 
von  libe  lipliche  gaben.' 
her  tete  alse  in  hiz  der  rabe 
und  Hz  ein  achtbar  vingerlin 
170    bringen,  daz  was  guldin.     i7i  [daz     was     gewest     des 

Vaters  sin, 
da  stunden  dri  steine  in, 
di  waren  edel  unde  gut, 
der  eine  was  di  demut, 
175  der  ander  di  gerechtikeit, 
der  dritte  was  di  kuscheit, 
di  hate  sinte  Oswalt 
alle  dri  mit  gewalt.] 
daz  vingerlin  im  lip  was, 
180     so,  daz  her  [der]  ni  vorgaz 
sin  zu  keinen  stunden. 
dem  raben  do  gebunden 
wart  iz  under  den  flugel  sin. 
her  sprach  "vil  liber  rabe  min 

185  daz  gip  der  edelen  kunigin 

186  juncfrou  Spangen  durch     ist  [wilt  du  ein  froraer  böte 

den  willen  min!  sin, 

160]  Mit  trawen  das  dw  pitest  nw  O.  161.  Her  lis  yn  O.  hin 
fehlt  O.  162.  Vnd  e.  O.  163.  muge]  dir  m.  W  fehlt  O.  164.  geben 
der  vil]  Begebe  dy  O.  166.  edele  j.]  iunchfrawe  O.  geren  fehlt  If' 
(vgl.  167).  167.  von  libe]  Gerne  W.  gäbe  O.  169.  leynes  O.  173. 
waren]  wordn  O.  178.  alle  dri]  Dy  drey  mit  ym  W.  181.  sin]  Hy 
W.  keinen]  cleyne  If.  182.  rabe  W.  do]  do  und  mit  Vei-weisungs- 
zeichen  am  Bande:  wort  an  sp  O  wart  ff.  183.  wart  iz]  Das  ff 
[vyl.  182).     186.  Vorbangen  O. 


8  Rabe  und  Heidenkönig. 

SO  bringe  mir  wider  ein  vingerlin, 
daz  ich  muge  di  warheit 
190     irkennen^,  so  werde  ich  gemeit'.] 

der  rabe  zu  dem  herren  sprach 

'williglich  geren'  unde  jach 

*^obe  got  von  himele  wil, 

ich  kume  hin  in  einem  kurzen  zil 
195    unde  frolich  widere.' 

her  schütte  sin  gefidere 

unde  floug  in  daz  lant, 

dar  im  der  beide  wart  bekant. 

do  her  den  herren  angesach, 
200     zuchtiglich  her  zu  im  sprach 

'gegruzet  sist  du  heidnischer  man!' 

der  beide  sach  den  raben  an, 

her  gruzte  in  wider  unde  sprach 

zu  sinen  herren  unde  jach 
205     'wer  hat  i  so  suberlich  r'*, 

gesen  einen  raben  wunderlich 

mit  Silber  also  geziret 

und  mit  golde  gevormiret?' 

di  herren  alle  sunder  wan 

210  den  raben  begunden  gaffen  an, 
210*^  si  begunden  alle  geliche  jen, 

211  si  beten  schoners  raben  ni  gesen. 
der  beide  in  do  fragete 

und  bat,  daz  her  im  sagete, 
von  wanne  her  komen  were 


188.  wider]  von  ir  W.  '  189.  muge  fehlt  O.  190.  Erkenne  O.  191.  czum 
W.  192.  williglich]  Ffligen  wiirich  O.  194.  hin  fehlt  O.  195]  Werlich 
her  w.  O.  196  fehlt  O.  197.  unde  fl.]  Do  flog  der  rab  O.  198.  dar] 
das  W  Do  O  (vgl.  122).  199.  den  h.]  yn  O.  an  saclj  W.  200. 
zuchtiglich]  Doguttlich  O.  205.  Ad'  wer  O.  i]  hy  W.  206.  gesen] 
Desen  W.  einen  fehlt  W.  czyrleich  O.  207.  so  O.  208.  gev.]  also 
floriret  W.  210.  gaffen  an  fehlt  W.  210^  si  begunden  fehlt  W. 
geliche]  czu  ym  W.  211.  si-ni]  Das  sy  schönes  ny  betten  O. 
213.  und  bat  fehlt  O.     ym  doch  O. 


Rabe  und  Heidenkönig.  9 

215     und  durch  welcherlei  mere 

her  füre  her  durch  di  laut. 

der  rabe  im  do  nicht  bekant 

torste  sinen  willen  geben, 

jo  hete  her  vorlorn  sin  leben, 
220     wer  der  beide  worden  inne, 

daz  her  di  kuniginne 

sine  tochter  wolde  frin, 

her  hete  sich  libe.s  mocht  vorzin. 

do  vorsweic  her  di  warheit, 
225     daz  im  icht  wider/ure  leit, 

her  sprach  'iz  ist  ein  kunig  riebe. 

dem  kan  sich  niman  geliehen 

und  wont  in  dem  dutschen  lande 

und  hat  ein  laut  wite  und  grande, 
280     der  hat  uzgesant  mich, 

her  hat  bereit  sicherlieh 

virdehalp  hundert  guldine  cleider,' 

und  sprach  zu  dem  beiden 

"weidest  du  dich  toufen  lan, 
235     der  cleider  raust  du  ein  par  ban.' 

her  sprach  "^libez  rebelin 

laz  mich  bliben,  der  ich  ]:)in, 

nicht  mere  sage  mir 

von  der  toufe,  daz  sage  ich  dir. 
240     min  brot  und  min  win 

sei  williglichen  din 

215.  durch  fehlt  O.  mere]  iier  wer  O.  216.  her  füre  her]  Her 
fürte  O  Da.s  vmme  her  W.  217.  do]  das  ff  fehlt  O.  218.  Her 
t.  O.  willen  nicht  O.  219.  jo]  Zo  W.  hete  her]  her  forcht  her 
O.  V.  s.  lehen]  vorlur  sein  lehn  O  das  iebin  verloren  W.  222. 
Seyner  O.  223.  hete]  must  O.  libes  v.  Kraus]  hber  If  fehlt  O. 
mocht  fehlt  O.  22t.  do]  Doch  1f  Czw  der  stund  O.  her  fehlt  IVO. 
225.  wedir  worde  ir  worde  O  (vgl.  687).  226  —  29]  Her  sprach  ein 
konigreich  grande  Want  yn  dem  dewczeni  lande  O.  230.  Her  W. 
231]  Vnd  der  beniyl  sich"  O.  232.  Mit  v.  O.  guldine]  ritter  O. 
233.  iach  O.  234.  Wildw  O.  236.  her  sprach]  Do  sp.  der  hayd 
dw  O.     237.  der]  als  O.     2.38.  mir  auch  O.     241.  willig  wesen  O. 


10 


Schachspiel. 


248 


250 


sin  biz  an  din  ende, 
du  bist  also  behende.' 
her  sprach  Viltu  wunder 

245  so  laz  balde  her  gen 

246  daz        schachzagelspil 

bringen  dir,  247 

246*^  durch    kurzwile   zuch 

mit  mir.'  247' 

260  dem    beiden    di    rede 

wol  gefil, 
im  was  libe  zu  dem  spiL 
daz  bret  was  groz  unde 

starc, 
iz  koste   wol  hundert 

marc. 
daz  schachzagelspil  mit 

der  fart 
265  do  vor  in  gebra cht  wart, 
do  hiz  der  heidenische 

man 
den  raben  heben  an. 
der  rabe  alumbe  sich 

sach, 
zu  den  herren  her  do 

sprach, 


sen. 


[der  beide  sprach  '^nu  sage 

mir: 
wer  hat  gesaget  dir, 
uf  di  rechten  truwe  din, 
von    dem    schachzagelspil 

min?' 
her    sprach     'nu    ich    dirz 

sagen  sol, 
du  hast  ein  bret,  daz  ist  wol 

hundert  lote  marc  wert.' 

der  beide  mit  der  fart 
hiz  balde  loufen  hin 
und  bringen  daz  spil  vor  in. 
daz   bret  was    von  helfen- 

beinen, 
Saphiren  waren  di  steine, 
mit  gokle   so  durch slagen, 
daz    iz    ir    zwelfe    musten 

tragen.] 


242.  sin  fehlt  O  (vgl.  241).  243.  also]  gar  O.  244.  wunder]  von  mir  O. 
245.  her  gen]  speychen  O.  246.  daz]  Den  O.  spil  feMt  O.  bring 
man  O.  246  ^  fehlt  W.  ^AT.  nu  fehlt  O.  247  "^  fehlt  W.  248 
fehlt  O.  249.  spil  fehlt  O.  Es  folgt  nur  in  O:  Do  sprach  das  edle 
rabelein.  250.  her  spr.  fehlt  O.  dirz]  es  O.  251.  bret-wol]  brocht 
O  [vgl.  252).  252.  Das  ist  woll  h.  O.  253.  der  fart]  dem  wart  O. 
254.  Lys  O.  255.  spil  fehlt  O.  vor  in]  vor  en  W  varyn  O.  257. 
Von  O.  waren]  worden  O.  259.  ir  zwelfe]  czwen  O.  260.  wol  dy  red  O. 
261.  libe]  wol  O.  2G2]  Das  ist  ein  wunder  starchk  O.  263.  wol  fehlt 
O.  güldene  m.  O.  264.  spil  fehlt  O.  265.  do  fehlt  O.  in]  sich  O. 
wart]  hot  O.     268.  sich  vm  O.    269.  her  do  sp.]  vnd  iach  O. 


Schachspiel. 


11 


270 


280 


285 


294  [her  muz  min 
gefangen  wesen,] 


290 


298 
295 


di  dort  waren  in  dem  sal, 
her  griizte  si  uberal, 
her  bat  si  alle  gemeine, 
daz  si  im  aleine 
wünschten  gewinnes  heil, 
her  sprach  'ich  wil  uch  gelten  ein 
ich  e^ruche,  wen  is  beruwe,    [teil, 
ich  cleide  uch  alle  nuwe.' 
di  herren  mit  grozem  schalle 
wünschten  im  heiles  alle, 
der  rabe  im  di  wile  nam 
unde  zoch  gar  sorcsam, 
daz  her  dem  heidenischen  man 
daz  spil  allez  angewan. 
her  gewan  des  soldes 
dri  hundert  marc  goldes 
und  darzu  dannoch  mere, 
des  zürnte  der  beide  sere. 
her  sprach  zu  dem  raben 
'daz  spil  sol  ein  ende  haben,' 
'wol  heran  alle  mine  man, 
di  ich  nu  hi  oben  han! 
der  rabe  muz  sin  houbet 
hi  lazen,  daz  geloubet, 
vor    mir     raac    her    nicht    wol 
genesen, 


270.  dort  waren]  worden  O.  272.  her  bat]  Vnd  O.  273.  si  fehlt 
W.  274.  Das  sy  ym  w.  hayl  O.  27-5.  ich  geh  euch  tayl  O.  Es  folgt 
in  O:  Ich  Sprech  es  uff  mein  trew.  276.  ruch  nicht  O  achte  nicht 
»F.  gerew  O.  277  fehlt  O.  279]  Ym  w.  alles  haylles  alle  O.  280 
im]  do  tr.  281.  furchtsam  oder  furchtsam  U  .  282.  den  O.  283. 
allez  fehlt  O.  284.  froldes  O.  285.  Dreyssig  hundert  O.  286.  und 
darzu]  Goldis  vnd  ff.  darzu  dannoch]  ouch  wol  tV.  287.  des]  Do 
O.  irczornitte  her  den  heiden  H'.  288.  Der  heide  ff.  280]  Ich 
uil  dy  weile  mey  eiiin  hahin  Jt\  290.  Her  riff  w.  O.  au  fehlt  O. 
291.  nu-oben]  uff  der  burchk  O.  294  fehlt  O.  werden  :  U.  29.j. 
vor-her]  Vnd  h.  mag  O.     wol  fehlt  O. 


12  Kleiderspende. 

295^  iz  kan  nicht  anders  gewesen, 
^   her  muz  sin  leben  lan, 

296     im  helfe  denne  ein  biderman.' 
mit  bescheiden  werten  der  rabe 
sprach  dem   beiden  den  zorn  abe, 
her  sprach  'wurt  ir  i  von  truwen  holt, 

300     so  nemet  hin  daz  selbe  golt 
und  koufet  mir  alzuhant 
edel  tuwer  gut  gewant, 
purper  unde  scharlachen, 
daz  sei  man  disen  herren  machen.' 

305     der  beide  des  nicht  e??liz, 
daz  gewant  her  koufen  hiz, 
daz  di  herren   solden  haben, 
unde  hiz  daz  vor  den  raben 
uf  eine  tafel  da  vortragen. 

310     do  gap  her  den  herzogen 

und  den  andern  grozen  herren 
eime  itslichen  na  sinen  eren, 

314  her  gap  rittern  unde  knechten, 
313     daz  si  sin  wol  gedechten, 

315  kuchengesinde  unde  knaben 
musten  ouch  sin  gewant  haben, 
[daz  tete  her  allez  umbe  daz, 
daz  her  queme  zu  dem  maz, 
obe  in  der  hunger  twunge, 

320     daz  im  wol  gelunge, 


295  ab  fehlen  W.  296.  Es  helf  ym  den  O.  297.  bescheiden] 
hubischen  O.  299.  wurt-lruwen]  pistu  yndert  frawen  O.  300. 
nym  O.  selbe  fehlt  O.  .301.  kauffe  O.  al  fehlt  O.  .302.  tuwer 
fehlt  O.  303.  P.  feilen  ut  Scharlach  O.  30.5.  dys  W.  en  fehlt 
WO  {vgl.  963).  307.  daz]  Was  O.  wolden  O.  308.  daz  vor  d.]  ys 
von  den  O.  309.  tafel  da]  kemenoten  O.  tragii  O.  310.  Das  W 
311.  den-grozen]  spulten  andern  O.  312.  eime  itslichen]  Dem  man  O. 
314  hinter  313  W.  her  gap]  Bayden  O.  ritt'  O.  315]  Koche  keiner 
vnd  kochenbufen  O.  316.  sin  fehlt  O.  318.  Ab  es  cjueni  vor  bas  O. 
der  mosz   TV.     319.  der  h.  t\v.]  ayner  lietwonge  O. 


Spange  gewinnt  den  Ralien.  13 

querne  her  in  da/,  kochhus, 

daz  in  nicht  herwider  uz 

triben  di  aschenbrodele 

und  singen  in  uf  sin  gefidere.] 
325     do  in  daz  gewant  gecleidet  wart 

iderman  nacli  siner  art, 

her  brachte  daz  mit  hubischeit, 

daz  der  knnig  oiich  sin  cleit 

begunde  selber  tragen. 
330     junct'roii  Spange  horte  sagen 

uf  der  burc  di  mere, 

wi  da  ein  rabe  were, 

der  künde  wunders  also  vil, 

und  wol  zin  daz  schachzagelspil. 
335     das  wundert  di  iuncfrouwen, 

den  raben  wolde  si  schouwen. 

si  hiz  bereiten  ir  gewant, 

daz  taten  di  meide  alzuhant. 

an  iren  lip  wart  geleit 
340     ein  snewiz  sidin  cleit, 

da  waren  wazzerperlin  uf  getragen, 

342  und  mit  golde  wol  durchslagen. 
342 '    [daz  was  ir  umbe  daz, 

"    daz  si  lust  bete  deste  baz.] 

343  ir  volcte  na  ein  groze  schar, 
sechzig  frouwen,  di  waren  dar, 
und  hundert  juncfrouwen, 

321]  Ap  h.  quem  in  d'  knechte  hauss  O.  323.  aschenploderer  O. 
324  fehlt  O.  seyne  W.  325.  do  in  fehlt  O.  gecleidet]  gegeljü  O. 
327.  mit]  czw  O.  328.  kunig]  hayd  O.  329.  zu  tragen  ff  O.  330. 
pange  O.  331.  dise  O.  S^'I.  da' fehlt  O.  komen  w.  O.  333.  also 
fehlt  O.  334.  und  fehlt  ff.  daz  fehlt  O.  33.5.  w.  sich  W.  336 
fehlt  O.  337.  liss  ir  bringen  O.  338.  tat  man  O.  339.  wart  gel.] 
sy  legte  O.  340.  sne  weysz  ff  weyses  (Kustos:  weyss)  O.  sidin 
fehlt  ff.  341.  waren]  worden  O.  wazzer]  fast  O.  342.  und  fehlt 
O.  heschlagn  O.  342  a^J  fehlen  ff.  344.  di  waren]  schon  vnd  O. 
345.  j.  vor  war  O. 


14  Spange  gewinnt  den  Raben. 

346  di  man  vil  geren  mochte  schouwen, 
346''    ir  guter  si  trugen, 

^  ob  der  juncfrouwen  fingen 

^  zen  gezamte  adelare, 

*^  di  musten  si  bewaren 

^  vor  der  sunnen,  wo  si  ginc, 

^  von  den  schate  si  empfinc, 

347  di  juncfrouwe  ginc  zuhant, 
da  si  iren  vater  fant. 

350  do  si  den  an^fesach, 

349     zuchtiglich  si  zu  im  sprach 

351  'bi  minem  gote  vil  suze 
liber  vater  ich  dich  gruze.' 
her  sprach  "^edele  tochter  min 
min  got  sol  din  Ion  sin.' 

355     her  sprach  'waz  schaffest  du 

vor  mir  edele  tochter  nu?' 

si  sprach  'ich  habe  vornomen, 

■wi  ein  rabe  her  si  komen 

ferre  uz  dutschen  landen, 
360     na  deme  ist  mir  so  bange, 

si  sprechen,  her  kunne  wunders  so  vil 

und  wol  zin  daz  schachzagelspil.' 

her  sprach  'jo  tochter  zwar 

daz  ist  alzumale  war. 
365     gestern  her  gewan 

dri  hundert  marc  mir  an, 

346  fehlt  O.  346  a-f  fehlen  W.  346«.  gueten  eyn  krön  O. 
346  b.  ob  fehlt  O.  346  f.  dem  O.  349  vor  350  W.  349]  Togent- 
lich  sy  do  spr.  O.  350.  den]  en  IV.  ansach  WO.  3.51]  Mein 
gott  vill  süsser  O.  352.  liber]  Edeler  W.  353.  edele-min]  meyn 
gott  sol  deyn  Ion  seyn  O.  354]  üw  edle  tochter  meyn  O 
[vgl.  353).  355.  her  sprach]  Her  W  Vnd  lach  O.  356.  Hy  vor 
O.  edele  fehlt  O.  358.  her  fehlt  O.  si]  ist  W.  359.  dewczem 
lande  O.  361.  sagen  O.  künde  W.  so  fehlt  O.  362.  und 
fehlt  O.  daz]  den  O.  363.  jo  fehlt  O.  364.  Es  O.  alzumale] 
alles  woll  O.  365.  gestern]  Rechten  O.  gewan]  mir  an  O.  366] 
Dreyssighundert  m.  mir  an  gewan  O. 


Spange  gewinnt  den  Raben.  15 

sich  alumbe  disen  sal, 

wi  her  unser  volk  liberal 

schone  hat  gecleit, 
370     daz  allez  sin  gewant  treit/ 

diser  wunderlichen  Sachen 

di  juncfrou  begunde  lachen, 

si  sprach  'vil  liber  vater  min 

und  raac  der  rabe  min  gesin?' 
375     her  sprach  'gestern  in  der  nacht 

hate  ich  dir  in  bedacht, 

jo  vil  libe  tochter  min 

her  muz  imer  din  eigen  sin.' 

di  juncfrouwe  alzuhant 
380     des  raben  sich  underwant, 

her  wolde  nicht  mere  gan, 

si  muste  in  an  irem  arme  trän. 

si  truc  in  vil  drate 

in  eine  kemenate, 
385     so  si  niman  mere  wüste, 

si  redte  mit  im  was  si  luste, 

si  dructe  in  liplich  an  sich, 

si  sprach  'min  got  behüte  dich !' 

[her  sprach  'juncfrou  daz  ist  nicht  wolgetan, 
300     daz  ir  di  abgote  betet  an, 

geloubet  an  den  waren  got, 

der  alle  dinc  geschaffen  hat, 

und  lat  uch  toufen  vil  balde, 

so  werdet  ir  behalden 
395     und  werdet  davon  selig 

307.  al]  an  W.  disen]  eyn  den  O.  369.  hat]  bot  her  sy  ir.  370. 
allez  sin]  alle  seyn  W  alles  ein  O.  372.  zu  lachen  ftO.  373.  si] 
Vnd  O.  374.  und  fehlt  O.  375]  Ja  nechten  czw  nacht  O.  376.  ich  deyn 
Kedochl  O.  377.  jo  fehlt  O  {vcjl.  375).  378.  muss  weseni  deyn  O. 
379.  al  fehlt  O.  382.  an]  czw  O.  arme  W.  trän]  fahen  O.  384.  eine] 
>T  O.  385.  so  si]  Do  O.  mere]  do  O.  380  fehlt  O.  389.  spr.  yr 
i.  es  nicht  O.  390.  di  a.]  aptgoter  O.  391.  an  meynen  g.  O.  392. 
beschaffen  O.     393.  vil  fehlt  O.     394.  yr  den  O.     395.  Vnd  ir  tV. 


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unde  aller  sunden  ledig.' 
do  sprach  daz  edele  raegetin 
'ich  tar  nicht  vor  dem  vater  min, 
der  ist  so  gehaz  den  cristen 

400     mit  allen  sinen  listen, 
wo  her  daz  irfure, 
daz  leben  ich  vorlure.'] 
der  rabe  sprach  'juncfrou  min 
nim  mich  an  di  arme  din 
405     und  merke  ebene  unde  wol 
waz  ich  dir  sagen  sei.' 
di  juncfrouwe  lobesam 
den  raben  an  iren  arm  nam. 
[zuhant  der  rabe  unvorzait 

410     frite  di  schonen  mait, 

her  sprach  'got  gruze  dich  juncfrou, 
got  gruze  dich  lilgen,  ein  rosentou, 
got  gruze  dich  lichter  morgenstern, 
mine  ougen  di  sehen  dich  gern, 

415     got  gruze  dich  meienris, 

got  gruze  dich  bluendez  pardis, 
got  gruze  dich  edele  kunigin 
vor  Spange  libe  juncfrou  min!' 
si  sprach  ""got  vorgelde  dir! 

■120     so  waz  kanst  du  mir 

also  schone  spruche  sagen! 

jo  torste  iz  ni  kein  kunig  wagen, 

424     daz  her  i  gewurbe 

423     umbe  mich,  her  vorturbe, 


396.  ledig]  aynig  O.  397.  edele]  selbig  O.  magtelein  O.  399.  gram 
O.  404.  den  arme  O.  405.  merchk  rechte  vill :  O.  406.  will:  O. 
408.  den  arme  O.  409.  zuhant  fehlt  O.  rab  alzo  O.  410.  Ffrewte 
O.  412.  1.  ein  rosen]  rosen  kuler  O.  413.  dw  I.  O.  414.  di  fehlt 
O.  415.  meien]  dw  bluendes  O.  416.  dw  hl.  O.  418.  Fang  O. 
419.  vorgelde  dir]  sol  dein  lone  seyn  O.  421.  So  selczene  O. 
423  hinter  424    W.     geworde  :  O  {rgl.  424).     424.  her  worbe  :  O. 


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425     iz  ginge  im  an  daz  leben  sin.' 
her  sprach  'vil  libez  juncfroulin 
vorgiz  diner  tugent  nicht, 
daz  du  icht  lezest  toten  mich.' 
si  sprach  "^nein  ich  zware, 
430     des  bis  ane  alle  vare, 
gruze  mich  unde  fri, 
also  daz  dir  lip  si.'] 
her  sprach  'so  merke  dise  dinc: 
mich  hat  ein  edel  jungelinc, 

435     der  über  jenez  mer  wont, 

her  iuncfrouwe  zu  uch  gesant, 
der  ist  funfzen  jar  alt 
unde  ist  geheizen  Oswalt. 
her  ist  ein  kunig  lobelich, 

440     gar  gewaldig  unde  rieh, 
gar  tugentsam  unde  gut, 
zu  gote  stat  im  sin  mut 
mit  vasten  und  mit  beten 
gote  wil  her  nicht  abetreten, 

445     in  der  kirchen  zu  aller  zit 
her  euch  vil  geren  lit. 
[daz  tut  her  ouch  durch  got, 
der  alle  dinc  geschaffen  hat.] 
der  entbut  dir  juncfroulin, 

450     weidest  du  sin  bule  sin, 

452     her  weide  dir  sine  truwe  geben, 


425]  Ja  an  dem  leben  sein  O.  426.  vil  libez]  czartis  Jf.  427]  Sich 
an  deyner  togent  licht  O.  428]  Vnd  sag  es  deynem  vatter  nicht  O. 
429.  ich  feJilt  O.  430.  alles  O.  431.  mich  fehlt  O.  432.  also] 
Vnd  alles  O.  lip  das  dir  W.  433  hinter  434  O.  vm  dyse  O. 
434.  mich]  Auch  O.  edel  fehlt  O.  435.  ober  mer  ferre  O.  436]  Der 
hoth  mich  czw  dir  gesant  O.  430.  lobesam  O.  440.  gar  fehlt  O. 
442.  im]  alle  O.  444]  Her  gott  nicht  will  abtreten  O.  445.  alle  czeyt  O. 
446.  ouch]  noch  O.  447.  ouch]  alles  O.  durch]  viüb  IF.  449. 
freweleyn  O.  450.  lib  O.  452  vor  451  W.  her]  Vnd  W.  will  O. 
Baesecke,  Wiener  Oswald.  2 


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451     ber  weide  mit  dir  leben 

453     [kuscbej  biz  an  daz  ende  sin.' 

'nein'  spracb  daz  edele  megetin, 
455     'bore  waz  icb  dir  wil  sagen 
und  vornim  mir  mine  clage: 
iz  ist  wol  drizen  jar, 
458     do  starp  mir  min  muter  dar, 
458  •  [do  swur  min  vater  einen  eit 
"  —  miner  muter  ist  daz  leit  — 

459  do  bat  mir  min  vater 
'  kunigen,  fursten  manigfalt,]  vorzalt, 

460     wenne  icb  wurde  secbzen  jar  alt 
unde  iz  darzu  queme, 
daz  ber  micb  zu  wibe  neme 
an  miner  muter  stat. 
bore  waz  ber  getan  bat: 
465     durcb  minen  willen  sint 

wol  virdebalp  bundert  kuniges  kint 
von  im  getötet  alle, 
warte,  wi  dir  daz  gevalle.' 
[do  spracb  daz  rebelin 
470     zu  dem  megetin 

"nu  bore  juncfrou  wolgetan: 
nim  Oswalt  zu  einem  man, 
daz  du  mit  im  werlicb 
474     körnest  in  daz  bimelricb.' 
474 '    si  spracb  'von  dem  bimelricb 
"  ahnmale  weiz  icb: 

451.  her  weide]  Kewsche  O.  m.  d.  leben]  mit  dir  czw  lehn  O. 
453.  kusche  fehlt  O  (vgl.  451).  sin]  dein  O.  454]  Das  tu  ich  nicht 
spr.  dy  konygeyn  O.  457.  ist]  seyn  O.  458.  mir  fehlt  O.  458  a— c 
fehlen  W.  458c.  konygin  O.  459  fehlt  O.  do]  Ouch  W  [vgl. 
4580).  460.  dreycen  O.  461.  iz  fehlt  W.  462.  zu  wibe]  czw 
eynem  weyb  O  dy  weyle  W.  466.  wol  fehlt  O.  Virhundert  O. 
467.  von  im]  Worden  O.  468.  das  dir  W.  469/70  fehlen  O.  471. 
nu  h.]  Her  sprach  O.  473]  So  soltu  werlich  O.  474.  Mit  ym  kome 
in  O.     474  ab  fehlen  W.     al  fehlt  O. 


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•J75     wir  ouch  sunder  wan 

beten  unsern  got  an, 

si  sagen  uns  ouch  wol, 

Avaz  uns  geschehen  sol.' 

'juncfrou  Spange',  sprach  der  rabe, 
480     'tut  uch  der  rede  abe 

unde  geloubet  an  Jesum  Crist, 

der  ein  warer  got  ist, 

und  nemet  an  uch  der  toufe  cleit, 

so  komet  ir  in  di  ewikeit 
485     und  werdet  zu  den  stunden 

von  uwern  sunden  entbunden, 

der  werdet  ir  alle  ledig 

unde  ewig  unde  imer  selig.'] 

nu  höre  waz  ich  dir  sagen  wil: 
490     du  sprichest  also  rechte  vil 

von  dem  kunige  hogemut, 

492  und  queme  iz  in  minen  mut, 
492**  daz  iz  zu  muste  gan, 

493  mochte  her  denne  widerstan 
dem  grimmigen  vater  min?' 

495     her  sprach  'jo  edele  kunigin, 

frewe  dich  unde  bis  fro, 

dime  fridel  muz  also 

dinen  und  wesen  undertan 

drizen  bischofe  lobesam, 
500     virzig  graven  lobelich 

unde  nun  kunige  rieh, 

475.  wr]  Wiltu  W.  476.  Bete  W.  477.  uns  feJilt  W.  ouch]  alle 
O.  478.  uns]  do  O.  47'.).  Spange  fthlt  O.  saget  W.  480.  rede] 
goUer  O.  481.  an  vnsern  herrn  ihm  crist :  O.  48^.  ayner  w.  O. 
483.  und  fehlt  O.  dy  tawffe  der  zelikeit  If.  484.  czw  der  O. 
486.  s.  gar  O.  487.  der]  Vnd  O.  ir]  der  O.  488.  unde-selig] 
erledigit  O.  490.  sagest  O.  also]  mir  O.  491.  wolgemutt  O. 
49i>.  und  fehlt  O.  mir  es  yn  den  O.  49:2'»  fehlt  W.  493. 
denne  fehlt  O.  497]  Deynen  libhaber  so  O.  498.  Müssen  d.  O 
(rr/l.  497).  499.  lobesam]  schon  O.  500.  Vierczen  W.  501.  unde 
fehlt  O.    konigreich   ir  konyg  herleich  :  O. 


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funfzen  hundert  ritter  gut 
alle  muzen  tun  sinen   mut, 
unde  drizig  tusent  man 

505     di  sint  im  alle  undertan.' 

do  juncfrou  Spange  dise  wort 
von  dem  raben  hate  gehört, 
gar  frolich  si  do  wart, 
si  sprach  do  zu  diser  fart 

510     'wol  mir  daz  ich  i  gewan 

daz  leben,  liber  rabe  nu  sage  an, 
hat  min  fridel  uzgesant 
mir  bi  dir  icht  über  lant?' 
her  sprach :  '^ein  guldin  vingerlin, 

515     daz  nim  under  dem  flugel  min 
nu  zu  disen  stunden, 
her  hat  mirz  gebunden 
darunder  mit  der  haut  sin, 
daz  sol  juncfrou  wesen  din. 
520     [wenne  du  libe  juncfrou  min 
ansiehst  daz  vingerlin, 
so  geborest  du  imer  werlich 
zu  dem  schonen  himelrich.'J 
do  daz  di  edele  mait 

525    angesach  unvorzait, 

si  wart  also  wolgemut 
von  dem  vingerline  gut, 
52S   [beide   kusche   und      rechten  gelouben  si  an  sich  nam.] 
tugentsam, 

502.  vnd  gut :  IV.  503.  Dy  a.  tvn  O.  noch  s.  O.  505.  di  fehlt 
O.  alle]  auch  O.  506.  vorpange  O.  508.  gar]  So  W.  509.  si]  Vnd  O. 
do  fehlt  O.  510.  mich  O.  511.  daz  leben  fehlt  O.  nu  s.]  sag  mir 
O.  512]  Hot  was  mir  mey  fridil  ausz  gesät  W  Was  hatte  meyn  herr 
vb'  lant  O.  513]  Mir  mit  dir  gesant  O.  514.  lach  O.  515.  nam 
ich  O.  dem  mit  nachgetragenem  m  W  den  O.  516.  nu  feJdt  O. 
517.  her  hat]  Her  hatte  O  Hy  bot  her  W.  519.  juncfrou  fehlt  O. 
520.  libe  j.  m.]  frewelen :  O.  521.  An  sehest  O.  522.  imer  w.]  frolich  O. 
525.  An  sach  W.  526.  also]  frolich  vnd'  O.  528  hinter  529  O. 
kewscher  W.    529.  si  fehlt  O. 


Annahme  der  Werbunjj.  21 

530     [her  sprach  'juncfrou  sit  ir 

rainem  herren  holt,  so  sendet  bi  mir 
531«  wider  uwerm  libelin 

-.32    ouch  ein  gülden    533    si  sprach  'vil  libez  rebelin 
vingerlin.]         533'^^  din  frien  muze  selig  sin'.' 

534  balde  si  hin  loufen  hiz, 

535  eine  lade  si  ir  bringen  Hz, 

538  darnz  nam  si  ein  vingerlin, 

539  'daz   bringe  dem  liben  herren 

min 
540     [unde  sage  im  schire  aber 

waz  daz  vingerlin  tugent  habe: 

wer  daz  vingerlin  gemeit 

an  siner  hant  iz  treit, 

der  wirt  nicht  irslagen 
545    uf  wazzer  noch  uf  wegen, 

her  mac  nicht  irtrinken 

noch  keinerlei  wis  vorsinken, 

unrechtes  todes  rieht 

mac  her  gesterben  nicht, 
550     daz  kumt  von  siner  tugent  dar, 

iz  hat  achtzehen  fursten  craft  gar, 

daz  solt  du  libez  rebelin 
553     bringen    dem    liben    554  her  sprach  'vil  libe  junc- 
herren  min.']  fron  m.in 

555  an  bint  mir  daz  vingerlin 


.531]  Darum  sendet  pey  mir  O.  .531"  fehlt  W.  533.  vil]  gern  O. 
533"  fehlt  W.  frewen  O.  534.  hin  fehlt  O.  lis  O.  535.  eine  lade 
fehlt  W.  ir]  czu  ir  W  fehlt  O.  hyss  O.  Es  folgt  nur  in  W:  Eyne 
stolcze  lade  Das  tat  wol  dem  raben.  539.  liben  fehlt  O.  540.  schire] 
auch  O.  aber]  dar  abe  O.  541.  daz  v.]  es  O.  543.  iz  fehlt  O.  545. 
wagen:  O.  547.  yn  kayner  O.  548.  Vnd  vnr.  O.  rieht]  vicht  O 
gerecht  W.  .549.  ersterben  O.  550.  dar]  vor  O.  551  fehlt  O. 
553]  Bring  dem  czarlen  fninden  dein  O.  Es  folgt  nur  in  O:  Sag 
ym  auch  mein  macht  Vnd  auch  cyn  gutte  nacht.  554.  vil  I.]  gern 
O.     555.  Nw  vindet  her  das  O. 


22  Spanges  Rat. 

mit  grüner  side  alzuhant 

mit  uwer  snewizen  hant, 

bint  mir  daz  vaste  unde  wol, 

sint  ich  ferre  fligen  sol 

560    über  des  wildes  meres  ho, 

daz  mirz  icht  entfalle  jo.' 

di  juncfrouwen  her  ouch  bat, 

daz  si  gebe  iren  rat, 

561        .   .    „  . ,  ,  f  [mit  siner  scbarl 
►.£.-„  wi  ir  tridel  \ 
ob 4'^  (  ane  rar 

565     zu  ir  komen  mochte  dar. 

si  sprach  '^ist  her  also  creftig, 

also  du  sprachest  und  so  mechtig, 

so  sage  im,  daz  her  buwe 

zwe  und  sibenzig  kile  nuwe 
570     und  schicke  darin  alleine 

sinte  Oswalt  der  reine . . .   [und  darzu  alle  sine  dinstman, 

di  im  alle  sint  undertan,] 

und  kum  selber  mit  im  her 
575     in  alle  deme  geber, 

ob  her  were  ein  koufman, 

das  mac  her  grozen  fromen  han: 

gan  is  mir  denne  got, 

so  fare  ich  ane  allen  spot 
580     mit  im  heim  zu  lande 

frolich  ane  alle  schände.' 

der  rabe  do  wec  wolde, 

do  nam  in  di  juncfrou  holde, 

556.  brawner  O.  557]  Vnder  mein  flogel  mit  evvr  hant  O.  558. 
mirs  O.  unde  fehlt  O.  559.  ferre  fehlt  O  {vgl.  560).  560.  uber- 
meres]  Verr  wol  vber  den  wildn  O.  ho]  hol  W  hak  O.  561]  Das 
es  mir  nicht  entphalln  mag  O.  564/564-''.  fridel]  herr  O.  mit  sinei 
schar]  W  fehlt  O.  ane  var]  ane  war  O  fehlt  W.  567  fehlt  O.  569. 
schiffe  W.  570/71  fehlen  O.  572.  darzu  fehlt  W.  dinst  fehlt  O. 
573.  alle  sint]  wesen  O.  574.  Kom  mit  ym  wider  her  :  O.  yn  W. 
575.  aller  der  O.  Es  folgt  nur  in  O:  Gleich  alzo  geton.  577  fehlt  O. 
578.  mir]  ym  O.  579.  ich  mit  ym  W  [vgl.  580).  580.  mit  im  fehlt 
W.     583.  nam  in]  nw  O.    juncfrou  fehlt  O. 


Schmückung  des  Raben.  23 

liplich  an  ir  ermelin, 
585     si  sprach  "^libez  'rebelin 

iz  stunde  mir  nicht  wol  an, 

solde  ich  dich  von  hinne  lan 

fligen  von  mir  unbegabet: 

wi  wurde  ich  denne  gelobet, 
590     wo  man  das  wurde  gewar, 

iz  stunde  mir  zu  vordenken  gar: 

du  mochtest  nicht  sagen  von  mir, 

daz  man  geloubete  dir, 

di  fursten  unde  ouch  di  herren, 
595     nein  zware  ich  wil  dich  eren 

mit  etlichen  dingen/ 

si  hiz  baldc  her  bringen 

599  purper  unde  side, 
598     perlin  und  gesmide 

600  von  Silber  und  von  golde. 
man  brachte  waz  si  wolde. 
das  liz  si  vormiren 

den  raben  unde  ziren 

ir  juncfroun  alle  gemeine 
605     mit  golde  und  mit  gesteine. 

der  juncfrouwen  eine 

zirte  im  sine  gebeine 

mit  finen  wazzerperlin, 

di  ander  di  kni  sin 
610     mit  deinen  margaritenstein 

und  mit  edelem  gesmide  rein, 

di  dritte  im  zu  den  clawen  ruct, 

di  virde  im  den  snabel  smuct. 


587.  Sol  O.  588.  Zfflyen  »'.  von  mir  fehlt  O.  591.  denken  gar  fehlt 
O.  592.  mocht  U  magst  O.  594.  Den  f.  O.  ouch  fehlt  O. 
di  fehlt  O.  597]  Mir  mag  noch  wol  gehngen  W.  598/99  um- 
gestellt W.  Ffeyne  p.  v.  seyde  Manicher  hande  gesmeyde  O. 
G02.  vormiren]  vor  en  Icgin  W.  00.3.  und  vor  den  O.  604.  alle  gem.] 
eyne  »'  {vgl.  000).  G05.  auch  mit  O.  607.  Dem  raben  czirte  s.  O. 
6Ö8.  w.  feyn  O.     610.  margarilelein  O.     612.  buchkt  O. 


24  Abschied  des  Raben. 

di  fünfte  machte  im  schone 

615     uf  sin  houbet  eine  crone^ 
di  sechste  sin  gefidere 
strichte  von  oben  hernidere, 
rechte  also  juncfrou  Spange  wolde 
wart  her  geziret  mit  gokle. 

620     do  her  also  geziret  wart, 

do  stunt  her  in  alle  der  fart, 
ob  her  ein  engel  wer 
unde  uz  dem  pardis  füre  her. 
juncfrou  Spange  alzuhant 

625     strichte  in  mit  ir  snewizen  hant, 
do  schütte  her  sin  gefidere  lanc, 
daz  is  uberal  irclanc 
sin  guldin  gut  gesmide 
bewunden  wol  mit  side. 

630     'edele  juncfrou'  sprach  der  rabe, 
'got  lone  uch  uwer  stolzen  gaben, 
urloup  wil  ich  haben  nu, 
ich  muz  von  hinne  ßigen  jo.' 
si  sprach  zu  dem  raben 

635     ^irloup  solt  du  von  mir  haben.' 
si  truc  in  selber  an  di  zinne 
und  hiz  in  fligen  von  hinne. 
si  sprach  'flug  hin  libez  rebelin, 
got  din  beschirmer  muze  sin, 


614.  yn  O.  615.  An  seynem  O.  616.  di  sechste]  Sy  straich  ym  O. 
617]  Payde  oben  vnd  nyder  O.  618.  sam  vorpange  O.  619/20 
fehlen  O.  621.  alle  der]  aller  O.  art  W.  622/23]  Also  ein  engel 
here  Aus  dem  paradise  were  O.  624.  pange  sanchk:  O.  625.  Sy 
slraych  O.  ir  snewizen]  seyn'  we'sin  W  der  O.  626.  schütte]  slug 
W.  627.  uberal]  yn  der  burchk  O.  clang  W.  628.  gut  fehlt  O. 
junchfraw  einrjefügt  O.  631.  stolzen  fehlt  O.  gobe  O.  632.  haben] 
geben  O.  633.  fligen  jo]  nw  W.  634/35  fehlen  O  (vgl  632).  636. 
selber  fehlt  O.  czynnen  O.    637.  lis  O.    638.  dw  1.  O.   639.  hutter  O. 


Der  Ring:  verloren.  25 

640     und  gedenke  an  mich  vil  arme  mait 
und  waz  ich  dir  habe  gesait.' 
hin  Houg  her  mit  sorgen 
biz  an  den  eilften  morgen, 
do  quam  her  unvorzogen 
645     uf  daz  wilde  mer  geflogen, 
her  ■warte,  wo  iz  im  tochte, 
daz  her  geruen  mochte. 
da  was  ein  koufman  irtrunken, 
mit  sime  schiffe  was  her  versunken, 
650     des  mastboumes  wart  her  gewar, 
der  rabe  floug  uf  in  aldar, 
darufe  her  gerate  sider, 
und  her  irschutte  sin  gefider, 
so  daz  von  dem  geschutte  sin 
655     entfil  im  daz  vingerlin 

zuhant  in  der  selbigen  stunt 
in  des  wildes  meres  grünt. 
658    der  rabe  do  gar  cranc  Gr.-j  ['darumbe  solde  ich  irtrinken 

wart 
658 "  von  grozem  leide  zu  66o  und   in  daz  w^ilde  mer  vor- 
diser  fart:  sinken, 

und  besorcte  ich  min  nicht 
an  unserm  herren  Jesu  Crist. 
wol  zen  stimt  sechzen  tusent  jar 
habe  ich  vorsumet,  daz  ist  war, 


G40.  und  fehlt  O.  mich  mitt  j,'utn  mutt :  O.  641.  und  fehlt  O. 
g.  das  nym  vor  gult :  O.  ü42.  her]  der  rabe  O.  644.  vnfro  gcczogen  W. 
646.  iz  fehlt  O.  647.  gerasten  O.  648.  kauffam  O.  649.  was  her  fehlt 
O.  vndergesunchken  O.  650  fehlt  O.  6.51.  uf  in  fehlt  O.  Auf  651 
fohjt  in  O:  Czvv  den  fogeln  eyn  grosse  schar.  6-52.  nichkt  her  O. 
653.  her  ir-  fehlt  O.  6-54.  schoten  O.  6.55.  gülden  v.  O.  656.  Czw 
der  O.  657.  wildes]  tyffes  O.  658.  gar  fehlt  W.  betrübet  O. 
658»  fehlt  W.  659]  Wenne  es  ist  mir  ertrunchken  O.  660.  dem 
m.  Torsunchken  O.     661    fehlt   O.     662]  Ich  hab  xpiöi  iliiii  her  O. 

663.  wol  zen  stunt  s.]  Wol  x  sechczentawsin  W  Sybczen  tausent  O. 

664.  habe  ich]  Seiden  O. 


26  Der  Rabe  und  Fischer  Ise. 

665  sinte  Oswalt  dem  herren  min 

juncfrou  Spangen  di  edelen  kunigin.' 
im  was  leide  und  bange, 
sin  clage  werte  wnlange: 
669  ein  fischer  quam  geswummen     uf  des  meres  unden 
671  in  eime  schiffe  balde,     daz  was  des  raben  salde, 

674  der  hiz  meister  Ise,     673  ein  fischer  gut  und  wise, 

675  der    den    gra^ren    roc  bevant,      damit    her  den   kunig 

OrenclQl  bewant, 

678  daz  her  daz  heilige  grap  gewan.     677  do  her  den  raben 

blicte  an, 

679  her  vil  uf  sine  bare  kni     nider  in  sine  gali, 

6S1  her  sprach  'bist  du  iz  Raphael     oder  der  engel  Gabriel, 
683  oder  hat  got  von  himelrich     hernider  zu  mir  gesant 

dich?' 
685  her   sprach   "^ewruche,   wer   ich  bin,     und  wirf  in  daz 

netze  din, 
687  dir  widerfert  gut  heil,     du  fehest  fische  ein  michel  teil, 
689  fische  alhi  an  diser  stete' !    der  fischer  daz  zuhant  tete, 
691  daz  in  der  rabe  hiz.     der  gute  got  das  nicht  ewliz, 
693  her  finge  vil  schire  wol     sin  schif  guter  fische  vol. 


665.  sinte]  Vnd  O.  den  O.  666.  j.  Sp.]  Vnd  iucfraw  S.  W.  Fang  O. 
667.  ant:  O.  668.  Seyn  clagen  O.  un  v.  Kraus]  en  IV  gar  O. 
Danach  nur  in  O:  Czw  den  selbigen  stunden.  669.  Quam  e.  v.  O.  670 
fehlt  O.  671.  Ym  eyn  O.  672.  rabes  schuld  O.  673  vor  674  If . 
gut]  klug  O.  674.  Ise  Bartsch]  reys  W  eya  O.  675  hinter  676  O. 
giawen  roc  Berger]  grossen  roth  O  seibin  rot  W.  vant  O.  676. 
damite]  Der  fürt  O.  her  fehlt  WO.  Orendel  Berger]  der  engil 
vor  den  k.]  W  aus  engel  O.  bewant]  lanth  O.  677.  blicte]  bette  O. 
678]  Heilige  globin  her  gewan  hinter  677  W.  679.  nyder  uff  O 
[vgl.  680).  bare  fehlt  O.  680.  seyn  W  seyner  O.  keneleyn  W. 
681.  b.  d.  iz]  dw  pist  O.  michael  O.  682.  der  e.]  sand  O.  Es 
folgt  in  O:  Ad'  bistu  raphael  Ader  eyn  ander  engel.  683.  hot 
dich  W.  684.  her  n.  fehlt  O.  gesant  czu  in.  W\  685.  geruche 
dich  W  ich  ruch  O.  686.  und  fehlt  O.  687.  wirf  aber  h.  O. 
688.  Der  vischer  vischt  eyn  O.  689  fehlt  O.  690.  daz  z.]  do 
das  O.  691.  daz]  Do  O.  692.  der  g.  fehlt  O.  693.  vil  fehlt  O- 
694.  schif  g.  f.]  necze  gar  O. 


Der  Ralie  und  Fischer  Ise.  27 


700  her  irwuschte 
'  den  fisch  mit  dem 
snabel  [sin] 


6i«5  der  fischer  sprach  'nu  iiim  du  rabe 

696  also  vil  fische  also  du  wilt  haben.' 

697  'gip  mir  einen'  sprach  der  rabe, 
69S  'damite  ich  mich  mochte  gelaben, 
69i»  daz  arme  cranke  herze  min.'] 

701  der  do  hate  daz  vingerlin 

702  geslungen  in  den  magen  sin. 
703  [in  sich  her  daz  geslungen 

hat. 
den  fischer  her  gar  sere  bat, 
705  daz  her  im  in  ufsluge 
und  gebe  im  gefuge 
wider  daz  gülden  vingerlin. 
her    sprach     'ist    iz    gewest 

din, 
so  solt  du  iz  wider  haben. ^ 
710  des  irf reute  sich  der  rabe, 
her  sprach  'bint  mirz  under 

den  flugel  min 
und  fische  biz  an  daz  ende 

din, 
darumbe  wil  ich    so  schone 
biten  got,  daz  her   dir  lone 
715  und  dir  sinen  engel  sende 
an  dime  letzten  ende.'] 


695.  Her  spr.  wol  mich  dw  O.  696]  Visch  als  vill  als  ich  habe  O. 
Es  folgt  in  O:  Wiltu  aynen  habn  dir  Gern  ich  dir  gebn  will. 
697.  gip]  Czw  O.  698]  Das  ich  mich  gelalje  O.  699.  arme  er.]  swach 
O.  700.  irmischte  fehlt  O.  den  fisch]  eynen  W  (vgl.  701).  701]  Ayn' 
der  das  v.  O.  702  fehlt  O.  70.3.  her  das  geslungen]  vorslundn 
O.  704.  Der  rabe  den  If.  her  fehlt  ff.  gar  sere]  auch  O.  706. 
ym  seyn  W.  707.  gülden  fehlt  O.  708.  ys  ist  W  das  ist  O. 
gewest  mey  deyn  W  gewesn  dein  O.  710.  Do  frewet  O.  711. 
mirz]  es  O.  seyn  meyn  O.  712.  biz  fehlt  O.  713.  ich  golt 
schonen  O.  714.  got  fehlt  O  (vgl.  713).  715.  Vnd  her  dir  W 
fehlt  O.    werdn  e.  O. 


28  Speisung  aus  dem  Paradiese. 

also  wart  dem  rebelin 

wider  sin  guldin  vingerlin, 

davon  her  freude  vil  gewan, 
720     und  her  floug  vurbaz  von  dan 

über  eilf  tage  fart, 

daz  her  gar  müde  wart, 

di  wile  her  euch  ni  embeiz 

guter  spis  weder  kalt  noch  heiz. 
725     uf  einen  stein  her  do  gesaz, 

der  uz  dem  mere  gewachsen  was, 

daruf  was  her  na  gestorben 

und  vor  hunger  vil  na  vordorben, 

bete  in  got  von  himelrich 
730     nicht  irneret  genediglieh, 

der  im  sine  spise 

sande  uz  dem  pardise, 

di  her  also  lange  nam, 

biz  her  wider  zu  creften  quam. 
735     do  swanc  her  sin  gefidere 

und  floug  aber  widere, 

biz  her  in  sines  herren  lant 

quam,  der  Oswalt  ist  genant. 

sinte  Oswalt  an  der  zinne 
740     wart  des  raben  inne, 

her  sprach:    '^frewet  uch  ir  herzogen 

und  ir  graven  unbetrogen, 

ich  see  minen  raben  zart 

wider  komen  uf  der  fart.' 

717.  raben  O.  719.  h.  gebon  grosse  fr.  gewon  O.  7^20.  her  fehlt  O. 
von]  hyn  O.  7L>1.  über]  Aber  O.  czwelff  O.  fart]  was  O.  723. 
ouch  fehlt  O.  em-  fehlt  O.  724.  weder  fehlt  O.  725.  eyme  steyne  W. 
do  fehlt  O.  sas  W.  72G.  gewaschn  O.  727]  D.  her  nohende  ver- 
torben  was  O.  728]  Vnd  hungers  gestorben  was  O.  729.  in  fehlt 
W.  730.  genediglieh]  seyne  leip  W.  731.  der]  Dem  W.  733.  so  O. 
734.  mder  fehlt  O.  czw  den  cristen  O.  736  fehlt  O.  737.  Bys 
das  XF.  738.  der]  do  O.  739/40.  cynnen :  ynnen  O.  741.  herzogen] 
herren  O.    742  fehlt  O.    743.  sach  O.    744.  kernen  fehlt  O.    diser  O. 


Heimkunft  uiiJ  Bericht  des  Raben.  29 

7-15     der  rabe  quam  geflogen, 

her  achte  nicht  uf  der  herzogen 
noch  der  graven  keine, 
748  [inweredazlip  748  "  n-an  sines  herren  eine, 

oder  leide]  her  floiig  im  uf  di  achsel  sin, 

750     her  sprach  'bis   wilkom   über  rabe 
min, 
wo  bist  du  gewest  also  lange, 
waz  entbut  mir  juncfrou  Spange 
di  edele  kuniginne?' 
her  sprach :  'das  solt  du  werden  inne, 

755     si  hat  dir  entboten  daz 

mit  ganzen  truwen  ane  haz: 
dir  wil  si  sich  irgeben 
unde  [kusche]  mit  dir  leben 
an  ires  libes  ende 

760     ane  alle  missewende.' 

"^ich  begere  ouch  nicht  mere' 
sprach  sinte  Oswalt  der  Jibe  herre, 
'so  waz  hat  si  mir  gesant? 
daz  solt  du  mir  tun  bekant,' 

765     'dir  hat  gesant  di  edele  kunigin 
ein  schon  guldin  vingerlin. 
daz  was  entfallen  mir 
in  daz  mere,  daz  sage  ich  dir, 
daz  hat  dir  got  gegeben  wider, 

770     das  laz  in  genizen  sider: 
dar  sint  arme  lute, 


746.  uf  fehlt  O.  748  fehlt  O.  748»]  Seyner  herren  ayne  O  fehlt 
W.  749.  Ffloch  her  O.  750.  bis]  das  soltu  O.  wilkomen  W.  751. 
Wy  O.  zo  O.  752.  vorpange  O.  753.  edele  czarte  W.  754.  Her 
sprach  fehlt  W.  755]  Sy  entpewt  euch  das  O.  756.  allen  h.  O. 
Ibl.  Euch  O.  758  fehlt  O.  759.  an]  Mitt  O.  761  Ich  nicht 
merbegerO.  762.  Spach  O.  sinte /"t'/ift  ir.  edele  jr.  im.  so  fehlt  O. 
764.  Das  tu  mir  O.  765.  Das  hoth  dy  O.  766.  schon  fehlt  O.  770. 
in  fehlt  O.  sider]  sey  geUder  O.  771.  dar  sint]  Das  seyn  O  Das  dy 
W.     armen  JF. 


30  Bericht  des  Raben. 

also  ich  dich  kan  beduten, 
über  di  irbarme  dich 
durch  den  got  von  himelrich, 
775     so  wirst  du  komen  schone 
zu  dem  ewigen  trone.' 
her  sprach  'geren  libez  rebelin, 
selig  si  di  lere  din!' 
[her  sagete  im  des  vingerlins  craft 
780     und  di  macht,  di  daran  lag.] 

782  'nu  sage  mir  liber  rabe  min, 
781     also  lip  alse  ich  dir  bin, 

783  hast  du  icht  vornomen, 

wi  ich  zu  ir  mochte  komen?' 
785     her  sprach  'gehabe  dich  wol, 

ich  dirz  allez  sagen  sol, 

ich  habe  iz  irfaren  gar, 

wi  du  zu  ir  körnest  dar: 

mit  wunderlichen  sachen 
790     solt  du  dir  lazen  machen 

zwe  und  sibenzig  kile, 

beite  nicht  unde  ile 

und  laz  si  gar  schire  blicken, 

darin  so  solt  du  schicken 
795     hantwerc  aller  hande, 

di  man  in  dem  lande  ...   [di  man  irne  vinden  kan, 
darzu  nim  alle  dine  man,] 
799     so  sol  ich  mit  dir  aldar 


772]  Als  ich  euch  bedewte  O.  774.  den  fehlt  O.  776]  Czw  der 
frewden  crone  O.  777.  liber  rabe  meyn  O.  778.  dir  die  rede  O. 
780.  an  ym  O.  781  vor  782  W.  Zo  O.  bin  dir  W.  78±  nu] 
Zo  W.  inir-min]  über  rabe  meyn  O  liber  rabe  mir  W.  784.  mag 
O.  786.  dir  sagen  O.  787.  wol  gar  O.  788.  wi-komest]  Czw 
ir  komestu  O.  789.  sunderlichn  Ö.  790]  Lasse  balde  m.  O.  791. 
sibenzig]  sibenczen  O.  792.  Seyme  O.  793]  Das  sy  schir  geluken  O. 
794]  Das  soltu  schyr  sichken  O.  795.  allerlay  hant  O.  797.  di 
man  fehlt  O.  Yndert  O.  798.  nim  fehlt  O.  799.  al]  komen  al 
W  fehlt  O. 


Ausfahrt  ohne  den  Raben.  31 

800     komen  in  alle  der  far, 

ob  du  sist  ein  koufraan. 

ob  dirs  denne  got  gan, 

so  fert  si  mit  dir  zu  lande 

di  juncfrouwe  ane  alle  schände.' 
805     Oswalt  nicht  lange  beitte, 

di  kile  gar  schire  bereitte, 

darin  unvorzogen 

hiz  allez  daz  gut  tragen, 

daz  man  darzu  solde  han. 
810     in  saz  her  und  [alle]  sine  man, 

hin  für  her  mit  sinen  herreu, 

biz  uf  daz  wilde  mere. 

do  vorgaz  her  des  raben, 

den  her  mite  solde  haben. 
815     her  rif  4r  herren  alle  gemein 

hat  den  raben  uwer  kein?' 

si  sprachen  alle  nein, 

in  hete  denne  ir  nekein. 

her  sprach  'woluf  endelich, 
820     sumet  nicht,  daz  wil  ich, 

uwer  achte  oder  vir 

bringet  mir  in  vil  schir!' 

zuhant  do  bereit  wart, 

si  musten  do  wider  an  di  fart. 
825     do  funden  si  den  raben  gan 

also  einen  armen  man 


800.  alle  dem  dir  W  aller  der  O.  far]  geper  O.  802.  es  dir  O.  803. 
fert]  Wirt  O.  804.  di  j.]  Werlich  O.  806.  schiffe  W.  gar  schire]  her 
O.  807.  Do  her  eyn  O.  808  fehlt  O.  tragen]  dor  eyn  legin  IV. 
809.  daz]  Sichk  was  O.  darzu  fehlt  O.  810.  Darynne  O.  alle 
fehlt  O.  Danach  nur  in  O:  Das  wir  es  habn  vorslann.  813.  Vnd 
vorgas  d.  O.  814.  sulde  mite  O.  816.  r.  yndert  ayner  O.  817. 
nein]  gemayne  O.  818]  Das  jti  h.  kayner  O.  821.  Euch  Ewr  O. 
822.  vil  fehlt  O.  823.  do  b.  w.]  dy  beraji  wordn'  Ö.'  824.  do 
fehlt  O.     an  d.  f.]  haym  foren  O.     825]  Vnd  f.  den  r.  vm  gan  O. 


32  Der  Rabe  nachgeholt. 

in  einer  snoclen  art, 

wenig  gutes  im  getan  wart. 

si  spraciien  zu  dem  raben 
830     'du  must  mit  uns  draben 

von  hinne  alzubant 
832     ferre  in  fremde  laut,     832='  [din  herre  hat  nach  dir 

gesant.'] 

her  sprach  '^ich  wil  iz  wol  bewarn, 

ich  wil  nicht  von  hinne  farn, 
835     min  herre  hat  min  vorgezzen, 

unde  ich  must  mit  den  smven  ezzen, 

des  waren  si  vordrozzen, 

si  haben  mir  zustozen 

min  schonez  gefidere, 
840     wi  solde  ich  denne  widere 

komen  na  gegangen 

bloz  vor  juncfrou  Spangen? 

daz  stunde  mir  nicht  wol  an: 

wil  mich  min  herre  han 
845     mit  im  zu  sinem  fromen, 

her  muz  selber  na  mir  komen 

mit  allen  sinen  herren 

und  mit  sinen  dineren.' 

dise  wort  di  boten 
850     Oswalden  wider  kunt  taten. 

Oswalt  zuhant  uf  der  fart 

mit  den  sinen  umbekart. 

do  her  den  raben  angesach, 

827.  watt:  O.  828]  W.  man  ym  guttes  tat  O.  830.  Wol  auffdw 
O.  832  fehlt  O.  832  a  fehlt  W.  833.  iz  wol]  do  heyme  W. 
834.  ich]  Vnd  W.  nicht  von  h.]  nyndert  hyn  O.  836  fehlt  O.  837.  Das 
worden  O.  si]  sy  gar  zere  W.  8.38.  haben]  hab  O.  mir]  mir  mey 
gefedir  W  mich  O  [vrß.  839).  839.  Vnd  m.  W.  840.  hyn  w.  O. 
841.  na]  nagkt  W.  842.  pange  O.  845.  sinem  fr.]  seyner  iucfrawen 
W.  846.  noch  m.  s.  O.  848.  allen  s.  O.  849.  wort]  ding  O.  850. 
wider  kunt]  czw  wissii  O.  851.  zuhant  fehlt  O.  mit  O.  852.  den- 
«mbe]  seyne  volk  wid'  O.    853.  an  saeh  W. 


Der  Rabe  nachgeholt.  33 

her  knite  nider  imde  sprach 
855      eia  vil  liber  rabe  min 

laz  wenden  den  zorn  din, 

far  mit  mir  von  hinne, 

das  bite  ich  dich  mit  sinnen : 

wo  du  blibest  hinder  mir, 
§60     juncfrou  Spangen  ich  entbir.' 

her  siprach  'ir  habet  min  vorgezzen, 

mit  den  suwen  muste  ich  ezzen, 

di  haben  mir  di  federe  min 

uzgestozen,  daz  ich  bloz  bin, 
■865     so  han  dine  kuchenknechte 

mir  getan  gar  unrechte, 

si  haben  mir  zuslagen 

min  houbet,  daz  muz  ich  clagen. 

Oswalt  rif  mit  schalle 
SlO    'si  muzen  hangen  alle!' 

her  sprach  'das  ensol  nicht  sin, 

daz  iman  durch  den   willen  min 

wurde  benomen  sin  leben, 

daz  im  got  hat  gegeben. 
S75    nu  setze  mir  di  crone  recht, 

min  gefidere  mache  siecht, 

so  fare  ich  mit  dir  unvorzait 

und  schicke  dir  di  schonen  mait.' 

Oswalt  nicht  langer  beitte, 
S80    den  raben  her  bereitte 

unde  ilte  ane  maze 

uf  des  wildes  meres  straze. 

im  zu  faren  wart  bescheiden  [sss  do  muste  her  wol  acht  jar 

sibenzen  tageifeide,  umbefaren,  daz  ist  war. 

856]  Las  n\v  deynen  cz.  sein  O.  858.  mit  ynne  fV.  860]  Voqmng: 
ich  ewig  entpur  O.  862.  sweyn  O.  868.  ich  musz  If.  870.  raustii 
hengn  O.  871.  en  fehlt  HO.  873]  Genomen  borde  das  lehn  seyn  O. 
875.  nu]  So  O.  876.  mach  nir  (!)  O.  878.  schonen  fehlt  O. '  881. 
Vnde  her  If.  882.  wildes  fehlt  JF.  883.  was  O.  884.  weide] 
reise  WO.    885.  Sy  musten   W. 

Baesecke,  Wiener  Oswald.  8 


34  Oswalds  Überfahrt. 

im  was  uzermazen  bände, 
her  künde  nicht  zu  lande 
komen  in  den  jaren 

890     von  des  wilde.s  meres  varen 
zu  der  juncfrouwen  sin 
vor  Spangen  der  edelen  kunigin, 
daz  machten  böse  winde. 
di  in  umbetriben  swinde. 

895     in  dem  ersten  jare 
liz  im  got  zeware 
alzumale  irtrinken 
ein  und  sibenzig  schiffe  vorsinken.] 
im  wäderfur  groz  ungemach, 
900     leides  im  ouch  vil  geschach 
uf  des  wildes  meres  stram, 
doch  in  got  in  sine  hüte  nam 
und  di  libe  muter  sin 
Maria  di  himelkunigin. 

905     [do  vor  Spange  daz  vornam, 
daz  ir  fridel  nicht  e^quam, 
si  gedachte  ir  vil  leide 
und  ginc  zu  dem  beiden, 

908*    der  ir  vater  was: 

909  daz  tete  si  allez  umbe  daz, 

910  daz  si  im  daz  vingerlin 
wiste,  daz  her  muste  sin 
kusche,  wen  her  daz  angesach, 


887.  aus  der  mosen  W  gar  O.  bände  :  7f '  andte  :  O.  888.  mocht  O. 
komen  czu  W  (vgl.  889).  889.  In  vil  manchin  W.  890.  von- 
meres]  Von  d.  wildin  m.  W  Her  mocht  auch  nicht  O.  gefarii  O 
strömen  W.  892.  v.  Sp.]  Fange  czw  O.  895.  den  ersten  ioren  O. 
896.  yn  O.  vor  wäre  O.  897.  vorsinchken :  O.  898.  man  yrtrinch- 
ken :  O.  900.  im  o.  v.]  vill  ym  O.  901.  wilden  JVO.  903.  edle 
O.  904.  hymelische  O.  905.  vorpang  O.  906.  fridel]  her  O. 
en  fehlt  WO.  908^  fehlt  W.  911.  mochte  O.  912.  Wolgemut 
an  allen  has  :  O.     an  sach  W. 


Oswalds  Cberf'ahrt.  35 

unkuscheit  an  im  gebrach, 
di  selben  tugent  hate  iz  ouch, 

915  aller  zorn  von  im  floiig, 
915"    wer  iz  imer  anr/csach, 

916  von  sinen  lügenden  daz  geschach. 
der  beide  begunde  fragen, 

daz  si  im  solde  sagen, 

wer  ir  daz  gegeben  bete. 
9-'o     vil  ungerne  si  daz  tete. 

juncfrou  Spange  wart  gewar 

wol  in  dem  nunden  jar, 

daz  ir  lip  an  nnderlaz 

in  vil  grozen  noten  was. 
925     noch  mochte  her  nicht  irtrinken, 

noch  in  dem  mere  vorsinken.] 

im   was  gegangen  abe 

trinken,  ezzen  unde  ir  habe, 

930  daz  her  nicht  mer  gehaben  mochte, 
929     waz  im  zu  spise  tochte. 

931  Oswalt  want  sine  hende, 
dem  kile  ginc  her  zu  ende, 
da  stunt  ein  alter, 

darufe  gotes  marter. 
935     her  sprach  '^got  von  himelrich 
irbarme  dich  hüte  über  mich, 
mir  dine  hülfe  sende, 
ich  furchte,  min  lip  habe  ehi  ende, 
o  du  rosenvarwez  blut. 


913]  Dor  mite  her  des  corns  vorgass  O.     914.  selbe  feJilt  O.     91.5" 

fehlt  W,  foUjt   auf   916    O.     an    sach   O.     910.  seyner   tugent    O. 

917.  czu  fr.    tVO.     9i20.  vil  fehlt  O.     9^21.  Vorpang  O.    92^.  w.  i.] 

Czw  O.  923.  daz]  Do  O.     924.  vil  fehlt   O.     92-5.   Doch    O.     928 

fehlt  O.  Brot  tr.   W.     929.  vor  SSO   ff  O.     im  fehlt  IV.     930.  daz 

fehlt   O.  932.  Dem   .«chiffe    fV   Den   kyl    O.     ^inc    her]    her    aus 

ging  O.  9.36.  hüte  fehlt  O.     93S.  lehnO. 


36  Oswalds  Überfahrt. 

940     unser  herre  nim  mich  in  dine  hut!' 

di  clage  horte  der  rabe  ouch, 

dem  herren  lier  uf  den  arm  floug, 

her  sprach  Svaz  gewirret  dir 

über  herre  daz  sage  mir!' 
945     do  sprach  hinwider  sinte  Oswalt 

'mine  clage  ist  so  manigfalt, 

daz  clage  ich  niman  mere, 

wan  gote  unserem  herren, 

ich  weiz,  waz  ich  dir  sagen  sei, 
950     du  weist  iz  selber  wol.' 

'daz  nu  dirz  jemerlichen  gat, 

is  sol  werden  gut  rat: 

gelobe  herre  an  diser  frist 

an  unsern  herren  Jesum  Crist 
955     dri  tage  in  der  wochen 

vasten  ungebrochen, 

so  daz  du  keiner  hande  wis 

guter  spise  nicht  embizt, 

so  wirt  dir  Marien  kint 
960     senden  einen  guten  wint, 

daz  du  komest  zu  lande 

[zu  vor  Spangen],  dar  dir  ist  so  bange.' 

Oswalt  des  nicht  enliz, 

her  tete,  waz  in   der  rabe  hiz. 
965     do  quam  ein  vil  guter  wint, 

der  in  zu  lande  brachte  sint. 

do  her  zu  lande  komen  was, 

940.  unser]  0  O.  czw  deyn'  O.  9452.  Den  O.  uf]  ouch  uf  W  an 
O.  den  arme  slug  O.  944.  h.  meyn  O.  946  fehlt  O.  948]  Denn 
got  vnd  seyner  mutt'  here  O.  951]  N\v  ist  es  dir  komerlichn 
not  O.  952.  is]  So  O.  wesin  W  dir  werdn  O.  gutter  O.  953.  herre] 
got  W.  der  O.  955.  in  der]  vnd  derey  O.  957]  Das  yn  kayner 
\v.  O  (vgl.  958).  95S]  Gutter  hande  speysse  O.  959.  so]  Do  O. 
mariam  O.  962.  v.  Sp.]  pang  O.  dar]  do  O  noch  der  W.  ist  dir 
ir.  ande :  O.  963.  das  W.  965.  vil  fehlt  O.  966.  swint  :  O. 
967.  dem  1.  O. 


Der  Rabe  meldet  Oswalds  Ankunft.  37 

der  rabe  wart  iii  so  laz, 

zu  der  burc  her  hin  floug 
970     und  darunder  swebete  ouch. 

daz  treip  her  also  lange 

biz  di  kuniginne  vor  Spange 

sin  da  gewar  wart. 

der  rabe  so  zart 
975     floug  durch  ein  fensterlin, 

darunder  saz  ein  kunigin 

do  einmuterleine, 

bi  ir  was  der  meide  keine. 

do  si  den  raben  angesach, 
980     si  emptinc  in  unde  sprach 

'bis  wilkora  libez  rebelin, 

wo  ist  Oswalt  der  libe  herre  min?' 

her  sagete  ir  di  mere, 

wi  her  mit  grozer  swere, 
985     mit  not  und  mit  sorgen  grande 

komen  wer  nu  zu  lande, 

und  daz  groze  ungemach, 

daz  im  uf  dem  mere  geschach. 

['über  rabe  nu  sage  an, 
S90     wo  hat  her  di  kile  gelan?' 

her  sprach  'si  sint  irtrunken 

unde  in  dem  wilden  mere  vorsunken.' 

si  sprach   'so  muz  ich  bliben  hir, 

vurwar  daz  geloube  mir.' 
995     her  sprach  'edele  juncfrou  gut 

968.  was  O.  969.  hin]  do  O.  970.  und  fehlt  O.  Dar  vmb  O. 
her  auch  O.  972.  biz]  Das  W.  di-Spange]  iunchfraw  pange  O. 
97.3.  da  fehlt  O.  974  fehlt  O.  Des  rabin  W.  975.  Her  fl.  W.  976. 
dy  W.  977.  do]  Nwr  O.  979.  an  sach  W.  981.  bis  fehlt  O. 
vil  1.  W.  982.  libe  fehlt  W.  9S.ö.  noten  O.  986.  nu  fehlt  O. 
987.  daz  groze]  alles  das  O.  989]  Sage  über  an  O.  990.  habt  ir 
O.  schifle  W.  Ion  O.  991.  seyn  IF.  992.  unde  fehlt  O.  der- 
sunchken  :  O.  99.3.  si  spr.  fehlt  O.  99i.  daz  g.  m.]  sag  ich  dir  O. 
99.5.  edele  fehlt  O. 


3(S  Der  silberne  Hirsch. 

zware  also  ir  is  nicht  entut! 

und  wo  daz  wurde  vorgen 

ich  queuQG  nimer  dahin, 

da  man  uch  nimer  nente 
1000     oder  uwern  namen  irkente, 

ich  queme  ouch  mit  nichte  dar, 

wo  ich  uwer  wurde  gewar.' 

si  sprach   'liber  rabe  blip  hi  bi  mir, 

ich  tu  allez,  daz  Yip  si  dir.' 
1005     her  sprach:  'juncfrouwe  min 

ir  sprecht  alse  ein  zarte  kunigin. 

lat  uch  teufen  balde, 

daz  wirt  uwer  salde, 

davon  uch  werden  eben 
1010     alle  uwere  sunden  vorgeben.] 

si  sprach  'ist  her  ein  heilig  man, 

[min  fridel]  daz  ich  nicht  gewizzen  kan, 

so  heiz  in  biten  sinen  got 

(daz  her  im  helfe,  das  ist  not) 

1015  umbe  ein  hirz,  daz  sol  sin, 
1015^  daz  sage  ich  dir,  silberin, 

1016  und  fuwerrot  guldin 
1016''^  sol  sin  gehurn  sin, 

1017  der  sol  louien  alzuhant 
durch  mines  vater  lant. 
kan  her  den  gehaben  nicht 


996.  zware  fehlt  O.  alz  JV.  is]  ym  O.  997.  w.  vorgan  O  vorginge  If. 
998]  Ich  quem  nymer  dann  O  Vnd  do  hen  nymer  qweme  W.  999.  ucli 
nimmer]  dich  O.  1000.  deynen  O.  1001.  kora  O  fehlt  W.  nichten  If  . 
1003.  lip  liber  W.  hy]  auch  O.  1004.  tu  was  behaget  dir  O.  1006.  redt 
O.  zarte  feJilt  O.  1008.  sulde :  W  schold  :  O.  1009]  Do  wirt  von 
euchgetrebin  ff.  1010.  Vnd  a.  ir.  sunde  W.  1011.  heihger  ni.,  nacJi- 
träglich  durch  Strich  verhunden  Triieüig  O.  1012.  fr.]  herr  O.  1013. 
haysl  O.  anbeten  O.  1014.  das  ist]  aus  diser  O.  1015.  Und  pitt 
vm  O.  1015^  daz-dir  fehlt  W.  silberin  zu  1015  W.  1016.  tuwerrot] 
darczu  O.  1016^  fehlt  W.  Sol  auch  O.  1017.  Das  O.  al  fehlt 
O.     1018.  vatern   iV  vatters  O.     1019.  Mag  O. 


Der  silberne  Hirsch.  39 


1020     von  sines  waren  gotes  pflicht, 
so  muz  her  gar  sorclich 
von  hinne  faren  ane  mich.' 
der  rabe  saite  im  di  mere 
unde  jo  niman  «-ere 

1025     bezzer  in  alle  der  not 

wan  unser  liber  herre  got 
und  di  libe  rauter  sin, 
aller  sunder  ein  trosterin: 
'ich  rate  uch  allez  sunder  wan, 

1030     ruft  si  mit  ganzen  truwen  an.' 
und  her  sagete  ouch  dabi 
von  dem  hirzgewi, 
wi  daz  solde  getan  sin 
und  wi  der  hirze  loufen  hin 

1035     solde  da  alzuhant 

durch  ires  vater  laut: 

'wo  daz  nicht  geschieht, 

so  macht  du  ir  gehaben  nicht 

und  must  in  sorgen  banden 

1040     hinheim  faren  zu  lande.' 

Oswalt  fil  nider  uf  di  kni, 
her  sprach  'got  ich  bin  alhi 
komen  in  sorgen  unde  in  pin 
herre  durch  den  willen  din: 


1020.  seyne  (!)  W.  waren  fehlt  O.  1021.  h'  von  hynne  W  [vgl.  1022). 
gar  fehlt  O.  vn  sewb'lich  :  W.  1024.  ja]  ouch  W.  niman  were 
Zwierzina]  nimande  mere  WO.  102.5.  Bessz  W.  aller  O.  1026. 
vnsers  fr.  liber]  libin  »'/•('/;/<  O.  h'ren  7r.  \{)'21.ö.\  fehlt  W.  1028. 
Allis  W.  102'J.  ich-allez]  Ich  rote  euch  allir  W  Vnd  red  mit  ym  O. 
1030]  Das  her  sy  ryffe  mit  andacht  an  O.  1031.  und  fehlt  O.  ouch] 
euch  W.  1032]  Wy  der  hyrse  sey  O.  1033]  Der  geton  sulde  seyn 
O.  1034.  w.  d.  hirze]  wider  O.  liffe  tF.  1035.  da  fehlt  O.  al 
fehlt  W.  1036.  Loflen  d.  TV.  vatters  O.  103S.  habin  W.  1039. 
an  W.  1040]  Varin  heym  wedir  czu  1.  W.  1041.  nider  fehlt  O. 
seyne  O.  1042.  got  fehlt  W.  nw  alhy  W  hy  O  [i-fß.  1105). 
1043.  yn  grossen  sorgen  peyn   O.     1044.  herre]  Nur  O. 


40  Der  silberne  Hirsch. 

1045  hilf  mir  genediger  got       io46=  [diner  helfe  ich  begere, 

1046  daz  ich  kome  uz  diser  not    loie^  das  ich  bitte,  daz  solt 

1047  und  gip  mir  zu  diser  fart  du  geweren.] 
den  hirz,  also  her  mir  befolhen  wart, 

laz  mich  nicht  vorderben, 
1050  darumbe  Avil  ich  werben 

zu  einer  kirchen  dir, 
1051^di  dorfer  helfen  mir, 
1052  also  ich  si  allerbeste  habe, 

daz  ich  muge   darabe 

einen  prister  deste  baz  gehan 
1055  unde  in  dime  dinste  bestan 

williglichen  zu  aller  zit: 

an  dir  alle  min  trost  lit.' 

do  her  dise  wort  gesprach, 

einen  hirz  her  do  vor  im  sach 
1060  uz  dem  pardise 

in  alle  der  wise 

unde  in  alle  dem  gebere, 

übe  iz  ein  engel  were, 

von  silber  und  von  golde, 
1065  also  got  von  himel  wolde. 

der  hirz  wunniglich 

zu  der  burc  machte  sich 

über  berc  unde  über  tal 

lif  der  hirz  uberal, 
1070  her  lif  vil  man  ige  fart. 


1045.  genediger]  durch  den  werden  W.  J046.  von  O.  diser  fehlt 
W.  1046  ab  hinter  1046  O  fehlen  W.  1047.  zu]  icht  O.  fart] 
frist  W.  1048.  als  mir  entpoten  O.  wart]  ist  W.  lOöO.  erben  :  O. 
1051"  fehlt  W.  1052.  beste  ich  sy  O.  1053.  muge  ft-M  O.  1054. 
begee :  O.  1055.  dem  O.  ste  :  O.  1056.  Willig  O.  1059.  hirz]  engel 
O.  vor  im  fehlt  O.  1060.  Ap  her  aws  W.  1061.  Vnd  yn  W. 
aller  der  O.  1062.  alle  fehlt  O.  1063.  ein  heiliger  e.  W  der 
hirss  O.  1066.  Das  der  W.  wunessleich  O.  1069  vor  1068  O. 
lif-hirz]  Do  vor  liff  her  O.     1070.  vil-fart]  dar  czw  manigfalt  O. 


Die  Burg  doch  verschlossen.  41 

biz  der  beide  ?in  gewnr  wart. 

lier  rif  'woluf  alle  luine  dinstman, 

ich  se  einen  stolzen  hirz  stan, 

den  schönsten,  so  ich  in  i  gesach!' 
1075     ziihant  daz  volle  ufbrach, 

dem    hirze  volgeten  do 

wol  drizig  tusent  man  na. 

zuhant  uf  der  selbigen  fart 

di  burc  vaste  geslozzen  wart 
lOSO     gar  wol  unvordrozzen 

mit  zwe  und  sibenzig  slozzen. 

[in  der  selbigen  stunde 

der  rabe  aber  begunde 

sprechen  mit  der  edelen  mait, 
10S5     her  hup  uf  unde  sait 

ir  di  sweren  mere, 

wi  di  burc  geslozzen  Avere. 

gar  sere  her  si  bat, 

daz  si  selber  gebe  rat, 
lotto     wi  .si  ir  fridel  geneme, 

daz  si  von  der  burc  querae. 

si  sprach  'ist  her  ein  heilig  man, 

also  ich  an  dem  hirze  gesehen  han 

unde  ein  teil  irkant  wol, 


1072.  her  rif  fehlt  O.  mine  d.J  gemayne  man  O.  1073.  dort 
eyn  hiresche  O.  1074.  den  ich  ye  O.  1075.  Das  volk  czvv 
hant  O.  1076.  do]  sy  noch  W.  1077.  wol  drizig]  Drey  O. 
man]  hayden  O.  vilnoch  W.  1078]  Noch  der  abefart  O.  1079. 
vaste]  wider  O  [vgl.  lOSO).  1080.  gar]  Vast  O.  1083.  aber 
fehlt  O.  1084.  Czu  spr.  W  Reden  O.  1085.  an  O.  1086. 
solche  m.  O.  1087.  wi  fehlt  O.  1088.  Vill  stetiküch  O.  1089. 
geb  selber  O.  1090.  ir  fridel]  czw  yerem  herren  O.  geneme] 
were  IT.  1091.  Vnd  IF.  daz  si  von]  Auss  O.  1092.  selig  O.  1093. 
Azo  O)  O  Alz  ir.  gesehn,  'las  h  ou.'<  n-Ansotz?  W  fehlt  O.  1094. 
unde  fehlt  O.  t.  hab  ich  O.  Es  fohjt  in  O  (vor  109 r>):  Eyn  ding 
her  tuen  sol. 


42  Oswald  betet  um  Öffnung  der  Burgschlösser. 

1095     sinen  got  her  biten  sol, 
claz  sich  di  sloz  ufslizen 
[uf  der  burc],  das  mac  her  wol  genizen, 
geschieht  daz  von  siner  hande, 
so  fare  ich  mit  im  zu  lande.  ] 
1100     do  her  di  boteschaft  vornam, 
der  rabe  zu  Oswalden  quam, 
her  sagete  im  di  mere, 
daz  di  burc  geslozzen  were. 
Oswalt  uf  di  kni  fil, 

1105  her  sprach  'got  ich  dich  manen  wil 
1107     durch  alle  dine  gute 

1106  irfrewe  min  gemute, 
gedenke  liber  herre  min, 

daz  ich  durch  den  willen  din 
1110     und  durch  rechte  kuscheit, 

geliten  habe  dise  leit! 

ich  wil  dir  leisten  di  gäbe, 

di  ich  dir  gelobet  habe 

mit  willen  liber  herre  min 
1115     din  diner  wil  ich  imer  sin, 

des  laz  mich  herre  genizen, 

daz  sich  di  sloz  ufslizen 

diser  burc  alle  gemeine, 

und  daz  ich  kusche  und  reine 
1120     mit  der  edelen  kuniginne 


1096.  ufslizen]  oberall  O.  1097.  An  O.  das-genizen]  uff  schlissen 
Das  mag  her  wol  genyssen  O.  1098.  seynen  handn  O.  1099.  Ich 
vor  mit  O.  1100—1103  fehlen  O.  1104  vil]  vil  nedir  vor  uf 
W.  1105.  her  sprach  fehlt  O.  dich  manen  wil]  bin  alhy  ff. 
1106  vor  1107  W.  1108.  Bedenchk  O.  1110.  recht'  W  die  r. 
O.  1111]  Dy  du  an  mey  hercze  host  geleth  W.  1112.  layste  dir 
O.  1115.  wil  vor  sin  W.  1116.  Das  O.  herre  fehlt  O.  1117. 
daz-sloz]  Vnd  los  sich  O.  1118.  Dese  Jf  Dy  O.  borge  schlos  ge- 
mayne  O.     1119.  und  fehlt  O. 


Flucht. 

balde  muge  komen  von  hinnc' 

er  her  di  wort  uzgesprnch, 

di  sloz  man  alle  offen  sach. 

alzuhant  der  rabe 
1125     di  juncfrouwen  herabe 

fürte  bi  der  wizen  hant, 

da  her  sinen  herren  fant. 

her  antwurte  sinem  herren 

di  juncfroun  mit  grozen  eren. 
1130     sinte  Oswalt  alzuhant 

sich  juncfrou  Spangen  underwant, 

her  empfinc  si  frolich 

unde  umbegreif  si  liplich 

mit  den  beiden  armen  sin, 
1135     her  kuste  si  an  beide  wengelin 

[ane  allen  argen  wan, 

(vurbaz  her  si  nimer  an 

gerurte  zu  keiner  stunt) 

her  druct  si  an  sin  es  herzen  grünt,] 
1140     her  sprach  'der  alle  dinc  hat 

geschaffen  mit  siner  majestat 

1142  1  1  I  [alle  beiden! 
...^„  der  laze  uns  \...  .  ^ 
1142**                              I   bliben   wol  gesunt 

1143  [in  rechter  kuscheit  vorscheiden] 
1143 '^  nu  und  zu  aller  stunt!' 

1144  ab  stiz  her  den  kil  sin, 

1145  hin  fürte  her  di  kunigin. 


1121.  mag  O.  1122.  er]  Do  O.  das  O.  uz-]  fehlt  O  1123.  alle 
fehlt  O.  1125.  nam  her  abe  :  W.  112Ü.  Do  fürte  h'  sy  W.  1127.  s. 
herren]  oswalten  O.  1 130.  sinte /"p/?/^  O.  1131.  sich /'«'äV)' TF.  Jucfraw 
Spange  W  vorprangen  0)  O.  1133.  vmfing  sy  frolich  liplich  :  O. 
1134.  den  fehlt  O.  1135.  1).  w.]  yr  nniiideleyn  O.  1136.  allen  a. 
w.]  argen  won  allayn  O.  1137  fehlt  O.  11 38.  Geruren  O.  1139. 
yeres  O.  grünt]  muntli  O.  1142.  uns]  vnd  Jf.  allen  W  fehlt  O. 
lU-I"  fehlt  fV  hinter  114:i  O.  der-uns  fehlt  WO.  1143.  rechter 
fehlt  O.  1143"  fehlt  W  hinter  1142''  O.  UU.  den  k.]  das  schiff 
ir  dy  kvle  O.     1145.  k.  feyn   ff . 


44  Zorn  des  Heiden. 

sinte  Oswalt  der  milde 

uf  des  meres  wilde 

zuhant  vol  komen  was, 

do  quam  der  beide  unde  drast 
1150     mit  dem  hirzen  guldin 

und  wolde  den  der  tochter  sin 

vor  übe  baben  gegeben: 

si  was  im  lip  als  sin  leben. 

do  ber  der  tocbter  nicbt  e»fant, 
1155     ein  born  nam  her  in  di   bant, 

daz  satzte  ber  an  den   munt 

und  blis,  daz  zu  der  selbigen  stunt 

daz  born  lutte,  und  bedutte  daz 

sinen  zorn  und  sinen  baz 
1160     und  sine  groze  grimmikeit, 

di  ber  an  di  tocbter  leit. 

darna  im  binamen 

drizig  tusent  beiden  quaraen, 

di  da  alle  bi  dem  born 
1165     wol  irkanten  sinen  zorn. 

di  irbuten  alle  sieb 

zu  sinem  dinste   williglicb. 

ber  spracb  'ir  berren  gebet  rat, 

sint  mir  ein  koufman  bat 
1170     wecgefurt  di  tocbter  min, 

daz  muz  mir  imer  leit  sin 

di  wile  icb  lebe  einen  tac, 

biz  icb  micb  gereeben   mac' 

1146.  sinle  fehlt  O.  1148.  zuhant]  Yczunde  O.  vol]  woll  O. 
1149.  do  quam  fehlt  O.  drast  RoedUjer]  dast  W  hrochte  das  O.  1150. 
Des  hyrsen  gehyrne  g.  O.  11.51.  es  O.  libin  t.  W  {vgl.  1152).  1154. 
dy  TV.  en  fehlt  WO.  11-55.  dij  seyn  O.  1156.  seynen  O.  1157. 
saXhv^en  fehlt  O.  1158.  lutte  und  fehlt  O.  1159.  sinen]  grymige  W 
(vgl.nioO).  1162.  im  bin.]  alle  samen  TF.  1163.  tusent  ffM  O.  1164. 
da  fehlt  O.  1166.  sich]  gleich  O.  1167.  w.]  sich  O.  1169.  kawffin 
oder  kawffm  W  kauffam  O.  1170.  hot  dy  O.  1171.  imer  fehlt 
W.     1173.  biz]  Das  O. 


Verfolgung.  45 

uz  der  samelunge  her  dn   kos 
1175  drizig  tusent  beiden  groz, 
di  bi  den  selbigen  jaren 
under  im  di  be.^ten  waren, 
dem  beiden  was  vil  ga     1179 '■  [mit  alle  dem  gesinde 

1179  her  machte  sich  snelle  »her    volcte    na    gar  ge- 

hinna.  swinde.] 

1180  do  juncfrou  Spange  gewar  wart 
ires  vater  nafart, 

si  ginc  alzubant 

da  si  Oswalden  fant 

zu  des  kiles  ende, 

1185  si  kuste  im  sine  bende, 

1187  'jo',  sprach  si,  'über  berre  min 

1186  groze  übe  muz  gescheiden  sin: 
min  vater  hat  irscbellet  ein  born, 
daz  bedutet  sinen  zorn, 

1190  her  ist  ein  f reissam  man, 

unde  kumet  her  uns  an, 

her  bringet  uns  in  groze  not, 

nu  bitte  balde  dinen  got, 

an  den  ich  geren  gelouben  wil, 
1195  daz  her  kume  also  vil 

in  drien  tagen  gefaren  kan, 

also  wir  bute  haben   getan.' 

sinte  Oswalt  knite  nider, 

mit  innikeit  bette  sider, 
1200  her  sprach   'bimelischer  got 

sich  an  mine  groze  not 

1174.  gern ayn  O.  kos]  los  O.  1175.  Dreycen  t.  O.  1177]  Dy  beste 
alle  woren  W.  1178.  vil]  so  O.  1179]  Das  her  sich  machte  noch  O. 
1179ab  fehlen  W.  allem  O.  1180]  Vorpange  wart  gewar  O.  1181. 
Vaters  WO.  1184.  zu]  An  O.  Schiffes  W.  1185.  kuste]  post  O. 
1186]  vor  1187  W  Vnser  lehn  muss  do  hyn  O.  1187.  Eya  über  O 
[vgl.  1188).  1188]  Ja  bore  ich  meynes  vaters  hörn  O.  1189.  bedewte 
O.  s.  grossen  O.  1193]  An  bete  wir  b.  vnsern  got  W.  1195.  komme 
so  O.     1197.  Als  O.     1199.  h'  sedir  W.     1^00.  ach  h.  O. 


46  Entkommen  durch  Gebetwunder. 

und  gedenke  ouch  daran, 
waz  ich  dir  habe  getan 
williglich  durch  rechte  reinikeit 

1205     und  umbe  luter  kuscheit. 

ich  wil  dir  leisten  i  di  gäbe, 
di  ich  dir  gelobet  habe, 
unde  ich  7vil  ouch  darzu 
über  vir  wochen  jo 

1210     machen  eine  spende 

mit  mines  selbes  hende: 
so  wil  ich  alle  di  gewern, 
di  an  mir  icht  begern 
durch  den  willen  din 

1215     hilf  uns  herre  uz  diser  pin 
unde  mache,  daz  min  swer 
bi  drien  tagen  nimer  her 
an  dise  stat  gefaren  kan, 
also  wir  hüte  han  getan.' 

1220     do  machte  daz  himelische  kint, 
daz  do  quam  ein  gut  wint, 
der  hinderte  den  beiden, 
daz  her  sich  vaste  leide 
bedenken  begunde  darumbe, 

1225     her  für  vil  manige  krumbe 
unde  manigen  irren  ganc, 
daz  machte  im  di  wile  lanc. 
also  quam  sinte  Oswalt 


1203.  Das  O.  1204.  wiU.]  Noch  O.  1205.  luter]  yr  O.  1206.  dir 
leistin  y  W  laysten  dir  O.  1208.  ich  wil  ouch]  ich  ouch  W  auch 
ich  O.  1211.  meynen  seihest  hende  O.  1212.  so  fehlt  O.  be waren  :  O. 
1215.  herre  fehlt  O.  von  O.  1216.  mache  fehlt  O.  1217.  t.  möge 
W.  1218.  dy  W.  1219.  Als  O.  1221.  ein  g.j  storm  O.  1222. 
Her  W.  1223.  sich  fehlt  O.  1224  Begunde  her  sich  dar  vm: 
O.  Czu  b.  W.  dorynne:  W.  1225.  Hin  her  JV.  für  vil]  sucht 
O.     1228.  sinte  fehlt  O. 


Siej,'  über  die  Heiden.  47 

hinvur  di  straze  mit  gewalt 
1220'    [an  einem  suntage 

°    quam  her  von  der  habe] 
1230     gefaren  in  sin   eigen  lant 

und  samelte  sich  alzuhant. 

her  brachte  zusamene  alsam 

wol  drizig  tusent  man. 

an  dem  dritten  tage  do 
1235     quam  gefaren  hinna 

sin  sweer  der  heide, 

umb  sine  tochter  was  im  leide, 

mit  drizig  tusent  recken 

begunde  her  in  schrecken. 
1240     Oswalt  hat  drizig  tusent  man, 

her  begunde  wider  in  stan. 

stritUch  si  zusamene  quamen, 

di  beiden  grozen  schaden  namen, 

ein  teil  wart  irslagen, 
1245     alse  ich  horte  sagen, 

daz  ander  teil  irtranc, 

in  dem  mere  iz  vorsanc, 

gar  ubele  iz  in  irginc, 

den  beiden  man  selber  vinc, 
1250     sin  lip  und  ouch  sin  leben 

sinte  Oswalt  wart  gegeben. 

do  liz  her  sinen  swer 

1229.  Heym  vor  W  Hyn  wechk  O.  di  sir.  fehlt  O.  WI^b-^  fehlen 
W.  hage  O.  1230.  gefaren  fehlt  W.  eigen]  engel  O.  1231. 
al  fehlt  O.  1232.  zus.]  czu  hoffe  vor  brachte  W.  sam 
O.  1234.  dreiczende  W.  do]  doch  O  och  W  {vgl.  123.5).  123.5. 
Do  q.  W  Im  q.  O.  gefaren  hin]  geuolget  O.  1238.  dreycen 
O.  1239.  her  fehlt  W.  in  sehr.]  sich  eyn  srechken  O  sich  wedir 
sy  czu  streckin  IV.  1240.  hat  drizig]  vnd  dreyczen  O.  1241.  her] 
Ym  O.  in  fehlt  O.  zu  st.  1VO.  1242.  Slreytikhchn  O.  si  fehlt 
WO.  1243.  grozen  fehlt  O.  1244.  wart  yr  O.  1247.  Vnd  O. 
iz  fehlt  O.  1248.  gar  fehlt  O.  dem  heidin  ging  W  [i-gl.  1249). 
1249.  man  s.]  auch  ym  man  O.  12.50]  Her  vnd  seyne  leiten  O. 
1251.  sinte  fehlt  O. 


48  Vision  des  gefangenen  Heiden. 

legen  in  einen  kerker, 

der  da  was  gelegen 
1255     gar  nane  bi  dem  wege, 

da  man  hinvur  muste  gan, 

gut  was  daz  dem  gefangen  man. 

eines  nachtes  daz  geschach, 

der  engel  zu  im  quam  und  sprach 
1260     'lebest  du  noch  du  heidnischer  man? 

wi  lange  wilt  du  im  unglouben  stau? 

du  solt  nu  alhi  sen, 

waz  gegeben  wirt  den, 

di  hi  gote  gedinet  han 
1265     und  gute  werc  han  getan, 

ouch  solt  du  gewar  werden, 

waz  vordint  han  di  uf  erden, 

di  do  lebeten  wider  got 

und  ni  getaten  sin  gebot.' 
1270     her  begunde  selber  jen, 

her  weide  iz  geren  sen. 

do  sach  der  geselle 

nider  in  di  helle. 

da  sach  her  ligen  inne 
1275     eine  groze  wolfinne, 

di  tufel  stunden  umbe  di, 

swefel  und  pech  guzzen   si 

in  den  hals  ane  underlaz, 

ir  pin  gar  groz  was 
1280     von  hitze,  stänke  unde  rouch. 

dabi  stunt  ein  stul  ouch. 

1253.  den  O.  1255.  gar  n.]  Nohen  O.  1256.  Dar  vor  man  m.  O. 
1257]  Is  was  gut  das  man  fing  den  ma  W.  1258.  tages  JF.  125'J. 
heylige  e.  O.  quam  und  fehlt  O.  1260.  noch  fehlt  O.  1262.  nu 
fehlt  O.  schawen  :  O.  1263.  den  frawen  :  O.  1264.  hi  fehlt  O. 
1266.  gewiss  O.  1267.  dy  auch  Yordynen  off  O.  1268.  lehn  O. 
1269.  nicht  tuen  O.  1270.  selber]  s.  czu  W  fehlt  O.  1275.  w.] 
scher  hayden  O.  1276.  sy  :  W.  1277.  und  fehlt  O.  sy  yn  sy  :  W. 
1278.  In  czw  dem  h.  eyn  O.    1280]  Vor  h.  vor  gestanchk  v.  vor  r.  O. 


Vision  des  gefangenen  Heiden.  49 

der  lu'ide  zuhaut  fragete 
und  bat,  daz  her  im  .sagete 
unde  im  tete  offenbar, 
1285     wes  der  stul  were  aldar 

und  waz  daz  mochte  gesin 

1287  di  wolfinne  in  der  hellen  pin. 
1287 "  der  engel  im  zuhaut 

^  daz  allez  tete  bekant, 

1288  her  sprach  'di  wolfinne  in  der  pin 
1288'^  ist  di  husfrouwe  din, 

1289  so  ist  dt-r  stul,  geloube  mir, 

1290  her  ist  alda  gesatzt  dir.' 
do  her  sach  über  sich 
in  daz  hoe  himelrich, 
do  wart  her  ge^var 

dri  stule  offenbar 
1295     stan  bi  Marien  schone 

an  des  hoen  himels  trone. 
der  beide  in  aber  fragete 

1298  und  bat,  daz  her  im  sagete 
1298'^  mule  im  tete  offenbar, 

1299  wes  di  dri  stule  weren  aldar. 

loOO     her  sprach  'der  eine  sol  Oswalden  sin, 

der  ander  der  tochter  din, 

der  dritte  mac  wol  werden  dir, 

wilt  du  anders  volgen  mir 

unde  wilt  dich  toufen   lan 
1305     unde  got  beten  an.' 

1285.  aldar  feJilf  O.  1287.  w.j  teyfel  O.  hellen  fehlt  O.  1287 ab 
fehlen  W.  1288.  di-pin  fehlt  W.  1288"  0U  128S  W.  ys  ist  W.  frawe 
O.  1280.  and ir  st.  ir.  gel.  mir]  gegebin  dir  »'.  1290.  Der  O.  alda 
fehlt  O.  1291.  Vnd  sacli  aber  vber  O.  1292.  Aufit  O.  hoe  fehlt  O. 
1294  zu  1293  n  .  Dreyer  O.  1295.  Stunden  O.  mariam  O.  1296. 
In  O.  hoen  fehlt  O.  1297.  in  fehlt  O.  1298.  und  bat  fehlt  O. 
i-2'.ib'' fehlt  WO  (igl.  l-2>ii).  1299.  Was  IV.  dri  st.]  auch  O.  aldar 
fehlt  HO  (vfjl.  128Ö).  Es  folgt  in  O:  Drey  stul  an  alles  gelere. 
1.300.  oswaldin  sal  W  sol  oswalles  O.  1302.  wol  fehlt  O. 
Baesecke,  Wiener  Oswald.  4 


50  Der  Heide  will  sich  taufen  lassen. 

der  beide  alzuhant  do 

sprach  'jo  herre  jo, 

alle  diner  lere 

wil  ich  williglich  volgen  geren.' 
1310     des  morgens,  do  iz  tac  wart, 

juncfrou  Spange  mit  der  fart 

begunde  zu  der  kirchen  gan, 

do  sach  si  ir  vater  und  rif  si  an: 

'tochter  ga  her  und  bore  mich, 
1315     mit  truwen  des  bite  ich  dich: 

mir  ist  hint  vorkomen 

wi  ich  habe  vornomen 

daz  wunderliche  mere, 

wi  ein  guter  got  were, 
1320     der  wonet  in  dem  himelrich. 

wir  haben  geloubet  torlich, 

daz  wir  alle  sunder  wan 

den  tufel  gebetet  haben  an: 

ich  habe  irkant  an  diser  frist, 
1325     daz  ein  warer  got  ist. 

nu  vil  libe  tochter   min 

bite  Oswalden  den  herren  din, 

daz  her  bite  sinen  got 

umbe  mine  lute,  di  her  hat 
1330     irslagen  unde  irtrenket 

unde  in  dem  mere  vorsenket, 

daz  her  mir  zu  diser  stunt 

di  mache  lebendig  und  gesunt, 

1306.  al  fehlt  W.  do]  so  O.  1307.  sprach  fehlt  O.  herre]  gern  O. 
1308.  Aller  O.  1309]  Volge  ich  dir  herre  gerne  O.  1310.  iz  tac]  das 
W.  1311.  Dy  i.  pange  O.  an  W.  1313.  Do  sach  ir  vater  O  Ir  vatir 
sach  sy  W.  1314.  höre  m.]  sich  O.  1315.  truwen]  willen  O.  das  W. 
1316.  hewte  IV.  1317.  wi  ich]  Vnd  wy  ich  das  W  Vorwar  ich  O. 
1318.  daz  fe/^Z^O.  1319.  guter]  aynig  O.  13-21.  ge  glewbit  W.  1323.  Dy 
O.  habn  yn  g.  O.  1324.  in  TF.  der  O.  1325.  bite]  betit  W  bete 
den  O.  1330.  Dy  her  bot  O  [vgl.  1329).  ertronchke  :  O.  1331.  vor- 
sonchkn  :  O.    1332.  mir  fehlt  O.   der  O.    1333.  Si  O.   mache  fehlt  11\ 


Spange  verhandelt  für  iliren  Vater. 

SO  wil  ieli  mich  toufen  lan 
1335     mit  in  und  got  beton  an/ 

di  iuncfrouwe  vil  fro  wart, 

hin  lif  si  mit  der  fart, 

si  fant  Oswalden  an  sirae  gebete 

(inniglichen  her  daz  tete) 
1340     vor  dem  cruze  ;^i  in    ligen  fant, 

sin  andacht  was  gote  bekant, 

den  her  stetigliche 

bat  umbe  daz  himelriche. 

do  her  di  juncfroun  anr/^sach, 
1345     zuchtigliche  her  zu  ir  sprach 

'juncfrouwe  w-az  machet  ir 

vor  mir,  daz  berichtet  mir! 

ir  wizzet  wol,  was  ich  uch  gebeten  han. 

daz  ir  state  suUet  ifstan 
1350     in  der  kirchen  und  beten  vil.' 


1351     do  sprach  di  edele  kunigin 

'herre  mich  hat  der  vater  min 

her  zu  dir  gesant 

und  hat  vaich  so  ho  gemant: 
1355     über  herre  ich  bite  dich, 

daz  du  got  von  himelrich, 

unsern  herren  Jesum  Crist 

umb  sin  volk  bliest,  daz  tot  ist, 

bite,  daz  in  daz  leben 
1360     Avider  wirt  gegeben, 

so  wil  her  lazen  toufen  sich 

und  wil  an  got  gelouben  von  himelrich.' 

[juncfrou  daz  vormac  ich  nicht, 

ir  tut  denne  gote  rieht 
1365     ein  dinc,  daz  ist:   uwer  kuschelt 

unde  uwer  luter  reinikeit 


1336—1465  fehlen  O.  1344.  an  sach.  1347.  vor  mir  zu  1346. 
mir:]  mich.  1348.  stan.  ISöl.  edele  fehlt,  k.  Bartsch]  koni^ynne  fej 
(vgl.  118  «.  608).    13.54.  Vnd  her  hot  mir.     genant.     13-08.  do  tot. 

4* 


52  Spanges  Gelöbnis. 

gelobet  zu  halden  gote 

ganz  fru  unde   spate, 

daz  ir  zu  allen  stunden 
1370     kusche  und  rein  wert  funden, 

so  wil  euch  got  von  himelrich 

diser  bete  geweren  mich 

an  disen  grozen  sachen 

sin  Volk  lebendig  machen.' 
1375     di  juncfrouwe  das  fro  was, 

si  sprach  'gote  ich  gelobe  daz 

und  Marien  der  liben  muter  sin, 

daz  ich  di  kuscheit  min 

und  mine  reinikeit  luterlich 
1380     wil  imer  behalden  ewiglich 

State  ane  alles;  gewanken 

mit  Worten  und  mit  werken, 

wo  ich  daz  imer  breche, 

got  daz  an  mir  reche.' 
1385     si  sprach  Über  herre  min 

bite  ouch  vur  di  sele  min 

und  di  dinen  den  guten  got, 

vil  gerne  wil  ich  tun  sin  gebot 

wo  ich  bin  in  weiden 
1390     mit  den  wölken  oder  mit  den  winden, 

mit  den zu  keiner  stunt, 

siner  libe  vorgizzet  nimer  der  munt, 

ich  trinke  oder  ezze, 

sin  ich  nimer  vorgezze 
1395     und  der  bitterw  martir  sin 

und  der  jemerlichen  pin, 

di  her  an  dem  cruze  leit, 

und  der  grozen  jamerkeit, 

di  sin  libe  muter  leit, 


1372.  Dese.  1378.  daz  ich  Bartsch]  Dy  ist  W.  1381.  allen.  1382. 
werbin  :  mit  Korrehtur  b  >  k  .^  1388.  tun  v.  Kraus]  an  W.  1390.  den 
wölken]  dem  volke.    1391.  den  hyden  aus  den  hüden.    1395.  dy  bitter. 


Erweckun^'  der  Heiden.  53 

1400     unde  ir  groz  ungemach, 
do  si  ir  kint  hangen  sacli 
an  dem  cruze  vil  ho 
geliche  eime  dibe  also.'] 

'o  vater  himelischer  got 
1405     gedenke  an  den  bittern  tot, 

den  du  lidest  geduldiglich : 

an  disera  gebete  irhore  mich: 

ich  dich  bite  hüte, 

mache,  daz  dise  lute 
1410     wider  muzen  leben, 

di  hi  dem  tode  sint  gegeben.' 

do  her  dise  wort  gesprach, 

di  lute  man  alle  sach 

lebendig  bi  dem  uver  stan, 
1415     und  begunden  zu  der  burc  gan: 

zu  der  selbigen  stunt 

wurden  si  alle  gesunt. 

uf  di  burc  quamen   mere, 

wi  si  alle  lebendig  weren. 
1420     do  si  alle  binamen 

vor  sinte  Oswalt  quamen, 

her  sande  in  sin  lant 

nach  bischofeu  alzuhant. 

dl  quamen  her  gefaren, 
1425     drizen  tusent  ir  waren 

under  im  gesezzen. 

her  hate  sich  vormezzen, 

si  musten  darzu  tichten, 

wi  si  di  beiden  machten  cristen. 
1430     di  bischofe  Oswaldus  nam 

unde  ouch  ire  cappellan 

touften  zu  dem  selbigen  mal 

di  beiden  allcz  uberal. 


1400.  irl  seyn.    1424.  di]  Do. 


54  Taufe,  Heimfahrt  der  Heiden,  Schluß. 

darna  nicht  lange 
1435  wart  getoufet  juncfrou  Spange 

unde  ir  vater,   mit  der  fart 

Johannes  her  geheizen  wart. 

di  getonften  alle 

rifen  uf  mit  schalle 
1440  '^sinte  Oswalt  ist  ein  heilig  man, 

der  diz  wunder  hat  getan!' 

Johannes  do  alzuhant 

heim  für  in  sin  lant. 

her  Hz  alunbescAeiden 
1445  toufen  drizig  tusent  heiden, 

di  sich  nicht  weiden  toufen  lan 

und  na  rechtem  gelouben  stan, 

di  Hz  her  alle  toten 

in  so  jemerlichen  noten, 
1450  her  Hz  in  gar  wnsuzQ 

binden  hende  und  fuze 

zusamene  unde  irtrenken 

unde  in  daz  mer  vorsenken. 

alhi  hat  daz  buch  ein  ende. 
1455  got  uns  sine  hülfe  sende! 

ruft  an  sinte  Oswalden, 
1457  daz  her  uns  in  siner  [i4ö8und  zu  dem  kunige  gut, 

hüte  behalde  daz  lier  uns  neme  in  sine  hut] 

1460  und  bezzere  unser  leben, 

so  daz  wir  komen  eben 

zu  im  alle  geliche 

in  gotes  himelriche : 

daz  uns  daz  allez  wei'de  war, 
1465  so  sprechet  alle  amen  offenbar! 

1440.  heilig'  {vgl.  1011  d-  1092).  1442.  DOhänes.  1444.  alle  vmb 
steydin.  1446.  toufen  fehlt.  1450.  unsuze  Bartsch]  uffte.  Auf  1465 
folgt:  Et  sie  est  finis,  sp:  mentitus  es  nimis.  Danach  zwei  un- 
leserliche Kritzelzeilen. 


55 


Anmerkungen  und  Nachweis 
der  besprochenen  Stellen. 


B.  =  Borte  Dietrichs  von  Glatz  ed.  v.  d.  Hagen,  Gesaml- 
abenteuer  IV,  Nr.  20;  Br.  =  Brandan  ed.  C.  Schröder;  J.  v.  Fr.  = 
Kruziger  des  Johannes  von  Frankenstein  ed.  Khull;  L.  Kr.  := 
Ludwigs  Kreuzzug  ed.  Rückert;  Osp.  =  Osterspiel  ed.  Hoffmann 
von  Fallersleben,  Fundgruben  H. 


1—6.    S.  LXXVHI. 

ü.  ber/eren  0  findet  sicli  ver- 
sprengt und  sinnlos  in  V.  8 
■wieder:  das  Wort  wird  als  Reim- 
besserungsvorschlag in  *W0  am 
Rande  ^'estanden  haben.  Die 
gleiche  Anderuns,  claqe^  clageti, 
Ö  608.     Vgl.  S.  LXIV. 

?,.  S.  LXXXVII.    5.  S.  LXXXVII. 

8.  im    Vgl.  .543,  auch  1:>90. 

11.  W  verstand  also  hegan  als 
Präteritum.     Vgl. 
Dirre  selige   Wentzezlahe, 
vil  ich  doch  rede  von  im  habe 
Von  moniger  icerche,  tilgende  tat, 
4He  er  vf  von  Icinde  gewercket  hat, 
Die  iril  ich  hie  lazen  nv    L.  Kr. 
55 16. 

12—20.  S.  LXXVnif. 

20.  icorden  0  hat  nur  gra- 
phische Bedeutung  (vgl.  173.  257. 
270.  341.  837  und  namentlich 
<3en  Reim  irordFi  :  foren  823), 
denn  dafi  0  nicht  werdeti  für 
Wesen  einzuführen  beabsichtigt, 
scheint  aus  27.  883.  '.)68  zu 
folgen.  Auch  worn  =  inirden 
W  67  halte  ich  für  graphisch; 
vgl.  294  und  dagegen  952. 


27.  Waz  so  ringe  geriten  was 
mit  bogen  sneJ,  vz  er  die  las, 
Gesvndert  von  der  fursten  her, 
tvsent   die    waren    vh  noch    mer 
L.  Kr.  1.544,  vgl.  112. 

28.  S.  LXIX.     31  ff.  S.  LXXIX. 
34.  tmg  WO  erklärt  sich  wohl 

aus  falscher  Auflösung  von  trüge 
*W0,  das,  nach  Apokopierung 
in  hotiig  WO  23,  als  Singular 
aufgefaßt  wurde:  über  solches 
epithetische  e  im  Präteritum  s. 
Rückert  S.  218  f.  und  2.56  f. 
Vgl.  S.  LXX. 
37.   S.   XXVI.     39.    S.   XLIV. 

40  «-C.  S.   XXVII  f.  und   LXII  f. 

41  ff.     S.    LXXXV.      43a-e.    S. 
XXVHf.  und  LXII  f. 

43  b.  alle  nach  W  575.  621. 
800.  1025.  1308. 

43  c.  S.  LXVin. 

43  d.  Die  sw.  Form  von  zinne 
wird  erst  von  0  eingeführt  sein : 
vgl.  636,  auch  739. 

43  c.  inne  WO  740.  220.  754. 
1274. 

45  ff.  S.  LXXXV.  45.  S.  XXV. 
48.  S.  XXXVII. 

49.  zicti]    Rückert  S.  44,   zu : 


56        Anmerkungen  und  Nachweis  der  besprochenen  Stellen. 


zwu  Osp.  319.  27;  Verdrängung 
durch  zwe  Rückert  S.  249. 

50.  das  (und  was)  schreibe  ich, 
dem  schlesischen  Dialekte  ent- 
sprechend, für  mhd.  des,  wenn 
auch  die  nichtschlesiscbe  Hand- 
schrift O  das  a  hat.  Die  Form 
zeigt  dann  besonders  deutlich, 
wie  die  alten  genitivischen  Kon- 
struktionen in  akkusativische  über- 
gehen. Für  mhd.  daz  schreibe 
ich  daz.     Vgl.  305  A. 

55/56.  S.  XXXIII  f.  65—80.  S. 
XXXII  und  LXIIf. 

67.  worn]   20  A.     Vgl.  S.  LXI. 

69.  S.  XLVII. 

70.  ein  O  beweist,  daß  knechte 
schon  in  *W0  apokopiert  war. 

77.  S.  XXV.  81.  S.  LXI.  8.5/86. 
S.  XXXIII  f.  90—92.  S.  XXVIII 
und  XXXIII f.  90.  S.  LXIIf. 
94.  S.  XXIV.  97/98.  S.  LXXIX. 
105-7.  S.  LXXIX. 

106.  si—di]  Vgl.  594  und  Waz 
ir  ffenas,  der  Sarracin,  die  fluhen 
L.  Kr.  6970. 

108.  S.  XXVIII. 

109.  Daß  W  108  noch  vor- 
fand, folgt  etwa  aus  iz  dunket 
wol  nvtze  ivesen  wich  L.  Kr.  2437, 
■ivaz  ob  ich  nv  vch  nvtzes  rates 
hin  da  tzv  L.  Kr.  5818. 

111.  S.  XX VL 

118.  Die  Lesart  von  0  ist 
wegen  608  und  1 1 45  übernommen. 
Überdies  zeigt  das  Aufgeben  des 
Reims,  daß  sie  nicht  erst  von 
0  herrührt. 

119f.  S.  XLIV.  123/24.  S.  XXX 
und  LXin.  123.  S.  XLVIII.  127. 
S.  XXV.  1.35—46.  S.  LXXIX. 
135— 36  a.  s.  XXL 

140.  Vgl.  8  A;  ich  habe  das 
lier  W  im  Nebensatze  niclit  nach 
Analogie  der  Hauptsätze  auf- 
zunehmen gewagt:  VV  wird  den 
Vers  zuerst  als  Parenthese  auf- 
gefaßt haben. 

145/46.  S.  XLVIII.  147— .58. 
S.  XXVni  und  LXIIL     151  ff.  S. 


XXI.  1.55/56.  S.  XLVm.  157. 
S.  LXni.  1.59.  S.  XXVm.  166f. 
S.  LXXL  167.  S.  XXV.  171—81. 
S.  XXX.  171—78.  S.  XLVni  und 
LXII  f. 

187 ff.,  Zusatz:    vgl. 
Da  namen  die  Sarracin 
von  im  henden   izwei  ringerlin, 
Dem  boten  gaben  sie  die 
vf  ein  ivaiizeichen  L.  Kr.  5286. 
Vgl.  S.  XXVIII  und  LXIIf. 

191  -95.  S.  LXXIX  f.  196—98. 
S.  LXXX. 

197.  Ich  schreibe  floug.  indem 
ich  g  als  Spirans  verstehe,  und 
bezeichne  damit  die  Vermischung 
von  mhd.  -ßouc  und  flöch,  die 
die  Reime  914.  941.  969  (:  ouch) 
und  der  Wandel  fligen  >  fiien 
(=  flien  <i  flihen)  verraten; 
Muta  des  Inlauts  pflegt  im 
Schlesischen  nicht  auslautend  zu 
Spirans  zu  werden.  W  sehreibt 
gewöhnlich  flien  flog,  daneben 
fligen,  floch;    638  flewch. 

205.  Ad"  ^=  oder  0  könnte 
den  Beginn  eines  Glossierungs- 
versuches  bezeichnen.  \s\.  S. 
LXIV. 

206.  S.  LXIX. 
lO^.gevormiret]  Vgl.  602  u.  610. 

Die  Mißanwendung  des  Fremd- 
wortes scheint  mir  charakteri- 
stisch, schon  aus  dem  Originale, 
nicht  erst  aus  "^WO  herzuleiten. 
(Das  naheliegende  vorwiret  würde 
den  Sinn  auch  nicht  treffen.) 
W  weicht  hier  aus  zu  floriref 
(vgl.  Borte  654,  L.  Kr.  1835), 
V.  602  zu  ror  en  legin,  womit 
zugleicii  verraten  wird,  daß  *W0 
r,  nicht  f  im  Anlaut  schrieb  und 
die  Pronominalform  in  ge- 
brauchte: in  der  Handschrift 
glich  i>i  und  wurde  danach  in 
en  umgesetzt. 

216.  laut]  Die  alte  Pluralbil- 
dung des  Neutrums  ist  erhalten, 
vgl.  433.  457.  506  etc.,  und  es 
ist  kein  Grund  sie  als  unschlesisch 


Anmerkungen  uiul  Nachweis  der  besprochenen  Stellen.        57 


anzusehen,  wenn  das  alte  schle- 
sische  Fsalterium  sie  anwendet: 
Rückert  S.  'J3i>. 

-2:22.  S.  XLIII.  221.  S.  XIX. 
22.-1.  S.  LXX.  22()  ir.  y.  LXXX 
und  LXXXV. 

229.  'J8Ö.  grande]  Zu  den 
wenigen  Belegen  der  Wörter- 
bücher (j.  Tit.,  ßeheim,  Jerosch.) 
tritt  noch  J.  v.  Fr.  80.58:  daz 
st  den  gahjen  (Hs:  des  galges) 
granden  im  iif  den  nicke  hnnden. 
Da  haben  wir  dieselbe  Reim- 
stellung des  Adjektivs  nach  dem 
Substantiv  wie  hier. 

240.  S.  XLI.  241.  .S.  XL. 
244  ff.  S.  LXXXV.  247—59.  S. 
XXXI  und  LXII  f.  248  f.  S.  XXL 
249.  S.  XXXYL  256—62.  S. 
LXVIIL 

258.  mit  golde  durchslac/en  ist 
zwar  I  (342)  und  II  gemeinsam, 
kommt  aber  auch  sonst  in  schlesi- 
schen  Gedichten  vor:  B.  657, 
520  fif. 

264.  S.  XXXVI. 

281.  sorcsam  >  sordirh  WJ 
Vgl.  Haupt  zu  Engelhard  1185 
und  oben  S.  XLIX. 

286.  Vgl.  27  A. 

289.  Zwierzina  bevorzugt  die 
Lesart  von  W,  indem  er  min 
eben  D.  Wb.  III.  8  {eben  =  quitt) 
als  'Revanche'  versteht.  Ich 
habe  sie  nur  deshalb  nicht  ein- 
gesetzt, weil  ich  diese  Bedeutung 
sonst  nirgends  bezeugt  finde. 

291—96.  XLVIL 

294.  Vgl.  20  A.,  S.  XXVIII  und 
.><.  LXIIf.    295ah  S.  XXVIII. 

o05.  dgs  W  zeigt,  daß  *W0 
hier  noch  des  hatte,  nicht  mit 
der  schlesischen  Lautwandlung, 
die  zugleich  den  Genitiv  zum 
Akkusativ  macht,  das;  vgl.  963. 
Kür  II  691  folgt  daraus  nichts. 
Vgl.  die  Anm.  zu  .50. 

.317-24.  S.  XXXI,  XLVIII  und 
LXIIf. 

317.  daz  tet  got  allez  um  daz, 


daz  erz  gelonbete  deste  baz  Br.  209, 
ditz  geschach  nmme  daz  J.  v. 
Fr.  4371.     Vgl.  S.  LXL 

318.  maz,  Speise,  ist  zum 
Femininum  geworden  durch  An- 
lehnung an  mäze;  daher  auch 
die  Schreibung  mit  o  in  W.  Vgl. 
Si"  foiden  bireit  cleinez  maz, 
shire  was  v'tzeret  daz  L.  Kr.  2378. 

323.  aschenbrodele  =  Küchen- 
junge:   DWb.  L  581. 

327.     brachte]      die      frowcen 
habent  ez  also  hrdht 
daz  ir  von  rehte  wirt  geddht 
in  der  vordersten  zal 
siru  gnoter  icibe  m'rdet  tval  Erec 
7778,  vgl.  Iwein  2652  und  Anm. 
dazu:    DWb.  II.  3S6.  7. 

332.  mere,  ui-irere  ist  auch 
die  gewöhnliche  Wendung  in 
L.  Kr.  4SI.  620  u.  ö..  vgl.  7184. 

3.34.  S.  XXXVI.  342  ab.  s.  XXXI. 
342a.  Vgl.  317  A.  und  S.  XLVIII 
und  LXIII.     343  ff.  S.  LXXX. 

346  a—f  rühren  nicht  erst  von 
Ober:  wiegen  der  Verstümmlung 
des  Reimes  346  c,  wegen  trugen  : 
fingen,  wegen  czen. 

346  a.  guter  ^=  franz.  coiiltre, 
dieselbe  Form  Boner  48.  27.  ein 
Jcroi)  ist  Glosse.  Daß  man  die 
kulter  so  trägt,  siehe  aus  Parz. 
549.  28,  627.  .30,  Willeh.  244.  10. 
Vgl.  S.  LXIV. 

346  <?.  her  furit  von  gulde  eijn 
[adelor 
von  Jconiglichem  stamme  vor  u:ar 
Schles.  Gedicht  von  144(5,  ZfdA. 
.50.  203  Str.  2.  Ich  habe  danach 
die  starke  Form  adelare  und 
also  unreinen  Reim  angesetzt : 
0  kann  insofern  nicht  Zeuge 
sein,  als  da  der  Reim  ganz  auf- 
gegeben ist  Cadler). 

351  ff.  S.  LXXXV.  .3.52.  S.  XXV. 
362.  S.  XXXVI. 

371.  des  kam  der  vinsfer  aar 
geschieht  von  wunderlichen  sachen 
(hl  der  natüren  machen  .1.  v.  Fr. 
9860,  vgl. 


58        Anmerkungen  und  Nachweis  der  besprochenen  Stellen. 


die  voglin  von  den  saclien 
begnnden   doene  machen   B.  347. 

374.  und  zur  Einleitung  der 
Frage,  661  zur  Einleitung  des 
Nebensatzes,  653  und  72ü  ab- 
schliefaend:  vgl.  v.  Kraus  ZfdA. 
44.  149  ff. 

375/76.  S.  LXXII.  381  ff.  S. 
LXXXV. 

385.  so  si  =  quam,  1052.  also  si 
=  quos,  1074.  so  in  =  quem: 
vgl.  DWb.  X.  1.  380  ff.  unter  so 
D2)  und  die  Anm.  zu  V.  420. 

389—402.  S.  XXXII  und  LXII. 

395  und  487.  Der  Reim  ist 
zu  verstehen  als  sält'g  :  lädig. 
Vgl.  Rückert  S.  23  ff.,  v.  Un- 
werth  §§  8.  24  f.,  salinen  L.  Kr. 
7169,  salicheit  7457,  salichlich 
7.500. 

396.  Daß  nicht  mit  Bartsch 
aynig  0  =  mhd.  aenic  aufzu- 
nehmen ist,  zeigt  488:  da  ist 
es  noch  erkennbar,  daß  dem 
Änderungsversuch  von  0  ein 
ledig  zugrunde  liest.  Vgl.  ledic 
L.  Kr.  2727.  5276^  7045  und 
daz  er  im  wurde  genedic 
und  dar  nach  in  Uze  ledic  J.  v. 
Fr.  6565. 

409—32.  S.  XXXII,  LXII  f.  und 
LXVIf.     411  ff.  S.  XLVlIIf. 

412.  tilgen  AVJ  Wenn  hier  II 
das  n  der  Endung  noch  bewahrt, 
wird  man  es  überall  ansetzen 
dürfen:  vgl.  38.  54.  562  etc. 
(Rückert  S.  237),  der  Reim  iunc- 
frouwen :  schouiven  335  würde  zum 
Beweise  nicht  ausi-eichen:  s.  S. 
LVII  und  die  Anm.  zu  1387. 

413  f.  S.  XLVII. 

420.  763.  so  =  se?  Oder  ge- 
hört das  .so  (wie  beim  Indefinitum) 
zum  Pronomen?  Vgl.  das  aus 
so  +  Personalpronomen  zu- 
sammengesetzte Relativum  :  Anm. 
zu  385. 

423.  vorturhe  W  ist  die  schle- 
sische  Form,  die  wir  *W02  wohl 
schon  zutrauen  dürfen. 


428.  nicht  Pfeiffer  icht  W. 

431.  Derselbe  Reim  L.  Kr.  8076. 

441  ff.  S.  LXXXV.  447/48.  S. 
XXXII.  450  ff'.  S.  XXXIII  t. 
454—63.  S.  LXXIX. 

458.  min\  Ich  habe,  zweifelnd, 
die  mhd.  Flexion  des  Pronomens 
durchgeführt.  W  bietet  hier 
meyne,  668.  1341.  1399  seine. 
Vielleicht  ist  Seyti  clagen  0  668 
aus  sin  clage  hervorgegangen. 

458  a-c.  s.  XXVIII  und  LXII  f. 

461.  iz]  Vgl.  492  a  und  997. 

469-88.  S.  XXXI,  XLVIII  und 
LXII  f.  474b.  S.  XXIV.  479. 
S.  XXV. 

484.  emgheit  W]  Ich  schreibe 
immer  -ikeit  nach  dem  Befunde 
von  V.  175.  484.  1199.  1204. 
1366. 

487/88.  Vgl.  395  und  396  A. 

512.  waz  wird  übergeschriebene 
Glosse  zu  icht  513  (s.S.  XXIVj  ge- 
wesen sein.  Daher  geriet  es  nach 
V.  512,  in  W  sinnlos,  in  0  als 
Vorschlag,  die  Frage  Spanges 
anders  zu  wenden.    Vsrl.  S.  LXIV. 

520-23.  S.  XXXII  f.  520.  S. 
LXm.  522f.  S.  XLVIL  524.  S. 
LXI.  528/29.  S.  XXVIII  und 
LXII  f.  530—33.1.  s.  XXYIII  und 
LXIII. 

531  a.  wider  sehört   zu  sendet. 

536/37.  S.  XIX.  540—53.  S. 
XXXIII  und  LXII  f.  541-51.8. 
XLVI  f. 

543.  iz]  Vgl.  8.  103.  177. 

544.  Er  wirt  nimmer  erslagen 
er  mak  nimmer  verzagen, 

Er  gesiget  ze  aller  ztt, 
swen  er  rttet  an  den  strit, 
Vor  riuwer,   wazzer  ist  er  guof 
B.  311. 

545.  Beide  üf  loazzer  und  uf 
wegen  Mai  203.  2. 

548.  1364.  rieht]  Die  mhd. 
Wörterbücher  belegen  in  modaler 
Bedeutung  nur  ein  gerihte 
(gerihte  :  trüste  Oreudel  1813): 
'geradezu',     'in    Wahrheit'.       In 


Aiimerkuiv-^cn  und  Nachweis  der  besprochenen  Stellen. 


59 


A'.  lot)4  nähert  sich  rieht  der 
Bedeutunj;:,  die  das  DWb.  unter 
rieht  aus  dem  deutschen  Ariost 
Dietrichs  vom  Werder  ver- 
zeichnet: =  ital.  immantinente. 
Ein  modales  rieht  hat  auch  das 
DWb.  nicht. 

Ö50.  Vo)i  er^t  als  er  was 
kioJten  dar.  der  eheyser  horte 
in   gerne  gar  L.  Kr.  3(J6i2. 

554—50.  S.  LXXIII. 

56U.  657.  SS!2.  901.  des  tvildes 
meres]  Nur  in  dieser  Verbindung 
findet  sich  (abgesehen  vom  Akk. 
Sing,  des  Fem.,  darüber  die  Anm.zu 
Y.  1387)  das  starke  Adjektiv  nach 
bestimmtem  Artikel  (dagegen  J. 
V.  Fr.  ed.  Khull  S.  348,  Rückert 
S.  244).  Sie  scheint  mir  bei 
dieser  Art  der  Vereinzelung  durch 
WO  657,  W  5G0,  0  882  für 
*^V0,  gesichert  und  in  901  gegen 
WO  herzustellen:  es  ist  eine 
kunstniäßig  feste  und  fremde 
Forsiel,  die  noch  aus  *MW 
stammt  und  im  Münchener  Os- 
wald noch  von  M  (576  und  1206) 
bewahrt  ist,  während  JSsß  wilden 
schreiben  (576.  3223.  3291.  3495). 
Für  *W02  t'ilt  natürlich  der 
Schlufj  aus  460  und  882  nicht, 
ich  scbreibe  aber  wildes  890 
wegen  diser  gar  ninder  78. 

561.  6.33.  i209.     Diese  jo  des 
Reimes,    von    beiden    Schreibern 
angefochten,    sind,    wie  ein  Ver- 
gleich   der    drei    Stellen    ergibt, 
gleichwohl  echt.  (Ähnlich  Br.  40: 
darnach  vant  er,  wie  Judas 
genuzze  gotes  gute  so, 
daz  er  genäde  hette  iö 
des  samentages  nahtes.)    Dali  ins- 
besondre   W    nicht     die     Wort- 
fügung,   nur    den    Reim    auf   n 
meidet,  zeigt  123. 

.564 f.  .S.  XX VIII  f.  und  LXII  f. 

564«.  swaz  er  strichet  daz 
ist  wiir  daz  ir  geloubet  äne  vär 
J.  V.  Fr.  10945. 

570-73.  S.  XXVlIIf. 


•570.  schieken  ^=  'einordnen"' 
in  absolutem  Gebrauch  (hier: 
ohne  sich)  kann  ich  sonst  nicht 
belegen;  vgl.  V.  794.  Vielleicht 
hat  die  Liicke  die  Konstruktion 
zerstört.  sich  schicken  L.  Kr. 
4088.  5627.  7187. 

571.  S.  LXXIV.  572/73.  S. 
LXII  f.  576f.  S.  XXI.  585-619. 
S.  LXXIX. 

,594.  Vgl.  106  A.  .598/99.  S.LXX. 
602.  Vgl.  208  A  und  S.  LXIX. 
610  f.  S.  XLIV. 

610.  (Vgl.  208  A.)  margariten- 
stein  ist  zwar  in  den  Wörter- 
büchern nicht  belegt,  und  ein 
Terlenstein'  scheint  ein  Unding. 
Ich  bessere  nicht  (margartten  : 
gesmide  Bartsch  und  v.  Kraus 
mit  t :  d),  weil  solciie  Fremdwort- 
klänge mit  verschwommener  Be- 
deutung charakteristisch  für 
Bildung  und  Geschmack  sind 
(vgl.  vormiret  208  A.,  pur  per  303) 
und  der  Dichter  hier  wohl  Edel- 
steine, nicht  Perlen  meint:  dafür 
hat  er  den  Ausdruck  uxizzcrperlin 
608.  Was  die  Reimfügung  be- 
trifft, vgl.  L.  Kr.  1472: 
Sin  heim  getzieret  reine 
mit  manigem  Hechten  steine. 

612  f.  S.  XLIV.     622.  S.  LXIX. 

625.  ir  entnehme  ich  aus 
seyn''  W. 

629.  Gewunden  Pfeiffer,  Be- 
wunden W. 

635  ff.  S.  LXXXV.  639.  S. 
XXVII. 

643.  Der  MO.  berichtet  vom 
zehnten  Tage  (619.  1194,  S. 
249),  den  elften  hat  WO  mit  Bi . 
1419  gemein: 

Der  kiel  mäste  vor  sich  gän 
biz  an  den  eilften  morgen. 

648.  Die  Lesart  kauffam  0  ist 
wohl  nicht  zufällig:  vgl.  kauffin 
W  kauffam  O  1169  (konfman 
801).  Ist  es  eine  Analogiebildung 
zu  dem  Paare  kretscham  kretsch- 
man,   bei  dem  auch   die    Bedeu- 


60 


Anmerkungen  und  Nachweis  der  besprochenen  Stellen. 


tungen  in  einander  übergehnV 
Vgl.  DWb.  V  unter  Kretschmann 
2)  und  Kretschmar  2). 

650  ff.  S.  XXI  und  LXXXV. 

653.  und]  Vgl.  374  A. 

657.  Vgl.  .560  A.  659—701.  S. 
XXIX  f.  659—99.  S.  LXII  f. 
661—64.  S.  XXI. 

661.  lind]  Vgl.  374  A. 

669  ff.  S.  XXI. 

671.  1007.  Der  Reim  ist  im 
Schlesischen  rein :  v.  Unwerth 
§  24f.,  §  1.  3,  Rückert  S.  24. 
L.  Kr.  schreibt  (im  Versinnern) 
Salden  V.  462.  2529.  7752;  desgl. 
das  thüringische  Leben  des  Hl. 
Ludwig  (ed.  Rückert  S.  158), 
Herbort  v.  Fritzlar  reimt  V.  6771 
Salden  :  nalden  {^=  Nadel).  Vgl. 
die  Aum.  zu  .395. 

680.  S.  LXVII.  685.  S.  XXVI 
und  LXV.  691.  Vgl  305  A. 
692—94.  s.  LXVII.  700.  S.  LXXX. 
703—16.  S.  XXXI  und  LXII  f. 

708.  geicest  nach  171.  751; 
vgl.  Rückert  S.  264.   Vgl.  S.  LXV. 

717.S.LXL    720— 34.  S.  LXXX. 

720.  und]  Vgl.  374  A. 

729.  S.  XX.  731  tL  S.  LXXXVI. 
7.34.  S.  LXIX. 

737.  das  W  mußte  fallen  wegen 
hiz  AVO  734.  1071,  vgh  453  und 
sint  daz  14. 

748.  S.  XXX  und  LXE. 

750.  wilkom]  Die  Kurzform 
ist  (zur  Erleid  iterung  des 
Verses)  eingesetzt  nach  icükom 
W  willekom  0  981. 

751 .  Wo  bistu  gewest  so  lange  ? 
Xach  dir  was  uns  gar  hange 
Osp.  305.  15.     Vd.  962  A. 

762.  S.  XXV. 

763.  Vgl.  420  A.  776.  S.  XXVII. 
779/80.  S.  XXXHI  und  LXH  f. 
779.  S.  XXX. 

780.  lag]  g  zur  Bezeichnung 
des  spirantisclien  Lautes.  Es  ist 
einer  der  nichtschlesischen  Reime. 
Vgl.  197  A. 

781.  nv  rit,    vu    la    dir   ivesn 


qacJi,  Als  ich  icese  liep  dir  L.  Kr. 
7783. 

782.  S.  LXI. 

793.  blicken  lazen  in  nhd. 
Sinne  kann  ich  mhd.  nicht  be- 
legen, hicken  v.  Kraus;  inclien 
im  Mhd.  (böhmisch-mährischen) 
Wörterbuch  von  Jehnek  S.  1022. 

794.  Vgl.  570  A. 

796.  Zur  Ergänzung  etwa: 
nv  waren  des  lanfgraven  scJiif 
Vf  dem  mer,  als  er  die  vher  bracht 
liet  rn  richlich  bidacJit 
Mit  kost  in  tves  man  dürfte  dar 
tzv  L.  Kr.  873. 

797/98.  S.  XXVni  f.  und  LXII. 
803.  S.  LXIX.  806.  \s\.  1199  A. 
807  ff.  S.  XXL 

808.  Das  Reimwort  war  schon 
in  *W0  verdorben,  wohl  durch 
Korrekturen  (o  :  a!)  entstellt. 
Ein  Rest  davon  ist  Sichk  0  809 
(<C  schicken,  das  0  sichken 
schreibt).  W  deutete  (es  ist 
nicht  Reimverbesserung!)  dor 
eijn  legin ,  O  ließ  lieber 
gleich  den  Vers  aus.  Dafs  W 
nicht  das  Ursprüngliche,  nur  eine 
Erklärung  liefert,  folgt  aus  dor 
eijn  809  (nach  Dor  eijn  808)  und 
übrigens  ist  unvorzogen,  darauf 
weder  legeyi  noch  schicken  reimt, 
durch  WO  für  808  gesichert; 
auch  unvorzigen  (Bartsch)  gäbe 
keinen  möglichen  Reim.  Vgl. 
1199  A. 

818.  S.  XXVI. 

823.  bereit  ist  Partizip:  'be- 
redet' oder  'bereitet'. 

832  a.  s.  XXX,  XLVm  und 
LXin.  835  f.  S.  LXXV.  837. 
S.  LXIX. 

847.  mere  :  scheiifaere  Osp.  331. 
13  (Herren  :  e?'en  331.  27),  sere  : 
dienaere:  Assenheimaere  Schles. 
Gedicht  von  1446  ZfdA.  50.  203 
Str.  4.  Vgl.  J.  V.  Fr.  S.  350.  Ein 
papierner  Reim. 

849.  S.  XXVII. 

877.  fare  Pfeiffer,  vare  W. 


Aiimerkuii|j:cn  und  Nachweis  der  besprochenen  Stellen.        tU 


881.  V^l.  11'.»'.)  A. 

88:2.  wilt  war  nach  5G0.  <i."i7. 
901  (660.  890)  aufzunehmen. 
Vgl.  560  A. 

884.  S.  LXX.  885-98.  S. 
XXXIII  und  LXII.  885—89. 
S.  XVII. 

885  f.  Vgl.  Berger  zu  Orendel  98. 

887.  Hier  mußte  die  mundart- 
liche Form  hinide  auch  im  Schritt- 
bilde festgehalten  werden,  weil 
in  II  die  Übereinstimmung  des 
dialektfremden  0  mit  W  unmittel- 
bar für  die  Schrei])ung  des  Ver- 
fassers *W02  beweist.  Daß  er 
daneben  die  gemeine  Form  hange 
hatte,  zeigt  667.  In  I  haben  wir 
bange  WO  360,  bange  W  ande 
O  'J62,  also  keinen  Nachweis 
eines  bände  des  Archetypus, 
noch  weniger  des  Originals: 
bange  :  lande  wird  (wie  jo  :  nu 
u.  a.)  trotz  dialektisclier  Reinheit 
für  den  Dichter  ein  kunstmälsig 
unreiner  Reim  gewesen  sein. 
Vgl.  S.  LXV. 

890.  Vgl.  560  A.  895—98. 
S.  LXMIf.  898.  S.  XXIV.  901. 
Vgl.  560  A.  905—26.  S.  XXXIII 
und  LXIIf. 

907.  Vgl  122.3  und 
ir  banyre  vil  von  speJiem  snite, 
Als  si    in   der  heften  irdacht  L. 
Kr.  1361. 

911—16.  S.  XLVIII.  914—16. 
S.  LXVIII. 

923.  lij)  =  mhd.  liep. 

929/30  habe  ich  gegen  WO 
umgestellt,  weil  im  929  nicht  auf 
ir  928  folgen  kann,  so  aber  in 
her  930  eine  Beziehung  erhält. 
V.  929  Cs2)ise)  ist  nach  928 
(trinken,  ezzen)  sinnlos,  mit  V. 
930  gibt  er  eine  Erklärung  von 
928  (habe-gehaben);  vgl.  L.  Kr. 
2686:  zwei  Sarjande  reiten  in 
die  Nähe  des  Feindes:  die  suchen 
habe  ob  sie  iht  gebrechen  abe 
Mohten  den  vienden.    Vgl.  S.  LXX. 

933.  S.  LXXXV. 


939.  i'iz  dineni  herzen  giizz  dii 
daz  rosemarbe  bUit  J.  v.  Fr.  10704. 

947.  niiniandeW]  Ich  setze  nach 
V.  872  die  flexionslose  Form  des 
Dativs.  Wenn  in  V.  1024  riciitig 
were  für  mere  konjiziert  ist,  so 
hat  auch  dort  W  eine  flektierte 
Form  [njimaiide  Dativ)  aus  der 
unflektierten  {niman  Nominativ) 
gemacht. 

949.  weiz  =  enweiz;  vgl.  Gr. 
Gr.  III.  40.  725.  744  und  V.  423. 

952.  Das  unflektierte  gut  (O  : 
gutter)  auch  Br.  866 :  so  mac  din 
jverden  gut  rat.     Vgl.  20  A. 

957—66.  S.  LXXXV. 

958.  Zu  embizt  Rückert  S.  251  f. 

962.  zjt  vor  Spangen:  dar  ist  un- 
verständlich geworden:  vgl.  651; 
Osp.  305.  15  f.  ist  der  Vers  ohne 
die  Glosse  erhalten:    vgl.  751 A. 

970.  Vgl.  1199  A. 

972.  Das  W  <  Bas  =  biz,  so 
734.  1071,  vgl.  1173  A.  Vgl. 
S.  LXIX. 

973—75.  S.  LXXV. 

977.  einmuterleine,  unbelegt, 
=  eine  -\-  nmter  -\-  aleine,  das 
doppelte  eine  noch  durch  muter 
und  al  verstärkt. 

982.  S.  XXV.  989—1012.  S. 
XXX  f.  989-1010.  S.  LXIIf. 
991/92.  S.  LXVIII. 

996.  is]  Der  Genitiv  ist  noch 
j--efühlt:    vgl.  1038.  1154. 

997—1002.  S.  XLVII. 

997/98.  In  V.  998  sind  WO  ge- 
meinsam die  Worte  nimer  queme ; 
0  hat  die  erforderliche  Nachsatz- 
stellung erhalten,  während  W, 
wie  V.  219,  das  Reimwort  um- 
ordnet; Vnd  W  stammt  also 
aus  997  und  dann  O,  das  nicht 
aus  der  Vorlage  herrührt  —  deim 
*W0.2  würde  dannen  (:  gen!) 
schreiben  —  entspricht  dem  do 
hen  W,  das  der  Sinn  verlangt. 
In  997  ist,  abgesehen  von  den 
drei  ersten  Worten  das  Konjunk- 
tivische des  Verbums  durch  WO. 


62        Anmerkungen  und  Nachweis  der  besprochenen  Stellen. 


die  von  0  dargebotene  Um- 
schreibung mit  Hilfsverb  durch 
492»  gesichert.  Demnach  ist,  da 
*W0.2  gän  nicht  kennt,  gen  durch 
den  schlesischen  Reim  auf  7i/n  ge- 
geben, gesprochen  gin  (.-/n/i:  da- 
her die  Änderung  vorgin-ge  : 
liin-ne  naheliegend).  W  ändert 
weil  ihm  der  Reim  unrein 
(gm :  hen)  oder  die  Wendung 
vorgen  ungeläufig  war:  vgl.  die 
Auslassung  von  492  a.  Auch 
Osp.  3ü8.  13  reimt  dahin  : 
sten.  Der  Sinn  der  Stelle 
ist:  'Wenn  das  geschähe,  so 
käme  ich  nimmer  dahin,  wo  man 
Euch  jemals  nennte  oder  Euren 
Namen  kennte,  ich  käme  auch 
durchaus  nicht  dahin,  wo  ich 
Euer  gewahr  würde',  bündiger: 
'Oder  Ihr  seht  mich  niemals 
Avieder !'  Vgl.  Kudr.  399 !  V.  1001 
ist  also  998  parallel  und  die 
beste  Stütze  unsrer  Lesuna:. 

1007.  Vgl.  671  A  und  S.^LXI. 

1009.  getrebin  W  ist  durch 
schtdde  1008  veranlaßt.  Vgl.  S. 
XIX  f. 

lOllff.S.LXlII.   1013.S.LXIX. 

1015.  Hirsch  ist  stark  flektiert 
V.  1048.  10.59.  1073.  1093;  dazu 
die  Nominativform  ohne  e  1066 
und  die  Komposition  hirzgewi 
1032.  Schwache  Flexion  V.  1150, 
dazu  der  Nominativ  mit  e  V.  1034 
(der  hijrse  0  1032  beweist  nicht 
wegen  des  Akk.  hiresche  O  1073). 
Ich  habe  also  beide  Deklinationen 
bestehen  lassen.  Hier  wird  man 
eine  merkwürdige  dritte  an- 
nehmen müssen :  hirz  st.  N.  Denn 
daz  sol  sin  0  ist,  wie  das 
parallele  sol  sin  WO  1016  a  zeigt, 
kaum  als  Füllsel  und  Parenthese 
aufzufassen,  und  beide  Hand- 
schriften bieten  ein,  nicht  einen 
wie  1059.  1073.  Immerhin  bleibt 
bei  meinem  Texte  auch  diese 
Auffassung  offen  (einen,  Klammer 
vor  rfa^l015undhinterc?«- 1015  a). 


1018.  1181.  vcder  schreibe  ich 
nach  1036.    vaters  *\N0^  171. 

1024.  Die  Konjektur  von  Zmer- 
zina  ist  mir  nicht  sehr  wahr- 
scheinlich, aber  besser,  als  was 
ich  vorschlagen  könnte.  Zu  er- 
gänzen wäre  saite  aus  1023;  V. 
1025 — 28  wären  indirekte  Rede, 
und  die  hätte,  samt  ihrem  plötz- 
lichen Übergang  zu  direkter,  an 
V.  1033 — 36  eine  deutliche  und 
stützende  Parallele.  Die  An- 
führungshäkchen zerstören  eigent- 
lich das  Schweben  zwischen 
beiden  Redeformen,  der  drei- 
fache Wechsel  ist  unmerklicher, 
als  es  so  aussieht. 

1035.  S.  XXIV.  1042  ff".  S. 
LXXXV.  1046  ab.  s.  XXXI  und 
XLVH.  1052.  Vd.  385  A.  und 
S.  XCVIII.  1055.  S.  LXIX. 
1066—71.  S.  XLVII. 

1071.  das  Pfeiff"er,  Bas  W. 
Vgl.  737  und  972  A. 

1074.  VgL  385  A.  1076  f.  S. 
LXXXV. 

1076.  do :  110  0  wird  gestützt 
durch  da :  na   L.  Kr.  259.   8142. 

1078f.  S.  LXXVf.  1082—1103. 
S.  XXXI  f.      1082—99.  S.  LXHf. 

1 090.  geneme  ist  weder  von  W 
noch  von  0  richtig  als  Verbal- 
form (genaeme)  erkannt.  Vgl.  ge- 
neme (Adj.!):  queme  L.  Kr.  4980. 

1092/93  *W02  mit  Beziehung 
auf  1011/12  *W0i. 

1093.  S.  XXIV.  1094  ff.  S.  XXI. 
1097.  S.  LXIV.  1104  ff'.  S.  LXXVl. 
1 1 1 2  f.  S.  LXXXV.  1 1 1 6.  S.  LXIX. 
1136—39.  S.  XXXIII  und  LXH. 

1141.  geschephet  und  volbrächt 
von  diner  höen  maiestät  J.  v. 
Fr.  48. 

1 142-43  a,  S.  XXX  und  LXIIf. 
1142.  S.  XLVIII.     1144.  S.  LXI. 

1 155  ff.  1 186/88.  Daf3  das  heid- 
nische Hörn  und  seine  Wunder- 
barkeit feste  Vorstellungen  sind 
(S.  LXXVI)  zeigt  auch  die  formel- 
hafte Verbindung  in  L.  Kr.  1383: 


Anmerkungen  und  Nachweis  der  besprochenen  Stellen. 


63 


ir  ilones  hei  Irshalten  da  nianic 
heidenish  hörn. 

11 58.  S.  XXXVII. 

1173.  Das  0  zeigt,  daß  schon 
*W0  die  dialektische  Form  bas 
für  biz  schrieb;  vgl.  die  Anm. 
zu  737  und  97:2.  V.  117:2  ist  Aus- 
führung des  imer  von  1171,  ist 
nicht  mit  0  auf  1 173  zu  beziehen. 
Vgl.  S.  LXIX. 

1179.  hernach  Pfeiffer,  he- 
noch  W. 

11791b  s.  XXXII,  XLVII  und 
LXII  f. 

1179a    alle]  Vgl.  43  b  A. 

1181.  rater]  Vgl.  1018  A. 

118.5.  S.  LXIX. 

118f).  0  verstand  lieji  als  lip 
und  änderte  darum  (vgl.  S.  XXV)  r 
*W0  schrieb  also  Mono- 
phthongen. 

grözer  Übe  schint  hi  schöne 
swan  sich  einer  gibt  zu  löne 
mir   ein   andern   J.  v.  Fr.  2003. 
Vgl.  S.  LXIX. 

1193.  S.  LXIX. 

1199.  Auch  970  fehlt  das 
Subjektpronomen  im  zweiten 
Teile  eines  zweiteiligen  Haupt- 
satzes, V.  881  in  einem  dritten 
Teile,  V.  806.  808  im  zweiten  und 
dritten.  Es  war  hier  also  O  zu 
folgen.  Ähnliche  Sparsamkeiten 
V.  1415  und  1452.  Vgl.  MüUen- 
hoS-Scherer,  Denkm.  II.  171  und 
!217,  ferner: 

Der  scn  dem  rater  sagete, 
in  der  rede  im  clagete 
Grozen  shaden  vh  smacheit,  — 
Wie  mit  geicalt  sie  die  stat 
heten  belegen,    den  vater  bat 
Vmme    rat    .   .   .    L.    Kr.    6532. 
Anders    beurteile  ich    1239:    da 
ist  die  Parenthese  1237  zwischen 
die  beiden  parallelen  Satzglieder 
geschoben. 

1208.  S.  XIX.  1224.  Vgl.902A. 
1229/30.  S.  XXX.  1229'>b.  S. 
XLVIII  und  LXII  f. 

1229  b.  habe  =  Meer,  (nicht  = 


Hafen)  vgl.  do  er  nu  stiez  abe 
und  hin  nior  üf  der  wilden  habe 
Heinrich  v.  Freiberg,  Tristan  1563. 
von  dannen  si  kaenien  üf  der 
habe  und  ivolden  wider  ze  lande 
Ulrich  V.  Eschenbach.  Wilh.  v. 
Wenden,  V.  4468.  Vgl.  DWb. 
unter  Haff. 

12.34.  S.  LXX. 

1239.  Vgl.  1199  A.  wedirsyW 
stammt  aus  V.  1241.  sich  *W0 
kann  ich  nicht  erklären. 

1242'43.  S.  XLIII.   1242.  S.  XIX. 

1269.  nw  Pfeiffer,  ng  W. 

1276  ff.  S.  XCVII. 

1276.   Für   den    Reim    von    0 
spricht    auch    Ludw.    Kr.    1640: 
Lüfe,  die  anevechten  die 
vhtagelichen  mrten  sie,  vgl.  2468. 

1280  ff.  S.  LXXXVI. 

1284.  offenbar]  Das  Adjektiv 
ist  im  Schlesischen  ohne  Umlaut, 
vgl.  offenbar  :  schar  L.  Kr.  4272, 
Rückert  S.  24,  auch  die  Anm.  zu 
395  und  671.  0  stellt  den  Reim 
her  durch  Auslassung  des  aldar. 
Dagegen  fehlten  1298a  und  aldar 
1299  schon  in  *W0,  und  0 
schafft  einen  neuen  Reimvers. 

1291.  S.  LXIX  und  XCVII. 
1298a.  Vgl.  1284  A.  und  S.  LXX. 

1308.  Nach  diesem  Reime 
schreibe  ich  geren  in  I  (vgl. 
geren :  enpe^-en,  geschrieben  gerne : 
enperne,  L.  Kr.  658),  nach  ste?-n  : 
gern  413  dagegen  in  II  gerne. 

1314  ff.  S.  LXXVIL 

1319.  wi]  Vd.  332  A. 

1320  f.  S.  XLIV. 

1321.  gelaubet  0  neben  gc- 
glewbit  W  zeigt,  daß  das  Präfix 
noch  in  Kraft  ist.  Ich  habe  also 
überall  seine  volle  Form  gesetzt, 
trotzdem  WO  (293.  481.  1261. 
1289.  1362)  synkopieren;  außer, 
wegen  des  Metrums,  in  V.  1261 
(vgl.  die  Vorbemerkungen  zum 
Texte).  Über  die  starke  Fest- 
haltung des  e  besonders  Rückert 
S.  198. 


64        Anmerkungen  und  Nachweis  der  besprochenen  Stellen. 


1338  ff.  L.  daz  mer  teil  der  naht 
tzu  gote  in  voller  and  acht 
Vor  daz  volc  sin  gebet 
mitsvzem  hertzen  er  tet  L.  Kr. 4968, 
vil  innedlchen  er  daz  hat  Br.  1843. 
Vgl.  S.  LXXXV. 

1346/47.  Die  Herstellung  nach 
355.  mich  W  ist  bezeichnend  da- 
für, dafä  der  Schreiber  das  auch 
als  Genitiv  empfindet :  vgl.  50  A. 

1351 .  Icunigin  hat  das  Epitheton 
edele  V.  185.  495.  765,  ist  ohne 
Epitheton  1145;  kuniginne  mit 
edele  753.  1120,  ohne  Epitheton 
84.  2-21  ([kusche]  kunigin  104). 
kunigin  >  kunigin  fin  im  Reime 
V.  1145,  perlin  >  ^J.  fin  608, 
Tffl.    118. 

1363—1403.  S.  XXXlVf.  und 
LXIIf.  1364.  Vgl.  548  A.  1379  f. 
S.  XL VII. 

1382.  iz  were  werc  oder  ivort 
Joh.  V.  Fr.  6152. 

1387.  Nach  degne  W  habe  ich 
die  Flexion  des  sw.  Akk.  Sing. 
Fem.  beim  Adjektiv  überall  her- 
gestellt: s.  124.  248  u.  ö.  Vgl. 
412  A  und  Rückert  S.  245. 

1388-95.  S.  XLVIf. 

1391  wüßte  ich  nicht  zu  er- 
gänzen, hunden  W  scheint  mir 
Glosse  zu  winden,  das  als  Wind- 
hunden verstanden  war:  es  ist 
derselbe  Irrtum,  der  aus  wölken 
1390  Volke  gemacht  hat  und  durch 
weiden  1389  verursacht  ist:  der 
Schreiher  dachte  an  eine  Jagd. 
Vgl.  S.  LXIV. 

1402.  Vgl.  also  :  ünvrö  B.  229; 
es  ist  demnach  ein  doppeltoniges 
also  neben  also  diso  alse  als  an- 
zusetzen :  vgl.  207. 497. 618. 1048. 

1406.  ledist  W  =  Itdest:  über 
diese  Bildung  der  2.  Sing.  Praet. 
mit  Pluralvokal  und  neuer  En- 
dung s.  Rückert  S.  257  f.  Das  d, 
den  Konsonanten  der  ersten  Ab- 
lautstufe, übernehme  ich  aus  W, 
weil  da  sonst  d  und  t  i.  a.  nicht 
vermischt  sind. 


1418  ff.  S.  LXXXV.  1425f.  S. 
LXXXV. 

1430,31.  bischofe  und  capellan 
stehen  äirö  koivoü,  sind  zugleich 
Aküusative  und  Nominative. 

1437.  S.  LXXVII.  1440  f.  S. 
LXXVII  und  LXXXV. 

1450.  (Vgl.  351)  sueze  (Adj): 
imeze  B.  73,  svze  (Adj.  oder  Adv.): 
fiize  L.  Kr.  4556.  Sg  ^ju«ife?t  do 
die  süessen  An  henden  vnd  an 
f Hessen  Marg.  579  (ZfdA.  I.  152). 

1454.  L.  Kr.  schheßt  V.  8182: 
Hie  hat  diz  buch  ein  ende, 
got  V/IS  in  daz  hymelriche  sende.' 

1456/57.  S.  XLIII. 

1456.  Nur  hier  haben  wir  eine 
oblique  Foi'm  von  Oswalt  im 
Reime.  Im  Versinnern  wechselt 
W,  z.  B.:  Oswalden  Gen.  1300, 
Dat.  1101,  Akk.  1183.  Ostvalt 
Dat.  1251,  Akk.  1421,  in  II  nur 
Osivalt:    Dat.  665,  Akk.  472. 

1458/59.  S.  XXXV  und  LXIIf. 

S.  XXVIII  am  Rande:  lies 
528/29  statt  528/29  de. 

S.  XXXI  am  Rande:  lies 
703—16  statt  703—15. 

S.  XXXII  Zeile  8  und  am  Rande : 
lies  1179ab  statt  1178ab. 

S.  LXVII.  Noch  näher  steht 
B.  249  ff.: 

Der  ritter  sprach:  'vroiuve  min, 
herze  hrehen,  sunne  scMn, 
Von  reinen  siten  edeliu  rruht  .  . 
271  ff.  Do  sprach  aber  der  ritter 
[guot  : 
vronwe  min,  des  meijen  hlnot, 
Ganzer  vröuden  eine  blik 
du  bist  der  suezen  minne  strik, 
DCt  bist  ein  sumer  tokke. 

S.  LXXXVIII.  Diese  Kombi- 
nationen erhalten  die  erfreulichste 
Gewähr  durch  die  Mitteilungen 
des  Herrn  Regierungsbaumeisters 
Grütter,  der  in  den  Jahren  1908/9 
jene  Renovierung  geleitet  hat. 
Danach  ergibt  der  bauliche  Be- 
fund, daß  die  Kirche  (der  Turm 
wird  wohl  aus  dem  16.  Jahrhundert 


Aiiineikunt'eii  und  Niuhweis  der  besprochenen  Stellen.        ii') 


>tammen,  und  178S  ist  sie  ver- 
län^'ort)  'höchstwahrscheinlich  um 
das  Jahr  ]:>U0  erbaut  isf. 

S.  Xr.UI.i  Eine  gute  Bestäti- 
i-'ung  dieser  Ansichten  gibt  mir 
jetzt  (oder  jrab  mir  schon  auf  der 
Posener  FhiloloLrenversammlunj;) 
V.  Unwerth,  'Das  Entwicklungs- 
gebiel  der  schlesischen  Muntiarf 
in  der  Testschritt  zurJahrhundorl- 
leier  der  Kgl.  Universität  zu  Bres- 
lau', hrsg.  von  Th.  Siebs,  Breslau 
1011.  Dort  heilit  es  S.  158: 'Die  an- 
geführten gemeinschlesisclien  Er- 
scheinungen lassen  sich  nicht  so 
erklären,  dafs  alle  Besiedler  des 
weit  ausgedehnten  Gebietes  zu- 
fiillig  in  allen  diesen  Punkten 
sprachlich  übereingestimmt  hät- 
ten. Es  muß  vielmehr  ange- 
nommen werden,  daß  hier  ein- 
mal ein  Ausgleichungsprozeß  vor 
sich  gegangen  ist,  bei  dem  ge- 
wisse grammatische  Grundzüge 
einer  —  sei  es  von  außen  mit- 
gebrachten, sei  es  in  einem  Teil- 
gebiet bereits  durch  Ausgleich 
entstandenen  —  Mundart  sich 
allgemein  durchgesetzt  haben. 
Damit  gestaltet  sich  aber  die 
Frage  nach  dem  Zusammenhang 
von  Dialekt  und  Besiedelungs- 
geschichte  ganz  neu.  Sie  lautet 
nicht  mehr :  aus  welchen  Gegenden 
und  zu  welcher  Zeit  sind  die  Be- 
siedler der  verschiedenen   schle- 


sischen Dialektgebiete  einge- 
wandert? sondern:  auf  welchem 
Gebiet  und  wann  hat  sich  die 
durchgängige  Annahme  der- 
jenigen Dialekteigentüinlichkeiten 
vollzogen,  die  als  gemeiiiscblesisch 
bezeichnet  werden  können?'  Ob 
ich  sie  richtig  beantwortet  habe, 
muß  erst  die  oben  angeregte 
Prüfung  ergeben.  Die  Aufgabe, 
die  voraushegende  Verschieden- 
heit zu  registrieren  und  nach 
der  Besiedlungsgeschichte  zu  be- 
fragen, bleibt  natürlich  bestehen, 
ist  nur  zeitlich  zurückgeschoben. 
Daß  die  Gemeuisamkeit  um  1250 
noch  nicht  durchgegriffen  hatte, 
macht  V.  Unwerth  S.  175  f.  an 
der  Sprache  der  1250  branden- 
burgisch gewordenen  lebusischen 
Grenzgebiete  schon  jetzt  wahr- 
scheinlich und  nimmt  (wie  ich) 
das  14.  Jahrhundert  für  die  Neu- 
gestaltung in  Anspruch.  So 
kommt  er  auf  dem  meinen  ent- 
gegengesetzten Wege  dazu,  eine 
eingehende  Untersuchung  der 
älteren  schlesischen  Schriftdenk- 
mäler zu  fordern. 

S.  XCVI.  Vgl.  jetzt:  Gusinde, 
Konrad  von  Heinrichau  und  die 
Bedeutung  der  altschlesischen 
Vokabulare  für  die  Mundarten- 
forschung und  Volkskunde,  in 
der  eben  genannten  Festschrift 
S.  374  ff. 


--Ä-- 


Bacseckc,  Wiener  Oswald. 


66 


Sachregister. 


Adverbia,  emphatische  und  ihre 

Betonung  XL. 
Alexius  Xl'il.  XVI. 
AUiteration  XLVI  f. 
Altencampen  IG.  Gl. 
Altvätersprüche  XGVII. 
Apokoinu-Stü  XLVIIf. 
Arnestus  v.  Prag  XGIV. 
Augustiner  XGIV. 

Barlaam  und  Josaphat  XGIV. 

Benediktiner  XGV. 

Berg  in  Zütphen,  Grafen  von  Gf. 

Bilwissenrezept  XV  f. 

Bolko  I  V.  Münsterberg  LXXXIX. 

XGV. 
Bolko  II V.  Münsterberg  LXXXIX  ff. 

XGVIII.  GIV.  GVL      . 
'Borte'  XG  ff.  GIV. 
Brandan  LXXXVf. 

Chorin  Gl. 

'Ghronica  Polonorum'  XCYl. 
Conrad  v.  Canth  XGIV. 
Conrad  v.  Heinrichau  XCVI. 
Crummendorf     LXXXVIII      und 
Anm.  XGV.  GVL 

Dialekt:  böhm. -mährisch  XIV f., 
glätzisch  LXXXVII  f.,  ripuarisch 
LXXXVII.  XGIX,  v!?l.  Schlesien. 

Dietrich  v.  Glatz  XCf.  GIII. 

Diphthongierung,  nhd.  LXV. 

Doberan  GL 

Dobrilugk  GL 

Düren  G. 

Engelbert  v.  Leubus  XGIV. 


Frankenstein  XGf.  XGV. 

(xlatz:  Besiedlung  GII,  Dialekt 
LXXXVII  f.,  Dietrich  v.  XGf. 
CII,  Schulen  XCIV. 

Glossierungen  LXIV. 

Grüssau  XCY. 

Hedwig,   Legende  der  hl.  XGIV. 

Heinrich   I.   von    Breslau  XGIV. 

Heinrich  v.  Breslau,  der  Minne- 
sänger LXXXIX.  GIII  f. 

Heinrichau  LXXXIX.  XGV  ff.. 
XGVII  ff.  GVI ;  Liber  fundationis 
XGV  f.,  GIV. 

Henricus  de  Keppe  XlII. 

Hulden  XGVII. 

Isidorus,  Explanatio  in  vetus  et 
novum  testamentum  XGIV. 

Johannes,  König  LXXXVf. 
Johannes  v.  Frankenstein  XGI. 
Johannes  IL  von  Heinrichau  XGV. 
Johannes  nescio  quis  XIV.  GVII. 
Johannes  v.  Predmost  XGIV. 

Kamenz  XGIV  f. 
Keuschheit  XXXIII  f. 
Kreuziger  XGI  ff. 

Leubus  XGIV  f.  XGIX.  GII. 

Literatur:  s.  Schlesien  und  Zister- 
zienser. 

Lond  GL 

'Ludwigs  Kreuzzug'  LXXXIX. 
XGI  ff.  GIV. 

Ludwig  V.  Medliz  XGI. 


Sachregister. 


67 


Margarethe,   Passion   XIII.   XVI. 
Mariendiflituni^en  LXVI  f. 
iMedizinische  Schrilten  XIII.  XVI f. 
Morolf  LXVIl  f.  LXXXV.  CHI. 

'Offenbarung  von  dem  irdischen 

Paradiese'  XCVI,  s.  auchPusch- 

mann. 
Orendel  LXVII  f.  CHI. 
Orthotiraphie,    schles.-  böhmische 

XIV  f.  XVI II. 
Oswald.      Münchener     LXVIII  f. 

LXXVlIIff.,  Pr.*znLXXVIIIff.; 

Oswaldmüiizen  C  f. 
Osterspiel  LXIX  f.  (Heimat),  XCII. 

Paradies,  Kloster  CIL 
Passion,  deutsch  XCVI. 
Patricii,     'Von    dem     Fegefeuer' 

XCVI. 
Peter  v.  Patschkau  XCI. 
Pforta  XCIX.  Clf. 
Priment  CIL 
Psalmen  des  Petrus  v.  Patschkau 

XCI  f.,   Trebnitzer  XCI.  XCIII. 
Puschmann,  Arnold  und  Henrich 

XCVII. 

Rhythmuswechsel  XLVIII. 
Ringeigenschaften,      wunderbare 
XXXIIL  LXVIII. 


Satzbetonung,    altd.    XXXVIII  ff. 

Schlesien:  Besiedlung  XCIII.  CHI, 
Dialekt  (und  ürthograi)hie) 
XIV  f.  XX.  LXlVf.  LXIX. 
LXXXVII  f.  XCIII.  XCVII, 
Heimat  der  Besiedler  nach  der 
Sprache  XCIII  und  Anm.,  Lite- 
ratur LXXXIX— XCIV.  XCVI  f. 
CHI,  Wissenschaft  XCIV  und 
Anm. 

Sibyllen-Weissagung  LXIV  f. 

Spielmannsepos,  Art  der  Über- 
lieferung CV. 

Tundalus  LXXXVI.  XCVI  f. 
Tzioner  v.  Romsberge  LXXXVIII. 

Variationssysteme  XLVI  ff. 

Veronica  XHI.  XVI. 

Vögel,  schattende  LXXXVI  f. 

Walkenried  XCIX.  CL 
Wilhelm  v.  AVeidenau  XCI. 
AVongrowitz  CL 

Zisterzienser  und  ihre  Kolonen 
XCIV  ff-.  XCIX  ff'.,  ihre  Literatur 
XCVI  ff.  CIL 

Zug,  Oswaldüberlieferung  in  C. 


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